Serpentia

Der Drache vom Aifenmoor

Quintus, Sir Garth, Henry

Sir Garth, Quintus und Henry sind aufgebrochen, um in Sir Garths Heimat Aifenmoor nach dem Rechten zu sehen. Im Gegensatz zu Sir Daowyn reisen die drei nicht durch den Feenwald, sondern auf ganz mundanen Pferden – so mundan die Pferde Serpentias eben sind, denn durch die Pflege des ewig nervenden Stallknechts Gerwald sind aus den abgewrackten Gäulen, die der Bund damals durch die Vernichtung von Selim Beys Räuberbande erworben hatte, edle und stolze Rösser geworden, ausdauernd und kräftig und nicht einmal von der Präsenz eines Magiers zu schrecken.
Unterwegs sind sie auch allerlei Gefahren ausgesetzt: Kurz vor Constantinopel werden sie von einem Haufen Banditen angegriffen, die aber der starke Henry und der Schwertmeister Garth leicht besiegen. Dabei macht Quintus einen Gefangenen, einen jungen Burschen namens Chrysos, der sich sofort ergibt und dem Knappen anbietet, sein Diener zu werden. Zwar will Quintus das gar nicht, aber Sir Garth nimmt für ihn an, da er der Meinung ist, sein Knappe müsse ein wenig Verantwortung tragen.
In Constantinopel treffen sie auf Quintus´ Bruder Tertius, der ihm bis aufs Haar gleicht: Sogar das „entfernte“ Brandmal auf der Stirn und die fehlende rechte Hand sind identisch. Früher war Tertius nämlich Dieb – jetzt ist er Händler (kein großer Unterschied, wie er meint). Von ihm kann Quintus erfahren, daß keiner seiner sechs Brüder mehr im Diebesgewerbe tätig ist: Nachdem jeder einzelne seine rechte Hand dadurch eingebüßt hat, machen sie heute alle etwas anderes. Einer ist Priester, ein anderer Troubadour, von den restlichen drei weiß Tertius es nicht. Allerdings ist im Gegenzug ihre jüngste Schwester Octavia jetzt zur Diebin geworden. Sie ist allerdings noch nie erwischt worden.
Während der weiteren Reise treffen sie noch zwei andere von Quintus´ Brüdern, beide mit vernarbter Stirn und fehlender Hand: Secundus, der in Hamburg Priester ist; und Primus, den Ältesten, einen Kapitän. Von ihm erfahren sie auch, daß der jüngste Bruder Septimus irgendwo in der Levante zum Magier ausgebildet wird. Gerüchten zufolge soll er wieder beide Hände haben …
In Ungarn gibt es einen weiteren Zwischenfall: Als Quintus und Henry einer jungen Frau helfen, einen schweren Korb zu ihrer etwas abseits liegenden Hütte zu tragen, werden sie von ihr und ihrer angeblichen Mutter angefallen: Die beiden Frauen sind in Wahrheit Vampirinnen, die es auf das Blut der Lebenden abgesehen haben. Mit der Hilfe von Sir Garth, der ihnen beunruhigt nachgegangen war, können die beiden die gierigen Untoten nach einem heftigem Kampf erschlagen.
*
Schließlich kommen sie mit Primus´ Hilfe nach Brighton in England, von wo aus sie hoffen, ein Schiff nach Irland zu bekommen. Da Brighton Henrys Geburtsort ist, möchte der natürlich seine Familie besuchen.
Als er aber beim Haus seines Vaters ankommt, muß er erfahren, daß die Familie hier nicht mehr wohnt. Offenbar leben die Fishers jetzt völlig verarmt in einer elenden Hütte. Dort schließlich findet Henry seine Mutter und seinen Bruder, die sich sehr freuen, ihn hier zu sehen; und so gesund, und so gut gerüstet…
Nach der tränenreichen Begrüßung erfährt Henry von seiner alten Mutter, daß sein Vater im vergangenen Winter verstorben ist und in seinem Testament seine Boote und sein Haus der Kirche vermacht haben soll. Für seine Witwe und seinen Sohn blieb kaum genug für ein kleines Ruderbötchen und ein paar Netze. Henry kann das kaum glauben, da er die Liebe seines Vaters zu seiner Familie gut kannte; außerdem war der alte Fisher kein so gläubiger Mann, daß er seinen gesamten Besitz der Kirche vermacht hätte. Auch sein Bruder William glaubt die Geschichte nicht so ganz, weiß aber auch nicht, was er gegen den örtlichen Priester, einen Pater Fulke, unternehmen kann: Der Mann ist nämlich recht beliebt.
