Serpentia

Al-Rashid ist ein Tyrann

Frühling 1181

Andrew, Julius, Holly, Aladin

A
ladin schließt sich Andrew, Julius und Holly an; auch er möchte einmal wieder in den Bund. Mittlerweile ist er ja sehr häufig auf seinem Besitz in Damaskus anzutreffen, er überlegt sogar, sein Labor dorthin zu verlegen.
In der Wüste sehen sie plötzlich hinter einer Düne ein weißes Pferd auftauchen, einen Araberhengst, wie er edler nicht sein könnte. Als sie das Tier einfangen, sehen sie, daß es noch Sattel und Zaumzeug trägt. Auf den Flanken des Pferdes sind Blutspritzer, obwohl es selbst keine Wunde aufweist. Bei genauerer Untersuchung stellen sie auch fest, daß dieser Hengst wohl schier unbezahlbar sein dürfte. Also beschließen sie, seinen Spuren zu folgen, um vielleicht seinen Eigentümer zu finden.
Bald schon kommt die Gruppe mit dem aufgeregten Pferd an einen Ort, wo ein verzweifelter Kampf stattgefunden haben muß: Den Spuren nach zu urteilen, hat hier ein Einzelner gegen ein halbes Dutzend Männer gekämpft, die Leichen der Wüstenräuber ein stummes Testament für die Überlegenheit des Einen. Nach einiger Suche findet Holly den Mann, der wahrscheinlich auch der Besitzer des weißen Hengstes ist: Er hat sich nach dem Kampf schwer verletzt in den Schatten eines Felsens geschleppt. Ein Blick genügt, um zu wissen, daß der Ritter nur noch kurze Zeit unter den Lebenden weilen wird: Zu schwer und tief sind seine Verletzungen. Als der Sterbende die Neuankömmlinge sieht, versucht er verzweifelt, sie vor irgend etwas zu warnen. Aber bevor er ihnen genaueres sagen kann, schwindet ihm der Atem und er stirbt.
Da er seiner Sprache und Kleidung nach ein christlicher Kreuzritter war, wird er anständig begraben und ein paar Gebete für seine Seele gesprochen.
Nach diesem traurigen Begräbnis untersuchen Aladin, Andrew und Julius die Habe des Mannes nach Hinweisen auf den „Fluch“ und der „Gefahr“, von denen der Ritter gesprochen hatte. Dabei fällt Andrew eine Schriftrolle in die Hand, die sich bei genauerer Untersuchung als magisch erweist. Nun ist die Neugier stärker als die Vernunft: Umgeben von Aladin, Julius und Holly öffnet der Jerbiton die Rolle. Auf ihr ist nichts als ein kleiner Reim geschrieben: „Al-Rashid ist ein Tyrann; geht und tötet diesen Mann“. Zunächst kann niemand etwas mit diesen Worten anfangen, wiewohl Aladin sich erinnert, daß Al-Rashid ein junger Kaufmann ist, dessen Vater vor einiger Zeit starb. Während sie noch herumrätseln, verspürt zunächst Julius, dann auch die anderen, den starken Drang, sich wieder zurück nach Damaskus zu wenden. Dort, das können sie alle fühlen, wartet eine wichtige Aufgabe auf sie.
Nach einer magischen Untersuchung stellt Aladin entsetzt fest, daß alle vier verflucht worden sind. Offensichtlich bewirkt der kurze Text, der jedem von ihnen im Kopf herumgeht wie das Summen einer Fliege, in dem Leser oder Hörer den Drang, die darin gestellte Aufgabe zu erfüllen. Auch wenn keiner der Verfluchten irgendwie vorhat, sich dem Zwang des Fluches zu unterwerfen und diesen Al-Rashid zu töten, so ist der Druck doch stark genug, um sie zu zwingen, in die Stadt zurückzukehren. Andrew und Julius schicken Henry und die neuen Grogs mit einer dringenden Botschaft an Terminus zurück zum Bund und hoffen, daß der Vim-Spezialist schnell genug nach Damaskus gelangen kann, um den Fluch zu brechen, bevor etwas Schreckliches geschieht.
