Serpentia

Angelicas Töchter

Frühling 1184

Andrew, Julius, Alen, Lionel, Robert, Nicodemus, Aladin

In der Nacht, bevor die Ungarnreisenden Slamohrad endgültig verlassen wollen, hat Andrew einen eigenartigen Traum. Darin erscheint in seinem Zimmer eine schöne junge Frau, die ihn eindringlich warnt, nicht nach Tripolis zurückzukehren. Bei sich trägt sie einen merkwürdigen Dolch, der nicht nur eine, sondern zwei Spitzen hat. Als sie diesen dem Magier gibt, stellt der fest, daß die Spitzen hohl sind und von ihnen aus zwei schmale Kanäle ins Heft der Waffe führen. Die dort liegende Kammer ist mit einer rotbraunen Substanz verkrustet, bei der es sich wahrscheinlich um Blut handelt. Als Andrew wieder von seiner Betrachtung des Dolchs aufschaut, ist seine Besucherin nicht mehr da.
Nach diesem Traum drängt der Magier darauf, auf dem Rückweg einen kleinen Umweg über Tripolis zu machen. Schließlich will er wissen, warum er die Stadt nie wieder betreten soll. Die anderen stimmen zu, wenn auch Aladin während der Schiffsreise von Constantinopel aus so schwer seekrank wird, daß sie ihn in Tripolis erst einmal ein paar Tage ruhen lassen müssen.
Das erste, was sie finden, als sie in der Stadt ankommen, ist eine Leiche. Nicodemus entdeckt den Toten in einer Nebenstraße. Der Mann wirkt völlig ausgetrocknet, als hätte ihm etwas das gesamte Blut aus dem Leib gesaugt. Am Hals finden sich schließlich zwei kleine, parallel laufende Schnitte, wie sie von einem Dolch mit zwei Spitzen herrühren könnten.
Da die Wachpatrouillen, die die Gefährten bisher gesehen haben, ausschließlich aus Templern bestanden, lassen sie die Leiche zunächst einmal liegen. Als sie sich bei Giovanni Caravella nach besonderen Ereignissen in der Stadt erkundigen, erfahren sie, daß es hier wohl eine ganze Mordserie gegeben hat. Bei jedem dieser Morde wies das Opfer die zwei merkwürdigen Schnitte auf. Jedoch sind nicht alle der so Verwundeten gestorben: In der Wachstube der Stadtgarde sammeln sich in den Zellen die an, die durch die so harmlos scheinende Verletzung zwar nicht ihr Leben, wohl aber ihren Verstand verloren haben. Da hier eindeutig irgendwelche Hexerei in Spiel ist, haben es die Templer übernommen, auf Wachpatrouille zu gehen – sehr zur Begeisterung der Stadtgarde natürlich.
An demselben Abend noch gehen einige der Gefährten auf die Suche nach mehr Informationen. Alen, Nicodemus, Julius und Lionel begleiten Andrew, während Robert bei Aladin bleibt. In einer Schenke spricht Andrew eine der völlig übermüdeten Stadtwachen an: Einen Mann namens Orson, mit dem er sich um so besser versteht, da dieser ebenfalls aus England kommt. Nachdem die beiden sich eine Weile über die Schönheit des englischen Nebels ausgelassen haben, erfährt Andrew schließlich, daß die Stadtgarde wegen der geheimnisvollen Morde schon Doppelschichten schiebt und dringend neue Leute braucht. Die Hilfe der Templer will die Garde nicht: Offenbar haben die sich bei den Wachen durch ihre Überheblichkeit schon ziemlich unbeliebt gemacht, sodaß diese die Ordensritter eher als eine Art unliebsamer Konkurrenz empfinden.
In dieser Nacht wacht Andrew in seinem Zimmer plötzlich auf: Die junge Frau aus seinem Traum ist ihn tatsächlich besuchen gekommen. Wieder warnt sie ihn, die Stadt sofort zu verlassen, denn sonst werde „sie“ ihn töten. Auf Fragen nach dieser mysteriösen Bedrohung antwortet sie nicht. Schließlich steigt sie mit einer nochmaligen Warnung aus dem Fenster und verschwindet. Selbst als Andrew versucht, ihr hinterher zu schauen, kann er sie auf der Straße nirgends entdecken. Immerhin hat er gesehen, daß sie tatsächlich einen doppelspitzigen Dolch bei sich trägt.
Um etwas mehr Bewegungsfreiheit in der Stadt zu haben und sich auch offiziell um die Morde kümmern zu können, beschließen Andrew, Alen und Lionel, sich am nächsten Morgen bei der Stadtgarde als Hilfsgardisten zu bewerben. Dabei stellen sie fest, daß Orson, die Kneipenbekanntschaft von gestern abend, der Hauptmann der Wache ist. Dieser nimmt die drei Männer gerne auf und teilt sie ein, in der Nacht im italienischen Viertel die Runde zu drehen. Den Rest des Morgens nutzen die frischgebackenen Gardisten aus, um sich dort noch ein wenig umzusehen. Am Nachmittag legen sie sich schlafen, um dann am Abend wieder wach zu sein.
