Serpentia

Das Ende eines Winters

Winter 1196

Dáirine, Frederik, Lionel, Alkmene, Patrick, Sheila, Sir Quintus, Colleen, Alenka

Kurz nachdem Bernward und die anderen aufgebrochen sind, kommt eine kleine Blumenfee in den Bund. Sie ist eine Abgesandte von Fionnuala und überbringt die Einladung zu den alljährlichen Spielen und eine Warnung: Die Herbstfeen planen etwas. Früher war es nämlich so, daß die beiden Bäume, um die gespielt wird, sich im festen Besitz eines Reiches befunden haben. Nach dem Tod von Prinz Mardians Vorgängern haben sich die jährlichen Spiele eingebürgert, aber jetzt scheint sich der Herbstprinz stark genug zu fühlen, die Bäume endgültig einzufordern.
Um dieser Bedrohung entgegenzugehen, beschließen Dáirine, Frederik und Alkmene, selber mitzukommen. Auch Sir Quintus, Lady Colleen und Llwellyns Tochter Sine werden mitkommen, dazu noch Lionel, der seine Dienstzeit als Grog fast abgeleistet hat, Patrick, die Schottin Sheila, die englischen Brüder Ailon und Ailred und das Trio Peregrina, Iolo und Raphael.
Diese schlagkräftige Gruppe trifft gerade ein, als Fionnuala und Mardian über die Art der Spiele beraten, die über den Besitz von Herbstbaum und Frühlingsbaum entscheiden werden. Prinz Mardian schlägt eine Art Ritterspiele vor – sieben ritterliche Disziplinen, in denen sich die Vertreter der beiden Völker messen sollen. Nach einiger Diskussion werden als Wettkämpfe Schwertduell, Lanzenstechen, Bogenschießen, Jagd, Gesang, ein großes Gestampfe und die Antwort auf drei ritterliche Fragen festgelegt. Von jedem Volk sollen insgesamt sieben Recken ausgewählt werden, von denen dann jeweils drei bei einem Wettkampf mitmachen dürfen. Ausnahmen sind die Jagd und das Gestampfe – hier werden alle sieben Recken gebraucht.
Nach eingehender Beratung mit Fionnuala und ihren Rittern werden von den Frühlingsfeen Sir Quintus, Lady Colleen, der Waffenmeister Sir Coll, Dáirine, Raphael und der Satyr Pheran gestellt.
Diese Auserwählten treten vor, um die sieben Recken des Herbstvolks zu begrüßen. Als sich aber die Ränge der gegnerischen Feen öffnen, treten sieben Frostelfen hervor, bis auf einen in schwere Rüstung gekleidet. Der letzte trägt eine blendend weiße Robe und einen Stab aus Eiskristallen in der Hand. Als die Anführerin ihren Helm abnimmt, erkennen die Serpentianer Sir Daowyn, die ihnen einen kalten Blick zuwirft. Sir Quintus begrüßt sich zwar freundlich, aber ihre kalte Antwort ist nur, daß es eine Schande sei, Kinder zu stehlen. Dann wendet sie sich ab.
Die Wettbewerbe werden in folgender Reihenfolge festgesetzt: Am ersten Tag wird der Auftakt mit Bogenschießen gemacht, dann folgt das Ringestechen mit der Lanze. Am Nachmittag kommt die erste Runde des Duells, und nach dem Abendessen sollen einige unabhängige Feen die drei ritterlichen Fragen stellen.
Am Abend vor dem ersten Turniertag wird noch – nach Art der Frühlingsfeen – ein rauschendes Fest gefeiert, bei dem sich Patrick mit der Trollin Sigrunella anfreundet, Alkmene eine stille kleine Blumenfee kennenlernt und Frederik feststellt, daß auch Daowyns Tochter Vanessa sich hier aufhält. Diese hat wohl gerade einen heftigen Streit mit ihrer Mutter gehabt, will aber noch nicht sagen, worum es dabei ging.
Beim Bogenschießen am nächsten Morgen treten Lady Colleen, Sir Coll und Dáirine an, auf der anderen Seite die Ritterin Sir Shada’, Sir Sirizz und Meister Lisharr, der Magier der Frostelfen. Obwohl Lady Colleen und Sir Coll sich tapfer schlagen, geht Sir Shada’ als Siegerin aus diesem Wettkampf hervor. Auf den Tisch, an dem Fionnuala und Mardian sitzen, wird ein kleiner Totenschädel gelegen – eine Frucht des Herbstbaums.
Beim Ringestechen treten Sir Coll, Sir Quintus und Raphael gegen Sir Daowyn, Sir Caedwick, einen sehr großen Frostelf und Sir Zarak an. Schon bald zeigt es sich, daß Sir Coll und Sir Caedwick beide Meister mit der Lanze sind, die auch nach noch so vielen Durchgängen keinen einzigen Fehlstoß gemacht haben. Daher wird entschieden, daß die beiden am dritten Tag einen Lanzengang gegeneinander halten sollen – der Sieger bestimmt auch den Sieg im Lanzenstechen.
Nach dem Mittagsmahl geht es mit dem Schwertduell weiter. Dabei treten Sir Quintus, Lady Colleen und Sir Coll gegen Sir Daowyn, Sir Caedwick und Sir Zarak an. Im ersten Kampf besiegt Sir Zarak Lady Colleen schon fast spielerisch, im zweiten Kampf unterläuft Sir Coll ein böser Fehler und Sir Caedwick kann den Sieg erringen, und auch im dritten Kampf unterliegt Sir Quintus Sir Daowyn. Damit ist das Duell hier schneller zu Ende als gedacht und der Sieg wird den Herbstfeen zugesprochen.
Am Abend, nachdem die Wunden der Kämpfer alle geheilt worden sind, stellt der Feuerdjinn Fumar, der Sprecher der Turniergäste, die drei ritterlichen Fragen: „Was war Eure größte Heldentat? Was ist die höchste Zierde eines Ritters? Wann darf ein Ritter sein Wort brechen?“
Während Sir Coll, Sir Quintus und Lady Colleen über die Antworten auf diese Fragen beraten, kommt Vanessa zu Dáirine. Beunruhigt berichtet sie, daß ihre Mutter den Gesandten gefangenhalten würde. Dies wäre ihr nur daher möglich, da dieser – auch bekannt als Alessandro – sich in Dinge eingemischt hätte, die ihn nichts angehen: Er hat damals den Schlüsselsuchern geholfen, das Reich der Schwarzen Rose zu retten. Als Dáirine den anderen davon berichtet, beschließen Sir Quintus und Lady Colleen, den Gesandten zu befreien. Allerdings stellt sich schnell heraus, daß das Lager der Frostelfen zu gut bewacht ist, um im Frühlingswald eine Befreiung zu versuchen. Außerdem würde dies das Gastrecht brechen, unter das Fionnuala den Herbstprinzen und seine Verbündeten gestellt hat. Daher müssen die Serpentianer die Frostelfen wohl verfolgen und die Befreiung irgendwo unterwegs durchführen. Um noch ein wenig magische Unterstützung zu haben, soll Peregrina am nächsten Tag zum Bund zurückgeschickt werden. Dort müßten noch einige von Friedrichs Mittelchen lagern…
Am späten Morgen des nächsten Tages geht die Jagd los. Als Beute wurde das Goldene Eichhörnchen ausgewählt, daß lebendig gefangen werden muß. Für diese Jagd verwandeln sich Meister Lisharr und Sir Zarak in Eiswölfe, aber das hilft ihnen nicht viel: Lady Colleen und Lionel fangen das Goldene Eichhörnchen vor ihnen, und mit Hilfe von Lionels magischen Schuhen erreicht Lady Colleen die Lichtung mit ihrer Beute auch als erste. Dieser Sieg wird den Frühlingsfeen zugerechnet, und neben die beiden Totenschädel wird ein Frühlingsapfel gelegt.
