Serpentia

Das Reich der Schwarzen Rose

Sommer 1193

Sir Quintus, Colleen, Nakatia, Frederik, Mesinga, Lionel, Constans, Hélène, Lin Chou Yüan

Es ist wieder soweit: Quintus beginnt, von dem sechsten Schlüssel zu träumen. Zunächst sieht er, wie dieser in einer Art weißem Altar eingelassen ist, der in einer großen Säulenhalle steht. Bald schon jedoch bemerkt er die vielen schwarzen Rosen, die den Altar umgeben. Auch weitere Träume weisen stark darauf hin, daß sich der Goldene Schlüssel in dem Feenreich der Prinzessin der Schwarzen Rose befindet.
Allerdings geschieht in diesem Reich etwas Beunruhigendes: Alles scheint sich mit Reif und Frost zu überziehen, was nach Colleens Meinung nicht zu diesem Reich paßt. Offenbar ist irgend etwas geschehen, was zu dieser Veränderung geführt hat.
Da jetzt aber wenigstens bekannt ist, wo die Reise hinführen wird, beschließen Nakatia und Frederik, in die Reiche der Feenwelt aufzubrechen. Eigentlich will auch Llwellyn sie begleiten, rutscht aber unglücklicherweise aus und verstaucht sich den Fuß böse. So kann er doch nicht mitkommen.
Außer Nakatia und Frederik werden noch deren Leibgrogs Lionel und Mesinga mitkommen, außerdem natürlich Sir Quintus, dessen Knappe Constans, Hélène und Lin Chou Yüan. Colleen schließt sich ebenfalls an, da ihr Ehemann Sir Lucien immer noch nicht aus dem Feenwald aufgetaucht ist und sie hofft, ihm unterwegs vielleicht zu begegnen. Zu guter Letzt wird ein Esel mitgenommen, der die Ausrüstung der Expedition tragen soll.
Die Reise beginnt im Wald der Goldenen Frühlingsfeen. Dort schließt sich noch jemand an: Sir Bealach, der zeigen will, daß sein Groll auf Dáirine sich nicht gegen den ganzen Bund richtet.
Im Feenwald erfahren die Gefährten von Fionnuala, daß sie am besten zum Blütenturnier reisen sollten, da die Prinzessin der Schwarzen Rose eigentlich immer daran teilnimmt. Sir Bealach kennt den Weg und wird die Serpentianer führen.
Nach einer kurzen Reise treffen die Gefährten auf dem Blütenturnier ein. Auf einer weiten grünen Ebene stehen unzählige große und kleine Zelte. Neben einem großen und mehreren kleinen Turnierfeldern gibt es auch noch einen Jahrmarkt, auf dem Gaukler ihre Kunst zeigen und Händler köstliche Speisen und Naschereien anbieten. Auf einem sanften Hügel oberhalb des großen Turnierplatzes steht ein zartes, filigran wirkendes Schloß – der Palast der Königin des Frühlings, die die Schirmherrin des Turniers ist.
Die Gefährten beschließen, an den Wettbewerben teilzunehmen und lassen sich in die Turnierlisten eintragen. So nehmen Colleen, Sir Bealach und Quintus an den Schwertduellen und am Lanzenstechen teil, Hélène an der Falkenjagd, Constans am Wettessen und Lionel bei den Faustkämpfen und dem Wettlauf. Auch Mesinga wird beim Wettrennen dabeisein und später mit Colleen am Bogenschießen teilnehmen.
Zwischen den Wettbewerben bleibt aber noch genug Zeit, um sich umzuschauen, Bekanntschaften zu schließen und neue Geschichten zu hören. So treffen die Gefährten zum Beispiel Sir Bront, einen Zwerg, der Meister im Amboßpräzisionswurf ist und Sir Quintus´ eiserne Hand bewundert. Auch mehrere Geschichtenerzähler sind anwesend, und einer von ihnen weiß etwas recht Interessantes zu erzählen, als er wegen der Prinzessin der Schwarzen Rose gefragt wird: Offenbar war sie es, die Maeve zum Tal von Serpentia geführt hat!
Mehr als Geschichten können die Gefährten aber zunächst nicht über die Prinzessin erfahren: Anwesend ist sie nämlich nicht. Dies scheint einige der anderen Turnierteilnehmer sehr zu verwundern, denn sie war bisher jedesmal da. Sie und ihre Ritter scheinen zu den besten der Blütenkrieger zu gehören…
Immerhin gibt es mehrere Gerüchte, was mit ihr und ihrem Reich geschehen sein mag: Zum einen hatte sie Unstimmigkeiten mit dem Drachen der Schatten, zum anderen aber sei die Weiße Königin, die Herrin des Sommerschnees, wieder einmal dabei, sich andere Reiche einzuverleiben. Außerdem könne natürlich auch der Rosenprinz dafür verantwortlich sein….
Dieser ehemalige Schüler Alocars ist übrigens anwesend – genau wie Aischa Ex Merinita, die dafür verantwortlich ist, daß die durch das Feuer entstellten Züge des Rosenprinzen wieder hergestellt sind. Außer ihr und den Serpentianern sind noch weitere hermetische Magier anwesend: Corax Ex Miscellania, der schon etwas älter zu sein scheint und dessen Bund Sonnenhof in einer Feenregio liegt, und die Zwillinge Aurora und Hesperus Ex Merinita, die aus Sobrietas in Griechenland kommen. Frederik trifft sie, als er sich anschauen will, wer denn so alles am Illusionswettbewerb teilnehmen will. Dabei erfährt er von Aischa, daß sie jetzt die Gefährtin des Rosenprinzen ist, den sie sehr zu verehren scheint. Der ehemalige (?) Dämonist hat es mittlerweile geschafft, ein eigenes Reich zu erringen und diesem noch einige andere hinzuzufügen. So trägt er jetzt fünf Rosen auf seinem Wappen – eine schwarze ist allerdings nicht darunter.
Von Sir Bront erfahren Nakatia und die anderen, daß es zwei verschiedene Arten von Reichen gibt: Wegreiche und Questenreiche. Wegreiche sind recht einfach zu finden, und oftmals stolpert man auch versehentlich dort hinein. Questenreiche findet man niemals zufällig, um sie zu erreichen, muß man eine Suche vollenden, die oftmals recht gefahrvoll ist. Das Reich der Schwarzen Rose ist ein Questenreich. Außerdem erzählt der Zwergenritter, daß man nicht beliebig in ein Reich eindringen kann, denn im Normalfall erfährt der Herrscher sofort davon.
Auf dem Turnier erringen alle der Gefährten mehr oder weniger Ruhm. Zwar gelingt es keinem, einen ersten Platz zu erringen, aber Hélène und Moira schaffen den zweiten Platz bei der Falkenjagd, und auch die anderen gelangen alle zumindest ins Mittelfeld bei ihren jeweiligen Wettbewerben. Besonders gut schneidet noch Lionel beim Wettlauf ab, wo er unter die ersten zehn kommt.
Am Ende des Turniers kommt ein kleiner Mauseritter zu Colleen. Er kennt ihren Ehemann, den heldenhaften Sir Lucien. Dieser ist nämlich vor einiger Zeit in seinem eigenen Reich, dem Mausewald, vorbeigekommen. Er wollte ins Wachholdermoor, um dort ein Ewiges Licht zu besorgen. Das benötigte er für die große Queste, auf der er sich mit seinem Knappen befand: Die Suche nach dem Reich der Schwarzen Rose! Ihn hatte wohl jemand gebeten, es zu retten…. Lucien verließ den Mausewald, um zu den Nebelschwestern, mächtigen Orakeln, zu gelangen. Von ihnen erhoffte er sich wohl Auskunft über den Verbleib des verschwundenen Reiches. Da die Serpentianer keinen besseren Anhaltspunkt haben, beschließen sie, denselben Weg einzuschlagen. Dazu wollen sie zunächst den Mauseritter begleiten.
In dessen Reich angekommen, erfahren sie, daß Sir Lucien noch einmal hier war, aber seinen Weg schon fortgesetzt hat – in Richtung der Nebelschwestern. Nach einem kurzen Aufenthalt im Schloß des Mauseritters brechen die Gefährten wieder auf. Den Weg hat ihnen der Mausweise erklärt – immer in Richtung des Nebels…
Als sie jedoch dem Morgennebel folgen, gelangen sie zunächst an einen riesigen Strom. Aber nicht nur der Fluß hat gigantische Ausmaße: Auch die Grashalme, die Bäume und Sträucher sind auf die zehnfache Größe angewachsen! Wenn die Gefährten noch Zweifel gehabt hätten, daß sie im Reich eines Riesen sind, so zerstreuen sich diese schnell: Von einem nahe scheinenden Schloß kann Moira mehrere Jäger mit Hunden aufbrechen sehen. Zwei davon kommen direkt auf die Gefährten zu, und als die Hunde die Menschen wittern, scheinen sie erfreut zu sein: Offenbar war genau das die Beute, die sie jagen wollten!
Aber die Serpentianer machen es ihnen ziemlich schwer, obwohl sie den riesigen Jägern kaum bis zum Knie reichen. Schließlich aber erhalten die beiden Verstärkung, und die Menschen müssen fliehen, wobei allerdings Hélène und Sir Bealach als Gefangene der Riesen zurückbleiben.
Die beiden werden ins Schloß gebracht, wo sie erfahren, daß sie für die morgige Hochzeit als Vorspeise gedacht sind: Die Braut liebt den Geschmack von Menschenfleisch besonders. Bis dahin werden sie in der Küche in einen Weidenkäfig gesperrt, zusammen mit einer Vogelfrau, die schon sehr lange hier gefangen ist. Ihr Name ist Tatiri. Als sie am Abend gefüttert werden sollen, erfährt Hélène etwas sehr Interessantes: Einer der Tränke, die hier herumstehen, macht einen Menschen so stark wie einen Riesen! Leider ist es völlig unmöglich, aus dem Käfig an diesen Trank zu kommen…
Die anderen haben inzwischen nicht vor, Hélène und Sir Bealach ihrem Schicksal zu überlassen. Nachts erklettern sie die Mauern des Riesenschlosses, nachdem Moira die Lage ausgekundschaftet hat. Da sie von der Falkin auch wissen, wo die Küche ist, kann sich Quintus dort fachkundig herablassen und problemlos zu dem Käfig schleichen, in dem seine Freunde gefangengehalten werden. Das Schloß, das Hélène nicht aufbekommen konnte, bereitet dem ehemaligen Dieb keinerlei Schwierigkeiten, und so können die Gefangenen befreit werden. Auch Tatiri kommt endlich aus dem verhaßten Käfig heraus, wird aber noch ein wenig in der Küche verharren, da die Wachen auf den Türmen des Schlosses sie beim Wegfliegen sehen könnten – und es wäre schlecht, wenn diese alarmiert würden.
