Serpentia

Aladins letzte Heldentat

Winter 1198

Rhys, Patrick, Ramitep, Sheila, Aaron, Hélène, Karl, Colleen, Pierre, Ludwig, Frederik, Alkmene

Aufgrund der Informationen, die Gwyn und Padraig im Lager der Tierhändler erhalten haben, wissen die Serpentianer, daß Aladin zur Wintersonnenwende seine Aegis sprechen möchte. Dafür hat er extra einige dunkle Templer als Wachtruppen angefordert – denn zu diesem Zeitpunkt ist er verwundbar. Entsprechend überlegt der Rat, ihn dann anzugreifen. Nach längerer Planung eröffnen Frederik und Ramitep, daß sie im letzten halben Jahr an einem Trank geforscht haben, der jemandem das Gedächtnis an die letzten dreizehn Jahre raubt. Der Trank ist mittlerweile fertig und steht dem Bund in drei kleinen Phiolen zur Verfügung. Wenn nun aber Aladin die letzten 13 Jahre seines Lebens vergißt, so vergißt er damit auch, daß er ein Dämonist ist und wird möglicherweise wieder zu dem Aladin von damals: Ein bißchen großspurig, sehr verschwenderisch, mit einem Hang zum dramatischen Heldentum und ein Feind der Hölle.
Nach einiger weiterer Planung wird beschlossen, sowohl zwei Vergessenstränke als auch alle Verwandlungstränke, die noch von den diversen Feenreichexpeditionen übrig sind, mitzunehmen. Ein kleines Tier hat möglicherweise bessere Chancen, in die unterirdische Stadt einzudringen und Aladin den Vergessenstrank in den Wein zu schütten. Dennoch bereitet sich der Rat auch auf einen Kampf vor: Neben den Magiern Rhys, Frederik, Ramitep und Alkmene und deren Leibgrogs Karl, Sheila, Ludwig und Aaron werden auch die erste Bogen-, die Schild- und die Lanzeneinheit mitgenommen. Außerdem kommen noch Colleen, Hélène, deren Beschützer Patrick, Pierre und Mateen hinzu.
Da die Reise durch das schlechte Wetter länger verläuft als eigentlich geplant, treffen die Serpentianer erst fünf Tage vor der Wintersonnenwende in der Nähe der unterirdischen Stadt ein. Die Magier beschließen, zunächst einmal die Umgebung zu erkunden. Dazu werden vier Gruppen ausgeschickt: Frederik, Sheila und Valeska sollen sich dem Dorf, unter dem die unterirdische Stadt liegt, von Osten nähern, während Rhys, Karl, Eitak und Rhys´ Neffe Gordan einen Bogen schlagen und von Westen kommen. Hélène, Patrick, Pierre und Saara werden sich in den Bergen im Norden umsehen, während die vierte Gruppe in Richtung Süden loszieht. Auch Hélènes Falkin Moira wird ausgeschickt, um sich aus der Luft umzuschauen.
Frederik und die anderen kommen ohne weitere Zwischenfälle bei dem Dorf an. Obwohl es scheinbar verlassen aussieht, stellen sie fest, daß sich in etlichen der verfallenen Hütten Wachposten aufhalten. In der Mitte des Dorfes steht ein kleines, befestigtes Haus, in dem ebenfalls Bewegungen zu erkennen sind.
Rhys und seine Begleiter haben es nicht so leicht: Schon während sie sich einen Weg durch das Gebirge suchen, fällt ihnen auf, daß sie von einer goldenen Löwin verfolgt werden. Das Tier kommt nie nahe an sie heran, aber sie sehen es immer wieder. Es scheint sie zu beobachten. Als sie schließlich das Dorf erreichen, erregen sie unglücklicherweise die Aufmerksamkeit einiger Wächterdämonen und können nicht verhindern, daß einer von ihnen in der zentralen Hütte Alarm schlägt. Sie fliehen, werden aber von etlichen Tierdämonen verfolgt, darunter zwei Ziegen- und fünf Schweineteufeln. Als Rhys merkt, daß er sie nicht abschütteln kann, stellt er ihnen in einer schmalen Schlucht eine Falle. Tatsächlich gelingt es ihm auch, die beiden Ziegendämonen mit einem Steinschlag zu verschütten, aber in Kampf mit den Schweinedämonen trägt der Magier ernsthafte Verletzungen davon. Glücklicherweise greift gegen Ende des Kampfes die goldene Löwín auf der Seite der Serpentianer ein, sodaß die Dämonen besiegt werden. Wer die große Katze jedoch ist und warum sie Rhys und den anderen geholfen hat, teilt sie ihnen nicht mit: Sie verschwindet wieder in den Bergen.