Am Nachmittag folgt zunächst der Gesang, bei dem Dáirine, Raphael und Pheran gegen Sir Shada’ und Sir Daowyn antreten. Auf einen dritten Vertreter haben die Frostelfen diesmal verzichtet. Aber wie beim Lanzenstechen kann auch hier keine Entscheidung gefunden werden – sowohl Raphael als auch Sir Shada’ singen sehr gut. Daraufhin wird beiden die Aufgabe gegeben, ein Lied über die Ewigkeit zu verfassen und morgen als erstes vorzutragen. Dann erst soll die Entscheidung fallen.
Im Bund ist unterdessen Peregrina eingetroffen und hat ihre Botschaft Rhys übermittelt. Da in der Viskammer keine von Friedrichs magischen Gegenständen herumstehen, begibt sich der Magier zusammen mit Peregrina ins Labor des Alchemisten, wo er eine ganze Menge kleiner Tiegel, Glasphiolen und Töpfchen findet, die ihm geeignet erscheinen. Als Rhys diese Dinge jedoch achtlos in einen Sack wirft, gibt es erst eine kleine und dann mehrere große Explosionen, die das Labor sofort in Flammen setzen. Dank seiner Parma bleibt Rhys von dem schlimmsten Schaden verschont und er entkommt mit mittelschweren Verbrennungen aus Friedrichs Hütte. Peregrina hat nicht soviel Glück – sie stirbt in der Flammenhölle.
Dank Hélènes Hilfe erholt sich Rhys schnell von seinen Verletzungen, sodaß er noch am selben Tag Alenka mit den Feueropalen aus England, die Ignem-Vis enthalten, zurück in den Feenwald schickt.
Als Alenka dort ankommt, ist es schon spät in der Nacht. Sie übergibt den Magiern das Vis und berichtet von Peregrinas Tod. Frederik ist zutiefst betroffen, da er ahnt, wie sehr der Tod ihrer Freundin Raphael und Iolo treffen wird. Er selbst ist es dann, der den beiden die traurige Nachricht überbringt. Anhand der Reaktion kann er sich denken, daß Raphael morgen nicht beim Gesangswettbewerb antreten wird – Peregrinas Freunde versinken beide in ein dumpfes, fassungsloses Schweigen.
Am nächsten Tag hat sich daran nichts geändert, und so bittet Dáirine zunächst um einen Aufschub des Gesangswettbewerbs. Dieser wird gewährt – zuerst sollen die ritterlichen Fragen beantwortet werden. Auf die erste Frage – „was war Eure größte Heldentat?“ – antwortet Sir Coll stammelnd, man selbst könne seine eigenen Taten wohl nicht sehr gut ermessen. Sir Daowyn berichtet im Gegenzug nicht von einer eigenen Tat, sondern von der größten Heldin, die sie kennt: Molly, die Heilerin aus Aifenmoor, die ihr Leben für die Reinigung des Landes gab.
Die zweite Frage nach der höchsten Zierde eines Ritters beantworten Sir Quintus und Sir Shada’. Während Sir Quintus die Ehrlichkeit nennt, hält Sir Shada’ die Treue für die wichtigste Tugend. Bei der dritten Frage, wann ein Ritter sein Wort brechen dürfe, antwortet Sir Caedwick lapidar: „Niemals.“ Lady Colleen führt zusätzlich noch aus, daß ein Ritter möglicherweise um Entbindung von seinem Wort bitten dürfe – aber brechen dürfe er es niemals.
Nach längerer Beratung stimmen die Gäste dann schließlich für einen Sieg der Frostritter – ausschlaggebend war offenbar Sir Colls ungeschickte Art bei der Antwort. Immerhin hat der Ritter beim darauffolgenden Lanzenstechen mit Sir Caedwick die Gelegenheit, seinen Schnitzer wieder gut zu machen. Dies gelingt ihm auch tatsächlich: Knapp besiegt er den Frostritter. Damit steht es jetzt drei zu zwei für die Herbstfeen – die letzten beiden Wettbewerbe müssen gewonnen werden.
Aber bei dem Gesangswettbewerb ist Raphael immer noch nicht in der Verfassung, anzutreten, sodaß Dáirine für ihn übernimmt. Aber sie ist nicht vorbereitet, sodaß Sir Shada’ hier einen – wenn auch knappen – Sieg davonträgt. Damit haben die Herbstfeen vier Siege errungen, die beiden Bäume gehören ihnen. Dennoch treten die Serpentianer mit grimmiger Entschlossenheit zum Gestampfe an.
Als Frederik jedoch sieht, wie Raphael seine Rüstung anlegt und sich von Iolo verabschiedet, versucht er, seinen Onkel davon abzuhalten, in den Tod zu ziehen – denn es ist Raphael anzusehen, daß er nicht beabsichtigt, diesen Kampf zu überleben. Aber als Frederik mit ihm spricht, sagt Raphael, daß er jetzt endlich seine Freiheit finden könne. Sein Lächeln ist das erstemal, seit Frederik ihn kennt, nicht bitter oder traurig, sondern ruhig und beinahe glücklich. So nimmt der Magier Abschied von ihm und läßt ihn gehen.
Bei dem Gestampfe geht es darum, eine Standarte zu erobern, die auf einem Hügel steht, und zu seinem Herrscher – Fionnuala oder Mardian – zu bringen, die an entgegengesetzten Endes des Hügels warten. Sir Quintus und Lionel wollen sofort auf die Standarte zureiten, während die anderen die Frostelfen aufhalten sollen. Tatsächlich spaltet sich von den Frostelfen Sir Shiraan ab und reitet ebenfalls auf die Standarte zu, während die anderen versuchen, ihre Gegner mit Lanzen niederzureiten. Nur Sir Coll und Raphael erwidern diesen Sturmangriff, alle anderen weichen der ankommenden Front aus. Während Sir Coll dank eines unglücklichen Treffers aus dem Sattel gehoben wird, genau wie sein Gegner Sir Zarak, erwischt Daowyns Lanze Raphael genau in der Brust, da dieser seine Deckung völlig vernachlässigt hat. Er ist schon tot, bevor er auch nur aus dem Sattel stürzt.
In der Zwischenzeit haben Lionel und Sir Quintus die Standarte erobert. Während Lionel Sir Shiraan beschäftigt, rast Sir Quintus zu Fuß auf Fionnuala zu. Von der Seite nähern sich Lady Colleen und Sir Shada’. Es gelingt Colleen, Quintus als erste zu erreichen und die Standarte von ihm zu übernehmen, aber bevor die Ritterin Fionnuala erreichen kann, ist es Shada’ gelungen, ebenfalls nach der Standarte zu greifen. Bevor die Frostelfe sie Colleen jedoch entreißen kann, kommen die beiden Ritterinnen bei Fionnuala an und mit ihren letzten Kraftreserven kann Colleen die Standarte vor der Königin in den Boden rammen. So haben die Frühlingsfeen doch noch einen Sieg errungen, auch wenn er für die Serpentianer sehr bitter schmecken mag.
Mit Raphaels Leiche verläßt Frederik den Feenwald sogleich. Sheila kommt mit ihm, während Lionel zurückbleibt – seine Hilfe wird bei der kommenden Aufgabe noch dringend nötig sein. Unterwegs zum Bund bemerkt Frederik zwei Schnee-Eulen, die ihn und Sheila mühelos überholen. Aus dem Drahtgeflecht, daß ihm die Prinzessin der Schwarzen Rosen für die Rettung ihres Reiches geschenkt hat, faltet Frederik einen Raben, den er dann mittels der Magie des Geflechts zum Leben erweckt und den Eulen hinterherschickt. Als der Rabe zurückkommt, berichtet er, daß die beiden Eulen zu einem großen Turm geflogen wären, in den er ihnen nicht hätte folgen können – wahrscheinlich Serpentia.
Bei seiner Rückkehr zum Bund erfährt Frederik, daß Daowyn tatsächlich da war: Sie ist zu ihren beiden Kindern gegangen und wollte sie mitnehmen. Allerdings haben sich Maleandra und Goreth geweigert, zurück in das eisige Reich zu gehen, und so hat Daowyn sie in Serpentia gelassen. Allerdings fehlt ein anderes Kind: Sir Quintus’ jüngste Tochter Bianca ist entführt worden.
