Serpentia

Der Böse Onkel

Sommer 1179

Petrus, Theobald, Terminus, Julius, Aladin, Mikula, Sergej, Quintus, Hugo, Sir Garth, Andrew

Yazed Ibn Usama drängt darauf, etwas gegen seinen Onkel zu unternehmen. Von Quintus hat er mittlerweile erfahren, daß Abbas einer der einflußreicheren Wesire Saladins ist. Eigentlich sollte es kein Problem sein, zu beweisen, daß Yazed der richtige Erbe ist. In dessen Besitz befindet sich nämlich der Ring der Ibn Usama, den eine wunderschöne Lilienknospe schmückt. Nur wenn der wahre Erbe diesen Ring ansteckt, öffnet sich die Knospe zur vollen Blüte. Aber auch da muß Quintus Yazed enttäuschen: Abbas trägt so einen Lilienring mit einer voll erblühten Blume. Auch wenn das eine Fälschung ist, so muß dies doch erst einmal bewiesen werden. Aladin ist da pragmatischer eingestellt: Er wird einfach ins Haus des Abbas schleichen und den Ring stehlen.
Einige andere Magi wollen die Geschwister und Aladin nach Damaskus begleiten. In der letzten Zeit hatte Sir Garth nämlich Träume von einem Reliquiar voll Knochen in der Grabeskirche von Jerusalem. In dem Reliquiar befand sich neben den Gebeinen des Heiligen auch ein Schlüssel in Drachenform: Der Knochenschlüssel! Um diesen Schatz geht es Terminus und den anderen. Da sie aber ohnehin über Damaskus reisen müssen, bieten sie Aladin ihre Hilfe an, der sie auch gerne akzeptiert.
Als alle in der Stadt ankommen, brechen Sir Garth und sein Knappe Quintus zunächst auf, um die von Selim Bey erbeuteten Pferde zu verkaufen. Dabei allerdings erkennt ein damaszenischer Bürger sein eigenes, vor einiger Zeit gestohlenes Pferd wieder und bezichtigt den stadtbekannten Säufer und den gebrandmarkten Ex-Langfinger des Diebstahls. Ihren Beteuerungen wird kein Glaube geschenkt, und ein aufgebrachter Mob will sie zum Kadi schleppen, damit der sie ihrer gerechten Strafe zuführt. Als sie die beiden allerdings durch eine schmale Gasse führen, tritt ihnen eine beeindruckende Gestalt mit leuchtend goldenem Haar entgegen und fordert zu wissen, was hier denn vorgehe. Die Erklärungen des Pferdebesitzers vermögen ihn nicht zu überzeugen, er verlangt die sofortige Freigabe der beiden Männer. Als ihn einer aus der Menge fragt, wer er denn sei, antwortet er, er sei ein Sklave des Abbas Ibn Usama. Dieser Name bringt die Damaszener zur Räson und sie gehen.
Als Quintus und Sir Garth mit dem Mann reden, erfahren sie, daß er sie nur wegen Garths irischem Akzent gerettet hätte. Er stellt sich ihnen als Ned vor, ebenfalls ein Einwohner der britischen Inseln, wenn auch aus England, nicht Irland. Er ist tatsächlich ein Sklave des Ibn Usama, und als Quintus näher hinschaut, erkennt er die fadenscheinige Kleidung des eben noch so beeindruckenden Mannes. Da Ned ohne das Wissen seines Herrn gehandelt hat – er sollte eigentlich nur einen Einkauf tätigen – hofft er, daß dieser nichts davon erfährt. Bevor Quintus oder Sir Garth ihm genauere Fragen stellen können, geht er.
Am nächsten Tag geht Quintus los, um sich unter den Dieben und Bettlern der Stadt über Abbas und dessen Anwesen umzuhören. Er erfährt, daß dort noch niemand erfolgreich eingebrochen ist, tatsächlich wurde keiner von denen, die es versucht haben, je wieder gesehen. Es gibt Gerüchte über Höllenhunde oder Djinns, die das Anwesen bewachen. Abbas ist in der Stadt nicht sehr beliebt, da er zwar sehr luxuriös lebt, aber den Bettlern fast nie Almosen gibt. Außerdem soll er grausam zu seinen Sklaven sein. Das erfährt Quintus auch von einer jungen Sklavin, die das Anwesen einmal verläßt: Der Engländer, der ihnen gestern half, ist für diese Vermessenheit grausam ausgepeitscht worden.