Hélène und ihre Begleiter treffen bei ihren Erkundungen nicht auf Dämonen. Dafür aber bemerkt die Heilerin jedoch mehrfach ein und dieselbe Maus, die ihnen zu folgen scheint. Schließlich gelingt es ihr, ein Gespräch mit dem Tierchen anzufangen. Dabei findet sie zwar nicht viel heraus, stellt aber fest, daß es sich bei der Maus wohl eher um einen verwandelten Menschen handelt als um ein echtes Tier.
Gegen Abend treffen sich alle Gruppen wieder am Lagerplatz zusammen. Die vierte Gruppe hat nichts ungewöhnliches zu berichten, aber Moira, die erst spät zurückkehrt, bringt interessante Neuigkeiten: Wie es scheint, wollen sich die Tierhändler ihres dämonischen Nachbarn ebenfalls entledigen. Die Falkin hat ihr Lager in einiger Entfernung von dem verlassenen Dorf gefunden. Sie sind mit ähnlich vielen Bewaffneten unterwegs wie die Serpentianer. Da es sicher sinnvoller wäre, zusammenzuarbeiten, beschließen Frederik und Rhys, am nächsten Tag zusammen mit Sheila, Karl, Pierre, Hélène und Patrick zu dem Lager der Tierhändler zu reisen und mit ihnen zu verhandeln.
Dort werden sie am nächsten Mittag schon erwartet. Wie sich herausstellt, gehörte sowohl die verdächtige Maus als auch die goldene Löwin zu den Tierhändlern. Die Anführer heißen die Serpentianer eher mißtrauisch willkommen – schließlich sind sie von ihnen schon oft genug belogen worden. Diesmal jedoch kann Frederik sie überzeugen, daß er die Wahrheit sagt, und so beschließen sie, zunächst zusammenzuarbeiten. Zu den Anführern der Tierhändler gehören die mütterliche Kha-en-Hathor, der mißtrauische Ranjit Sakuntala, der grimmige Milosch, der auch Anführer der Wachen ist, Persis, die den Serpentianern schon häufiger als schwarzer Panther begegnet ist, die unauffällige Evdocia, die nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Mäuse verwandeln kann, die goldene Löwin Atale und die grimmige Juliana. Außerdem haben die Tierhändler noch einige Freunde zur Unterstützung bei sich: Den steingesichtigen Kamien, Melkai al-Phairaz, einen sehr charismatischen Araber, und Deirdre NicLeoid, eine schottische Gestaltwandlerin. Daneben sind auch Freder und Georg anwesend, was zu einem unangenehmen Zwischenfall führt, als Freder in Frederik den „Dämonisten“ erkennt, den er schon seit langer Zeit jagt: Als der Magier vernünftig mit ihm reden will, zieht der Dämonenjäger sein Schwert und versucht, ihn umzubringen. Es ist etliche Überredungskunst notwendig, um ihn davon abzuhalten.
Am nächsten Tag, nachdem sich alle versammelt haben, wird ein Plan gemacht. Dieser sieht zunächst vor, daß Frederik, Rhys und einige andere als Tiere getarnt in die unterirdische Festung eindringen und versuchen, Aladins Wein durch den Vergessenstrank zu ersetzen. Mittlerweile sind in dem Dorf außer den üblichen Dämonenwachen auch noch dreizehn dunkle Templer anwesend, wie die Spione berichten können, die sehr kampfkräftig wirken. Dennoch werden sich die Tierhändler, Ramitep und Alkmene bereithalten. Sollte der erste Plan fehlschlagen, so können sie immer noch eingreifen.
Noch spät am selben Abend bricht die Gruppe auf. Dabei sind neben Rhys und Frederik natürlich Karl und Sheila, außerdem Pierre, Hélène, Patrick, Milosch und Deirdre. Zunächst werden sie von Evdocia begleitet, die Frederik und Hélène in Mäuse verwandeln muß, da nicht so viele Verwandlungstränke vorhanden sind. Kurz vor dem Dorf ist es soweit: Evdocia kommt ihrer Aufgabe nach, und mit den Verwandlungstränken werden Rhys und Pierre zu kleinen Äffchen, Karl und Patrick zu Dackeln, und Sheila zu einem Wiesel. Milosch verwandelt sich aus eigener Kraft in einen Terrier, während Deirdre zusammenschrumpft, bis sie ähnlich klein ist wie die Äffchen.