Henry bittet seine Reisegefährten, ihm zu helfen, die Wahrheit herauszufinden. Vor allem Quintus ist Feuer und Flamme. Als erstes besuchen sie den Notar, bei dem das Testament angefertigt wurde, aber der kann ihnen nur sagen, daß es jetzt bei Pater Fulke sei. Dann schlägt er ihnen schnell die Tür vor der Nase zu. Es ist ziemlich klar, daß der Mann etwas zu verbergen hat. Der nächste Besuch gilt dem Priester selbst, und obwohl das Äußere seiner Hütte recht bescheiden wirkt, ist es innen sehr bequem und reichlich gestaltet; ein Blick in die Küche zeigt, daß dieser Priester sein Geld gern auch für sich selbst ausgibt.
Am Abend dieses Tages beschließt Quintus, ohne Sir Garths Wissen in das Haus des Priesters einzubrechen. Während Chrysos also vorne etwas ungeschickt die Köchin ablenkt, steigt der Knappe hinten durch ein Fenster. Was er in Pater Fulkes Arbeitszimmer sieht, verblüfft ihn sehr: Ein Großteil der Dokumente ist zusammengepackt, und auf dem Schreibtisch liegen gewisse Kleinodien aus dem Kirchenschatz! Offenbar hat der betrügerische Priester vor, die Stadt bald zu verlassen und will mitnehmen, was er nur kann.
Als er Sir Garth davon berichtet, reagiert der sehr zornig und ist schon halb bereit, den korrupten Fulke zu töten. Quintus und Henry überzeugen ihn aber, lieber die Autoritäten einzuschalten, was der alte Ritter dann auch tut.
Am nächsten Morgen wird Fulke dann auch aufgehalten, als er Brighton verlassen will. In seinen Taschen finden sich die wertvollsten Stücke des Kirchenschatzes, woraufhin der Herr der Stadt ihn gefangensetzen läßt, um ihn dem nächsten Bischof zu übergeben. Als sein Auftraggeber solchermaßen aus dem Weg ist, gesteht der Notar auch, daß er für Fulke das Testament von Henrys Vater gefälscht hat. So erhalten die Witwe und ihr Sohn den ihnen eigentlich zustehenden Erbteil zurück, und die drei Reisegefährten können beruhigt das nächste Schiff nach Irland nehmen.
*

Schließlich kommen sie nach fast einem halben Jahr Reise in Aifenmoor an. Tatsächlich scheint es ganz gut zu sein, daß sie gekommen sind, denn die Entartung des Moores hat bei Alocars Weggang nicht etwa nachgelassen, sondern ist nur noch schlimmer geworden. Die alten Wege sind vom Sumpf fast verschlungen, sodaß Quintus unterwegs einmal fast ertrinkt und nur Henrys schnelle und entschlossene Aktion ihn noch retten kann. Während sich die vier Männer durch den von allen Tieren verlassen scheinenden Sumpf quälen, sehen sie auf einmal neben dem Weg eine Gestalt: Eine junge Frau, die keine Probleme hat, sich über das Moor zu bewegen. Als sie die Fremden bemerkt, bleibt sie kurz stehen und warnt sie in knappen Worten davor, weiterzugehen: Das Land habe jetzt einen Herrn, gegen den sie nicht antreten könnten.