Während sie also in ihren neuen Uniformen auf Wache gehen, taucht Andrews junge Freundin wieder auf und versucht erneut, dem Magier klarzumachen, daß er in Gefahr ist. Da sie allerdings nicht klar sagen will, wodurch, bleibt dieser natürlich stur. Verzweifelt geht die junge, recht blaßhäutige Frau wieder.
Auf ihrem Rundgang läuft den drei Männern schon bald eine recht vertraute Gestalt in die Arme: Der völlig betrunkene Tonio Micelli, der vor einigen Monaten seine Angebetete Bianca verloren hatte. Als sie ihn erst einmal nach Hause bringen, macht Alen einen entsetzlichen Fund: Die Haushälterin des jungen Italieners liegt leblos in der Küche, auf die selbe Art ermordet wie auch die anderen Toten in der Stadt. Zu seinem eigenen Schutz bringen die drei Tonio erst einmal auf die Wache, wo der Betrunkene in eine Ausnüchterungszelle gesperrt wird.
In derselben Nacht finden Alen, Andrew und Nicodemus auch noch ein Opfer, das nicht gestorben, sondern wahnsinnig geworden ist. Bei einer magischen Befragung bekommt Andrew heraus, daß seine seltsame Freundin diejenige war, die den Mann mit einem Dolch angegriffen und so seinen Verstand zerstört hat. Auch den nunmehr Wahnsinnigen bringen die drei Gefährten auf der Wache vorbei.
Nach der doch recht anstrengenden Patrouille legen sich die drei Gardisten zunächst einmal schlafen, da sie in der nächsten Nacht wieder im selben Viertel Wachdienst haben.
Kaum sind sie losgegangen, als die junge Blasse wieder auftaucht. Diesmal ist Andrew entschlossen, sie nicht mehr wegzulassen, bis er nicht ein paar Antworten hat. Schließlich erzählt Sophie, so der Name des Mädchens, daß sie und ihre drei Schwestern Vampire wären und Blut trinken müßten, um zu überleben. Die Toten gehen auf ihre Schwestern zurück, sie selbst bemüht sich, niemanden umzubringen. Dennoch verfallen ihre Opfer dem Wahnsinn. Die vier Vampirinnen leben bei ihrer Großmutter, die sie vor dem Tageslicht versteckt. Diese alte Frau hat es wohl auf Andrew abgesehen, da er angeblich den Fluch verhängt hat, der ihre Enkelinnen zu blutdürstigen Monstern gemacht hätte. Obwohl Sophie ihr diese Geschichte glaubt, hat sie sich in das Bild des Magiers, das die Alte den Schwestern gezeigt hat, verliebt und versucht nun, ihn zu retten.
Andrew kann sich schon denken, auf wen dieses Lügenmärchen zurückgeht: Offenbar ist Angelica immer noch nicht vollständig vernichtet. Als er Sophie untersucht, stellt er fest, daß sie durch eine Art Krankheit tatsächlich kein Sonnenlicht verträgt, aber keine Vampirin ist und somit auch kein Blut trinken muß. Es gelingt ihm, das widerstrebende Mädchen davon zu überzeugen, woraufhin sie ihm ihren Dolch übergibt und sich dann von den Gefährten trennt.
Während des Gesprächs kommt es noch zu einem unangenehmen Treffen mit einer Templerpatrouille: Da Sophie eigentlich nachts nichts auf den Straßen verloren hat, gibt sie vor, betrunken zu sein und von der Wache gerade nach Hause gebracht zu werden. Einer der spöttischen Templer meint nun zu den drei Gefährten, daß wäre wohl alles, wofür die Stadtgarde gut wäre: Sich um Betrunkene zu kümmern…
Auf diese Bemerkung hin beschließt Andrew, dies tatsächlich zu tun und spricht am nächsten Morgen mit Tonio. Dabei stellt er fest, daß der junge Mann allen Lebenswillen verloren hat. Nach einigen Debatten gelingt es dem Magier immerhin, den Italiener aus seiner Lethargie zu wecken, wenn auch zunächst nur mit dem Ergebnis, daß der sich nicht helfen lassen will.
In der nächsten Nacht beschäftigen sich die drei mehr damit, Tonio zu überwachen, damit der nicht zum Trinker wird. Dabei fällt kaum auf, daß Sophie nicht erscheint, um ihre üblichen Warnungen abzugeben. Immerhin erfahren die drei auf ihrer Tour durch Tonios Lieblingskneipen, daß in Angelicas Haus jetzt offenbar eine alte Frau lebt.
Nachdem sie Tonio vor ein paar falschen Freunden, die ihn nur um sein Geld bringen wollten, gerettet haben, begeben sie sich gegen Morgen schließlich zu dem Haus, in dem die Hexe früher gelebt hat. Dort dringen sie auf die probate Methode – ein Loch in der Wand – ein und hören bald schon Stimmen aus dem Keller dringen.
Dort unten hat die angebliche Großmutter offensichtlich Sophies Verrat entdeckt und will sie jetzt bestrafen. Dafür hat sie das Mädchen so an einen Tisch gefesselt, daß die ersten Sonnenstrahlen die Hilflose treffen und versengen müssen. Bei der Alten stehen drei weitere junge Frauen, wahrscheinlich Sophies Schwestern.