So schleichen sich alle wieder aus der Riesenburg heraus, wobei Sir Quintus den Riesenstärketrank aus der Küche mitnimmt. Draußen allerdings stellt sich heraus, daß Sir Bealach bei seiner Gefangennahme Schwert und Schild abgenommen wurden – und vor allem der Schild ist sehr wertvoll, ein Geschenk der Königin Fionnuala an ihren Ritter. So schleicht sich Sir Quintus in Begleitung seines Knappen Constans noch einmal zurück in die Burg, wo er den Schild tatsächlich findet – auf dem Abfallhaufen bei der Schmiede, da die Riesen mit dem für sie winzigen Schild nichts anfangen können….
Da sie den Weg nicht verlieren wollen, folgen die Gefährten weiterhin dem Fluß, ohne allerdings direkt wieder auf so etwas wie Nebel zu stoßen. Dafür kommen sie nach etlicher Zeit an eine Gabelung von drei Flußarmen: Der eine führt sie ins Gebirge, wo der Fluß schmaler wird, der zweite hinaus auf eine weite Ebene und der dritte in Richtung einer Wolkenbank. Da auf dem Weg ins Gebirge hinein mehrere Nebelfetzen zu sehen sind, entscheiden sie sich für diese Richtung.
Der Fluß wird nun immer schmaler und reißender, bis die Reisenden vor sich ein dumpfes Tosen hören. Schon nach kurzer Zeit entdecken sie, daß der Fluß an einer Felskante als prächtiger Wasserfall in ein kleines Tal hinunterstürzt und dort in einem kreisrunden See verschwindet. Müde und erschöpft von dem langen Weg klettern die Gefährten hinunter in das idyllische Tal, in dem mehrere fruchttragende Obstbäume wachsen. Auch ein alter Weidenbaum ist zu sehen. Am Rande des Sees wird ein Lager aufgeschlagen, und Nakatia und Frederik stellen trotz der scheinbaren Friedlichkeit des Ortes eine Wache auf.
Als sie jedoch am nächsten Morgen aufwachen, stellen die beiden Magier fest, daß ihre Wache eingeschlafen ist und während der Nacht jemand ihre gesamte Ausrüstung gestohlen hat. Sofort machen sie sich auf die Suche nach dem Dieb, aber kaum haben sie damit angefangen, als einige fast durchsichtige Luftfeen auftauchen. Die kleinen Wesen fangen an, sie fröhlich auszulachen und werfen dann einen feinen Staub über die ganze Gruppe. Nur Nakatia gelingt es, den Atem anzuhalten, die anderen werden voll getroffen, reagieren aber sehr unterschiedlich: Quintus und Colleen sind auf einmal völlig betrunken, Mesinga wechselt spontan ihre Hautfarbe, Frederik und Lionel werden sehr kindlich und spielen Fangen, Lin juckt es überall ganz furchtbar, Hélène wird sehr anhänglich und Constans ist völlig verwirrt. Sogar Nakatia verspürt ein wenig uncharakteristischen Appetit auf Gurken, kann sich aber beherrschen. Während sie sich weiter auf die Suche nach der verschwundenen Ausrüstung macht, bekommt sie unerwartete Hilfe: Die Obstbäume des Tals sind intelligent und können sprechen. Sie erzählen Nakatia, daß die Luftfeen die Ausrüstung gestohlen haben. Wenn sie sie wiederhaben will, so soll sie in der Höhle suchen, die sich auf halber Höhe der Felswand hinter dem Wasserfall befindet. Aber sie soll den kleinen Wesen nichts tun – um sie im Schach zu halten, genügt es, sie gründlich durchzukitzeln…
So gelingt es Nakatia und Mesinga, die Ausrüstung zurückzuholen. Die anderen erholen sich im Lauf des Tages von den Auswirkungen des Feenstaubs. Als es allen wieder gut geht, unterhalten sie sich ein wenig mit den freundlichen Obstbäumen. Die können ihnen erzählen, daß es verschiedene Ausgänge gibt: Einmal kann man durch den feinen Wasserschleier gehen, der sich am Rand des Wasserfalls bildet, oder man kann unter dem Regenbogen durchschreiten, der sich über dem See erstreckt. Außerdem gibt es noch eine Höhle in dem ältesten der Bäume, aus der manchmal Nebel kommt. Die Erwähnung des Nebels gibt den Ausschlag: Auf diesem Weg wollen die Gefährten ihre Reise am nächsten Tag fortsetzen. Nach einer geruhsamen Nacht machen sie sich auf den Weg, von den Obstbäumen reich mit Äpfeln und Birnen beschenkt.
Nach einem kurzen Weg durch einen Tunnel, der auf beiden Seiten von Wurzeln gesäumt ist, entdecken die Reisenden schon bald einen schmalen Ausstieg. Dieser führt zunächst in einen Wald hinein, aber schon nach kurzer Suche entdecken Moira und Noah das Ufer eines riesigen Sees. Auch in diesem See wachsen herbstliche Bäume, deren Stämme vielleicht bis zur Hälfte oder noch tiefer im Wasser verschwinden. Auf der Oberfläche des Sees schwimmen bunte Blätter, die gelegentlich von kleinen Wellen bewegt werden.
Nakatia und Frederik beschließen, dem Ufer des Sees zu folgen. Am Abend machen sie Rast an einer kleinen Quelle, deren Wasser Constans verwendet, um eine wohlschmeckende Suppe zu kochen. Dieses Wasser hat allerdings ungeahnte Nebenwirkungen: Sobald die Sonne völlig hinter dem Horizont verschwunden ist, verwandeln sich alle, die davon gekostet haben, in Tiere. So werden Nakatia und Lin zu Eichhörnchen, Samt und Frederik zu Wildschweinen, Constans zu einer Schlange, Moira und Sir Bealach zu Bibern, Hélène und Mesinga zu Bären, Colleen zu einer Füchsin, Lionel zu einem Pferd und Sir Quintus und der Esel zu Rehen. Einzig Noah verwandelt sich nicht, sondern bleibt ein Sperling.
Die Nacht wird nun recht umtriebig: Lin und Nakatia gehen in dem Seenwald auf Erkundung und entdecken eine riesige Biberburg. Sie sprechen sogar mit einem der Erbauer, der gerade auf Wache steht und erfahren, daß der Zauber der Quelle nur bis zum nächsten Morgen anhält. Danach nehmen alle wieder ihre natürliche Form an. Als Nakatia ihn nach dem Weg zu den Nebelschwestern fragt, antwortet ihr der Biber, daß dieser durch die Burg führen würde. Etwas mürrisch erlaubt er den beiden, am nächsten Tag mit ihren Gefährten wiederzukommen und den Weg zu benutzen.
Als die beiden zurück ins Lager kommen, fehlen Quintus, Colleen und Mesinga. Die stumme Groga hatte versucht, Nakatia zu folgen, aber Bären sind nicht so gewandt wie Eichhörnchen, und so hatte sie sie im Wald verloren. Erst am nächsten Morgen gelingt es ihr, den Rest der Gruppe wiederzufinden. Sir Quintus, das Reh, hatte sich vor seinem schlangenförmigen Knappen erschreckt und war in den Wald gelaufen, verfolgt von der Füchsin Colleen. Auch er kehrt erst am Morgen in Menschengestalt zu den anderen zurück.
Nachdem sich alle wieder in ihre natürliche Form zurückverwandelt haben, brechen die Serpentianer in Richtung der Biberburg auf. Dazu bauen Lionel und Sir Quintus ein Floß, das von Frederik abgedichtet wird. Damit er auch in das kleine Boot paßt, wird der Esel – dessen Name übrigens Spitzohr ist, wie Sir Quintus in der Nacht erfahren konnte – auf die Größe eines Hundes zusammengeschrumpft.
In der Burg werden sie schon erwartet. Einer der Biber führt die ganze Gruppe in ein Gewirr labyrinthartiger Tunnel und erklärt, einer davon würde sie zu ihrem Ziel bringen, wenn er auch nicht genau weiß, welcher. Nach einiger Suche entdecken Frederik und Nakatia schließlich einen schmalen Tunnel, durch den ein Rinnsal von sehr hellem Wasser fließt, und folgen ihm. Der anfänglich recht enge Tunnel verbreitert sich schon bald, und das Rinnsal wächst zu einem hellblauen, munteren Fluß heran. Schließlich erreichen die Gefährten das Ende dieses Wegs und sehen einen Wald aus Trauerweiden vor sich. Als sie ihn jedoch betreten wollen, stellt sich ihnen ein großer Troll in den Weg und fordert Wegzoll im Namen seines Herrn, des Herrschers dieses Reichs. Sir Quintus glaubt ihm jedoch nicht, daß er für diesen arbeitet, und fordert ihn auf, aus dem Weg zu gehen. Nach einigem Hin und Her gelingt es dem Ritter, den verlogenen Troll (der nicht einmal ein guter Lügner ist) so weit einzuschüchtern, daß dieser sie ohne Kampf ziehen läßt.
Der Wald aus Trauerweiden wird schon bald sehr unübersichtlich, da überall die schlanken Zweige der Bäume bis auf den Boden hängen und es nur an wenigen Stellen möglich ist, einen Weg durch sie zu finden. Kaum haben sich die Gefährten verlaufen, tauchen einige hilfreiche Tiere auf und nennen ein paar sehr merkwürdige Möglichkeiten, ins Reich der Nebelschwestern zu kommen – rückwärts mit geschlossenen Augen, dreimal um die Achse drehen und so weiter. Obwohl recht schnell klar ist, daß die Tiere sie nur auf den Arm nehmen wollen, macht Lin alles mit, und auch die anderen nehmen die Scherze gutmütig hin.
Daraufhin taucht ein kleines Kätzchen mit fluffigem grünweißen Fell auf – das Weidenkätzchen, die Herrin dieses Reiches. Sie zeigt den Gefährten, daß die Äste der Weiden sich manchmal zu Bildern verweben. Berührt man das richtige Bild, so gelangt man in ein anderes Reich.