Wegen der Erzählungen über Höllenhunde wagt Aladin sich zunächst nicht in den Palast hinein, aber die Berichte über Abbas´ viele Sklaven haben Mikula auf eine Idee gebracht: Man könnte doch einige Leute an den Ibn Usama verkaufen, die sich dann auf dem Anwesen einmal umsehen. Nach einigem hin und her entscheiden sich Petrus und Hugo, die Sklaven zu sein, Mikula mimt den Sklavenhändler, während Theobald und Sergej seine Wachen sind.
Der Plan geht besser auf als erwartet: Der riesenhafte Aufseher Hais Ibn Raffa kauft nicht nur Petrus und Hugo, sondern er wirbt auch Theobald als Wache an, da ihm dessen düstere Ausstrahlung gefällt.
Innerhalb des Palastes wird Hugo der Ehefrau des Abbas, einer schönen Europäerin, die Jasmin genannt wird, als Unterhalter zugeteilt, während Petrus die sieben Enkel des Hausherrn unterrichten soll. Theobald darf als Aufseher Sklaven quälen. Dabei trifft er recht schnell wieder auf Ned, der sich noch nicht ganz von den Schlägen erholt hat. Er unterhält sich zunächst mit ihm, gibt dabei aber vor, dem faulen Sklaven Beine zu machen. Während des Gesprächs erfährt er, daß Ned hier ist, um seine verschleppte Frau Melisende zu retten. Sein Hauptproblem ist, daß sie ihr Gedächtnis verloren hat und sich nicht mehr an ihn erinnert. Sie glaubt jetzt, Jasmin zu sein, die Ehefrau von Abbas Ibn Usama. Theobald berichtet seinerseits von seiner Mission. Die beiden beschließen, zu kooperieren, sodaß Theobald weiter vorgeben wird, diesen Sklaven ganz besonders zu piesacken.
Als Hugo diese traurige Geschichte hört, beschließt er, auf seine Weise zu helfen, indem er Jasmin englische und irische Volkslieder und Balladen vorsingt. Dies scheint ihr Gedächtnis tatsächlich zu bessern.
Petrus hat in der Zwischenzeit eigene Probleme: Die sieben Enkel des Abbas entpuppen sich als verwöhnte Bälger, die es nicht einmal für nötig halten, zu laufen, und außerdem keinerlei Gefühl für Richtig und Falsch haben. Auch Petrus´ Versuche, ihnen etwas Menschenliebe beizubringen, zeigen keinen Erfolg – außer, daß er die Mistbälger damit amüsiert.
Schließlich kann Theobald Aladin melden, daß das Gelände zwar scharf patrouilliert wird, es hier aber keine Höllenhunde gibt. In dieser Nacht schleicht sich eine kleine Katze in Abbas´ Schlafgemach, dessen genauen Standort Aladin durch Hugo weiß. Dort findet er auch das Geheimfach, von dem Jasmin dem Spielmann erzählt hat, und in dem der falsche Ring liegt. Mit seiner Beute macht sich der Bjornaer davon, wobei er sich wundert, in welcher Verwirrung sich der Haushalt befindet.
Dafür kann er teilweise Hugo verantwortlich machen. Dieser war nämlich Neds Bitte, seiner Frau doch seinen Ehering zu bringen, damit sie ihn vielleicht erkennt, nachgekommen. Allerdings war er dabei so ungeschickt, daß auch Abbas den Ring zu Gesicht bekam. Nach einigen Drohungen des Wesirs erzählte Hugo ihm die ganze Geschichte. Natürlich stürmte Abbas sofort los, um den unverschämten Sklaven zur Rechenschaft zu ziehen. Als der von dem Spielmann alarmierte Theobald in die große Halle kam, wo er den Hausherrn vermutete, war es schon zu spät: Ein Toter lag am Boden. Allerdings nicht Ned, wie Theobald im ersten Schreck vermutet hatte.
Als Abbas den Engländer nämlich zu sich rief und mit dem Tod bedrohte, offenbarte der seine magischen Fähigkeiten: Er verletzte seinen ehemaligen Herrn, tötete die Wache, die sich ihm in den Weg stellte, und floh durch die Wand.