Sofort wird ein Bote in den Goldenen Frühlingswald geschickt, aber er erreicht Sir Quintus und die anderen nicht mehr: Schon am Tag nach dem Turnier haben sich die Frostelfen wieder auf den Weg gemacht. Dabei konnten Lady Colleen und die anderen einen Blick auf Alessandro erhaschen, der in Ketten weggeführt wurde. Er sah nicht allzu gut aus, an seinem Körper befanden sich etliche Quetschungen und Erfrierungen. Colleen, Dáirine und Quintus beschlossen, die Frostelfen vom Gletscherreich aus abzupassen, da sie dort Verbündete zu finden hoffen. Alkmene, Alenka, Patrick und Lionel begleiteten sie, während der Rest zurückgeschickt wurde….

*

Um den Weg ins Gletscherreich möglichst schnell zu finden, hat Fionnuala Sir Quintus und den anderen eine Führerin zur Verfügung gestellt: Die Blumenelfe Ciona. Diese erklärt, daß sie zunächst zur Kirchenhütte reisen würden, da es von dort aus besonders einfach wäre, die Nebel zwischen den Reichen zu finden. Über diese Nebel läßt sich die Reise vom Frühling in den Winter recht schnell bewerkstelligen.
Auf dem Weg zur Kirchenhütte kommen Sir Quintus, Dáirine und die anderen zunächst in einen idyllischen Frühsommerwald, der Ruhe und Frieden ausstrahlt. Schon bald jedoch wird dieser Frieden jedoch gestört: Aus dem Unterholz heraus bricht eine verstörte Gestalt, die von einem riesigen Monster verfolgt wird: Die Kreatur ist anderthalb Mannslängen hoch, hat eine metallische blaue Haut, zwei dürre Ärmchen mit scharfen Krallen und ein riesiges Maul mit zwei Reihen spitzer Zähne. Der Verfolgte entdeckt die Gruppe und stürmt mit lauten „Sir Quintus! Sir Quintus!“-Rufen auf die Gefährten zu. Es ist niemand anders als Hugo, der Barde, der von dem Monster verfolgt wird!
Die Ritter nehmen sofort Kampfstellung ein, doch bevor das Ungetüm auf sie zustürmen kann, taucht ein alter Mann in Priesterroben auf und beginnt, mit dem Monster zu schimpfen wie mit einem kleinen Hund. Es solle doch keine Fremden erschrecken! Zurechtgewiesen läßt „Finchen“, wie er die riesige Kreatur nennt, den Kopf hängen. Der alte Priester – Vater Franz – versichert den Gefährten, daß das Wesen völlig harmlos ist und nur mit Hugo spielen wollte. Vor einiger Zeit hat er es gefunden und aufgezogen – Finchen ist ziemlich jung und noch lange nicht ausgewachsen.
Erleichert nehmen Sir Quintus und die anderen die Einladung des Priesters an, ihn doch zur Kirchenhütte zu begleiten. Unterwegs stellt sich heraus, daß Hugo keine Ahnung hat, wie er hierhergelangt ist. Er hatte nur einen Spaziergang in den Bergen gemacht und dabei einen sommerlichen Baum in der Winterlandschaft bewundert. Als nächstes befand er sich dann in diesem Sommerwald und traf Finchen. Das Ungetüm scheint auch weiterhin völlig begeistert von dem Barden zu sein und weicht ihm keinen Schritt von der Seite…
In der Kirchenhütte angekommen, stellen die Gefährten fest, daß sich hier tatsächlich eine kleine Kirche befindet – hier, mitten in den Feenreichen! Vater Franz erzählt, daß er vor einiger Zeit, von den Menschen enttäuscht, eine Einsiedelei gegründet hätte. Und da bekam er eben Gäste: Ein Heinzelfrauchen, einen Glockengnom, eine Kirchenmuhme… Seitdem lebt er hier und kümmert sich um die Tiere und Reisende. Auch die Serpentianer werden an diesem Abend gut versorgt.
Am nächsten Morgen jedoch müssen sie schon wieder aufbrechen. Zum Abschied gibt ihnen Lisbeth, das Heinzelfrauchen, noch wohlduftendes Wegebrot mit. Danach führt Ciona sie in den aufkommenden Morgennebel hinein, der immer dichter und kälter wird, je weiter sie sich bewegen. Obwohl es unmöglich ist zu sagen, wieviel Zeit sie in den undurchdringlichen Schwaden gereist sind, so haben Sir Quintus und die anderen doch den Eindruck, daß sie nicht allzu lang unterwegs waren, bevor der Nebel sich wieder lichtet. Als es wieder möglich ist, seine Umgebung zu erkennen, stellen sie fest, daß sie sich am Fuß eines hohen, grauen Berges befinden. Der Felsen dieses Berges ragt in den bleiernen Himmel hinauf und drückt auf alle Länder in seiner Umgebung. Die Luft ist kalt und feucht, von anderen lebenden Wesen ist nichts zu erkennen. Ciona nennt diese Gegend das Gramgebirge.
Um weiter in Richtung Winter zu kommen, müssen die Gefährten den grauen Berg vor sich ersteigen. Es gibt einen weiten Weg, der sich in Serpentinen in die Höhe windet. Er ist von grauem Staub bedeckt, der keine Spuren früherer Reisender aufweist. Eingeschüchtert von dem gewaltigen Gewicht des Berges machen sich Sir Quintus, Dáirine und die anderen an den Aufstieg.
Es ist ein mühsamer Weg – der Pfad ist breit, aber gleichförmig steil, die Luft schwer und drückend, und es scheint kaum vorwärts zu gehen. Nach einiger Zeit auf diesem Weg kommen die Gefährten an grauen Statuen vorbei, die Menschen oder Feen darstellen und verblüffend originalgetreu sind. Tatsächlich erklärt Ciona, daß dies Reisende waren, die den Aufstieg nicht geschafft haben. Sie sind vor Kummer und Gram zu Stein erstarrt.
Am Abend haben sie etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt. Völlig erschöpft schlagen sie ihr Lager mitten auf dem Weg auf, wobei Colleen bemerkt, daß Iolos Haut schon einen gräulichen Ton aufweist – der Grog hat seit Beginn der Reise schon kein Wort mehr gesagt. Möglicherweise wird er dem Gebirge erliegen. Dann aber macht Alenka eine erstaunliche Entdeckung: Das Wegebrot des Heinzelfrauchens drängt die Erschöpfung und die Auswirkungen des Berges stark zurück, sodaß diejenigen, die davon essen, ihren Mut wiederfinden und sich am nächsten Morgen halbwegs erfrischt wieder aufmachen können. Glücklicherweise ist genug für alle da.
Am nächsten Abend erreicht die abgekämpfte Gruppe den Eingang einer Höhle. Hier fällt die Last des Berges von den Reisenden ab – zurück bleibt nur eine vage Traurigkeit. Ciona erklärt, sie müßten den Berg weiter nach oben klettern, um die Schneegrenze zu erreichen. Es gibt dorthin zwar keinen Weg, aber sonderlich steil ist der Berg nicht. Die kleine Frühlingsfee wird nicht weiter mitkommen – im Reich des Winters kennt sie sich nicht aus, und die Kälte könnte sie auch nicht ertragen.
So erklettern zuerst Sir Quintus, dann die anderen am nächsten Morgen die Felswand, was sich als nicht allzu schwierig herausstellt. Von dort aus geht es weiter durch die weiten Schneefelder, die langsam bis zum Gipfel hinaufführen. Bevor die Gefährten jedoch so weit kommen können, ziehen schwere dunkle Wolken auf, und ein schneidender Wind beginnt zu wehen. Auf der Suche nach Deckung vor dem drohenden Sturm entdeckt Colleen ein in den Fels eingelassenes steinernes Tor, das mit silbernen Reliefs verziert ist. Es gibt einen großen, ebenfalls silbernen Klopfer, der ein dumpfes Geräusch verursacht, als Sir Quintus ihn betätigt. Nach einer Weile öffnet sich das Tor tatsächlich – keinen Augenblick zu früh, denn schon hat der Sturm begonnen, seine Schneemassen über den Gefährten niederzuschütten.