Schon bald haben Nakatia und Frederik ein ihrer Meinung nach passendes Bild gefunden und schreiten hindurch. Doch noch haben sie die Nebelschwestern nicht gefunden: Statt dessen finden sie sich am Ufer eines spiegelglatten Sees wieder, in dessen Mitte ein prachtvolles Schloß mit silbrigen Mauern steht. Auf einer der Zinnen stehen ein paar menschlich wirkende Leute, von denen einer die Gefährten am Ufer entdeckt und beginnt, freundlich zu winken. Nur wenig später legen mehrere Boote von dem Schloß ab und werden von Ruderern zu der Gruppe gestakt. Sie überbringen eine Einladung von der Königin der Spiegel, die hier herrscht, als Gäste auf das Schloß zu kommen. Sir Quintus und die anderen nehmen an und werden hinüber gerudert.
Als sie durch die spiegelnden Hallen des Palastes gehen, um zu der Königin zu gelangen, fällt Nakatia auf, daß alle von ihnen auf einmal zu Schönheiten geworden sind: Falten sind verschwunden, Unebenheiten der Gesichtszüge haben sich geglättet – alle sind zu idealisierten Versionen ihrer selbst geworden.
Aber so schön sie auch sein mögen, mit der Frau auf dem Thron, zu der sie geführt werden, können sie nicht konkurrieren: Die Königin überstrahlt alle Schönheiten ihres Palastes wie die Sonne eine Talgkerze. Ihre Haare sind aus feinstem Silberblond gesponnen, ihre Augen das schmerzliche Blau eines perfekten Herbsthimmels und ihr Gesicht so rein wie die Sterne. Kühl heißt sie ihre neuen Gäste willkommen und verspricht, in der Bibliothek nachzusehen, ob dort etwas darüber steht, wie man zu den Nebelschwestern kommt. Solange lädt sie die Gefährten ein, in ihrem Schloß zu verweilen.
Nakatia und Sir Quintus sind nach dieser Begrüßung ziemlich mißtrauisch. Die anderen Gäste – ebenfalls wunderschön und scheinbar ziemlich hohlköpfig – kommen ihnen vor wie Marionetten. Die einzige Ausnahme ist ein seltsamer Kerl, der sich als Arnold der Händler vorstellt und die seltsamsten Dinge feilbietet – darunter auch einen Teufel in einer Flasche. Allerdings ist Lin der einzige, der ihm etwas abkauft.
Auch ansonsten setzt sich der Chinese ein wenig von der Gruppe ab. So kommt es, daß er als einziger die Nacht in seinem Zimmer verbringt, während alle anderen sich bei Nakatia eingefunden haben und dort immer jemand Wache hält. Das erweist sich als eine gute Idee: Als Lin nämlich aufwacht, findet er sich zusammen mit einigen anderen in einer Zelle tief unter dem Schloß wieder und sieht gerade noch, wie ein Doppelgänger von ein paar Gnomen nach oben geschickt wird. Diese Gnome wirken ein wenig seltsam: Jedem von ihnen scheint irgendein Körperteil zu fehlen, das dann durch zufällig scheinende Teile ersetzt wurde. So hat eines der kleinen Wesen statt dem linken Bein ein Rad, ein anderes einen Hammer statt einem Arm, und einem ist sogar der Kopf durch eine Teekanne ersetzt worden. Dies sind die Ersatzteilgnome, wie Lin auf Anfrage erfährt. Sie bauen Doppelgänger von allen Besuchern. Die Königin der Spiegel verlangt es so.
Außer Lin sind noch zwei andere Personen in der Zelle. Einer von ihnen ist schon ganz durchscheinend, und auch die andere scheint ihre charakteristischen Merkmale verloren zu haben. Lin kann gerade so ausmachen, daß es sich um eine Frau handelt.
Oben im Palast fällt den anderen schon bald auf, daß mit „Lin“ etwas nicht ganz stimmt – er interessiert sich plötzlich nur noch für Zerstreuungen und würde gern für immer hierbleiben. Als sie daraufhin das Zimmer des Chinesen durchsuchen, entdeckt Nakatia eine Geheimtür, hinter der ein Gang direkt nach unten in die Werkstatt der Ersatzteilgnome führt. Dort befreien sie zunächst Lin und die Frau, trotz des Protests der kleinen Handwerker.
Als sie sich ein wenig mit den Gnomen unterhalten, erfahren sie, daß die Königin die Kinder der kleinen Wesen gefangenhält. Sie befinden sich in einer Zelle, die allerdings von zwei Spiegelrittern bewacht wird. Die Rüstungen dieser Ritter bestehen vollständig aus Spiegeln, die auf sie gerichtete Zauber zurückwerfen. Außerdem bringt es sieben Jahre Unglück, diese Spiegel zu zerbrechen…
Sir Quintus und Colleen beschließen, den Versuch dennoch zu wagen. Dazu wird zunächst eine farbige Paste angerührt, die die Spiegel trüben soll. Mit ihr werden mehrere elastische Schweinsblasen so gefüllt, daß die Farbe leicht herausspritzen kann. Außerdem werden mehrere Netze organisiert, mit denen die Ritter zu Fall gebracht werden können.
So ausgerüstet begeben sich die Serpentianer in den Gang, der zu dem Gefängnis der Gnomenkinder führt. Der Kampf mit den Spiegelrittern ist dank der zahlenmäßigen Überlegenheit der Gefährten schnell geschlagen, dabei zerbricht allerdings Lionel einen der Spiegel. Außerdem ist es den beiden Wachen gelungen, Alarm auszulösen, und so nähern sich von hinten zwanzig weitere Spiegelritter. Immerhin gelingt es Lin durch seine genaue Kenntnis von Gesteinen schnell, einen Schwachpunkt in den Gefängnisgittern zu finden und die Kinder zu befreien.
Danach fliehen sie durch den einzigen weiteren Durchgang, der aber nur in eine kleine Kammer führt. Dort steht ein gläserner Sarg, in dem ein wunderschönes junges Mädchen liegt. Ihre Haut ist weiß wie Schnee, ihre Lippen rot wie Blut und ihr Haar schwarz wie Ebenholz. Neben ihrer warmen und freundlichen Schönheit wirkt die Königin der Spiegel nur wie ein glitzernder Eiszapfen.
Die Gestalt erinnert Frederik an ein altes Märchen, das er in seiner Kindheit gehört hat. Darin versucht eine mißgünstige Königin, ihre schöne Stieftochter immer wieder durch Gift zu ermorden. Er erzählt den anderen davon, und Nakatia entdeckt nun auch Spuren der Vergiftung an dem jungen Mädchen. Mittels Magie kann sie das Gift vernichten, und als die Schwarzhaarige aufwacht, verharren die Spiegelritter an der Schwelle der Kammer. Auf ihren Befehl hin zerfallen sie alle zu Staub.
Das schöne Mädchen Schneeweiß ist die rechtmäßige Herrin dieses Schlosses, und so konfrontiert sie die Königin der Spiegel im Thronsaal. Die falsche Giftmischerin flieht vor der wahren Herrscherin, und das ganze Reich ist von ihrem bösen Bann erlöst. Die Doppelgänger von Lin und der Frau aus dem Verlies zerfallen zu Staub, die anderen bleiben jedoch als neue Untertanen von Schneeweiß bestehen.
Diese ist ihren Rettern natürlich sehr dankbar und führt sie in die Galerie der Spiegel. Dort hängen unzählige davon an den Wänden und jeder zeigt ein anderes Bild. Wenn man den richtigen durchschreitet, gelangt man sofort an sein Ziel. Nach kurzer Suche entdecken die Magier und ihre Gefährten einen Spiegel, der einen Turm im Nebel zeigt, und wählen diesen.
Auf der anderen Seite finden sie sich am Ufer eines Flußes wieder. Jedoch kann man kein Wasser sehen – das ganze Flußbett scheint mit Nebel ausgefüllt zu sein. Als sie dem seltsam stillen Strom folgen, erreichen die Serpentianer schon bald eine hohe Klippe, auf der ein einsames kleines Haus steht. Neben diesem Haus ergießt sich der Fluß zu einem Fall von dichtem Nebel nach unten. Dort wogt wie eine Masse erdgebundener Wolken, von unsichtbaren Winden durchwirbelt und zu seltsamen Strömungen geformt, das Nebelmeer. Weit am Horizont kann man einen hohen Turm erahnen, dessen Spitze über das Meer hinausragt.
Es ist still hier, und nur gelegentlich durchbrechen die heiseren Schreie von bleichen Möwen die Ruhe. Eine Weile lang schauen die Reisenden gefesselt von dem Anblick der mächtigen Wellen aus Nebel auf das Meer heraus und sehen, wie langsam die Sonne versinkt. Als sie den Horizont berüht, färbt sich der Nebel zuerst golden und dann rot, bis er von eigenem Licht erfüllt zu glühen scheint. Die Strahlen der untergehenden Sonne berühren auch den entfernten Turm, der wie ein seltsamer Stern aufglüht und den Nebel um sich herum noch intensiver erleuchtet.
Schließlich ist die Sonne ganz untergegangen und auch das letzte Glühen des Nebels ist verschwunden. Da erst wenden sich die Reisenden von dem stillen Meer ab und dem Haus am Rande der Klippe zu. Aus dessen Fenstern scheint ein heimeliges goldenes Licht, und als die Gefährten eintreten, stellen sie fest, daß es sich um eine Art Wirtshaus handelt.
Hinter einer Bartheke aus goldbraunem Holz steht eine hochgewachsene Frau und begrüßt sie freundlich. Sie ist Rhiannon, Wirtin des Hauses zur Letzten Wacht. Auf die Frage nach den Nebelschwestern erklärt sie, daß die Orakel in dem Turm inmitten des Nebelmeers leben würden. Morgen früh könnten die Reisenden übersetzen.
Die Serpentianer sind nicht die einzigen Gäste in der Herberge. Drei Leute halten sich hier ständig auf, um die Orakel und das Nebelmeer zu studieren. Mit dem Gnom Sildric und der Eule Beactra unterhalten sich Frederik, Sir Quintus und die anderen noch eine ganze Weile. Dabei erfahren sie, daß pro Queste nur eine Frage erlaubt ist. Dies bedeutet für sie, daß sie sich ganz genau überlegen müssen, was sie die Schwestern fragen wollen, denn sie sind alle auf derselben hierher gekommen. Außerdem weiß Sildric zu berichten, daß sich hier früher ein großes und mächtiges Reich befand, das aber ausgelöscht und unter den Nebeln begraben wurde. Warum und von wem, weiß er auch nicht, aber dies sind die Fragen, die er hier studiert.
