Serpentia

Das Goldene Vlies

Sommer 1194

Llwellyn, Andrew, Henry, Alen, Lin Chou Yüan, Hans Achmed, Nicodemus

Die Gefährten verbringen etwa zehn Tage in Piräus damit, auf die Seewolf zu warten. Alen vertreibt sich währenddessen die Zeit damit, kleine Spielchen mit einem kaiserlichen Beamten und der Stadtwache zu veranstalten, sodaß diese ihn zum Schluß für einen völlig dekadenten Adligen halten…
Als aber nach dieser Wartezeit die Seewolf immer noch nicht aufgetaucht ist, beginnen Andrew und Llwellyn, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Als Llwellyn die Position des Schiffs überprüft, stellt er zu seinem großen Erstaunen fest, daß es sich nordöstlich von Piräus befindet – es sollte doch eigentlich aus dem Süden anfahren! Als der Ire seine Magie benutzt, um zu sehen, was auf der Seewolf vor sich geht, sieht er neben dem Kapitän eine gutaussehende junge Griechin stehen, die augenscheinlich eine engere Beziehung zu ihm hat. Bei genauerer Betrachtung erkennt Llwellyn an ihrem Umhang das Hauszeichen der Ex Miscellania.
Als er das Andrew berichtet, sind die beiden Magier erst einmal extrem verärgert, daß es eine Schwester aus dem Orden gewagt hat, ihnen das Schiff zu stehlen. Immerhin reißt dieses Ereignis die beiden aus ihrer depressiven Stimmung – immerhin sind jetzt ja auch Taten erforderlich.
Bevor die Gruppe jedoch aufbricht, um sich auf die Spur der Seewolf zu setzen, sieht Alen bei den Neuankömmlingen im Hafen eine Frau mit einer auffallenden roten Kappe – eine Mercere, die hier Station macht. Andrew verläßt den Gasthof und lädt sie ein, mit ihm und Llwellyn zu speisen und dabei Neuigkeiten auszutauschen. Fama, so der Name der Rotkappe, kommt gerne mit.
Bei diskreten Nachfragen nach der jungen Ex Miscellania finden die Serpentianer heraus, daß es sich bei ihr wohl um Medea aus dem nahen Bund Finis Peregrinatio handelt. Die junge Magierin stammt aus Kolchis und ist schon lange von der Legende um Iason und die Argonauten fasziniert. Dabei geht es um einen jungen Griechen, der einen Thron erringen will. Um dies aber zu tun, muß er einem anderen König das Fell eines Goldenen Widders – das Goldene Vlies – abjagen. Dabei erhält er tatkräftige Unterstützung von der Tochter dieses Königs, die ebenfalls den Namen Medea trägt. Sie ist eine Zauberin und schläfert für Iason sogar den Drachen ein, der das Vlies bewacht. Die beiden entkommen auf Iasons Schiff, der Argo, und heiraten später. Die Legende hat allerdings kein gutes Ende: Iason vernachlässigt seine Frau und will schließlich eine andere heiraten. Medea vergiftet ihre Konkurrentin und erschlägt im Zorn sogar ihre und Iasons Kinder. Was danach aus den beiden geworden ist, weiß Fama – die den Gefährten diese Sage erzählt – aber auch nicht.
Auf die Frage hin, warum sich Medea das Schiff eines anderen Bundes „ausgeliehen“ hat, erzählt Fama, daß in der Nähe von Saloniki ein Schatz gefunden worden sei, zu dem auch das Goldene Vlies gehören soll. Möglicherweise will Medea zu diesem Schatz. Genaueres jedoch könnte man in ihrem Heimatbund Finis Peregrinatio erfahren, der nur eine Tagesreise von Piräus entfernt liegt. Fama war ohnehin gerade unterwegs nach dort und bietet an, die Serpentianer mitzunehmen.
In dem Bund leben außer Medea noch Philippos, der gerade nicht da ist, und der alte Nauta, ein Verditius, dessen Ehrgeiz es ist, die Argo nachzubauen. Er heißt die Serpentianer recht freundlich willkommen. Als er erfährt, was seine Bundschwester getan hat, ist er nach einiger Überredung sogar bereit, ihr mit seinem eigenen Schiff zu folgen. Dieses Schiff – die Argo II – ist das Meisterwerk von Nauta, denn es ist ihm gelungen, das Wrack der ersten Argo zu bergen und Teile davon in sein Projekt einzubauen.
Die Argo II ist ein sehr schnelles Schiff, und dank einer magischen Navigationshilfe nicht auf die Küstenlinie zur Orientierung angewiesen. So legen die Reisenden schon am ersten Tag ein Drittel der Strecke nach Saloniki zurück – dort nämlich soll der Schatz, der das Goldene Vlies enthält, sich befinden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich Medea dorthin begeben hat.
In der ersten Nacht taucht ein Geist an Bord des Schiffes auf. Er unterhält sich mit Nicodemus und behauptet, Iason zu sein, der Kapitän der Argo. Seine altertümliche Aufmachung und genaue Kenntnis der Iason-Legenden unterstützen diese Aussage. Er tut allerdings nicht viel, außer mehrere Weinschläuche zu leeren und bei Morgengrauen wieder zu verschwinden. In den nächsten Nächten taucht er jedoch immer wieder auf.
