Serpentia

Das Schlangental

Herbst 1178

Nakatia, Aladin, Benedikt, Gerrod, Joanna, Petrus, Tarbonne, Julius

Da nun durch Aidans Ankunft geklärt ist, wie es mit den mundanen Einkünften des Bundes aussehen wird, wollen sich die Magi auch um die magischen, sprich Visquellen, kümmern. Dazu weiß Maeve zu berichten, daß es früher eine Quelle im Schlangental gab, das irgendwo nördlich des Bundes in den Bergen liegen muß. Genauer erklären, was es mit diesem Schlangental auf sich hat, kann sie aber auch nicht. Also brechen Nakatia, Aladin und Julius, begleitet von Petrus und ein paar Grogs, in Richtung Norden auf. Terminus gibt ihnen Ladyhawke, seinen hochintelligenten Falken, mit, sodaß es möglich ist, das Tal aus der Luft zu suchen.
Nach ein paar Tagen Reise meldet Ladyhawke tatsächlich einen Erfolg: Sie hat ein recht großes Tal gefunden, in dem es von Schlangen nur so wimmelt. Sie führt die Magi dorthin und verabschiedet sich dann, da sie zurück zu Terminus will.
Es ist recht einfach, von den Bergen aus in den Talkessel zu gelangen, obwohl dessen Wände steil abfallen, denn es gibt einen kleinen Pfad, der am Rand entlang hinunter führt. Als sie aber diesen Weg benutzen, stoßen sie ziemlich bald auf die ersten Schlangen, die zunächst keine Notiz von ihnen nehmen. Je tiefer sie jedoch kommen, desto aufmerksamer werden die Tiere und schließlich stellen sich ihnen ein paar in den Weg. Aladin beginnt, mit ihnen zu sprechen und erfährt, daß es sich bei den kleinen Reptilien um Wächterschlangen handelt. Als er ihnen erzählt, daß er ein Mensch ist, herrscht große Aufregung und Unglauben: Seit vielen Jahren schon wurden keine Menschen mehr in ihrem Tal gesehen, und manche hielten die Berichte von den glatthäutigen Zweibeinern sogar nur für Legenden.
Eine dieser kleinen Wächterschlangen ist von Nakatia so beeindruckt, daß sie sich in ihr Haar verkriecht und beschließt, dort zu bleiben.
Aladin erfährt außerdem, daß die Schlangen eine Königin haben und wird eingeladen, diese zu besuchen, was er auch gerne annimmt.
Je weiter sie ins Tal vordringen, desto größer werden die Einwohner, schließlich treffen sie sogar eine Schlange, die die menschliche Sprache beherrscht: Dunkelfarn, den jungen Sohn der Königin. Dieser ist sehr beeindruckt von der Fähigkeit der Menschen, ihr Gesicht zu verziehen und bittet Nakatia des öfteren, doch mal zu „knautschen“.
Auf dem Weg zur Königin warnt Joanna, die Stimmen hört und augenscheinlich ein wenig verrückt ist, Tarbonne, einen mürrischen Provencalen, vor „den Bären“. Tarbonne findet diese Warnung lächerlich und lacht über sie, just als er in ein paar am Wegesrand wachsende Beeren tritt. Dies war ein Fehler: Diese Beeren sind dem Schlangenvolk heilig, da sie daraus einen speziellen Trank brauen. Eine neu hinzukommende Schlange, von der ihnen Dunkelfarn erzählt, daß es sich um Pfauenschweif, einen Edlen, handelt, fordert für diesen Frevel Tarbonnes Leben. Das allerdings möchte Dunkelfarn nicht zulassen, und so überredet er den Edlen, statt Tarbonnes Leben nur dessen Blut zu nehmen und damit den Trank zu brauen. So geschieht es dann auch. Zwar überlebt der Provencale die Prozedur, ist danach aber nicht mehr einsatzfähig.
Schließlich treffen sie auch die Königin: Eine riesige, rötlich-goldene Schlange, deren Name Rotgold lautet. Diese heißt sie freundlich willkommen. Sie kennt Serpentia von früher und freut sich, daß ein neuerlicher Kontakt hergestellt werden kann. Auch der Kronrat wird den Magiern und ihren Begleiter vorgestellt: Er besteht aus sieben Edlen, von denen Pfauenschweif einer ist.
Die Königin lädt die Menschen ein, doch eine Weile in ihrem Tal zu verweilen. Die Magi willigen ein, zumal sie die Hoffnung haben, daß sich hier etwas über die Vergangenheit von Serpentia erfahren läßt.
Während ihres Aufenthalts sprechen die Magi mit verschiedenen Schlangen. Dabei lernt Nakatia Hornschwinge, eine Kronrätin, kennen. Diese Edle hat als einzige ihres Volkes ein Paar Flügel; auch wenn sie damit nur gleiten kann, ähnelt sie doch verblüffend dem Drachensymbol von Serpentia. Das ist keineswegs ein Zufall: Als damals Maeve und Amaket, der Erdmagier des alten Bundes, die Schlüssel anfertigten, half ihnen Hornschwinge dabei.
Aladin, der sich lange mit der Königin unterhält, wird von ihr gewarnt: In Joannas Kopf befände sich eine Schlange, die man nur dadurch vernichten könne, daß man in die Schatten ginge. Allerdings weiß sie nicht, wie man diese Schatten erreicht, oder was es genau mit ihnen auf sich hat. Immerhin erfährt Aladin hier, daß die Schlangen dieses Tals nicht von der Verführerin aus dem Garten Eden abstammen und somit auch nicht den Mächten der Finsternis dienen. Allerdings gibt es nur sehr wenige der Reinen Schlangen, dies hier ist ihre größte Ansiedlung.