Vor Sir Quintus steht eine kleine, gedrungene Gestalt mit einem großen, buschigen Bart – ein Zwerg. Etwas beunruhigt begrüßt er die Reisenden in den Silberhallen: Hier ist schon lange kein Gast mehr gewesen. Während er die Menschen zu seinem König führt, erzählt er von dem schrecklichen Krieg, der hier vor langer Zeit wütete. Die Silberelfen kämpften gegen die Zwerge, mit denen sie lange in friedlichem Einvernehmen gelebt hatten, und wurden schließlich vertrieben. Seither jedoch geht der Glanz der Silberhallen zugrunde. Die Gefährten sehen auf ihrem Weg die Zeichen des Verfalls: Riesige Hallen, deren filigrane Säulen eingestürzt sind, feine Silberornamente, die sich schwarz verfärbt haben und Pilze und Flechten, die feine Wandreliefs bedecken. Sie scheinen mit ihrem Führer, dem Ritter Askvir, völlig allein zu sein. Nur einmal dringt ein entferntes Hämmern an ihre Ohren.
Der König der Silberhallen empfängt Sir Quintus und die anderen in seiner Thronhalle, einen einstmals prächtigen Ort, doch nun sind die feinen Silberornamente schwarz angelaufen und die vielen Statuen weisen verschiedene Beschädigungen auf. Auf seinem schwarzen Thron sitzt der König, ein vom Alter gebeugter Zwerg mit einer silbernen Krone und mißtrauischen Augen. Er ist völlig allein. Es wird schnell offensichtlich, daß er die Fremden hier nicht haben will. Als er von ihrem Vorhaben, zu dem Gletscherreichen zu reisen, hört, erklärt er, er kenne den Weg, und weist seinen Ritter an, die Fremden zu der Brücke am Steinernen Meer zu führen.
Dies jedoch ist ein Betrug: Der König sinnt auf den Tod der Gefährten, und so gibt er Askvir heimlich den Befehl, die schmale Brücke über dem Steinernen Meer einstürzen zu lassen, damit die unerwünschten Gäste elend verderben. Aber der Zwergenritter ist zu ehrenhaft, um bei einem solchen Betrug mitzumachen: Bevor noch der erste der Serpentianer die Brücke betritt, warnt er sie und verrät so seinen König. Als alle daraufhin zu dem heimtückischen Herrscher zurückkehren, ist dieser zunächst so zornig auf Askvir, daß er ihn aus seinem Reich auf ewig verbannt. Jedoch gelingt es Sir Quintus mit eindringlichen Worten, den König dazu zu bringen, ihnen den richtigen Weg zu zeigen. Dafür überläßt der alte Zwerg ihnen sogar die Harfe „Meister Magniman“, ein sehr kostbares Stück, das seinen Namen nach dem Meister trägt, der es gebaut hat. Dann schickt er sie zu einer kleinen, unauffälligen Tür. Askvir wird die Serpentianer begleiten – wo sollte er auch sonst hingehen?
Als Hugo die Harfe vor der Tür abstellt und sie bittet zu spielen, ertönt von ihren Seiten ein Lied von großer Schönheit und ebenso großer Traurigkeit. Wie ein Pfeil fährt den Gefährten die Melodie der Harfe ins Herz und erinnert an all das, was sie verloren haben. Erst als die Musik verklingt, finden die Zuhörer wieder zurück in die Wirklichkeit.
Die Tür hat sich durch das Lied der Harfe geöffnet. Als die Gefährten hindurchschreiten, finden sie sich in einem kleinen, bitterkalten Talkessel inmitten eines hohen Gebirges wieder. Auf dem Boden wächst verdorrtes Gras, und in der Mitte des Tales liegt ein kleiner See mit schwarzen, bitteren Wassern. An seinem Ufer steht ein kränklicher Baum ohne Blätter, der sich in dem stetigen Wind wiegt. Fast hört man in dem Wind Stimmen, die Worte rufen, aber es ist niemand zu erkennen.
Sir Quintus und Dáirine beschließen, dieses einsame kleine Tal so schnell wie möglich zu verlassen. Es scheint einfach genug, die Felsen hochzuklettern, zumal mit Hilfe der Fluggürtel und einiger Seile. Aber ganz so leicht ist es nicht: Die Hänge sind zwar nicht steil, aber der Fels ist eiskalt und äußerst scharfkantig, sodaß ein Seil reißt, während Alenka gerade hochklettert. Glücklicherweise kann sich die Kriegerin jedoch fangen und kommt mit ein paar Schrammen und blauen Flecken davon.
Außerhalb des Talkessels erreichen die Gefährten schon bald ein kleines, windiges Hochplateau, von dem aus sie sich umsehen können. Sie sind inmitten eines riesigen Gebirges, in alle Richtungen sind nichts als hohe Bergspitzen und tiefe Täler zu sehen. Es ist sehr kalt hier, überall liegt Schnee. An einigen der Berge kann man Gletscher aller möglicher Größen erkennen. Nach kurzer Beratung beschließen Dáirine, Alkmene, Sir Quintus und die anderen, sich auf den Weg zu dem größten Gletscher zu machen. Von dort aus kann es nicht mehr weit zu Sirikis Reich sein.
Jedoch ist die Reise nicht sehr einfach, denn die schneebedeckten Hänge sind trügerisch, und die allgegenwärtige Kälte macht die Glieder steif und unbeweglich. So kommt es, daß sich Alkmene beim Ausgleiten den Knöchel verstaucht und Colleen, die in ein Schneeloch tritt, den Fuß bricht. Das Lied der Harfe, die am Abend von Hugo aufgestellt wird, verstärkt die allgemeine Niedergeschlagenheit nur noch.
Am zweiten Tag bemerken die Gefährten, daß sie von großen weißen Eiswölfen und wilden Frostelfen verfolgt werden. Zwar kommen die Jäger nie auf Bogenschußweite heran, aber ab und zu lassen sie sich sehen – so als wollten sie sagen: „Wir sind noch da, wir warten ab.“
Bei der Überquerung eines schmalen Felsengrats läßt Askvir, der wegen seines Verrats zusehends ins Grübeln gekommen ist, mit voller Absicht das Halteseil los und stürzt über sechzig Ellen in die Tiefe. Als Dáirine den Fluggürtel einsetzt, um zu sehen, ob sie ihm noch helfen kann, sieht sie die riesigen Eiswölfe auf die Leiche Askvirs zugehen. Zwar überläßt sie ihnen die Überreste des Ritters ungern, jedoch könnte sie einen Kampf mit ihnen wohl kaum gewinnen. So kehrt sie zu den anderen zurück und berichtet von Askvirs Tod.
Iolo betrachtet die Schlucht nachdenklich und mit fast sehnsüchtigem Blick. Aber es ist seine Aufgabe, Colleen zu tragen, die auf ihrem gebrochenen Fuß nicht laufen kann, und so setzt er seinen Weg weiterhin fort.
Gegen Abend zeigt sich, daß einige der Gefährten in der Kälte krank geworden sind. Besonders schlimm hat es Hugo erwischt, der hohes Fieber hat und sich die ganze Nacht hin und her wirft. Außerhalb des Zeltes beginnen die Wölfe zu heulen, und die Frostelfen fallen in ihr Lied ein. Um diesen schrecklichen Klang zu übertönen, lassen die Gefährten wieder die Harfe spielen.
Erst spät am nächsten Morgen brechen sie auf, jeder von Alkmene mit einem Wärmezauber versehen. Aber dennoch sieht es nicht gut aus: Colleen muß von Iolo getragen werden, Patrick muß Alkmene stützen, Lionel trägt einen Großteil des Gepäcks und nun braucht auch Hugo noch alle Unterstützung, die ihm Sir Quintus und Alenka geben können. Außerdem gehen die Vorräte zur Neige, und sehr viel jagbares Wild haben die Gefährten noch nicht gesehen. Aber es ist auch kein anderer Ausweg zu sehen als die Reise zu dem großen Gletscher.