Nach nur sehr kurzer Fahrt treffen die Gefährten endlich in Saloniki ein. Die Argo II wird in der Nähe an der Küste zurückgelassen. Ihr äußeres Erscheinungsbild gleicht dem einer altgriechischen Galeere, und das würde in einem normalen Hafen wohl zu sehr auffallen. Andrew, Llwellyn und die anderen machen sich in Begleitung von Georgios – einem Consors aus Finis Peregrinatio, der als Übersetzer dienen soll – über Land auf den Weg.
Im Hafen finden sie die Seewolf dann auch tatsächlich vor. Dort lassen sie sich von dem Ersten Maat berichten, was bisher geschehen ist: Auf Zypern war Frederik Medea begegnet, die ihm erzählte, sie wolle nach Griechenland reisen, hätte aber kein Schiff. Er bot ihr an, mit der Seewolf zu fahren. Schon bald war der Kapitän völlig hingerissen von ihr und ordnete einen Kurswechsel an – die Fahrt sollte zunächst statt nach Piräus nach Saloniki gehen. Nach der Ankunft in der Stadt hätten Raimond und Medea diverse Besorgungen erledigt. Vor zwei Tagen haben sie das Schiff das letzte Mal verlassen und sind bisher nicht zurückgekehrt.
Andrew und Llwellyn trennen sich, um in der Stadt Erkundigungen anzustellen. Dabei erfährt Andrew von Costadinos, einem etwas zwielichtigen Gesellen, daß Raimond und Medea bei ihm waren und sich nach dem Dorf erkundigt hätten, in dem der Schatz gefunden worden sei. Für einen gewissen Preis verkauft er auch Andrew den Namen dieses Dorfes: Pella, etwa eine Tagesreise nordwestlich von Saloniki. Llwellyn erfährt nicht ganz so viel über den Verbleib der beiden Gesuchten, stellt aber unterwegs fest, daß er und seine Begleiter verfolgt werden. Kurz entschlossen stellen er, Henry und Hans Achmed eine Falle, in die der Verfolger auch hineintappt. Er entpuppt sich als Italiener und wird zunächst auf die Seewolf gebracht.
Dort befragen die beiden Magier ihn und erfahren, daß Michele – so sein Name – ihnen im Auftrag von Alberto Chirini, dem Kapitän der Santa Anna, hinterhergeschlichen ist. Er kennt die genauen Hintergründe nicht, sondern weiß nur, daß er jedem folgen soll, der von der Seewolf kommt. Sein Kapitän hält sich nach seiner Aussage in der Blauen Gans, einer hiesigen Schenke auf.
Kurzentschlossen beschließen Andrew und Llwellyn, dem Mann einen Besuch abzustatten. Zur Sicherheit wird Hans Achmed hinter der Schenke postiert. Das kurze Gespräch mit Chirini ergibt allerdings nichts: Der italienische Händler leugnet ab, irgendetwas über die Seewolf oder deren Kapitän zu wissen, und läßt die beiden Männer völlig auflaufen. Als die Serpentianer die Blaue Gans wieder verlassen, müssen sie allerdings feststellen, daß Hans Achmed fehlt. Mit Magie folgen sie seiner Spur und stellen bald fest, daß er auf die Santa Anna gebracht worden ist. Das Ablegen dieses Schiffes können sie durch die Zerstörung der Ankerkette jedoch noch verhindern. Nach einiger Zeit verläßt ein Bote die Santa Anna und bringt eine Nachricht zur Seewolf: Man wäre an einem Gefangenenaustausch interessiert. Da die Serpentianer ohnehin vorhatten, Michele laufen zu lassen, stimmen sie zu. Kurz vor Mitternacht findet der Austausch reibungslos statt.
Am nächsten Tag brechen die Gefährten in Begleitung von Georgios schon in aller Frühe auf, um nach Pella zu reisen. Verfolger bemerken sie zunächst keine. Gegen Abend kommen sie endlich an und erfahren gleich in dem kleinen Wirthaus des Ortes, daß vor drei Tagen zwei Fremde wegen Diebstahls verhaftet worden wären – die Beschreibung paßt auf Raimond und Medea.
Sofort begeben sich alle auf die örtliche kaiserliche Wache. Georgios arrangiert – mit Hilfe einer kleinen Spende an die Beamten – ein Treffen mit den Gefangenen. Während der junge Grieche sich mit Medea bespricht, stellen Andrew und Llwellyn Raimond wegen der versäumten Verabredung zur Rede. Während des Gesprächs wird recht schnell klar, daß Medea den Kapitän bezaubert haben muß, was die beiden Magier ihm allerdings nicht mitteilen – schließlich soll Raimond ein schlechtes Gewissen haben.