Auch Petrus hört diese Geschichte von Nachtseher, einem blinden Edlen, der für mystische Belange zuständig ist. Bei näheren Diskussionen erfährt er, daß die Schlangen dieses Tals Seelen haben, die allerdings niemals ins Paradies gelangen können, sondern immer wiedergeboren werden. Mit dieser Seelenwanderung ergeben sich auch die Aufgaben der jeweiligen Schlange. Edle müssen nicht einmal auf eine neue Geburt warten, bei ihrem Tod gehen sie sofort in eine andere Schlange über. Petrus´ Thesen über die menschliche Seele finden größte Beachtung, Nachtseher findet schließlich das Wort „Seeleneier“, um die Menschen zu definieren.
Bei all der Freundschaft zwischen dem Schlangenvolk und den Serpentianern gibt es einen Edlen, der den Besuchern nicht freundlich gesonnen zu sein scheint: Pfauenschweif. Um so überraschender kommt seine Einladung, ihn doch einmal zu besuchen. Er wolle Frieden schließen und könne ihnen in seiner Eigenschaft als Chronist sicher viele interessante Dinge berichten. Etwas argwöhnisch, aber nicht wirklich mißtrauisch kommen die Menschen dieser Einladung nach. Doch sie entpuppt sich als Falle: Pfauenschweif ist von den Mächten des Bösen korrumpiert worden und versetzt die Gefährten auf magische Weise in einen Tiefschlaf.
Als alle wieder zu sich kommen, befinden sie sich in einer unbewachten, aber verschlossenen Zelle. Von außerhalb kommt ein dumpfer Gesang, den Nakatia als dämonistischen Zeremonialgesang erkennt. Sie weiß auch, daß man für solche Zeremonien normalerweise Opfer benötigt – Menschenopfer. Aber als die Magi versuchen, ihre Macht einzusetzen, um zu fliehen, müssen sie feststellen, daß ihre Fähigkeiten von irgend etwas blockiert werden. Auf der Suche nach dem Ursprung dieser Blockade entdecken sie an der Wand außerhalb der Zelle ein merkwürdiges Amulett. Unter etlichen Verrenkungen gelingt es Athanasius mit etwas Schnur und seinen langen Armen, die mit verschlungenen Runen verzierte Scheibe in die Zelle zu ziehen. Dort wird sie von Gerrod, einem dänischen Grog, zerschlagen. Allerdings war sie wohl irgendwie geschützt: Aufstöhnend bricht der Mann zusammen. Als sich aber Nakatia seiner annimmt, gelingt es ihr schnell, ihn wieder auf die Beine zu bringen.
In diesem Moment nahen auch schon die Diener der Teufelsanbeter, um die Opfer abzuholen. Diese sind aber unwillig und fliehen aus der nun durch Magie leicht zu öffnenden Zelle. Gerrod bleibt zurück und stürmt mit Todesverachtung auf die Teuflischen zu, die er lange genug aufhält, sodaß der Rest entkommen kann. Er stirbt als Held.
Bei ihrer Flucht werden die Serpentianer von Dämonendienern verfolgt. Da sie keine andere Chance sehen, führen sie diese ins Schlangental, wo es zu einer größeren Schlacht kommt.
Nach langem, harten Kampf bleiben die Schlangen siegreich, aber es sind viele Tote zu beklagen. Darunter befindet sich auch Hornschwinge, was aber nicht so schlimm ist, da sie recht bald als Himmelsreiter wiedergeboren wird. Viel härter ist der Verlust Pfauenschweifs: Dessen Seele fährt in die Hölle und kann daher nicht wiedergeboren werden.
Nach der Schlacht erfahren die Magi dann auch, worin hier früher die Visquelle bestand: Einmal im Jahr häuten sich sowohl die Königin als auch die Edlen, und in diesen Häuten ist Vis enthalten. Da die Schlangen die abgelegten Häute nicht mehr brauchen, sind sie gern bereit, sie an ihre menschlichen Freunde abzutreten.
Bevor die Magi die Schlangen endgültig verlassen, fragt Rotgold sie noch nach dem Verbleib des Schutzengels, den Serpentia zu den Zeiten von Maeve hatte. Aber auch der ist wohl mit den alten Magiern verschwunden.
Vor ihrer Heimkehr durchsuchen Nakatia und Petrus noch einmal das Höhlenlabyrinth der Teufelsanbeter und finden einen Ausgang, der zu einem Bergdorf führt. Sie beschließen, einen Quaesitor zu benachrichtigen, der sich darum kümmern soll.
*

Als sie zurückkommen, werden sie Zeuge einer etwas merkwürdigen Szene: Auf dem Hof steht ein geflügeltes Pferd, das zu einem hochgewachsenen schwarzhäutigen Mann mit einer roten Kappe zu gehören scheint. Terminus ist gerade heftig dabei, sich bei ihm zu entschuldigen, und Sir Daowyn steht mit einem halb trotzigen, halb verwirrten Gesichtsausdruck daneben.
Was war passiert? Der Mann mit dem geflügelten Pferd ist Cavallo, ein Mercere, und er wollte dem jungen Bund einen Besuch abstatten. Dabei allerdings kam er nicht durch den Tunnel, sondern auf seinem geflügelten Pferd einfach direkt über die Berge. Als er im Hof des Bundes landete, hätte Sir Daowyn ihn zunächst fast angegriffen und wollte ihn danach erst einmal einsperren. Da kam dann aber Terminus dazu, dem das Mißverständnis ziemlich peinlich war. Cavallo sieht das Ganze eher gelassen und mit Humor, er mag schließlich Frühlingsbünde. Lange bleibt der Mercere zwar nicht, aber er verspricht, bald wiederzukommen.
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Marganma

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