So reisen sie weiter, bis schließlich am Nachmittag des nächsten Tages ein Rabe auf sie aufmerksam wird. Der Vogel ist einer von Sirikis Boten, und als sich die Gefährten ihm vorstellen, erkennt er einige Namen. Er selbst hatte Richard und Sir Lucien bei der Queste nach dem Feuerkern unterstützt und dafür seinen Namen geopfert, sodaß er jetzt nur noch „Namenlos“ heißt. Dennoch kennt er die Wege ins Gletscherreich sehr gut und bietet sich an, die Serpentianer zu führen, was diese mit großer Erleichterung hören.
Unterwegs erfahren sie, daß der König der Eisigen Speere sehr ehrgeizige Pläne hat und sein Reich wohl auf die Kosten einiger anderer Reiche ausweiten möchte. Siriki sammelt nun seine Feinde im Gletscherreich, um ihn irgendwann einmal in die Schranken zu weisen. Namenlos hatte versucht, die Herrin der wilden Frostelfen zu einem Bündnis zu überreden, war aber gescheitert. Nur einzelne der wilden Frostelfen werden sich Sirikis Heer anschließen…
Nach einem weiteren Tag Reise gelangen die Gefährten endlich im Gletscherreich an. Dort sind schon etliche Wesen versammelt, um gegen den König der Eisigen Speere zu ziehen: Eisadler, Schneetrolle, ein paar Gnomenarten und etliche große, intelligente Tiere. Eine Überraschung ist die Anwesenheit von Richard in diesem Reich. Er sieht jetzt älter aus als die fünfzehn Jahre, die er zählen sollte – er wirkt eher wie knapp zwanzig. Als er danach gefragt wird, erklärt er, er wäre einen langen Weg gegangen, um schnell ans Ziel zu kommen. Er berichtet von den Erlebnissen bei der Suche nach Bernwards Frau, und erklärt, dabei sei seinem Bruder von der Hand einer Vogelkönigin Unrecht widerfahren. Um dieser jedoch eine Lektion zu erteilen muß Richard zunächst seinen Rittertitel erringen. Dazu will er die Eisgnome befreien, die der König der Eisigen Speere versklavt hat. Er weiß mittlerweile auch, wie dies zu erreichen ist: Alle Eisgnome sind an das Große Klonk gebunden. Wenn das Große Klonk läuft, dann funktionieren die Gnome auch. Läuft es nicht, müssen sich die Gnome ab und zu mit ihren eigenen Schlüsseln aufziehen. Nun hat der König der Eisigen Speere vor langer Zeit das Große Klonk gefunden, gestohlen und zusammen mit einigen Gnomenältesten versteckt. Die anderen Gnome, die noch bei ihm waren, wurden durch mächtige Magie an ein Falsches Klonk gebunden – ein Klonk aus Eis, das sich gar nicht bewegen kann. Mittlerweile wurde zwar das echte Große Klonk gefunden und befreit (siehe Kapitel 52: „Die Eisgnome“), aber die versklavten Gnome sind immer noch an das Falsche Klonk gebunden. Erst wenn es zerstört wird, wird sich die ursprüngliche Bindung an das Große Klonk wieder herstellen. Richard hat nun schon einmal versucht, das Falsche Klonk zu zerstören, konnte aber dem Eis nichts anhaben. Dennoch will er einen erneuten Versuch starten.
Im Gletscherreich wartet eine gute Nachricht auf Dáirine und die anderen: Daowyn ist noch nicht ins Frostreich zurückgekehrt! Siriki empfiehlt, zu versuchen, die Prinzessin der Frostlanzen im Schneemarkt abzufangen. Auf ihrem Weg zum Plateau der Stürme müßte sie eigentlich dort vorbeikommen. Als Sir Quintus von Richard erfährt, daß Daowyn seine jüngste Tochter Bianca entführt hat, drängt er auf einen sofortigen Aufbruch. Zuvor jedoch müssen die Kranken und Verletzten versorgt werden: Mittels einer Heliotinktur kommt Hugo schnell wieder auf die Beine, und auch Colleen und Alkmene können von den anwesenden Heilern wiederhergestellt werden.
Während sich die Heiler um die drei kümmern, versuchen Sir Quintus und die anderen zu erfahren, ob Siriki Verbündete im Schneemarkt gegen den König der Eisigen Speere hat. Dabei erfahren sie, daß der Jäger Kirash, ein wilder Frostelf, wenig für den König übrig hat. Er soll ein großer Krieger sein – immerhin jagt er normalerweise Schneedrachen! Auch der Grüne Joshua, der Wirt des Geborgten Huhns, hegt einen gewissen Groll gegen den Frostherrscher. Wie sich der Rat der Schatten, die Herrscher des Schneemarkts, in dieser Angelegenheit verhalten werden, kann Siriki nicht sagen. Aber sie haben keinen Grund, den König der Eisigen Speere und seinen Ehrgeiz zu lieben.
Am nächsten Morgen brechen die Gefährten zum Schneemarkt auf. Nachdem sie eine kurze Strecke durch den Gletscher gewandert sind, kommen sie an dessen Rand. Von dort aus fahren sie mit mehreren Schlitten, die sie sich von den Haartrollen geliehen haben, einen Abhang herunter. Von dort aus können sie den Schneemarkt schon sehen, und nur eine knappe Stunde später sind sie dort. Der Ort hat sich nicht sehr verändert: Es gibt immer noch Dutzende von Händlern, die alles mögliche anpreisen und verkaufen – sogar der Kerl mit den Honigbrötchen ist wieder da. Mittlerweile bietet er die Brötchen mit dem Honig der Blauen Rosen gesondert an: Vielleicht möchte ja der eine oder andere alles vergessen?
Im „Geborgten Huhn“, das die Gefährten als erstes ansteuern, treffen sie zwei alte Bekannte wieder: Die Söldner Bernd und Markus, die es auf dem Weg nach Prag hierher verschlagen hat. Sie sind sich nicht so ganz sicher, wo sie sich eigentlich befinden, aber gehen können sie ohnehin nicht: Sie schulden dem Grünen Joshua eine beträchtliche Summe, die sie jetzt mühsam abarbeiten müssen. Die beiden freuen sich, Colleen und Alenka wiederzutreffen, auch wenn sie sich wundern, daß die beiden Frauen immer noch mit Schwertern herumrennen – wo sie doch nicht damit umgehen können…
Aus alter Freundschaft kauft Sir Quintus die beiden frei und nimmt sie zunächst in Dienst. Wenn es zum Kampf mit den Frostelfen kommt, können sie jeden weiteren Kämpfer sehr gut gebrauchen. Von dem Grünen Joshua erfahren die Gefährten, daß sich Daowyn mit ihrem gesamten Gefolge im Silberglanz aufhält. Sie hat die ganze Herberge gemietet, um dort ungestört zu sein. Grüner Joshua berichtet, daß irgendetwas nicht stimmt – die Frostelfen scheinen untereinander uneins zu sein. Außerdem weiß er, daß sie in der letzten Zeit einige merkwürdige Dinge angekauft haben, darunter Nachtschatten, Schwefelwische, Glutschwämme, Kristallsplitter und Eisennägel. Auf nähere Anfragen gibt er zu, daß es vom „Geborgten Huhn“ einen Ausgang in die Menschenwelt gäbe. Er befindet sich in der Nähe des schwedischen Dörfchens Skjöven. Im Notfall ist er auch bereit, den Gefährten eine Benutzung dieses Ausgangs zu verkaufen.
Nachdem sie den Grünen Joshua verlassen und sich eine ruhige Herberge gesucht haben, wollen sich Dáirine, Alenka und Colleen in der Nähe des „Silberglanz“ ein wenig umsehen, während die anderen zum Jägerlager am Rand der Stadt gehen, um dort Kirash zu treffen.