Nach einer erholsamen Nacht treffen die Gefährten am nächsten Morgen die Fährfrau Bellis. Ihre Haut und ihre Haare sind schwarz, ihre Augen himmelblau, und sie wirkt so leicht wie eine Feder. Sie wird sie mit ihrem Boot hinüberbringen zu dem Turm der Schwestern, denn dies ist der einzig sichere Weg. Über dem Meer fliegen die hungrigen Möwen, und unter seiner Oberfläche leben scharfzähnige Flügelaale. Das Boot selbst ist aus dem Flaum neugeborener Silberschwäne gefertigt und wiegt nicht mehr als ein Atemhauch. Da auch das Nebelmeer Strömungen hat, werden einige der Gefährten Bellis beim Steuern helfen müssen: Dazu werden Sir Quintus, Lin und Mesinga ausgewählt.
Zunächst aber muß das Boot auf das Nebelmeer gelangen. Dazu steigen alle an Bord, und dann fällt es federgleich auf die Oberfläche hinab, wo es ein wenig hin und her schwankt, bis es perfekt zu liegen kommt. Die Überquerung des Nebelmeeres ist seltsam still, aber auch nicht ganz ungefährlich: Einmal kentert das leichte Boot fast, und den Gefährten ist schnell nur allzu bewußt, daß sich zwischen ihnen und den Tiefen des Meers nichts als eine dünne Schicht Federn befindet.
Aber schließlich erreichen sie den Turm doch. Das Boot legt bei einer weiten Terrasse an. Jetzt kann man erkennen, daß tatsächlich nur die Spitze des Turms aus dem Nebel ragt – die Plattform, auf der sie ankommen, muß früher einmal ein Balkon gewesen sein.
Dort wartet schon ein junger Mann auf sie, der Bellis bis aufs Haar gleicht. Die beiden fallen sich in die Arme und bleiben eine lange Zeit so stehen. Endlich lösen sie sich voneinander, und Bellis verabschiedet sich von ihm mit leisen Worten. Dann führt sie die Gefährten ins Innere des Turms und zeigt ihnen die Treppe, die sie hinaufsteigen müssen, um zu den Nebelschwestern zu gelangen.
Der Aufstieg zieht sich über eine lange, lange Zeit hinweg. Fast wie im Traum erklimmen Nakatia, Frederik und die anderen die vielen, weißschimmernden Stufen, bis sie endlich oben ankommen. In einer luftigen Kammer unter dem hohen Bogendach warten die elf Schwestern auf sie. Alle sind hochgewachsen und schlank wie Nebelschwaden. Ihre Kleidung ist aus feinstem grauen Stoff gewoben und hat nicht mehr Gewicht als ein Windhauch. Ihre Gesichter sind unter den zarten Schleiern nur zu erahnen.
Eine von ihnen tritt vor, um die Reisenden zu begrüßen und ihnen zu gestatten, ihre Frage zu stellen. Zunächst bleiben alle stumm, überwältigt von der Präsenz der Schwestern, dann aber tritt Nakatia vor. Mit belegter Stimme bittet sie darum, zu erfahren, wo das Reich der Schwarzen Rose ist.
Nun öffnet sich der Kreis der elf Schwestern, bis alle der Reisenden in die Mitte getreten sind. Dann schließt er sich wieder, und die schlanken Frauen beginnen, sich erst langsam und dann immer schneller um die Gefährten zu bewegen. Dabei sprechen sie leise vor sich hin. Zunächst ist ihr Gemurmel unverständlich, aber dann wird es lauter und immer lauter, bis sich aus den einzelnen Stimmen eine herauszuschälen scheint. Diese spricht: „Im Herzen…das Reich der Eisigen Speere…im Herzen des Reichs der Eisigen Speere…“ Und noch lauter und drängender werden die Stimmen, bis schließlich die Gefährten überwältigt zu Boden sinken.
Sie erwachen im Haus zur Letzten Wacht wieder. Jetzt haben sie ihre Antwort, und es bleibt nur noch, ins Reich der Eisigen Speere zu reisen und das Reich der Schwarzen Rose zu befreien. Vor allem Colleen hat die Hoffnung, unterwegs ihren Mann Lucien und dessen Knappen zu treffen.
*
Rhiannon kann Nakatia, Frederik und den anderen einen Weg weisen, wie sie am schnellsten ins Reich der Eisigen Speere kommen: Sie müssen nur eine Weile dem Nebelfluß folgen und bei den ersten Anzeichen von Schnee in diese Richtung abbiegen.
Dies erweist sich als ziemlich einfach, sodaß die Gefährten schon bald über eine öde, schneebedeckte Ebene wandern, in der ab und zu dichte Nebelschwaden und -bänke auftreten. Als sie einmal gerade eine solche Bank durchquert haben, hören sie vor sich Stimmen. Eine davon ist weiblich und weist zwei weitere an, kräftig zu ziehen. Beim Näherkommen sehen die Gefährten schnell, was los ist: Ein Ochsenwagen steckt zur Hälfte in einem tiefen Eisloch fest, und zwei Männer und eine Frau bemühen sich vergeblich, ihn wieder herauszuziehen.
Sir Quintus bietet den drei Menschen Hilfe an, und zusammen gelingt es ihnen, den Karren wieder freizubekommen. Dabei erkennt die Frau Frederiks Hauszeichen und lädt ihn und die anderen ein, doch zu Besuch nach Sonnenhof, einem hermetischen Bund, zu kommen. Er nimmt gerne an, da er die Hoffnung hat, dort vielleicht noch etwas bessere Winterausrüstung zu bekommen.
Auf dem Weg nach Sonnenhof wird die Gegend wieder etwas wärmer, bis die Reisegruppe schließlich in einen dichten Frühlingswald kommt. Unterwegs treffen sie auf den kleinen Gnom Gelfi, der sich auf der Stelle in die rothaarige Colleen verguckt. Als sie dann zu einem hohen, sonnenbeschienenen Hügel kommen, brüllt er zu den Hütten hoch, er habe etwas im Wald gefunden, dürfe er es bitte behalten?
Die zustimmende Antwort kommt aus einer der drei Behausungen, einem rundlichen Baumgebilde, das ein wenig so aussieht, als habe eine kleine alte Eiche einen Schluckauf gehabt. Die beiden anderen Hütten sind ein kleiner dünner Turm und ein Riesenkürbis. Außerdem gibt es noch eine feuchte Höhlenhütte, von der nur der Zugang zu sehen ist.
Die vier Magier des Bundes begrüßen die Neuankömmlinge recht freundlich. Einen von ihnen kennt Frederik sogar: Corax Ex Miscellania, dem er auf dem Blütenturnier begegnet war. Die anderen stellen sich als Quercus und Bullila Ex Merinita und Frideswinde Ex Diedne vor. Da der Bund sich schon seit etwa 912 hier in den Feenreichen befindet, haben die vier noch nie etwas vom Schisma-Krieg gehört.
Gelfi, der verliebte Gnom, ist Quercus´ Familiaris. Als er erfährt, was der Kleine da im Wald „gefunden“ hat, zieht er die Erlaubnis, es zu behalten, natürlich zurück. Daraufhin schmollt der Gnom erst mal….
Die vier Magier sind gerne bereit, Frederik und Nakatia bei ihrer Reise zu helfen. Dazu gibt Frideswinde Nakatia ein Mittelchen gegen Erkältungen mit, das sich schon ganz warm anfühlt. Auch warme Decken können die Sonnenhofer entbehren. Letztenendes haben sie noch einen guten Tip: Wenn sie sich ungesehen in einem Reich bewegen wollen, brauchen sie irgendeinen Schutz. So etwas könnte man eventuell auf dem Schneemarkt erwerben. Um dorthin zu kommen, könnten die Serpentianer das Wagenhaus nehmen, das hier demnächst durchfahren muß.
Nakatia und Frederik beschließen, diesem Vorschlag nachzukommen. In aller Freundschaft verabschieden sie sich von dem merkwürdigen Bund, und besteigen das Wagenhaus. Von außen wirkt dieses seltsame Transportmittel wie eine große, gelbe, staubbedeckte Kutsche, die von sechs Pferden gezogen wird, innen jedoch ist es viel größer: Eine große Gaststube erwartet die Gefährten, und es scheinen noch mehrere Räume davon abzugehen. Eine Treppe führt sogar nach oben.
Es ist ziemlich voll im Wagenhaus, aber die Wirtin bemerkt die Neuankömmlinge schnell und versorgt sie mit Whisky, Ale und Hermesbräu. Sie wird ihnen sagen, wenn sie beim Schneemarkt ankommen. Solange können sich die Gefährten gerne in der Gaststube aufhalten.
Nakatia fühlt sich sofort zu zwei alten Männern hingezogen, die in einer kleinen Nische Schach spielen. Offenbar geht die Partie schon sehr lange, und die beiden sind auch nicht sehr gesprächig. Dennoch ist Nakatia von den bedachtsamen Zügen der Spieler fasziniert.
Die anderen haben einen seltsamen jungen Mann bemerkt, der die anderen Gäste – unter denen Trolle, sprechende Tiere und steinerne Käuzchen sind – fast schon verzweifelt anstarrt. Als Frederik mit ihm spricht, erfährt er, daß der junge Mann Jonathan Fitzgerald heißt und aus Boston in einem Land namens Amerika kommt. Dort scheint es merkwürdig zuzugehen: Es gibt keine Adligen, und alle Leute können lesen. Jonathan ist ein Student der Architektur, der seinen Wagen an einen Baum gefahren hat und dann hier herein gestolpert ist. Er scheint sehr desorientiert zu sein und glaubt nicht einmal an Magie…
Aber schließlich ist es Zeit, auszusteigen: Das Wagenhaus ist am Schneemarkt angekommen. Dabei handelt es sich um eine kleine Marktstadt mit vielen Schenken und Kneipen, in der überall an Ständen und in Läden Waren feilgeboten werden. Darunter sind mundane Dinge wie Stiefel und Bürsten, aber auch so exotische Sachen wie Katzenhaarteppiche, grüne Garglinge und Rollsiegel. Colleen hofft, hier vielleicht auf Borgil, den geschäftstüchtigen Schneetroll, zu stoßen, der vor einiger Zeit versucht hat, Fionnualas Herz zu stehlen. Er könnte ihnen sicher weiterhelfen – für den richtigen Preis.