Danach unterhalten sich die beiden mit Medea. Auch ihr machen sie wegen der Entführung des Schiffes einige Vorwürfe, woraufhin sie sich entschuldigt, sie hätte eben nicht nachgedacht. Dies zieht etliche bissige Bemerkungen der beiden anderen nach sich, schließlich jedoch berichten Medea und Raimond, was ihnen passiert ist: Sie kamen in Pella an, um das Goldene Vlies in ihren Besitz zu bringen. Medea erklärt, daß sie gewisse Hinweise hat, daß der Drache, der das Vlies vor langer Zeit bewachte und von ihrer Namensvetterin eingeschläfert wurde, bald aufwachen könnte. Sollte er dann das Vlies nicht vorfinden, so würde er sich wahrscheinlich auf die Suche danach machen und alles mögliche in Kolchis dabei in Schutt und Asche legen. Medea selbst kommt aus Kolchis, einem Land an der Ostküste des Schwarzen Meeres, und möchte dies lieber verhindern.
Als sie und Raimond nach Pella kamen, entdeckten sie nach kurzer Suche im Wald eine Gruppe von Leuten, die sie für Räuber hielten und die Teile des Schatzes in ihrem Besitz hatten – darunter auch das Goldene Vlies. Kurzerhand stahlen die beiden es und begaben sich zurück zur Herberge, wo Medea den Schatz tarnte und versteckte. Dies erwies sich als notwendig: Am nächsten Tag tauchte ein Italiener auf und behauptete, Raimond und Medea hätten ihn bestohlen. Und tatsächlich – bei der Durchsuchung ihres Besitzes durch die Wache fand diese etliche Kleinodien, die der Italiener vorher beschrieben hatte. Daraufhin wurden Medea und Raimond festgesetzt. Wie die Magierin allerdings berichten kann, handelte es sich bei dem Italiener keineswegs um einen einfachen Kaufmann, sondern um einen Tytalus aus Magvillus namens Onyx. Auch er ist hinter dem magischen Artefakt her, und die Santa Anna gehört eigentlich ihm.
Nachdem Medea und Raimond von Georgios freigekauft worden sind, begeben sich alle zur Herberge. Dort jedoch müssen sie feststellen, daß das Goldene Vlies nicht mehr da ist: Der Wirt hat es für einen einfachen Stoffballen gehalten und heute morgen an einen durchreisenden griechischen Händler verkauft. Etliche Nachfragen ergeben, daß es sich bei dem Mann wohl nicht um Onyx gehandelt hat.
Da der Tuchhändler seine Ware wohl frühestens morgen auf dem Markt in Saloniki feilbieten wird, benachrichtigen die Magier über eine arkane Verbindung zu einem Seemann Nauta. Dieser soll am nächsten Tag schon früh auf den Markt gehen und das getarnte Tuch erwerben. Die Serpentianer und Medea werden erst am nächsten Tag losreisen.
Unterwegs begegnen sie Onyx´s Leuten, italienischen Söldnern. Anstatt sich aber auf einen Kampf einzulassen, beschließen Llwellyn und Andrew, die Leute einfach nach Saloniki zurück zu begleiten – sehr zu deren Verblüffung. Medea gibt vor, sich im Streit von ihnen zu trennen und geht schon voraus.
Als die Serpentianer am Nachmittag auf dem Markt von Saloniki ankommen, treffen sie Medea am Stand des Tuchhändlers. Sie streitet sich gerade mit einem Mann darum, wer ein bestimmtes kostbares Tuch erwerben darf. Der Mann ist Italiener und trägt das Hauszeichen der Tytalus. Nun geben auch Llwellyn und Andrew vor, sich für das Tuch zu interessieren und treiben den Preis ein wenig in die Höhe. Schließlich beschließen alle Magier, sich per Certamen über die Besitzverhältnisse zu einigen – nachdem Onyx schon ein Gebot von 500 Drachmen abgegeben hat…
Ohne Probleme schlägt der Tytalus alle Herausforderer im Certamen und darf mit seinem „magischen“ Tuch von dannen ziehen. Kurz darauf sieht man im Hafen die Santa Anna auslaufen. Auch die Seewolf bleibt nicht viel länger, sondern sticht ebenfalls in See. Gegen Abend trifft sie sich dann mit der Argo II. Dort hat Nauta tatsächlich das Goldene Vlies an Bord, das er schon am Morgen erworben hat.
Da Andrew und Llwellyn so schnell wie möglich nach Hause wollen, verabschieden sie sich am nächsten Morgen von Nauta und Medea. Die beiden wollen das Goldene Vlies mit der Argo II sofort nach Kolchis bringen. Bei der mehr oder weniger freundlichen Verabschiedung entschuldigt sich Medea noch ein mal für die Entführung der Seewolf und bietet als Wiedergutmachung einen Turm Aquam-Vis an, was Llwellyn und Andrew nach kurzer Diskussion auch akzeptieren.
So treten sie schließlich die Heimreise an und treffen mit guten Winden und schönem Wetter Anfang Herbst in Tripolis ein. Von dort aus reisen sie gleich weiter und sind nur wenige Tage später wieder zu Hause.

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Marganma

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