Wieder in der Stadt angekommen, beginnen die Opfer des Fluchs zunächst, sich über diesen Al-Rashid umzuhören. Dabei gehen vor allem Aladin und Andrew grundverschiedene Wege: Während der Bjornaer den Bettlern von Damaskus ungeheure Reichtümer für Informationen über den Kaufmann bietet, verkleidet sich der Jerbiton selbst als Bettler und versucht so, das nötige Wissen zusammenzutragen. Beide erfahren dasselbe: Al-Rashid ist ein großzügiger, wohltätiger Mann, ein guter Moslem mit einem großen Herzen, schlicht und einfach ein guter Mensch. Er hält nicht einmal Sklaven.
Dabei erwirbt sich Aladin immerhin die Freundschaft der Bettler und einen guten Ruf in der Stadt. Auch Andrew hat so seine Erlebnisse: Als er – pur zu Tarnungszwecken natürlich – einen fetten Händler um ein Almosen anfleht, wird er von dem Geizhals wegen seiner Vermessenheit fast verprügelt. Er beschließt, dem Fettwanst bei Gelegenheit einmal eine Lektion über die moslemische Tugend des Almosengebens zu erteilen.
Da nun aber Al-Rashid allem Anschein nach ein guter und freundlicher Mann ist, sind sich die Verfluchten sicherer denn je, daß sie dem Fluch nicht nachgeben dürfen. Das aber ist nicht so einfach: Diese Verweigerung bringt für sie alle starke Hustenanfälle und Atemnot mit sich. Zudem wäre es sehr einfach, den Kaufmann zu töten, da er sich oft auch ohne Wachen auf die Straße begibt, um Almosen zu verteilen.
Endlich kann Julius seine Neugier nicht mehr bezähmen und beschließt, trotz der Gefahr mit Al-Rashid zu reden – sei es auch nur, um ihn zu warnen. Dabei entdeckt er das Geheimnis des jungen Kaufmanns: Al-Rashid ist kein Mann, sondern eine Frau, die sich nur verkleidet hat, um das Erbe ihres Vaters bis zur Großjährigkeit ihres Bruders zu verwalten. Da Al-Rashid nun aber kein Mann ist, ist die Aufforderung, „ihn“ zu töten, hinfällig: Der Fluch ist gelöst!
Nach und nach bringt Julius nun die anderen zu Fatima, wie der Name der jungen, schönen Frau ist. Auch sie werden dadurch von dem Fluch erlöst, wenn auch Aladin bei ihrem Anblick einem ganz anderen Zauber verfällt: Von Fatimas Schönheit und Mut beeindruckt bittet er sie, seine zweite Frau zu werden. Nach einigem Nachdenken erklärt sie sich einverstanden, denn dann ist ihre Tarnung nicht mehr notwendig. Schließlich kann Aladin ja jetzt das Vermögen ihres Bruders verwalten.
Während die beiden Hochzeitsvorbereitungen treffen, hat Andrew noch etwas anderes zu tun: Der reiche Geizhals, der die Armen der Stadt so schlecht behandelt, ist fällig. Ohne große Probleme gelingt es dem einmal mehr als Bettler verkleideten Magier, den jähzornigen Fettsack in eine Gasse zu locken. Dort wirft er seine Lumpen von sich, unter denen er sein hochpoliertes Kettenhemd trägt und macht sich mit Magie noch etwas beeindruckender. Dann hält er dem Geizkragen eine wohltönende Predigt über die Pflicht, Almosen zu geben und die Armen gut zu behandeln. Völlig verängstigt stimmt der reiche Sack zu, in Zukunft reichlich Geld zu verteilen und darf dann „gnädigerweise“ gehen. Durch diesen kleinen Zwischenfall kommt die Legende auf, die Bettler von Damaskus würden von einem Engel Allahs geschützt – eine Legende, die die Bettler gerne und oft erzählen…

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Marganma

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