Durch einen Belüftungsschacht, den die Tierhändler bei ihren vorherigen Erkundungen entdeckt haben, dringen die Gefährten in die unterirdische Stadt vor. Nachdem sie einige Stunden herumgeirrt sind, finden sie endlich Aladins Labor- und Wohngemächer. Da Sheila und Frederik die Wache ablenken, können die anderen unbemerkt eindringen. Dort stellen sie fest, daß zwar Aladin nicht in seinem Labor ist, sich dafür aber neben zwei Katzen auch ein Pantherweibchen aufhält. Die Tiere sind allerdings nicht sonderlich aggressiv, wenn auch die Pantherin sofort Gefallen an Patrick findet und beginnt, ihn ein bißchen durch die Gegend zu scheuchen und mit ihm zu „spielen“.
Während sich die anderen versteckt halten, schleppen Pierre, Rhys und Deirdre die Phiole mit dem Vergessenstrank auf den Tisch. Dort steht eine halbleere Weinkaraffe, die aber geleert werden muß, denn der Trank darf sich nicht mit dem Wein vermischen. Im Nebenzimmer sind schon Geräusche zu hören, die davon zeugen, daß Aladin gerade aufsteht, als die drei endlich alles ausgetrunken haben. Es gelingt ihnen gerade so, noch den Trank in die Karaffe zu kippen und unter einigen Labortischen zu verschwinden, als Aladin die Tür öffnet.
Es dauert einige Zeit, aber schließlich trinkt Aladin tatsächlich seinen „Wein“. Einen Moment später ist er äußerst desorientiert und weiß nicht mehr, wo er sich befindet, was mit seinem Auge und seiner Stimme geschehen ist oder wem das große Labor gehört. Nachdem sie ihn eine Weile haben rätseln lassen, geben sich die Tiere endlich zu erkennen. Dabei stellt sich Rhys allerdings eher ungeschickt an, sodaß Aladin ihren Aussagen kein völliges Vertrauen schenkt. Dennoch gelingt es Pierre, ihn zu überzeugen, daß er von Dämonen verzaubert und behext wurde und nun – als Gefangener des Zaubers – der Herr der unterirdischen Stadt ist. Jetzt erst hätten sie ihn gefunden und von dem üblen Einfluß befreit. Auf diese Worte hin lädt Aladin zunächst alle Gefährten in seine Aegis ein. In seinem Labor findet Milosch auch etwas, was aussieht wie einer der Fluggürtel von Serpentia. Dabei handelt es sich allerdings um seinen Lehrmeister, einen äußerst kompetenten Gestaltwandler, der sich bei Aladin einschleichen wollte und durch die Aegis in dieser Gestalt gefangen war. Nachdem auch er eingeladen wurde, verwandelt er sich in einen älteren Mann namens Petru.
Wenn auch Aladin nicht alles glaubt, was ihm erzählt wird, so ist er doch entschlossen, zunächst die Dämonen zu vernichten und dann weiter zu verhandeln. Er bestellt alle seine „Untertanen“ in den großen Ritualraum, auch die schwarzen Templer. Nachdem sich dort alle versammelt haben, läßt Aladin den Raum einstürzen. Dämonen und Templer werden unter den Gesteinsmassen vergraben, aber auch außerhalb des Raums beginnt die Decke, gefährlich zu zittern. Bei der Flucht aus dem instabilen Gang, der tief unten in der Stadt liegt, werden sie getrennt: Aladin, dem die Anstrengung des Spruchs das Bewußtsein geraubt hat, wird von einigen seiner Dämonen und menschlichen Diener gerettet, die gar nicht wissen, was passiert ist. Rhys und Karl bleiben bei ihm. Frederik und Sheila, die bei dem Einsturz verletzt wurden, richten sich in der Nähe des Dorfes ein kleines Lager ein, von wo aus sie Rhys, Aladin und die Reste der Dämonen beobachten können. Hélène und Patrick gelingt die Flucht zusammen mit Milosch und Petru. Unterwegs begegnet ihnen Pierre, der zunächst zusammen mit Deirdre geflüchtet ist. Diese hat sich ihm allerdings als Dämon zu erkennen gegeben. Pierre konnte sie kaltblütig in die Flucht schlagen, aber vorher hat sie ihm noch aufgetragen, Rhys „schöne Grüße von den MacBaals“ zu übermitteln.
Nachdem Hélène, Patrick und die anderen die einstürzende Stadt verlassen haben, beschließen sie, zunächst zu den Tierhändlern, Alkmene und Ramitep zurückzukehren. Sie wissen, daß sich Rhys und Aladin bei den Überresten der Dämonen und den verbleibenden beiden dunklen Templern befinden, können aber nicht sagen, ob sie Gefangene oder Gäste sind. Daher wollen sie Verstärkung holen.