Zunächst aber begegnen die Gefährten einem jungen Mann, der Lose für das große Glücksspiel verkauft. Fast alle kaufen sich welche, aber nur Nakatia und Mesinga haben Glück: Die Magierin gewinnt ein Ungelegtes Ei (?), und die Groga erhält eine Tarnkappe, mit der sie sich unsichtbar machen kann!
Einen Stand weiter verkauft ein Händler Honigbrötchen. Der immer hungrige Constans und ein paar andere kaufen sich welche, wobei Lionel allerdings Pech hat: Plötzlich kann er sich weder erinnern, wer er ist noch was er hier macht. Als Frederik den Händler zur Rechenschaft ziehen will, hat der sich schon verzogen. Von der Marktwache erfährt der Magier dann, daß dieser Händler schon einmal Brötchen mit Honig von Blauen Rosen verkauft hat – und der Honig hat dieselbe Auswirkung wie der Duft dieser Blumen: Völligen Gedächtnisverlust…
Als sich Colleen nach Borgil erkundigt, erfährt sie, daß sich dieser wahrscheinlich im „Geköpften Zwerg“, einer berüchtigten Trollkneipe, aufhält. Dort treffen sie und die anderen ihn tatsächlich an, allerdings ist er völlig betrunken. Nachdem sie ihn wieder etwas nüchterner bekommen haben, verlegt er das Gespräch in das „Geborgte Huhn“, da in dieser Schenke Menschen sehr viel lieber gesehen werden als im „Geköpften Zwerg“.
Dort schildern Colleen und Nakatia ihr Problem. Borgil meint, er könne vielleicht helfen, aber zuvor müsse er mit einigen Leuten reden. Aber er weiß, daß vor einiger Zeit ein Ritter und sein blonder Knappe im Schneemarkt waren – möglicherweise Lucien und Richard. Die beiden sind damals im „Silberglanz“, einer etwas besseren Herberge, abgestiegen. Da sie dort selbst noch einmal nachfragen wollen, verabschieden sich die Gefährten von Borgil. Wegen der geheimen Reisemöglichkeit sollen sie ihn später noch einmal im „Gehängten Zwerg“ aufsuchen.
Als die Serpentianer zum „Silberglanz“ kommen, sieht Colleen auf einmal durch das Fenster im Schankraum eine bekannte Gestalt: Alessandro, den sie damals bei der Geschichte mit dem Falschen Herzen in Vezay kennengelernt hat. Als sie dies den anderen berichtet, beschließen diese, vorsichtig zu sein. Nakatia traut dem Feenboten nicht, da sie sich damals von ihm betrogen glaubte. Daher soll sich Sir Bealach von der Gruppe trennen und die Schenke schon vor ihnen betreten, um Alessandros Reaktion besser zu beobachten.
Erst eine Weile nach Sir Bealach betritt der Rest den „Silberglanz“. Als Alessandro sie sieht, scheint er sowohl erfreut als auch erleichtert. Nachdem sich die Serpentianer gesetzt haben, kommt er zu Colleen herüber und begrüßt sie erfreut. Er habe ihren Mann und dessen Knappen kennengelernt und müsse nun dringend mit ihr reden, sagt er. Dann aber wird er von Nakatia so eisig angefahren, daß er sich zurückzieht. Nun kommt es scheinbar zum Streit zwischen Sir Quintus, Colleen und Frederik mit Nakatia. Beleidigt zieht sich diese an einen anderen Tisch zurück, wo sie von Sir Bealach „angesprochen“ wird. Er berichtet, Alessandro habe im ersten Moment sehr erschreckt ausgesehen, als die Serpentianer die Herberge betraten.
Ein wenig später taucht ein Rabe am Fenster neben Alessandro auf, und der Feenbote verläßt die Gaststube. Colleen und Sir Quintus folgen ihm, zunächst heimlich. Bald jedoch werden sie bemerkt, und Alessandro bittet sie erneut, mit ihm zu sprechen. Dazu aber führt er sie zu einer heißen Quelle, denn die Eiszapfen gehören zum König der Eisigen Speere, und er könnte sie darüber belauschen.
An der heißen Quelle berichtet er, daß Lucien und Richard sich tatsächlich auf den Weg zum Palast des Königs gemacht hätten. Allerdings wäre etwas schief gegangen: Wenige Tage nach dem Aufbruch kam Richard allein und verletzt wieder zurück zu den Gletscherhöhlen, von denen aus er und Lucien losgezogen waren. Er berichtete, daß er und sein Ritter vom König der Eisigen Speere bei ihrem Befreiungsversuch erwischt und zu Eisstatuen eingefroren wurden. Irgendwie gelang es dem Knappen aber zu fliehen. Seitdem erholt er sich bei dem Gletschergeist Siriki und deren Leuten. Bei der Erwähnung dieses Namens erinnert sich Quintus, daß diese Fee einmal einige Zeit im Bund verbracht hatte, nachdem sie von Andrew und Mentalia vor den Häschern von Tajars Zoo gerettet worden war.
Alessandro ist nach diesen Ereignissen zum Schneemarkt gekommen, da er Leute anheuern wollte, mit denen er und Richard einen zweiten Versuch wagen könnten. Bisher hat er aber damit noch wenig Erfolg gehabt. Der Rabe, der beim „Silberglanz“ an die Scheibe geklopft hat, ist einer der letzten Getreuen der Prinzessin der Schwarzen Rose. Er überbrachte eine Botschaft von Siriki: Richard wird bald wieder genesen sein, Alessandro möge sich beeilen.
Sir Quintus und Colleen sagen zu, bei der Befreiung zu helfen, obwohl sie das natürlich erst mit ihren Gefährten abklären müßten. Danach kehren sie zu ihrer Herberge zurück. Dort informieren sie die anderen im Dampfbad über diese Entwicklung. Nakatia und Frederik beschließen, mit Alessandro zu Siriki zu reisen, wiewohl Nakatia es für klüger hält, dem Feenboten weiterhin eine Feindschaft innerhalb der Gruppe vorzuspiegeln. Sie traut ihm nicht über den Weg.
Daraufhin versorgen sich Sir Quintus und die anderen mit Vorräten, während Nakatia den „Gehängten Zwerg“ aufsucht. Dort trifft sie Borgil, der sie zu einem alten, eisverkrusteten Brunnen führt. In dessen Tiefen lebt Öllp, der Eisnöck. Von ihm erhält sie im Tausch gegen ein Liber Peregrinatio dreizehn Paare Wolfohren, die einem Herrscher vorspiegeln, daß nur ein Rudel Wölfe unterwegs wäre. Sie müssen durch hundert Bürstenstriche ausgelöst werden und wirken nur einmal. Außerdem erwirbt Nakatia noch ein wenig Drachenblutwhisky. Während sie sich dort aufhält, stellt sie fest, daß Öllp wohl Bücher sammelt, denn in den Gängen des Tunnels sind überall welche aufgestapelt. Als sie aber neugierig in eines davon hineinschaut, sieht sie nur leere Seiten vor sich. Beim Öffnen ist allerdings etwas Merkwürdiges geschehen: Mesinga kann beobachten, wie drei Buchstaben von den Seiten auffliegen und sich auf Nakatias Stirn niederlassen. Sie erscheinen dort wie dünne, alte Narben und formen das Wort „NON“, lateinisch für „Nein“…
Nachdem alle Einkäufe getätigt sind, macht sich die Gruppe mit Alessandro auf den Weg.
Um zu Sirikis Reich zu gelangen, müssen die Gefährten einen steilen Abhang hinunter. Da es Tage dauern würde, wenn man klettert, besorgt der Feenbote ein paar Schlitten von befreundeten Haartrollen. Vor der Abfahrt wird der Esel Spitzohr einmal mehr geschrumpft, damit er auch auf den Schlitten paßt.
Dann geht es los: Die Rodelerfahrenen – allen voran Frederik, der in den bayrischen Bergen recht oft dazu gekommen ist – werden mit den weniger Winterfesten auf einen Schlitten gepackt, und dann geht es pfeilschnell den Abhang herunter. Bis auf einen etwas unfreiwilligen Sprung von Frederiks Gefährt kommen auch alle unbeschadet unten an. Spitzohr ist von der Fahrt so begeistert, daß er sie am liebsten noch mal machen würde…
Der Abhang endet an einer weiten Gletscherspalte, die die Gefährten hinabklettern müssen. Dann geht es eine Weile lang über Eisgrate und schmale Brücken in die Tiefen des Gletschers hinein, in denen Sirikis Reich zu finden ist. Der Weg ist nicht ohne Gefahren: So zieht sich Quintus eine schwere Erkältung zu, und Sir Bealach rutscht auf einem der schmalen Gletscherwege aus und wäre fast in die Tiefe gestürzt, kann aber gerade noch gerettet werden. Seinen Schild verliert er dabei allerdings.
Schließlich kommen die Reisenden in den Hallen der Gletschergeister an. Siriki begrüßt sie erfreut, denn natürlich erinnert sie sich an Nakatia und Colleen aus ihrer Zeit in Serpentia. Sie entschuldigt sich, daß es hier für Menschen empfindlich kalt ist, aber sie und ihr Volk benötigen keine Wärme.
Bevor sie sich mit Richard treffen, kümmert sich Nakatia erst einmal um den kranken Quintus. Er bekommt den Erkältungstrunk, den Frideswinde den Gefährten in Sonnenhof mitgab, zu trinken. Die Ergebnisse sind ziemlich radikal: Seine Augen beginnen, rot zu leuchten, seine Körpertemperatur steigt an und seine Haut wird ein wenig dunkler. Er selbst fühlt eine große Wärme in sich ansteigen, die auch bestehen bleibt und ihn vor Kälte schützt. Diese Auswirkungen lassen auch mit der Zeit nicht nach.
Nachdem sich die Gefährten etwas von den Strapazen der Reise erholt haben, führt Siriki sie zu Richard. Der Junge ist in einem etwas wärmeren Raum untergebracht und sichtlich erleichert, als er Frederik, Colleen und die anderen sieht. Er hat immer noch ein paar Verbände um seine Arme, wo ihn die Wölfe gebissen haben.