Während sich die Frauen noch auf dem Stoffmarkt umschauen, sehen sie Sir Caedwick, der zu einem der Stände geht und nach Feuerseide fragt. Der Ritter macht einen mißmutigen und unzufriedenen Eindruck und scheint fast erfreut zu sein, als er erfährt, daß es keine Feuerseide gibt. Ein wenig später gelingt es dann Alenka, Daowyn im Gespräch mit Sir Shada’ zu belauschen. Dabei erfährt sie, daß Daowyn schwere Zweifel daran hat, ob es richtig war, Bianca zu entführen – sei es auch der Befehl ihres Vaters gewesen. Offensichtlich hat Daowyn nicht einmal etwas von der Entführung gewußt, bis die Gruppe am Schneemarkt ankam – der Magier Lisharr hatte das Kind aus Serpentia mitgenommen. Shada’ wendet ein, daß der König es befohlen habe, und schließlich hätten sie alle Gehorsam gelobt. Trotz dieses Einwands macht Daowyn weiterhin einen unzufriedenen und zwiegespaltenen Eindruck.
Währenddessen haben Sir Quintus und die anderen den Schneedrachenjäger Kirash kennengelernt. Der Frostelf ist ein großer Krieger, der bisher nie eine angemessene Herausforderung seiner Kräfte erfahren hat – daher ist er bereit, ihnen zu helfen, wenn sie ihm im Gegenzug versprechen, einen wirklichen Gegner für ihn zu finden. Innerhalb der nächsten sieben Jahre wird er zu ihnen kommen, um dessen Namen zu erfahren. Sir Quintus geht auf dieses Angebot ein. Kirash wird geholt werden, wenn der Schlachtplan klar ist.
Nachdem jedoch Alenka und die anderen berichten, was sie von Daowyn und den anderen Frostelfen mitgehört haben, beschließen Dáirine und Colleen, zunächst mit Ritterin zu reden – möglichst wenn sich diese in Begleitung von Caedwick befindet. In diesem Gespräch ergibt sich, daß Daowyn von der Entführung von Sir Quintus` Tochter ganz und gar nicht begeistert ist. Sie wäre bereit, Bianca zurückzugeben, den Gesandte allerdings will sie zunächst nicht freigeben. Daowyn weiß, daß ihr Vater einen großen Plan hat, für dessen Erfüllung er auch all die verschiedenen Dinge braucht, die ihre Gruppe jetzt auf dem Markt zusammensucht. Worum es genau geht, weiß sie nicht, aber der Magier Lisharr scheint genau unterrichtet zu sein. Sie will versuchen, von ihm mehr zu erfahren, und sich dann noch einmal mit den Serpentianern treffen. Es wäre ihr sehr recht, wenn Sir Quintus dabei sein könnte.
In dieser Nacht werden einige der Gefährten aus ihren Betten entführt, um dem Rat der Schatten Rede und Antwort zu stehen. Als sie erklären, daß sie gegen den König der Eisigen Speere vorgehen, scheint der Rat zufrieden zu sein. Er bietet weder an zu helfen noch will er sie hindern.
Am nächsten Tag findet dieses neue Treffen statt. Diesmal ist neben Daowyn und Caedwick auch Sir Shiraan dabei. Als er erfuhr, was der König der Eisigen Speere plant, beschloss er, sich den beiden anderen anzuschließen. Alle drei Frostelfen wirken entsetzt und kein Wunder: Der König der Eisigen Speere will ein Tor in die Hölle öffnen, um sein Reich in diese Richtung auszudehnen. Normalerweise sollte bei so etwas der Ritter der Grenzen auf den Plan treten, um diesem Treiben ein Ende zu setzen, aber es gelang dem König der Eisigen Speere, diesen Ritter in eine Falle zu locken und gefangenzunehmen.
Daowyn erklärt, daß sie und die anderen beiden durchaus gewillt sind, alles zu tun, um diesen Plan zu verhindern. Dem entgegen stehen Meister Lisharr, die drei Ritter Zarak, Sirizz und Shada’, vier Wachen und drei Diener. Um mit allen davon fertigzuwerden, wird ein Plan entwickelt: Bianca befindet sich im ersten Stock, ihr Zimmer hat ein Fenster, das auf die Straße hinausgeht. Alessandro hingegen ist in einem kleinen Kellerraum eingesperrt, und Lisharr ist meist in seinem Raum im Erdgeschoss anzutreffen. Nun müssen zunächst Zarak und Sirizz aus dem Haus. Da die beiden recht oft zusammen unterwegs sind, um Dinge einzukaufen, wollen die Gefährten einfach warten, bis sie weg sind. Dann wird Hugo, als Händlerbote verkleidet, zum „Silberglanz“ kommen und berichten, die Feuerseide sei da. Daowyn wird daraufhin Shada’ losschicken, um die Seide abzuholen. Hugo und die bestochene Seidenhändlerin werden die Frostelfe dann lange genug für alles weitere aufhalten. Wenn Shada’ aus dem Haus ist, soll Caedwick in Biancas Zimmer gehen und Lionel die Kleine durchs Fenster geben. Der Grog wird sich dann erst einmal mit ihr irgendwo auf dem Schneemarkt verstecken. Währenddessen betritt der Rest die Herberge und teilt sich auf: Ein Teil versucht, Alessandro zu befreien, während der Rest Lisharr aufhalten soll. Markus und Bernd erhalten die Aufgabe, die Wirtsleute durch die Hintertür in Sicherheit zu bringen, während Kirash darauf achten soll, daß Zarak und Sirizz nicht verfrüht zurück kommen.
Der Plan klappt wie am Schnürchen: Nachdem Shada’ das Haus verlassen hat, betreten alle anderen den „Silberglanz“. Oben kommt es zum Kampf mit Lisharr. Dabei wird Patrick von den Frostlanzen des Magiers schwer verletzt, aber schließlich gelingt es den Gefährten, ihn zu stellen. Ein gut gezielter Schlag von Bernds eiserner Axt befördert Lisharr dann ins Jenseits. Unten ist es den anderen mittlerweile gelungen, die Wache vor Alessandros Verlies zu überwinden, wenn auch Shiraan dabei den Tod gefunden hat. Als der Gesandte aus seiner eisigen Zelle entlassen wird, wirkt er ausgezehrt und ein wenig merkwürdig: Seine Augenbrauen haben spitze Winkel, und seine Augen schillern eher rot als violett. Auf die Frage von Sir Quintus hin, was er denn eigentlich sei, gibt der Befreite gelassen zu, daß er ein Dämon ist.
Nachdem die Gefährten ihre Verblüffung überwunden haben, erklärt Alessandro, daß er der Abgesandte der Hölle in den Feenreichen sei. Es gäbe einen alten Pakt zwischen den beiden Mächten. In diesem sei festgeschrieben, daß nur ein Dämon sich in den Reichen aufhalten dürfe: Nämlich der Gesandte, also er selbst. Um ein Tor in die Hölle zu öffnen – was nebenher den Pakt brechen würde, – braucht der König der Eisigen Speere das Blut eines Dämons…
Alessandro ist für seine Rettung dankbar, und er nennt Sir Quintus den Diener der Fünf Mächte. Als der Ritter nachfragt, erfährt er, daß es fünf große Mächte gibt: Die Göttliche, die Infernale, die Magie, die Feen und die Mundane Macht. Jeder von ihnen hat der Ritter mindestens einmal in seinem Leben gedient – als letztes mit Alessandros Rettung der Hölle.
Sir Quintus ist nicht besonders begeistert über die letztere Äußerung, will aber dennoch wissen, was es mit diesem Diener der Fünf Mächte auf sich hat – was hat dieser Name zu bedeuten. Alessandro erklärt, daß es etwas mit der Wahl zu tun habe. Diese Wahl müsse ein Sterblicher treffen – die Entscheidung, welche der Fünf Mächte in der nächsten Zeit den größten Einfluß auf die Welt nehmen würde. Dieser Sterbliche sei der Erwählte Träger, und der Diener der Fünf Mächte wäre einer seiner Begleiter. Was seine Funktion ganz genau ist, weiß Alessandro auch nicht, aber er hat gehört, daß sich der Erwählte Träger in Serpentia befinden würde – das Kind des Schlüssels und der Siebten Tochter. Der Dämon wundert sich ein wenig, daß sie noch gar nichts davon wissen – schließlich müßten doch in ihrer Umgebung einige sein, die ihnen durchaus hätten etwas erzählen können.