Natürlich wollen die drei Männer diese Bestrafung nicht zulassen und betreten den Keller. Dort werden sie zunächst von den drei Schwestern mit den blutstehlenden Dolchen bedroht, als aber Andrew die Alte mit dem Namen Angelica anspricht und auffordert, doch direkt mit ihm zu kämpfen, anstatt sich an unschuldigen Frauen zu vergreifen, läßt sie ihn durchkommen. Zwischen den beiden entbrennt ein heftiger Kampf, Schwert gegen Klaue. Die Gegner scheinen ebenbürtig, was die Kampfkraft betrifft, aber selbst Andrews härteste Schläge werfen die Dämonendienerin nur zurück, wirklich verwunden kann er sie nicht.
Als Alen und Lionel das sehen, beginnen sie nun doch, die drei Schwestern anzugreifen. Da die Frauen nicht allzu kampferfahren sind, gelingt es den Grogs relativ leicht, sie zu besiegen. Während Lionel die von den Strahlen der ersten Sonne schon verletzte Sophie befreit, nimmt sich Alen einen der Dolche, die die Schwestern bei sich trugen, und stößt ihn Angelica in den Rücken. Die Alte bricht zusammen, und der weiße Edelstein in Griff der Waffe verfärbt sich blutrot. Mit der geretteten Sophie verlassen die Gefährten das Haus, und während Julius das verwundete Mädchen zu ihrer Herberge bringt, gehen die anderen auf die Wache. Dort machen sie Meldung, daß sie eine bösartige Hexe und ihre Töchter mit den Dolchen erwischt und erschlagen hätten.
Nachdem Orson sich Angelicas Hexenküche angeschaut hat, ist er hochzufrieden und eilt zu dem Herrn der Stadt, um die Lösung des Rätsels zu präsentieren. Die erfolglosen Templer sind über ihre Niederlage weniger erfreut, zumal einige der mit der Untersuchung Betrauten jetzt Strafdienst in den Ställen schieben müssen.
Während der nächsten paar Tage hört Tonio auf, zu trinken und beginnt, sich wieder für seine Umgebung zu interessieren, vor allem für eine bestimmte Schankmaid. Außerdem fängt er an, wieder zu malen, etwas, wofür er wirklich Talent hat.
Nachdem sich Sophie etwas von ihren Wunden erholt hat, wird sie endgültig überzeugt, daß sie kein Blut trinken muß. Wegen ihrer Sonnenempfindlichkeit wird sie mit in den Bund genommen, wo Andrew hofft, daß einer der anderen Magier vielleicht ein Heilmittel dagegen weiß.
Endlich wieder in Serpentia angekommen, bringen die Gefährten als erstes die mitgenommenen Dolche zu Terminus. Dieser spricht einen Zauber, der Dämonen bannt, auf den rot verfärbten Edelstein, der daraufhin zunächst rosa und nach dem zweiten Spruch endlich weiß wird. Als Nakatia dann die Steine der vier Dolche untersucht, stellt sie fest, daß sich in ihnen die Geister der Menschen befinden, deren Blut mit den Waffen genommen wurde. Um die unglücklichen Seelen zu befreien, wird Vater Petrus gerufen, der die Steine segnen soll. Damit kann er dann auch die Gefangenen in drei Dolchen erlösen, die Seelen in dem letzten Stein jedoch fahren nicht gen Himmel auf, sondern schwirren suchend umher. Dies sind Fragmente der Geister von denjenigen, die nicht getötet wurden. Wenn man diese Fragmente zu ihnen zurückbringt, sollten sie eigentlich von ihrem Wahnsinn geheilt werden. Julius erklärt sich bereit, nach Tripolis zurückzukehren und die Geister zu denjenigen zu bringen, zu denen sie gehören.
Dies gelingt ihm dann auch: Die Verrückten finden ihren Verstand wieder und können nach Hause entlassen werden. Auf dem Rückweg macht Julius noch einen kleinen Umweg über Vezay, da dort immer noch ein Kind von ihm sein muß. Bei der Hütte der Hebammen wird er schließlich fündig: Das kleine Mädchen, das dort bei seiner Mutter, seiner Großmutter und seiner Tante lebt, hat genau dasselbe Lächeln und denselben Sinn für Humor wie er. Juliana, so der Name seiner Tochter, kann ihn sogar sehen. Die Mutter des Kindes ist von Julius´ Anwesenheit weniger erfreut, zumal er dem Mädchen nichts als Unsinn beibringt. Dennoch erlaubt sie ihm widerwillig, seine Tochter hin und wieder zu besuchen.

*
Im Bund findet Andrew heraus, daß die vier verbliebenen Steine sehr viel Vis enthalten. Mit ihnen kann er endlich seine Strafe abzahlen, die er bei dem letzten Tribunal erhalten hat.
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Dante verläßt Serpentia und zieht ohne Angabe von Gründen nach Sardonyx, um diesem Bund beizutreten.

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Marganma

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