Nach der Begrüßung fängt er an, seine Geschichte zu erzählen: Als er und Lucien zu Gast im Goldenen Frühlingswald waren, kam ein völlig erschöpfter Rabe zu dem bekannten Ritter und bat um Hilfe für seine Herrin, die Prinzessin der Schwarzen Rose. Deren Reich sei verschwunden – wahrscheinlich entführt. Sir Lucien brach natürlich sofort auf, um sie zu retten. Drei Orakel befragten er und sein Knappe, um zu erfahren, wo das Reich sei, wie man es retten und wie man sich vor dem Blick des Königs schützen könne. Um es zu retten, benötigt man den Feuerkern, der im Herz einer Flamme erblüht. Die beiden machten sich auf die Suche danach, und als sie ihn fanden, stellten sie fest, daß die Flamme so heiß war, daß sie Fleisch wie Butter verbrennen würde. Daher beschloß Richard, lieber seine Hand zu opfern als die des Ritters und schob sie schnell vor Lucien in die Flamme. Dort ergriff er den Feuerkern, und als er seine Hand wieder herauszog, war sie heil und gesund. Allerdings konnte Lucien den Feuerkern nicht berühren – für ihn fühlte er sich viel zu heiß an… Nachdem sie sich beim Schicksalsschmied ein paar Sichtfänger abgeholt hatten, brachen die beiden ins Reich der Eisigen Speere auf. Unterwegs trafen sie auf ein paar Eisgnome, denen sie noch schnell gegen einen Polarkraken halfen. Als Dank zeigten die Gnome den beiden einen geheimen Eingang in den Palast des Königs der Eisigen Speere.
Dort tarnten sich die beiden als Frostritter und machten sich auf die Suche nach dem Herzen. Zunächst begaben sie sich zum Thronsaal, da Lucien das Herz dort vermutete. Nun aber verließ sie das Glück: Die beiden wurden von dem König gesehen und als Eindringlinge erkannt. Daraufhin verwandelte der Herrscher sie in Eisstatuen und ließ sie stehen.
Schon bald jedoch bemerkte Richard, daß der Feuerkern, den er bei sich trug, das Eis um ihn herum schmolz. Es dauerte nicht lange, und der Knappe war wieder frei. Bevor er jedoch auch seinen Ritter losschmelzen konnte, kamen ein paar Frostelfen in den Thronsaal. Sie entdeckten Richard und er floh, um Lucien vielleicht später helfen zu können. Verfolgt von den Schergen des Königs der Eisigen Speere gelangte der Junge bis an den Rand der Eisebene, die den Palast umgibt. Dort wurde er von einem Rudel Wölfe gestellt und schwer verletzt, ehe Sirikis Späher ihm zu Hilfe eilen und die Wölfe vertreiben konnten. Seitdem ist er bei dem Gletschergeist zu Gast und macht sich Vorwürfe, Sir Lucien im Stich gelassen zu haben. Colleen kann ihn beruhigen: Wäre er erneut gefangengenommen worden, sähe die Sache noch viel schlechter aus…
Da der Junge immer noch nicht ganz verheilte Wunden hat, kümmert sich Hélène ein wenig um ihn. Es gelingt ihr tatsächlich, ihn ganz zu heilen, sodaß einem schnellen Aufbruch nichts mehr im Wege steht. Bevor es allerdings soweit ist, bittet Nakatia Siriki, doch nach Sir Bealachs Schild zu suchen. Der ist immerhin ein Geschenk von dessen Königin, und sie nimmt an, daß er ihn gerne wiederhätte. Diese Bitte kann der Gletschergeist erfüllen, und so erhält der Feenritter seinen Schild ein zweites Mal zurück.
Während die Gletscherfeen noch suchen, bittet Richard Colleen um eine Unterredung: Er hat ein schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache – das Gefühl, daß ihnen Verrat droht. Als Colleen ihn näher befragt, erzählt er zögernd, daß er schon seit einer Weile unter Alpträumen über Verrat leidet – seitdem er in der Kammer der Nachtweberinnen Licht angezündet hat. Die Nachtweberinnen sind eines der Orakel, die er und Lucien befragt haben, und sie weben in völliger Dunkelheit. Als Richard Licht machte, fiel sein Blick auf einen der Teppiche, die sie weben, und er sah etwas, das seine Zukunft gewesen sein mag…
Colleen berichtet den anderen von Richards Befürchtungen. Nakatia hat sofort Alessandro in Verdacht, der Verräter zu sein, und so wird nach längerer Beratung beschlossen, ihn zurückzulassen. Dazu soll Siriki ihn auf Informationssuche zu den freien Eisgnomen schicken.
Kurz nachdem der Bote sich von ihnen verabschiedet hat, brechen die Gefährten auf. Zwar findet Sir Bealach es ehrlos, hinter Alessandros Rücken loszuziehen, aber er beugt sich der Entscheidung der anderen. So verlassen die Serpentianer das Gletscherreich und brechen zur letzten Etappe ihrer Reise auf…
*
Um zu dem Palast des Königs der Eisigen Speere zu gelangen, müssen die Gefährten zunächst die Ebene des Frostes überqueren, ein riesiges Feld voller verkarstetem Schnee und glitzernden Eisflächen. Heulende Windböen fegen über die Ebene hinweg, und es ist kälter als je zuvor.
Bevor die Serpentianer die Ebene betreten, legen sie alle die Wolfsohren an, auch Moira und Spitzohr werden sorgfältig gebürstet und dann getarnt. Dann machen sie sich auf den mühevollen Weg zu der schmalen Felsnadel, in der der König lebt. Sie ist schon von der Grenze zum Gletscherreich aus zu sehen, aber Richard weiß, daß man fast eine Woche braucht, um dorthin zu gelangen.
Kaum sind die Gefährten auf die Ebene hinausgetreten, als sie beginnen, die Kälte zu spüren, die sich trotz ihrer warmen Kleidung schon bald in den Knochen festsetzt und nicht mehr weichen will. Die Windböen scheinen von den Reisenden magisch angezogen zu werden und wehen ihnen durch Mark und Bein, sodaß der Atem in den Lungen zu gefrieren scheint.
Schon am ersten Tag auf der Ebene des Frostes sehen Frederik und Nakatia, wie aus einiger Entfernung zwei Lichtpunkte auf sie zukommen. Zur allgemeinen Verblüffung handelt es sich dabei um zwei geschwätzige Feuerdjinns, die die Reisenden beschuldigen, Kinderdiebe zu sein. Sie erklären, Abbas Ibn Usama hätte sie geschickt, da sie seine Kinder entführen wollten. Dies wollen die Feuerdjinns verhindern, und so greifen sie die ein wenig konsternierte Gruppe an, werden aber leicht in die Flucht geschlagen.
Quintus, Nakatia und die anderen können mit diesem seltsamen Angriff nicht viel anfangen – bis jetzt wußten sie nicht einmal, daß Abbas hier Kinder hat. Sie hatten nur unterwegs Gerüchte gehört, daß Daowyn mit einem Magier mehrere Kinder bekommen hätte. Davon soll ein Sohn bei seinem Vater leben. Könnte es sich dabei um den Ibn Usama handeln? Aber was sollten diese unfähigen Feuerdjinns? Fast scheint es, als wollte Abbas, daß sich die Serpentianer der Kinder annehmen…
Als sie weiter in die Richtung gehen, aus der die Djinns gekommen sind, finden sie hinter einer kleinen Erhebung einen jungen Mann, der in viel zu dünne Kleidung gehüllt ist und etliche Brandwunden am Körper trägt. Nachdem sie ihn wieder ein wenig aufgewärmt haben, finden sie heraus, daß sein Name Almeric ist. Er diente früher den Templern in Tyros, wurde aber eines Tages in eine kleine Bergfestung mitgenommen, in der dämonische Rituale abgehalten wurden – zu Ehren eines ziegenköpfigen Teufels. Später forderte ein Mann mit einer großen Nase ihn als Diener und schickte ihn als Unterhaltung für die beiden Feuerdjinns mit auf die eisige Ebene. Quintus und Colleen versorgen ihn mit warmen Kleidern und weisen ihm den Weg zum Gletscherreich. Dort wollen sie ihn später wieder abholen und sich genauer mit seiner merkwürdigen Geschichte beschäftigen…
Am vierten Tag der Reise sehen die Gefährten, wie am Horizont ein Sturm aufzieht. Sofort graben sie sich tief in den Schnee ein, um nicht von den Winden weggeweht zu werden. Kaum haben sie sich alle in Sicherheit gebracht, als ein eisiger Orkan einsetzt, der Hagel und peitschenden Schneeregen mit sich bringt. Ohne Friedrichs alchemische Wärmebeutel, die er Nakatia bei ihrem Aufbruch mitgegeben hatte, hätten die Serpentianer wohl ernsthafte Erfrierungen erleiden müssen.
Ebenso unvermittelt, wie er begonnen hat, endet der Sturm wieder. Als Quintus und Sir Bealach jedoch aus der Deckung kriechen, stellen sie fest, daß sie sich genau in der ruhigen Mitte des wirbelnden Windes befinden. Über ihnen öffnet sich ein riesiges, blasses Auge und betrachtet sie kurz. Dann spricht eine eisige Stimme: „Kommt heim, meine Wölfe. Kommt heim.“ Offensichtlich hat die Täuschung geklappt, und der König der Eisigen Speere hält die Reisegefährten tatsächlich für ein Rudel Wölfe!
Der Rest des Weges zum Palast gestaltet sich nun vergleichsweise einfach: Die Windböen lassen die „Wölfe“ weitgehend in Ruhe, und auch der Schnee unter ihren Füßen fühlt sich glatter an als zuvor. Schließlich steht die Gruppe am Nachmittag des siebten Tages vor der riesigen Felsnadel, die meilenweit in den Himmel ragt. Der Haupteingang ist durch eine Straße zu erreichen, die sich in Serpentinen um den Felsen windet. Allerdings haben die Gefährten nicht vor, dort in den Palast einzudringen – sie wollen den kleinen Kücheneingang der Eisgnome benutzen, durch den Richard und Sir Lucien hinein gekommen sind. Der Junge hat keine Schwierigkeiten, ihn wiederzufinden, obwohl es sich um nicht mehr als ein Loch in der Felswand handelt.
