Serpentia

Angelicas Ratten

Sommer 1183

Andrew, Julius, Lionel, Kerim, Mark, Myra, Henry

Nachdem Andrew sich von seinen Verletzungen erholt hat, kommt Aladin in den Bund. Er ist auf der Suche nach kompetentem Geleitschutz für einen Edelsteintransport, der bald nach Tripolis abgehen soll. Da der Jerbiton gerade nichts besseres zu tun hat, beschließt er, selber mit ein paar Grogs zu gehen.
Als die kleine Gruppe unter der Führung des Karawanenführers Kerim Damaskus verläßt, beobachtet Mark, der Flötenspieler, wie eine Brieftaube gen Norden fliegt, kaum daß sie durch das Stadttor getreten sind. Da Kerim und Andrew einen Überfall immerhin für möglich halten, reisen sie zunächst gen Süden weg, nur um wenige Stunden später direkt durch die Wüste nach Norden in Richtung Krak de Chevaliers umzukehren.
Kurz bevor die Reisegruppe die Tore von Tripolis durchquert, sehen sie schon eine recht große Rauchwolke über der Stadt hängen. Von der Torwache erfahren sie, daß gerade eine merkwürdige Krankheit in den Straßen umgeht, die aber bisher nur Bettler und ähnliches Gesindel getroffen hat. Der Rauch stammt von dem Feuer, mit dem die Leichen der Verstorbenen verbrannt werden. Als sie schließlich in die Stadt selbst kommen, fällt ihnen die angespannte Atmosphäre auf: Zwar ist noch kein anständiger Bürger von der tödlichen Krankheit befallen worden, aber die Angst davor ist dennoch spürbar.
Auf dem Weg zu Aladins italienischem Handelspartner gerät ein offensichtlich verwirrtes Mädchen fast unter die Hufe von Andrews Pferd, da sie einfach vor das Tier rennt und dann stehenbleibt. Sie reagiert nicht auf die Anfragen der Reisegefährten. Schließlich kommt ein Junge von vielleicht zehn oder elf Jahren, entschuldigt sich für seine ältere Schwester und zieht das Mädchen schnell weiter. Bei sich trägt der Knabe einen Käfig, in dem eine tollwütig aussehende Ratte gegen die Stäbe antobt.
Neugierig geworden, folgt Julius den Geschwistern. Dabei erfährt er, daß die beiden Waisen sind und Thomas und Marian heißen. Kurz nachdem die beiden außer Sichtweite der Hauptstraße sind, tut der Junge etwas sehr Seltsames: Er öffnet den Käfig und läßt die tobende Ratte frei, die sich sofort unter einen Müllhaufen verzieht. Danach gehen die Geschwister in eine ärmliche Hütte, die wohl ihr Zuhause ist. Julius verläßt die beiden und versucht, wieder zu den anderen zu stoßen.
Bevor er sie wiederfindet, stößt er in einer Gasse noch auf eine Leiche, auf die er seine Gefährten sofort aufmerksam macht. Als Andrew geht, um zu untersuchen, ob man vielleicht noch etwas tun kann, entdeckt er bei dem Toten eine sehr große Ratte, deren Augen rötlich glühen. Von der Größe her könnte dies fast dieselbe Ratte sein, die Thomas vor ein paar Minuten ausgesetzt hat. Das Gesicht des toten Mannes, offenbar ein Bettler und ein Opfer der Krankheit, ist zu einer schmerzerfüllten Grimasse gefroren. Seltsamerweise findet sich in seinem Körper kein Tropfen Blut, obwohl der Tod nicht durch Magie verursacht wurde. Am Hals des Toten findet der Magier schließlich zwei kleine Einstichlöcher, die Henry dazu verleiten, einige Mutmaßungen über Vampire anzustellen. Da sie für den Mann nichts mehr tun können und Andrew Verwicklungen mit den Autoritäten wegen seines zweifelhaften Rufs lieber aus dem Weg gehen möchte, lassen sie die Leiche liegen, wo die Stadtwache sie bald finden wird.