Wegen den leuchtend roten Haaren, den unnatürlich grünen Augen und der unheimlichen Ausstrahlung der Frau, die von einer schwarzen Katze begleitet wird, vermutet Sir Garth sofort, daß sie eine Hexe ist. Wenn allerdings der Teufel glaubt, so sagt er, er könne einem Aifeda einfach so das Land stehlen, dann habe er sich geschnitten. Sir Garth geht weiter in Richtung Aifenfeste, und die anderen drei folgen ihm.
Gegen Abend erreichen die Männer schließlich das Dorf. Dort sind alle Häuser, auch die Kirche, verfallen und schon fast im Erdboden versunken. Ein einziges Gebäude wirkt noch einigermaßen heil: Das Haus von Molly, der Heilerin, die sich für das Land geopfert hat. Dort schlagen sie nun auch zunächst ihr Lager auf.
Während der Vollmondnacht kommt eine kleine, weißschwarze Katze mit erstaunlich menschlichen blauen Augen in die Hütte und bleibt zunächst erschreckt am Eingang stehen, bis Quintus sie zu ihnen hineinlockt. Dennoch bleibt das kleine Tierchen recht reserviert, bis es hört, wie Henry Sir Garth mit seinem Namen anspricht. Da springt es aufgeregt auf und beginnt, mit menschlicher Stimme zu sprechen. Es stellt sich Sir Garth als Maureen Aifeda, Tochter seines jüngeren Bruders, vor. Als der alte Ritter sie entsetzt fragt, was denn mit ihr geschehen wäre, erzählt sie ihm von den sieben Hexen, die jetzt in der Burg leben. Diese Dienerinnen des Bösen haben sie und ihren Bruder Gareth vor einiger Zeit in die Hände bekommen und in Tiere verwandelt: Maureen in eine Katze, Gareth in eine Maus. Grausamerweise hat das Mädchen alle Jagdinstinkte einer Katze mitbekommen, sodaß sie Schwierigkeiten hat, ihren jüngeren Bruder nicht einfach als Beute zu betrachten. Immerhin kann sie in jeder der drei Nächte des Vollmonds sprechen, Gareth hingegen in jeder Nacht des Neumonds.
Voller Mitleid versprechen die Reisenden, ihr und ihrem Bruder irgendwie zu helfen. Zunächst aber müssen sie selbst sehen, wie sie sich gegen die Hexen wehren. Alle wissen natürlich, daß Hexen Salz nicht mögen, und daß ihnen Nägel, die in ihre Fußabdrücke geschlagen werden, große Schmerzen bereiten. Zusätzlich kann ihnen Maureen berichten, daß die Macht der Hexen von ihren Vertrauten abhängt: Tötet man dieses magisch mit den Frauen verbundene Tier, ist die Dienerin des Teufels fast all ihrer Kräfte beraubt.
Um sich auf den sicherlich kommenden Kampf mit den Sieben vorzubereiten, sammeln die Männer und die Katze jedes verbliebene Körnchen Salz und jeden Nagel ein, den sie nur finden können. Dann ziehen sie in Mollys Hütte einen Salzkreis, von dem sie hoffen, daß die Hexen ihn nicht überschreiten können.
In der nächsten Nacht tauchen dann auch tatsächlich die sieben Frauen, auf Besen reitend, vor der Hütte auf. Die Anführerin, der sie schon im Sumpf begegnet sind, fordert sie ein letztes Mal auf, Aifenmoor zu verlassen. Als Antwort wirft Chrysos einen Stein nach ihr, der sie aber verfehlt. Lachend gibt sie daraufhin das Zeichen zum Angriff.