Einige Stunden später ist die Verstärkung eingetroffen. Mittlerweile sind Rhys und Aladin von ihren ahnungslosen Gegnern ohne größeres Mißtrauen aufgenommen worden. Außer einer Handvoll menschlicher Söldner haben noch zwei der dunklen Templer, die draußen als Wache zurückgelassen wurden, überlebt, zudem noch ein knappes Dutzend Templerknappen und ebensoviele Turkopolen. Die größte Gefahr geht jedoch wohl von den vier riesigen Höllenpferden aus. Immerhin kann Rhys den anderen die Lage mitteilen, sodaß Ramitep und Alkmene ihren Angriff gut planen können.
Da Aladin und Rhys innerhalb des Lagers die Bögen der Turkopolen vernichten und drei der Höllenpferde erschlagen, ist der Angriff erfolgreich, es gibt nur eine Tote – Dianora, die Sergeantin der Lanzeneinheit, die mit ihren schwarzen Haaren und ihrer bleichen Haut Maeve so sehr geähnelt hat. Nach der kurzen Schlacht tauchen bei ihrem Leichnam plötzlich mehrere Raben auf. Als sie nach kurzer Wache wieder davonfliegen, begleitet Moira sie, ohne Hélène mitzuteilen, wann sie zurückkommt.
Während der Schlacht ist aufgefallen, daß Aladin scheinbar unverwundbar ist. Als er selbst diesen Umstand Rhys vorträgt, erklärt dieser ihm schonungslos, was in den letzten dreizehn Jahren vorgefallen ist: Daß Aladin zum Dämonisten geworden ist, daß er seine eigenen Töchter geschändet hat und daß die Serpentianer nun hier sind, um den gegen ihn ausgesprochenen Iter Magorum zu vollstrecken. Aladin ist von diesen Anschuldigungen schwer erschüttern und will Rhys zunächst keinen Glauben schenken. Aber offenbar weiß er tief in seinem Inneren doch, daß der andere Magier die Wahrheit sagt. So bittet er um einige Minuten Zeit, bevor er Rhys erlauben wird, das Todesurteil zu vollstrecken.
Aber in diesen Minuten wirkt er einen letzten, großen Zauber. Aladin hat schon immer die Fähigkeit besessen, seine Sprüche mit seiner Lebensenergie zu verstärken. In seinen letzten Zauber steckt er alles, was ihm an Leben verblieben ist, und reinigt die gesamte Gegend von jeglichem infernalen Einfluß. Als er den Spruch vollendet hat, sinkt er leblos zu Boden. Aladin aus dem Haus Bjornaer ist tot.
Erst am nächsten Tag durchsuchen Rhys und einige andere die teilweise eingestürzte unterirdische Stadt noch einmal. Dabei finden sie glücklicherweise die Unterlagen, die sie aus Aladins Labor entwendet haben, wieder und nehmen sie an sich. Da sie kein weiteres Interesse an der Gegend haben, verabschieden sie sich von den Tierhändlern und brechen unverzüglich Richtung Heimat auf. Nur Hélène möchte noch einige Zeit am Salzsee verbringen und zieht mit den Tierhändler davon.
Etliche Wochen später treffen Rhys, Frederik und die anderen wieder in Serpentia ein. Sie haben in Aladins Aufzeichnungen unterwegs einige interessante Entdeckungen gemacht: So war es wohl der Plan des wahnsinnigen Bjornaers, in die Hölle selbst einzudringen, um dort Charnas für den Tod seiner Frau zur Rechenschaft zu ziehen. Um diesen Plan durchzuführen, wollte er sich an eine Person namens „Khay Efer“ wenden, der in der Lage sein soll, jemanden in die Hölle und wieder hinaus zu führen. Angeblich handelt es sich bei diesem Khay Efer an einen gefallenen Engel, der wieder zurück in den Himmel will.
Außerdem finden sie Hinweise auf ein dämonistisches Ritual, mit dem man die Identität einschließlich aller Erinnerungen und Kräfte einer Person übernehmen kann. Eine Nebenwirkung dieses Rituals sind Geister ohne jegliche Erinnerung.
Zu guter Letzt finden sie auch den Hinweis, daß sie Abbas Ibn Usama im Anti-Libanon aufhalten soll, gar nicht so weit von Serpentia entfernt. Seine Festung soll irgendwo am Jebel Sharbin liegen. In der Ratssitzung, die der Rückkehr der vier Magier folgt, wird beschlossen, einige Kundschafter zu diesem Berg zu schicken, um herauszufinden, ob sich Abbas immer noch dort aufhält.

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Marganma

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