Schließlich treffen sie bei Giovanni Caravella, Aladins Handelspartner, ein. Als ein Bediensteter sie in die Vorhalle bringt, sehen sie dort, wie ein Mönch gerade in ernsthaftem Ton mit dem besorgten Hausherrn und seiner in Tränen aufgelösten Frau redet. Nach einem kurzen Gespräch geht Leombardis – so der Name des Mönches – dann, und der Juwelenhändler wendet sich seinen Gästen zu.
Das Geschäftliche ist bald zur allgemeinen Zufriedenheit geregelt, obwohl Caravella recht abwesend wirkt. Auf die Frage hin, was ihn denn bedrücke, antwortet er, daß sein Sohn Francesco schwer erkrankt ist. Offenbar ist er von derselben Seuche wie die Bettler heimgesucht worden. Der Heilermönch Leombardis konnte dem Händler auch keine große Hoffnung mehr machen. Andrew, der sich den jungen Mann einmal anschauen möchte, behauptet, auch etwas von der Heilkunst zu verstehen und darf das Krankenzimmer gern aufsuchen. Der Sohn des Händlers liegt im Bett und scheint unter großen Schmerzen zu leiden. An seinem Körper finden sich dieselben Rattenbisse wie an dem des Bettlers, aber die größeren Einstichlöcher fehlen. Als Andrew Francesco magisch untersucht, stellt er fest, daß die äußerst schmerzhaften Krämpfe, die die Krankheit mit sich bringt, sich immer weiter steigern und schließlich zum Tode führen. Zwar kann der Magier den jungen Mann nicht heilen, aber er kann dessen Schmerzen doch etwas lindern.
Um mehr über die eigenartige Krankheit herauszufinden, möchte Andrew noch einmal mit den Geschwistern Thomas und Marian sprechen. Da sie allerdings in der kleinen Hütte, in der Julius sie gesehen hat, nicht anzutreffen sind, macht sich Kerim auf, um die beiden zu finden. Dazu besticht er einige andere Gassenkinder.
Währenddessen erjagt der Rest eine der großen, rotäugigen Ratten und bringt sie dem Mönch Leombardis, damit der sie untersucht und vielleicht ein Heilmittel entwickeln kann. Die Fragen des Mönches werden von dem Magier und seinen Gefährten nur äußerst ausweichend beantwortet.
Da die Gassenkinder die beiden Geschwister auch nicht finden können, wird die Hütte noch einmal durchsucht. Dabei findet Henry tatsächlich eine Haarsträhne des Mädchens, sodaß Andrew diese arkane Verbindung nutzen kann, um Marian aufzuspüren. In einer schmalen Gasse können die Grogs die beiden Kinder dann auch stellen und es kommt zu einem kurzen Kampf mit Thomas, der sofort versucht, die Flucht zu ergreifen, aber von Henry festgehalten wird. Als Marian ihren Bruder in Gefahr sieht, beginnt sie zu singen. Dieser merkwürdige Gesang löst einen Lichtblitz aus, der fast alle der Gefährten blendet und sogar Andrews Parma Magica glatt durchschlägt.
Dennoch hält Henry den Jungen fest, und Myra, die am wenigsten von dem grellen Schein betroffen ist, kann Marian zum Schweigen bringen. Als die beiden Kinder sich dann in ihre Gefangenschaft fügen, beginnt Andrew, Thomas über die Ratte und die Krankheit zu befragen. Der Junge zeigt sich allerdings sehr verstockt und will um keinen Preis sagen, wo er den Käfig mit dem Tier her hat. Schließlich greift Andrew zu magischen Mitteln und erfährt, daß eine Frau namens Angelica die Kinder angestellt hat, die Ratten in der Stadt freizulassen. Dafür hat sie ihnen Nahrung und Kleidung überlassen. Auch den Ort, an dem die Frau lebt, erfährt der Magier auf diese Methode.
Vergeblich versuchen die Erwachsenen, den beiden Kindern klarzumachen, daß sie von ihrer Gönnerin für finstere Zwecke mißbraucht worden sind. Stur weigert sich Thomas, irgend etwas Schlechtes von seiner Wohltäterin zu glauben. Schließlich werden die Geschwister wieder laufen gelassen, nachdem der Junge sein Wort gegeben hat, Angelica nicht zu warnen.
