Serpentia

Bärchen in Nöten

Frühling 1182

Henry, Robert, Alen

In diesem Frühling schickt Benedikt Henry, Robert und seinen Leibgrog Alen nach Damaskus, wo sie ein Glasgefäß für sein Labor abholen sollen. Als die drei Kämpfer aber zu dem Händler kommen, empfängt dieser sie händeringend: Wegen der politischen Lage wäre die Ladung in Tripolis verspätet abgegangen und sei noch nicht da. Das wiederum stört die Grogs nicht sonderlich: Während der Wartezeit können sie immerhin frei in der großen Stadt umherstreifen, wobei Robert dem Waldbewohner Alen einige neue Dinge zeigt. So macht der junge Ungar hier das erstemal Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht.
Ab und zu schauen die drei natürlich auch bei dem Kaufmann vorbei, um herauszufinden, ob die Ware inzwischen angekommen ist. Dabei machen sie auch die Bekanntschaft von dessen junger Tochter und ihrem seltsamen Haustier: Einem kleinen Bärchen mit weißem Fell, dessen Arme, Beine und Ohren schwarz gefärbt sind. Auch um seine Augen hat es zwei lustige schwarze Ringe. Es ist recht zahm und sehr neugierig und befreundet sich schnell mit den drei Gästen. Die Tochter erzählt ihnen auch gerne, daß ihr Vater das Tierchen von einer seiner Reisen mitgebracht hat und daß es eigentlich nur rote Rüben ißt.
Eines Tages jedoch finden sie das junge Mädchen in Tränen aufgelöst: Ihr Bärchen ist verschwunden. Da es so zahm ist, ist es unwahrscheinlich, daß es einfach weggelaufen sein kann. Der Kaufmann ist überzeugt, daß es gestohlen worden sein muß. Um das weinende Mädchen zu trösten, versprechen Robert und Alen, ihr das Bärchen zurückzubringen.
Zunächst beginnen sie ihre Suche, indem sie sich bei den Knechten des Kaufmanns umhören. Dabei erfahren sie, daß einer der Helfer, ein gewisser Josua, seit dem Tag des Diebstahls nicht mehr aufgetaucht ist. Sie beschließen, ihm einen Besuch abzustatten.
Am selben Tag noch begeben sie sich in das Viertel, in dem Josua lebt. Nach einigen Verwirrnissen über die richtige Hütte – bei denen sie in ein paar falsche laufen – finden sie die Behausung des Knechts. Als sie allerdings höflich anklopfen, versucht der Mann sofort, hinten aus der Hütte zu flüchten. Allerdings ziemlich erfolglos: Er wird schnell eingefangen und gesteht, daß er das Bärchen geraubt und für viel Geld an eine Sippe fahrenden Volks verkauft hat. Nachdem sie dem unehrlichen Knecht seinen Gewinn abgenommen haben, lassen sie den Mann wieder laufen, mit der Warnung, ihnen nicht mehr unter die Augen zu kommen.
Auf der Suche nach der Sippe erfahren sie, daß diese die Stadt schon verlassen hat. Bei ihren Wagen befand sich tatsächlich auch ein verhangenes Gefährt, aus dem seltsame Laute kamen: Das Jaulen des Bärchens! Auf von dem Kaufmann geliehenen Pferden machen sich die Grogs an die Verfolgung und holen die Fahrenden nach kurzer Zeit schon ein. Diese scheinen aber das Tierchen nicht mehr dabei zu haben.
Nach einigen Verhandlungen, bei denen Robert mit seiner Wortgewandtheit glänzen kann, erfahren sie, daß – wenn die Sippe je ein solches Bärchen gehabt hätte – es ihnen schon vor einiger Zeit weggelaufen wäre. Natürlich haben die Fahrenden nie ein solches Tier gesehen und hatten auch bestimmt nicht vor, es an den Zoobesitzer Tajar zu verkaufen. Schließlich bekommt Robert sogar heraus, daß das – völlig hypothetische – Bärchen an einem bestimmten, auffälligen Felsen weggelaufen wäre – wenn es sich bei den Zigeunern befunden hätte.
Nachdem sie sich von der Sippe verabschiedet haben, folgen die drei Männer den Spuren des kleinen Bären, bis sie zu einer Felsenhöhle kommen. Dort werden sie von einigen ziemlich merkwürdig aussehenden Jugendlichen und Kindern gefangengenommen, die sie in die Höhle hineinbringen. Die mit recht primitiven Speeren bewaffneten Jungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, daß sie um ihre Augen schwarze Ringe gemalt haben – genau dieselben Ringe, wie sie auch das Bärchen hat!