Mittlerweile sind Hugo und Shada’ zurückgekehrt. Die junge Ritterin ist entsetzt von Daowyns, Caedwicks und Shiraans Verrat, aber sie verfügt nicht über die Mittel, um das Vorgefallene ungeschehen zu machen. Kurz darauf kommt auch Kirash im „Silberglanz“ an und berichtet, die beiden Frostritter wären tot. Allerdings hat er sie nicht allein getötet, sondern mitten auf dem Marktplatz hätte ein großer, fetter Mensch beide angegriffen und einen schwer verwundet, bevor er selbst erschlagen wurde. Dieser Mann war natürlich Iolo, den Dáirine, Colleen, Sir Quintus und die anderen bei ihrer Planung übersehen hatten. Daraufhin war der große Grog allein losgezogen, um seinen Tod zu finden.
Zuletzt kehrt auch Lionel mit der kleinen Bianca zurück. Dem Kind geht es recht gut, ihr Drachenblut hat sie vor der Kälte geschützt. Dennoch freut sie sich, ihren Vater wiederzusehen. Sir Quintus ist überglücklich, seine Tochter unversehrt zurückzuerhalten.
Shada’ beschließt, die Leichen ihrer gefallenen Kameraden in ihre Heimat zurückzubringen und bricht sofort auf. Mit Daowyn und Caedwick will sie nichts zu tun haben. Die anderen planen, am nächsten Tag ins Gletscherreich zurückzukehren, um dort Richard vielleicht zu helfen, die Eisgnome zu befreien. Auch Daowyn wird mit ihnen kommen – ihr Vater ist seines Titels nicht länger würdig. Wenn er in dem kommenden Krieg sein Reich verlieren sollte, dann wird er eine Nachfolgerin brauchen.
So brechen die Gefährten in Begleitung von Alessandro, Sir Daowyn, Sir Caedwick, Bernd und Markus auf zu den Gletscherfeen. Als sie jedoch dort ankommen, müssen sie feststellen, daß der König der Eisigen Speere ihnen zuvorgekommen ist: Ein riesiges Heer aus Frostelfen und Eiswölfen belagert den Gletscherpalast, in dem sich Siriki und ihre Verbündeten verschanzt haben.
Nach kurzer Beratung beschließen Sir Quintus, Sir Daowyn und die anderen, die Gelegenheit zu nutzen und ins Frostreich selbst einzudringen, um dem Herrscher dort empfindlichen Schaden beizubringen. Bianca wird in dieser Zeit mit Markus und Bernd in einem versteckten Dorf der Gletscherfeen bleiben und dort auf die Rückkehr ihres Vaters und der anderen warten…

*
Nach einer langen, kalten Reise über die Ebene des Frostes kommen die Gefährten endlich am Palast des Königs der Eisigen Speere an. Sir Daowyn kennt einen geheimen Eingang, der in die Nähe der Verliese führt. Dort wollen Sir Quintus, Dáirine, Colleen, Alkmene, Alenka, Hugo, Patrick und Lionel versuchen, zunächst den gefangengehaltenen Ritter der Grenzen zu befreien, bevor sie sich zum Falschen Klonk begeben. Sir Daowyn, Sir Caedwick und Alessandro trennen sich von ihnen, um zum Herzen des Reiches zu gehen und dort den König der Eisigen Speere selbst herauszufordern.
Nachdem die Serpentianer mit einem Trick in den Gefängnistrakt eingedrungen sind, machen sie sich auf den Weg zu der Zelle, in der damals Sir Lucien und Richard gefangengehalten wurden. Von Sir Daowyn wissen sie, daß der Ritter der Grenzen sich dort befinden muß. Kurz vor dem Eingang zu dieser Zelle treffen sie einen Frostritter, der sich aber schnell als Richard entpuppt. Er ist hier, um erneut zu versuchen, das Falsche Klonk zu zerstören. Außerdem wollte er ebenfalls den Ritter der Grenzen befreien.
Als sich Sir Quintus und Richard begrüßen, werden sie unglücklicherweise von einer Wache bemerkt und als Eindringlinge erkannt. So kommt es in dem Gang vor der Zelle zu einem erbitterten Kampf, in dem Colleen, Alenka und Richard verletzt werden. Alkmene kann schließlich den Gang mit einer Holzmauer versiegeln, sodaß die Frostelfen eine Weile brauchen werden, um zu den Gefährten durchzudringen.
Der Ritter der Grenzen befindet sich tatsächlich in der Zelle. Er ist dankbar für seine Rettung, macht aber keinen sonderlich lebhaften Eindruck. Er wirkt, als sei er müde, nicht von seiner Gefangenschaft, sondern von seiner Aufgabe. Dennoch ist er ein wenig erbost über die Anmaßung des Königs der Eisigen Speere, ein Tor in die Hölle öffnen zu wollen. So wird er die Gefährten zunächst begleiten.
Glücklicherweise erweisen sich die Verletzungen von Alenka, Richard und Colleen als nicht allzu schwer. Richard ist mit seinem guten Orientierungsvermögen schnell in der Lage, den Geheimgang zu finden, durch den die Serpentianer den Vorraum der Zelle das letzte Mal betreten haben. Da die Magierinnen den Eingang hinter sich versiegeln, werden die Frostritter nicht einmal wissen, wie die Eindringlinge entkommen sind, wenn sie endlich die Holzwand niedergerissen haben…
Über verschlungene Wege führt Richard die anderen weiter und weiter nach unten. Schließlich kommen sie bei einem großen Gang an, der sich in Serpentinen nach unten windet. Am Ende dieses Ganges befindet sich die Halle, in der das Falsche Klonk untergebracht ist. Allerdings gab es Wachen, als Richard das letzte Mal hier war. Um auszuspionieren, wie diese verteilt sind, macht Dáirine Lionel unsichtbar, der vorausschleichen soll. Aber der Grog hat Pech: Schon bei der ersten Wache, die ein paar Meter den Gang heruntersteht, ist ein Frostelf dabei, der seine Unsichtbarkeit durchschauen kann. Als jedoch alle Kämpfer der Serpentianer den beiden Wächtern entgegentreten, machen diese wieder kehrt und fliehen nach unten, wo es wahrscheinlich noch weitere Frostelfen gibt.
Vorsichtig schleichen die Gefährten den Gang in die Tiefe. Alkmene versperrt den Weg hinter ihnen mit etlichen Dornengestrüppen. Unten sehen sie, daß der Gang an einer Wand mündet, in der sich ein großer Durchgang befindet. Dahinter ist nicht viel zu erkennen, aber Richard weiß, daß dort das Falsche Klonk ist. Wahrscheinlich haben sich die Wächter hinter dem Durchgang verschanzt und warten jetzt, daß die ersten Gegner hindurchstürmen. Um sich gegen die Bolzen ihrer Armbrüste zu schützen, will Alkmene zwei stabile Bretter heraufbeschwören. Aber der Zauber mißlingt: Statt dessen stehen die Gefährten jetzt inmitten einer riesigen Hecke mit spitzen Dornen, und Alkmene verliert das Bewußtsein.
Mühsam kämpfen sich die restlichen Serpentianer aus dem zähen Gestrüpp. Während Patrick und Hugo Alkmene in Sicherheit bringen, begeben sich die anderen in den Nahkampf mit den Wächtern, die jetzt ihre schützenden Positionen verlassen haben, um auf die aus der Hecke Kommenden zu schießen. Zwar können die Serpentianer den Kampf für sich entscheiden, aber dabei werden Alenka und Richard so schwer verwundet, daß Dáirine mehrere Stunden um das Leben der beiden kämpfen muß.