Nachdem sie die Nacht bei den Caravellas verbracht haben und Andrew noch einmal die Schmerzen des jungen Francesco gelindert hat – sehr zur Verblüffung des guten Leombardis – brechen alle am nächsten Morgen zum Haus der Angelica auf. Dort angekommen, öffnet Andrew die Seitentür des Gebäudes mit Magie. Die Hausherrin scheint nicht da zu sein, sodaß die Einbrecher diese Gelegenheit ausnutzen, sich in ihrem Haus gründlich umzusehen. Dabei finden sie im Keller eine Art Laboratorium, an dessen einer Wand eine große Anzahl Käfige stehen. Darin sind Dutzende der großen Ratten zu finden, deren Augen allerdings noch eine normale Farbe haben. Auf einem Tisch in der Mitte des Labors liegt eine reglose Gestalt: Ein toter Bettler, dem das Blut offenbar gerade von einer bedrohlich aussehenden Apparatur aus dem Körper gezogen wird. Diese Apparatur ist am Hals der Leiche befestigt und für die seltsamen Einstichmale verantwortlich.
Während sich die Eindringlinge noch im Keller umsehen, kehrt die Hausherrin zurück. Leicht können die Grogs die recht zarte Frau gefangennehmen. Nach dem Grund für die Seuche, die sie ausgelöst hat, gefragt, erklärt Angelica, daß dies ihre Rache an Tripolis sei. Vor Jahren haben die Stadtältesten die Mutter der Verbrecherin als Hexe verbrannt, wohl nicht ganz ungerechtfertigt, wenn man die Taten der Tochter bedenkt.
Angelica wird zunächst in ihrem eigenen Haus gefangengehalten, bis Andrew und Julius entschieden haben, was mit ihr zu tun sei. Die lebenden Ratten werden genau wie die Rezepte der rachsüchtigen Frau dem Heiler Leombardis übergeben. Dieser ist froh über die Möglichkeit, etwas gegen die heimtückische Krankheit tun zu können, sodaß er die äußerst vagen Angaben über den Fundort dieser Dinge einfach akzeptiert.
Das Problem der noch freien Ratten bleibt allerdings bestehen. Da Andrew kein Spezialist für Tiermagie ist, schickt er Mark mit einem Schiff zu dem nahen Bund Tempestaria, um dort um Hilfe oder zumindest entsprechendes Vis zu bitten. Nach drei Tagen, in denen der junge Caravella lange genug am Leben erhalten werden kann, daß Leombardis die Zeit hat, ein Heilmittel zu finden, kehrt Mark in Begleitung des Tytalus Mare Dulcis zurück. Der Magus hat genug Vis dabei, um die Ratten zu bannen. Da dies allerdings für ihn keine Herausforderung darstellen würde, überläßt er diese Aufgabe gerne Andrew.
Mit der Unterstützung der magischen Substanz, die er von Mare Dulcis zu einem äußerst günstigen Kurs tauschen konnte, wirkt der Jerbiton einen Spruch, der alle Ratten aus Angelicas Zucht zu ihm lockt. Dann betritt er ein Boot und läßt sich ein Stück aufs Meer hinausrudern. Die verzauberten Nagetiere folgen ihm weiterhin und ertrinken kläglich.
Nun muß nur noch eine Entscheidung über Angelicas weiteres Schicksal getroffen werden. Sie an die Autoritäten auszuliefern, würde unter Umständen eine Hexenjagd heraufbeschwören, was nichts ist, was irgendein Magier wollen kann. Also fällt diese Möglichkeit aus. Da die Hexe nicht reuig ist, wäre auch jede Art von Gnade fehl am Platz. Schließlich nimmt Andrew die Entscheidung auf sich und richtet die Frau mit dem Schwert. Ihre Leiche wird im Keller vergraben.
Nach vier Tagen intensiver Arbeit gelingt es Leombardis, ein Heilmittel zu finden, sodaß Francesco Caravella gerettet werden kann.
Die zwei Waisen Thomas und Marian finden im Bund eine neue Heimat: Das Ehepaar Henry und Myra nimmt die beiden an Kindes Statt auf, sodaß sie Tripolis mit der kleinen Karawane verlassen.

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Marganma

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