In dem recht einfachen Lager der Jungen finden sie schließlich auch ihren schwarz-weißen Ausreißer wieder: Das Tierchen sitzt friedlich auf einem Haufen roter Rüben und läßt es sich gutgehen. Ihre Wächter scheinen große Ehrfurcht vor dem Bärchen zu haben, tatsächlich ist die ganze Höhle mit Bildern von Bären angefüllt. Die beiden Gefangenen werden gefesselt und in eine Felskammer gebracht, wo sie ihr Schicksal erwarten sollen. Dabei erfahren sie, daß alle Anwesenden zu einen Kult gehören: Dem Kult des Bären. Das kleine Bärchen wird von ihnen als heiliges Tier verehrt.
Schließlich kehrt der Hohepriester des Kults, ein Knabe von vielleicht fünfzehn Jahren, zu dem Lager zurück. Er scheint die fanatische Verehrung seiner Anhänger nicht so ganz zu teilen, obwohl er den Gefangenen gegenüber versucht, den würdevollen Hohepriester herauszukehren. Aber wieder kann Roberts Wortgewandtheit sie retten: Der Engländer behauptet einfach lauthals, auch er sei ein Anhänger des Kults und von seiner Hohepriesterin ausgeschickt, um das von finsteren Schurken geraubte Bärchen zu ihr zurückzubringen. Seine großartige Rede beeindruckt zwar die Anhänger, der jugendliche Hohepriester scheint jedoch sehr skeptisch und bittet um eine Unterredung unter vier Augen mit den ehemaligen Gefangenen, die jetzt plötzlich Ehrengäste sind.
Bei diesem Gespräch eröffnet er ihnen, daß er sehr genau wisse, wie unsinnig sein Kult eigentlich sei: Aber immerhin gibt er den jungen Anhängern irgendeine Art von Halt. Alle Jungen in dieser Höhle sind Ausgestoßene, Waisen oder entkommene Sklaven, die keinen anderen Ort haben, an den sie gehen können. Um ihnen etwas Stolz und Selbstbewußtsein zu geben, hat Omar – so der Name des „Hohepriesters“ – das Symbol des Bären und seiner Stärke verwendet. Dieses ist allerdings nach und nach zu einer echten Verehrung geworden, und als das Bärchen hier auftauchte, mußte Omar es wohl oder übel zum heiligen Tier erklären.
Die Grogs sind von dem jungen Anführer recht beeindruckt und bieten ihm an, ihm bei der Auflösung des unsinnigen Kults zu helfen und eine neue Heimat für seine Anhänger zu finden. Sie sind sich ziemlich sicher, daß der mildtätige Aladin dafür eine Lösung finden wird. Omar ist recht erleichtert über dieses Angebot, allerdings müssen sie das Ganze jetzt noch den Kultmitgliedern klarmachen. Da Robert genau weiß, daß dem Kaufmann ein Knecht fehlt, bietet er dem Anführer diese Stellung an, den anderen Jugendlichen wollen sie einfach erzählen, daß ihr Hohepriester später einmal die Hohepriesterin aus der Stadt – die Tochter des Kaufmanns – heiraten wird, wenn er sich dessen als würdig erweist.
So geschieht es dann auch: Das Bärchen kehrt zu seiner überglücklichen Besitzerin zurück, und Omar tritt in den Dienst des Kaufmannes. Da die beiden jungen Menschen sich ernsthaft zu mögen scheinen, ist es nicht ausgeschlossen, daß sie tatsächlich einmal heiraten.
Die anderen Kultanhänger werden von Aladin aufgenommen oder bekommen von ihm eine Stellung besorgt. Nach und nach vergessen sie dann ihren Kult und werden wieder gute Moslems.
Endlich trifft auch Benedikts Glasware ein, sodaß Henry, Robert und Alen wieder in den Bund zurückkehren können. Dort freut sich Aidan: Da die drei Käufer ihm geholfen haben, hat der Kaufmann ihnen einen satten Preisnachlaß auf die Ware gegeben.

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Marganma

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