Während sie damit beschäftigt ist, kümmern sich die anderen um das Falsche Klonk. Es ist eine exakte Replik des Großen Klonks, nur ganz aus Eis gefertigt. Außerdem kann es sich nicht bewegen: Die Zahnräder, Achsen und Spangen sind aneinander festgefroren. Als Alkmene wieder aus ihrer Ohnmacht erwacht ist, erschafft sie Unmengen von trockenem Holz, das um das Falsche Klonk aufgeschichtet wird. Dabei entdeckt Sir Quintus, das auf einem der Räder fünf bewegungslose Eisgnome liegen. Diese holen er, Colleen und die Grogs herunter, bevor das Holz in Brand gesteckt wird. Der Plan geht auf: Das Falsche Klonk beginnt zu schmelzen und verliert nach und nach seine Macht über die Eisgnome, die langsam wieder anfangen, sich zu regen.
Schließlich jedoch geht die Sonne unter, und alle Magie schwindet, darunter auch das Holz, das dem Feuer Nahrung gibt, und die Dornensträucher, die mögliche Verfolger aufhalten sollen. Glücklicherweise hat jedoch der Ritter der Grenzen einen weiteren Ausgang aus der Halle entdeckt. sodaß die Gefährten von hier fliehen können, auch wenn der Transport der Schwerverletzten sich als schwierig erweist. Dennoch können sie in ein Labyrinth aus eisigen Tunneln unter dem Palast entkommen, wo sie hoffentlich eine Weile lang sicher sein werden. Der Ritter der Grenzen verläßt die Serpentianer: Er muß sich seiner Aufgabe widmen, obwohl ihm anzusehen ist, daß er es eher widerwillig tut. Er will ebenfalls zum Herzen des Reiches vordringen, um den Herrscher dort zur Rede zu stellen. Die Serpentianer sind zu erschöpft und verletzt, um ihn zu begleiten.
Es vergehen etliche Stunden, während Dáirine, Alkmene und die anderen warten. Aber schließlich meldet Lionel, daß aus einem der Gänge Fackelschein kommt. Es ist Alessandro: Der Dämon sieht ein wenig angschlagen aus, teilt den Gefährten aber mit, daß sie den Sieg errungen hätten. Er berichtet, daß er mit Daowyn und Caedwick unbehelligt zum Herzen des Reiches gelangt sei. Dort tauchte dann der König der Eisigen Speere auf, begleitet von der Ritterin Sir Shada’. Ohne Probleme gelang es dem Herrscher, seine Tochter in einem Zauber zu fangen, nachdem sein Versuch, sie wieder auf seine Seite zu ziehen, fehlgeschlagen war. Dann kam es zum Kampf: Sir Shada’ und Sir Caedwick duellierten sich, bis beide blutbedeckt und ohnmächtig, aber nicht tot, zu Boden sanken. Alessandro kämpfte lange gegen den König der Eisigen Speere, konnte aber nicht die Oberhand gewinnen und verlor Stück für Stück an Boden. Dann aber tauchte der Ritter der Grenzen auf, erklärte dem König müde, er habe seine Schranken weitaus überschritten und zog sein Schwert. In einem mühelos scheinenden Kampf besiegte und tötete er den König der Eisigen Speere.
Danach allerdings war er nicht dazu zu bewegen, einen neuen Herrscher zu ernennen. Im Moment kümmert sich Daowyn darum, einigermaßen für Ordnung zu sorgen, aber den Titel der Königin hat sie noch nicht für sich beansprucht. Nachdem sie von dem Zauber befreit war, hat sie Alessandro mit ein paar Eisgnomen und Frostelfen losgeschickt. um die Serpentianer zu holen und ihnen angemessene Quartiere zuzuweisen.
Nachdem sich alle ein wenig von erholt haben, sprechen Sir Quintus und Dáirine noch einmal mit Sir Daowyn. Sie erfahren, daß die Ritterin die Nachfolge ihres Vaters nicht unbedingt antreten will, sich aber dazu verpflichtet fühlt, da ihr keine Alternative einfällt. Als jedoch das Gespräch auf Sir Shada’ kommt, bemerkt Dáirine, daß auch sie eine gute Königin abgeben würde, wenn sie ihre bedingungslose Treue dem Reich schenken würde. Sir Daowyn und Sir Quintus stimmen ihr zu.
Sir Shada’, die immer noch verletzt darniederliegt, ist von dieser Idee zwar sehr überrascht, erklärt sich aber bereit, mit den anderen zum Herzen des Reiches zu gehen, um zu sehen, ob sie als Herrscherin überhaupt akzeptiert wird.
Das Herz des Frostreiches, der gewaltige Stalaktit, ist von vielen feinen Rissen durchzogen und sieht aus, als könne er jeden Moment endgültig durchbrechen. Als jedoch Shada’ ihre Bereitschaft erklärt, über das Reich zu wachen und es zu schützen, beginnen feine, grünliche Eisflüsse, den Stalaktiten entlangzufließen und die Risse langsam aufzufüllen. Als sie schließlich erstarrt sind, weißt der mächtige Eiszapfen ein filigranes Muster an grünlichen Linien auf, und auch in Shada’s hellen Augen sind die grünlichen Adern erkennbar. Ihre Wunden sind verheilt wie die des Stalaktiten, und sie beschließt, sich sofort um das Heer zu kümmern, daß immer noch Sirikis Burg belagert. Sir Quintus und Dáirine begleiten sie.
Auf einem eisigen Sturmwind fliegen sie zum Heer der Frostelfen. Dort ruft Shada’ – die Königin der Eisigen Speere – ihre Truppen zurück und verhandelt mit Siriki und ihren Verbündeten, um einen dauerhaften Frieden herzustellen. Während dieser Zeit holt Sir Quintus seine kleine Tochter wieder zu sich, und auch Bernd und Markus kommen mit.
Da die Verletzten sich noch eine Weile erholen müssen, bleiben die Serpentianer als Gäste im Palast der neuen Königin. Da Shada’ die Ohneherzen nicht weiter als Diener haben will, wird sie den Bann über den verzauberten Menschen brechen. Sir Quintus und Colleen erklären sich bereit, sich um die Leute zu kümmern und sie entweder zum Schneemarkt zu bringen oder mit nach Serpentia zu nehmen. Es stellt sich schnell heraus, daß die meisten Ohneherzen früher Jäger oder Fallensteller waren, die in kalten Ländern lebten. Einige von ihnen wollen nun freiwíllig in Shada’s Dienste treten, die meisten anderen werden versuchen, vom Schneemarkt aus in ihre Heimat zurückzufinden. Nur eine Handvoll Leute wird Colleen und die anderen begleiten, darunter Calum, ein irischer Fischer, der früher schon in einem Bund lebte.
Während Richard sich von seinen schweren Verletzungen erholt, unterhält er sich oft mit dem Ritter der Grenzen. Dieser ist seines Amts müde und sucht nach einem geeigneten Nachfolger. Er glaubt, ihn in Richard gefunden zu haben. Der junge Mann erklärt sich bereit, diesen Posten zu übernehmen – schon lange weiß er, daß sein Schicksal im Feenreich liegt und nicht in den Ländern der Menschen. So wird er, nachdem er sich einigermaßen erholt hat, zum Ritter der Grenzen geschlagen. Dabei verliert er einen Teil seiner Menschlichkeit, die sich in einer kleinen schwarz-weißen Kugel ansammelt. Seine einstmals grauen Augen sind nun schwarz, mit unendlich vielen silbernen Lichtpünktchen wie Sternen darin. Solange jedoch die Kugel in sicheren Händen ist, kann er noch wie ein Mensch fühlen; und so beschließt er, die Gefährten mit nach Serpentia zu begleiten, um dort noch einmal mit seinem Vater und seinen Geschwistern zu reden.
Nachdem alle Verletzten sich erholt haben, machen sich die Gefährten auf die Rückreise, die auch größtenteils ereignislos verläuft. Ende Winter kommen sie endlich wieder in Serpentia an…

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Bei der Feier nach der Rückkehr der Gruppe gibt es einen merkwürdigen Zwischenfall: Der ehemalige Ohneherz Calum meint, Ruairigh zu erkennen. Er hält ihn für einen Feenherrscher namens Gordan vom Weißen Schlehendorn….

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Marganma

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