Nach ein wenig Kletterei kommen die Gefährten so in die Küche des Palastes, in der sich nur Eisgnome aufhalten. Diese sind zunächst ein wenig mißtrauisch, erkennen dann aber Richard und werden freundlicher. Hier erfahren die Serpentianer, daß die Einwohner des Palastes meist zu einer von drei großen Gruppen gehören: Eisgnome, Frostelfen und Ohneherzen. Die Ohneherzen sind Menschen, deren Herzen vom König der Eisigen Speere eingefroren wurden. Nun dienen sie ihm getreu, wenn auch fantasielos. Man kann sie an ihrer bleichen Haut und dem starren Blick erkennen.
Richard und Sir Lucien hatten sich das letzte Mal als Frostritter getarnt, aber diese Tarnung ist nicht für alle angemessen. Vor allem die schmächtige Nakatia und der mollige Constans werden kaum als Frostritter durchgehen. Auch Frederik, Hélène und Lin werden sich als Ohneherzen ausgeben müssen. Dazu tarnen sie sich durch Illusionen, die ihnen ein bleiches Aussehen geben. Auch über Spitzohr wird eine Illusion gelegt: Aus dem Esel wird ein gefährlich aussehender Eiswolf. Das gefällt dem Tier so gut, daß es beschließt, seinen Namen zu ändern – von nun an will es „Wölfchen“ gerufen werden.
Während die eine Hälfte der Gruppe sich durch Illusionen tarnt, besorgen Quintus und Colleen für die anderen Frostritterrüstungen. Sir Bealach ist von dieser Täuschung nicht sonderlich angetan, und den Diebstahl der Rüstungen mag er noch weniger. Dennoch sieht er ein, daß diese Strategie im Palast des Feindes die einzig sinnvolle ist. Seinen Schild muß er nun erneut zurücklassen: Er würde zu sehr auffallen.
In der Küche erfahren Frederik und die anderen von den Eisgnomen, daß die Prinzessin der Frostlanzen – also Daowyn – von einem fremden Mann drei Kinder bekommen hat. Dieser Mann wird als dunkelhäutiger Zauberer mit einer sehr markanten Nase beschrieben – es scheint sich tatsächlich um Abbas Ibn Usama gehandelt zu haben. Den ältesten Sohn hat er mitgenommen, aber die anderen beiden, ein Mädchen und ein Junge, befinden sich noch im Palast. Ihre Kinderstube ist in den höheren Bereichen gelegen.
Sobald alle Gefährten getarnt und gerüstet sind, machen sie sich auf den Weg in die Säulenhalle, wo Richard Sir Lucien zuletzt gesehen hat. Zunächst soll der Ritter befreit werden, bevor man sich auf die weitere Suche nach dem Herzen oder den Kindern begibt. Obwohl die Gruppe durch etliche belebte Hallen muß, um zu ihrem Ziel zu gelangen, scheint ihre Tarnung zu halten – niemand hält sie auf oder nimmt auch nur besondere Notiz von ihnen. Allerdings ist die Orientierung im Inneren des Palastes schwierig, denn viele der Wände sind aus durchscheinendem oder spiegelndem Eis gefertigt. Überdies gibt es viele kleinere Hallen oder Durchgänge, die sich sehr ähnlich sehen, sodaß man oft das Gefühl hat, schon dreimal an demselben Ort vorbeigekommen zu sein. Dennoch findet Richard seinen Weg ohne Schwierigkeiten.
So kommen sie schließlich zur Säulenhalle. Hier sind Eisstatuen aufgestellt, die früher einmal die Feinde des Königs gewesen sein mögen. Auf der einen Seite mündet die große Halle in einen schmalen Gang, der hauptsächlich von den Eisgnomen benutzt wird, auf der anderen Seite liegt direkt der riesige Thronsaal.
Kaum haben die Gefährten die Säulenhalle zur Hälfte durchschritten, als aus dem Thronsaal zwei Gestalten auf sie zutreten. Eine davon ist ein weiblicher Frostritter mit geschlossenem Helm, der andere ein majestätischer Mann mit weißen Haaren und eisigen Augen. Es braucht die Krone von Eiszapfen nicht, um ihn zu erkennen – dies ist der König der Eisigen Speere. Mit kaltem Lächeln heißt er die Gäste willkommen, und noch bevor einer von ihnen reagieren kann, richtet er seinen eisigen Blick auf sie. Nakatia und Frederik spüren noch, wie ihre Parma zur Seite gefegt wird wie ein Blatt im Wind, dann erstarren sie zu Eisstatuen, genau wie alle anderen. Nur Sir Bealach bleibt von dem Zauber verschont, aber als er seinen Helm abnimmt und auf den König zutritt, sehen alle, daß sein vormals goldenes Haar jetzt schneeweiß geworden ist.
Höhnisch lächelnd stellt er sich neben den Herrscher des Reiches und erklärt, jetzt sei nicht nur er verraten worden. Da Dáirine ihm so übel mitgespielt hat, sollen jetzt ihre Freunde leiden…
Bevor er geht, ruft der König noch zwei Ohneherzen, die den eingefrorenen Richard in den Kerker bringen sollen. Noch einmal wird ihm der Knappe nicht entgehen, sagt er. Dann läßt er die eingefrorenen Serpentianer in der Säulenhalle stehen – er ist sich seines Sieges über sie sicher.
*
Zeit vergeht. Irgendwann beginnt Sir Quintus, zu spüren, wie das Eis um ihn herum langsam schmilzt. Offenbar hat der „Erkältungstrunk“ seine Körpertemperatur soweit erhöht, daß er nicht so leicht einzufrieren ist. Zu derselben Zeit spürt Nakatia einen stechenden Druck in ihrem Kopf, der von den drei Buchstaben „NON“ auf ihrer Stirn herzurühren scheint. Der Schmerz wird immer schlimmer, bis die Magierin das Gefühl hat, ihr Kopf werde zerspringen. Das Pochen steigert sich immer weiter, bis schließlich mit einem leisen Klingen das eisige Gefängnis zerbirst und Nakatia wieder frei ist.
Mühsam – denn ihr Kopf schmerzt immer noch erbärmlich – macht sie sich daran, die anderen zu befreien, was ihr mit ein wenig Feuer auch gelingt.
Als endlich alle wieder aufgetaut sind, durchsuchen sie zunächst die Säulenhalle nach Sir Lucien, können ihn aber nicht auffinden. Möglicherweise ist er zusammen mit Richard in den Kerkern gelandet.
Da Mesinga sich mit ihrer Tarnkappe unsichtbar machen kann, wird sie allein losgeschickt, um in der Küche nachzusehen, ob dort alles in Ordnung ist. Die Groga verirrt sich zunächst in den ausgedehnten Hallen des Palastes. Dabei kommt sie auch über einen sehr belebten, riesigen Platz. Dort sind auf einem Podest drei Eisgnome festgebunden, die von zwei Frostrittern bewacht werden. Ihre Bauchkugeln glimmen nur noch in einem sehr schwachen Dunkelblau, und das allgegenwärtige Ticken der kleinen Feen ist sehr langsam und schwach geworden. Mesinga erkennt die drei: Dies waren die Gnome, die ihnen in der Küche am meisten geholfen haben. Offenbar hat Bealach auch sie verraten.
Schließlich gelingt es der Groga doch, die Küche zu finden, indem sie einfach einem Eisgnom mit einem leeren Tablett dorthin folgt. Die Verständigung zwischen der unsichtbaren stummen Kriegerin und den Küchengnomen gestaltet sich etwas schwierig, aber mit Hilfe von etwas Mehl und vielen Fragen geht es. So erfährt Mesinga, daß Bealach nach seinem Verrat hier war, um seine alte Rüstung ins Feuer zu werfen. Um seinen Schild hat er sich nicht mehr gekümmert, aber er hat drei der Eisgnome an den König verraten. Dieser hat ihnen daraufhin die Schlüssel weggenommen und sie auf dem großen Platz ausstellen lassen. Ohne ihre Schlüssel kann man die Gnome aber nicht mehr aufziehen, was sie jedoch gelegentlich brauchen. So sind sie so gut wie tot, bis jemand die Schlüssel wieder zurückbringt…
Immerhin sind die kleinen Küchendiener durch diese Ereignisse eher zornig auf den König und Bealach als auf die Gefährten, denen sie jetzt noch viel lieber helfen. So wird einer von ihnen mit Mesinga zurück zur Säulenhallte geschickt, da die Kriegerin nicht sicher ist, ob sie den Weg dorthin wieder findet.
Die anderen haben sich mittlerweile von diesem Ort entfernt, da er zu nahe am Thronsaal liegt, wo immer wieder jemand vorbeikommt. Sie haben sich in einen kleinen Vorratsraum in der Nähe der Halle zurückgezogen. Von diesem Raum aus hat man eine gute Aussicht auf einen der größeren Säle des Palastes. Als Frederik und Quintus diesen Saal beobachten, entdecken sie zwei bekannte Gesichter: Dort unten sehen sie Daowyn, die mit Alessandro in ein Gespräch vertieft zu sein scheint. Es ist deutlich zu erkennen, daß sie ihn nicht mag, ihr Tonfall klingt sehr frostig, wenn auch Frederik nur das eine Wort „Gesandter“ verstehen kann. Alessandro scheint sich seiner Position als geehrter, wenn auch nicht gern gesehener Gast bewußt zu sein und ist sehr charmant zu Daowyn. Was er aber genau hier macht, können Frederik und Quintus nicht herausfinden.
Schließlich kommt Mesinga mit dem Eisgnom zurück, und die ganze Gruppe begibt sich in die Küche, um von dort aus ihr weiteres Vorgehen zu planen. Da der Feuerkern benötigt wird, um das Reich der Schwarzen Rose zu retten, muß zunächst Richard befreit werden. Der Junge befindet sich zusammen mit Sir Lucien im Kerker, wie die Eisgnome berichten können. Der Zugang ist recht schwierig, aber immerhin wissen die kleinen Feen einen Weg, auf dem man gefahrlos in den Keller kommt.