Der Ibn Usama war sehr zornig und befahl eine Verfolgung, die Theobald, Hugo und Petrus ausnutzten, um zu entkommen.
Außerhalb des Hauses treffen sich die verschiedenen Parteien wieder. Dabei stellt sich Ned Aladin nun als Sir Edward Andrew Owen Fitzpatrick, Herzog von Gloucester, Filius von Alocar aus dem Hause Jerbiton vor. Gemeinsam stoßen Aladin und Andrew dann zum Rest der Gruppe.
Da sie nun den falschen Ring haben, kann Yazed zum Sultan Saladin gehen, um seinen Anspruch anzumelden. Dies tut er auch gleich am nächsten Morgen, begleitet von Aladin und Terminus.
Der Sultan empfängt ihn freundlich, aber als sich die Blüte auf dem Ring öffnet, ist er recht erstaunt. Schließlich ist Abbas Ibn Usama auch da und hat einen offenen Blütenring: Der betrügerische Wesir besitzt offenbar mehr als nur eine Fälschung! Saladin macht den Vorschlag, in die Moschee zu gehen und Allah um eine Lösung des Rätsels anzuflehen. Je näher sie aber der Moschee kommen, desto nervöser wird Abbas. Schließlich bleibt er einige Schritte vor dem heiligen Ort stehen und reißt sich den Ring vom Finger. Als aber dieser den Boden berührt, verwandelt er sich in eine kleine Schlange, die schnell von der Moschee wegkriecht, dabei allerdings von Aladin totgetreten wird.
Abbas selbst beginnt, sich immer schneller um die eigene Achse zu drehen und verschwindet schließlich, obwohl Terminus noch magisch versucht, ihn aufzuhalten.
Als die anderen außerhalb von Abbas´ Flucht erfahren, rennen sie mit Terminus und Aladin zu dessen Palast. Dort sind schon schwere schwarze Wolken zu sehen, und bald beginnt es, nur über diesem einen Haus zu gewittern. Die Magi und ihre Gefährten hetzen zu Abbas´ Gemach im höchsten Turm des Gebäudes, aber auch sie sehen nur noch, wie der Ibn Usama und Jasmin durch einen dunkelblauen Spiegel, wie aus Saphir gemacht, hindurchgehen und verschwinden, wobei auch der Spiegel selbst hinterher weg ist. In diesem Moment beginnt das Gebäude auseinanderzufallen, aber alle haben Glück und können das seltsamerweise menschenleere Anwesen unverletzt verlassen.
Nach ein paar Stunden finden sie die Bewohner des Palastes bis auf einige Vertraute des Hausherrn in einem weiten Gewölbe unter dem Gebäude. Den meisten von ihnen geht es nicht sehr gut, da in dem riesigen Raum eine kleine schwarze Sonne hing, die ihre Lebenskraft abgesaugt hat. Immerhin finden sie einige Leute, die bereit sind, sie nach Serpentia zu begleiten, darunter auch Ali Ben Ali, einen ehemaligen Lehrling von Quintus. Außerdem entdecken die Magi in den Ruinen noch etwas Vis, darunter eine kleine Flasche mit extrem starkem Inhalt: Zu erkennen ist aber nur schwach wirbelnder Nebel. Auch ein paar Bücher tauchen auf, darunter eines, das in einer allen völlig unbekannten Schriftsprache geschrieben ist. Dieses Buch soll später Shakram zur Übersetzung erhalten. Sechseinhalb Jahre später wird er diese Aufgabe bewältigt haben.
Aladin heiratet Samala und wird von Yazed in die Familie der Ibn Usama aufgenommen. Schlagartig ist er reich und mächtig. Yazed selbst wird zu Abbas´ alter Position erhoben, außerdem erhält er das Land, in dem Serpentia liegt, als Lehen. Er überläßt es Aladin zur Verwaltung.
Der Bund erhält das Recht, Zoll auf der Karawanenstraße zu erheben, und die Karawanserei zu betreiben, wenn er im Gegenzug die Straße sicher hält.

Comments

Marganma

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.