Als die Serpentianer dort unten ankommen, finden sie den Kerker schnell. Dieser wird allerdings von mehreren Frostrittern bewacht. Zwar gelingt es Quintus, Zutritt zu erhalten, dabei erregt er allerdings Verdacht und wird von dem Wachhabenden erst einmal in die falsche Richtung geschickt. Als der italienische Ritter dort um eine Ecke biegt, sieht er sich auf einmal Silvana, Mentalias weißer Wölfin, und deren Rudel gegenüber. Fast kommt es zu einem ernsten Kampf zwischen den Serpentianern und den Eiswölfen, aber Silvana kann Quintus überzeugen, daß sie ihnen diesmal helfen will. Immerhin ist Richard der Sohn ihrer toten Freundin…
Mit einem leisen Knurren schickt sie den Rest ihres Rudels weg. Dann führt sie die Serpentianer auf Umwegen zu dem Verlies, in dem Richard und Lucien gefangengehalten werden. Es ist den erfahrenen Kriegern ein leichtes, die zwei Wachen aus dem Hinterhalt zu überwältigen und die Zelle zu öffnen. Richard scheint es gut zu gehen, er hat den Feuerkern noch. Zwar wollte der König ihn zwingen, zu verraten, was ihn damals aus dem Eisgefängnis befreit hatte, aber der junge Knappe hat nichts preisgegeben. Um ihn dazu zu bringen, die Wahrheit zu sagen, hat der König sogar Alessandro gestattet, Richard zu foltern. Das allerdings hat der Feenbote nicht getan, sondern die Gelegenheit genutzt, sich mit dem Jungen zu besprechen. Dann hat er ein bißchen auf ein Kissen eingeprügelt, während Richard passende Schreie von sich gab, und schließlich dem König gemeldet, daß man bei dem Knappen mit körperlichem Schmerz nichts ausrichten wird.
Daraufhin verfiel der Reichsherrscher jedoch auf eine neue Strategie: Er setzte Lucien einen Eissplitter ins Herz und drohte, dasselbe auch mit Richard zu machen. Dazu ist es allerdings noch nicht gekommen. Aber Lucien ist nun ein Ohneherz geworden und sitzt bleich und apathisch in der Zelle. Seine Umgebung scheint er kaum wahrzunehmen. Dies ändert sich jedoch, als Colleen zu ihm kommt. Zuerst nur vage, aber dann immer deutlicher erinnert er sich an sie. Schließlich kann sie ihn mit einem heißen Kuß wieder zu sich selbst zurückbringen. Der eisige Splitter fährt aus seinem Herzen und Sir Lucien weiß wieder, wer er ist.
Nach dieser Befreiung verschwindet Silvana wieder. Was die Gefährten weiter vorhaben, interessiert sie nicht. Immerhin kann Richard mit seinem guten Orientierungsinn den Weg zur Küche von hier aus auch allein finden.
Wieder bei den Eisgnomen erkundigen sich die Gefährten nach dem Herzen des Reiches, das die Küchendiener aber auch nicht kennen. Allerdings sind sie ziemlich sicher, daß es sich irgendwo oben befinden muß, im Privatbereich des Herrschers. Von den mittleren Ebenen, in denen sich Gäste aufhalten und auch der Thronsaal befindet, gibt es nicht viele Zugänge dorthin. Die Eisgnome kennen eigentlich nur einen, nämlich den, der zu der Kinderstube führt. Dorthin müssen sie üblicherweise Essen bringen – manchmal dürfen die Kinder sogar warme Suppe haben. Leicht entsetzt erfahren die Magier und ihre Gefährten, daß Daowyn offenbar nicht allzu duldsam mit den menschlicheren Schwächen ihrer Kinder ist und nicht gestattet, daß diese warme Speisen zu sich nehmen oder auch nur allzu dicke Kleidung tragen.
Da sie ohnehin nach oben müssen, beschließen Nakatia und Sir Quintus, die Kinder gleich mitzunehmen – sie wären in Serpentia wohl deutlich besser aufgehoben als bei ihrer seltsamen Mutter. Dazu folgen die Serpentianer einem der Gnome zu den Gemächern der Kinder. Zunächst geht der kleine Wicht zusammen mit der unsichtbaren Mesinga nachschauen, ob alles in Ordnung ist und nicht vielleicht Daowyn gerade bei ihren Kindern weilt. Als sie feststellen, daß nur zwei Ammen bei den beiden sind, kehren sie zu den anderen zurück. Die Tür zu der Kinderstube wird von zwei Frostrittern bewacht, die zunächst ausgeschaltet werden müssen.
Frederik übernimmt die Aufgabe, den Kampflärm von dem Rest des Korridors abzuschirmen, was sich als gute Idee erweist: Noch während des Gefechts öffnet sich eine nahe gelegene Tür und Daowyn und Alessandro kommen heraus. Glücklicherweise schaut die Prinzessin der Frostlanzen gerade in die andere Richtung und bemerkt so den Kampf zunächst nicht. Alessandro allerdings erfaßt die Situation mit einem Blick und lenkt Daowyn mit einem Kuß so ab, daß sie wutschnaubend in ihr Zimmer zurückkehrt.
Nachdem die beiden Wächter ausgeschaltet worden sind, betreten die Gefährten in Alessandros Begleitung die Kinderstube. Maleandra und Goreth freuen sich über den Besuch, besonders als sich herausstellt, daß die Serpentianer ihre Halbgeschwister Vanessa, Shirley und Sabina kennen. Von den beiden Kindern erfahren Nakatia, Quintus und die anderen, daß sich das Herz des Reiches am höchsten Punkt des Berges befindet. Dort steht in einer hohen Halle ein riesiger Eiszapfen mit einem hohlen Gipfel. Und in dieser Kammer haben die beiden Kinder auch schon ein winziges Reich gesehen, das in einer Art Blase in einem Eiszapfen eingefroren war. Die Gefährten sind erleichtert: Endlich scheinen sie das Reich der Schwarzen Rose gefunden zu haben.
Nun bleibt nur noch, zum Herzen zu gelangen. In Begleitung von Maleandra und Goreth, die ihre Geschwister gern treffen würden, machen sich Nakatia, Frederik, Quintus und die anderen an den Aufstieg. Als sie jedoch die große Halle mit dem Eiszapfen betreten, hören sie einen lauten Wutschrei. Eilig hasten sie weiter, und wie durch ein Wunder gelingt es ihnen auch, den Aufstieg in die Kammer sehr schnell hinter sich zu bringen. Dort treffen sie jedoch wieder auf den König des Reichs, der sie aufhalten will. Während sich Quintus und die Magier einem verzweifelten Kampf mit ihm stellen, taut Richard mit dem Feuerkern schnell den Eiszapfen durch, in dem das Reich der Schwarzen Rose gefangen ist. Als er es dann berührt, verschwindet er plötzlich – offenbar ist er sofort in den winzigen Palast gelangt. Die anderen folgen ihm hastig, und sogar Quintus, Lucien und Colleen können den Übergang schaffen, obwohl sie bis zuletzt geblieben sind.
Zwar folgen den Gefährten noch etliche Frostritter, aber als es Richard gelingt, das Herz des Reichs der Schwarzen Rose mit dem Feuerkern zu vereinen und so zu befreien, werden die letzten Gegner schnell geschlagen. Nun erscheint auch die Prinzessin der Schwarzen Rose in der Halle, die Quintus schon aus seinen Visionen kennt und in der sie nach ihrem Übergang aus der Eishöhle gelandet sind. Sie ist sehr dankbar für die Befreiung ihres Reiches und heißt ihre Retter willkommen.
Nachdem sich diese ein wenig von den Strapazen erholt haben, wird ein großes Fest gefeiert. Dabei verteilt die Prinzessin großzügige Geschenke: So erhält Colleen einen magischen Schild mit ihrem Wappen darauf. Von ihm kann sie jedes Wappentier dreimal rufen. Sir Lucien bekommt ein Wollknäuel, das sich nach Bedarf in ein Seil, ein Tau oder einen Riemen verwandeln kann. Richard schenkt sie eine Flöte, die Trost spendet, sie glaubt, er würde sie einmal nötig haben. Nakatia überreicht sie ein Buch mit Legenden aus ihrem Reich und fünf leeren Seiten, auf denen sich neue Geschichten schreiben werden, wenn man eine Überschrift über eine davon setzt. Mesingas Geschenk ist eine Schiefertafel, auf die sie einmal am Tag ihre Gedanken übertragen kann. Frederik bekommt ein Knäuel aus Draht und Perlen, das man in die Form verschiedener Tiere und Pflanzen puzzeln kann. Fünfmal können diese Dinge auch lebendig werden. Lionel erhält Schuhe, mit denen er einmal pro Mondwechsel sehr schnell rennen kann und die dreimal auch über Wasser und Luft führen. Hélènes neues Amulett ermöglicht es ihr, zwölfmal einen Tag lang eine unbekannte Sprache zu sprechen. Lin Chou Yüan bekommt einen Bonsaiberg, der ihn sehr zu faszinieren scheint. Für Sir Quintus gibt es ein Langschwert mit sehr schmaler, leichter Klinge: Das Schwert des Mondlichts, das im Dunkeln leuchtet. Constans erhält einen Ring, der ihn dreimal eine Stunde lang vor jeglicher Magie schützt. Auch der Esel Wölfchen wird bedacht: Ihm wird die Fähigkeit gegeben, so groß wie ein Schlachtroß oder so klein wie eine Katze zu sein. Der Fluch, der auf dem Falken Moira liegt, wird für jeden Neumond gelöst – mehr ist jedoch nicht möglich. Und die Schlange Samt kann nun einmal im Monat eine Nacht lang menschliche Gestalt annehmen.
Nach dem Fest wird Quintus zu dem altarähnlichen Stein geführt, in dem sich der goldene Schlüssel zu Serpentia befindet. Dort kann er ihn an sich nehmen. So ist die Queste beendet.
Bevor sie sich jedoch auf den Heimweg machen, begeben sich Colleen und Alessandro noch einmal zu Siriki. Dort holt Colleen den ehemaligen Sklaven Almeric ab, den sie mit nach Serpentia nehmen will. Alessandro verabschiedet sich von ihr: Sein Weg wird ihn in eine andere Richtung führen.
Nach Colleens Rückkehr brechen die Serpentianer schon bald auf. Es scheint ihnen viel Zeit vergangen zu sein auf ihrer Suche, und sie möchten so schnell wie möglich wieder nach Hause. Die Prinzessin kann ihnen helfen, den schnellsten Weg zu finden: Dazu müssen sie zunächst zurück zum Schneemarkt, um von dort aus mit dem Wagenhaus direkt ins Reich des Goldenen Frühlingswalds zu fahren.
Die Gefährten kommen dieser Empfehlung nach. Als sie aber in das Wagenhaus einsteigen wollen, erleben sie eine große Überraschung: Aus der Kutsche steigen einige sehr bekannte Gestalten…
(Fortsetzung siehe Kapitel 75: „Ein Quellgnom und zwölf Kinder“)

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Marganma

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