Dabei stellt sich heraus, daß der Salzkreis zwar Hexen und ihre Mächte abhält, nicht aber ihre Vertrauten. Eine der Sieben schickt ihre Schlange durch ein Fenster, aber Henry bemerkt sie noch rechtzeitig und erschlägt sie mühelos. Draußen hört man einen spitzen Aufschrei, gefolgt von dem Fluch der Hexe, der Mörder möge für die nächsten drei Jahre, drei Monate und drei Tage seine Mannbarkeit verlieren. Doch die Männer lassen sich durch die Flüche nicht abschrecken und töten weiterhin die eindringenden Vertrauten; Chrysos schafft es sogar, mit seiner Schleuder die schwarze Katze der Anführerin zu töten. Nicht alle Flüche, die die Hexen aussprechen, sind wirksam: Weder Quintus noch Sir Garth geschieht irgend etwas. Henry hingegen wird nach dem Kampf für die nächsten zehn Jahre stumm sein, während Chrysos nach dem Tod der Katze in einem Augenblick zwanzig Jahre älter wird…
Schließlich gelingt es den Gefährten, fast alle der Hexen zu erschlagen, nur die Anführerin kann ihnen entkommen und flüchtet sich auf die Feste. Der Kampf ist kurz vor Morgengrauen so schnell vorbei, wie er begonnen hat.
Als sich die erschöpften Kämpfer gerade schlafen legen wollen, warnt Maureen sie, daß ein Fremder sich dem halb versunkenen Dorf nähert: Ein alter Mann auf einem Pferd. Als Sir Garth den Neuankömmling begrüßt, stellt sich dieser als Sir Aindreas MacLeod aus Schottland vor. Er sei ein passionierter Drachentöter und habe gehört, daß sich auf der Aifenfeste eines dieser Ungetüme herumtreiben würde. Sir Garth heißt den Schotten willkommen und bietet ihm an, gemeinsam auf die Burg zu steigen. Sir Aindreas hat nichts dagegen, und so machen sie sich nach einer ausgiebigen Rast und einem guten Frühstück an den Aufstieg auf den Hügel.
Schon während des Aufstiegs hat niemand ein gutes Gefühl, und als die hohen Mauern der Aifenfeste drohend über ihnen aufragen, zögert jeder der Männer kurz. Aber schließlich geht Sir Garth voran in den Burghof. Hier sieht es tatsächlich aus, als könne dies die Lagerstätte eines Drachen sein: Der Hof ist von einem seltsamen Schleim besudelt, der langsam Löcher in die Mauern zu fressen scheint, und es liegen die faulenden Überresten von tierischen oder auch menschlichen Körpern umher, die wohl als Nahrung gedient haben mögen. Sir Aindreas ist zufrieden: Die Gerüchte haben einen wahren Kern. Prompt beginnt er, seine Lanzen zu ordnen und an günstigen Positionen im Hof zu verteilen. Während sich der Schotte mit diesen Vorbereitungen beschäftigt, begibt sich der Rest in die Burg selbst. Dort sehen sie gleich in der großen Halle die Anführerin der Hexen über einem in den Boden eingelassenen Pentagramm stehen, in dessen Mitte die Luft wabert und zu glühen scheint: Sie beschwört hier einen Dämon!
Sofort stürzen Henry, Quintus und Sir Garth auf sie zu, aber obwohl es ihnen gelingt, sie zu erschlagen, können sie nicht mehr verhindern, daß der Feuerdämon vollständig präsent wird. Es kommt zu einem erbitterten Kampf, in dessen Verlauf Chrysos und Sir Garth von dem flammenspeienden Teufel schwer verletzt werden, aber letzten Endes kann Quintus in den Rücken des Wesens zu gelangen und es töten.
Kaum ist jedoch dieser Kampf beendet, als Sir Aindreas mit einer Lanze unter dem Arm in die Halle reitet und mit bester Laune verkündet, der Drache sei in Anflug. Dann wendet er sein Pferd und stürmt wieder hinaus. Der Rest folgt ihm, auch der schwerverletzte Sir Garth.
Draußen ist tatsächlich ein Drache gelandet: Nicht einer der großen, eleganten Vertreter dieser Spezies, die für ihre Weisheit bekannt sind, sondern eine recht kleine, dumpfe Kreatur mit grauen Schuppen, die nur am Töten interessiert zu sein scheint. Wenn er aber auch für einen Drachen klein ist, so ist er doch immer noch groß genug, um die Hälfte des Burghofs zu füllen, ein einzelner seiner Zähne ist so lang wie der Unterarm eines Mannes.
Trotz dieses furchterregenden Äußeren greifen Henry und Quintus sofort an. Sir Garth, trotz seiner Wunden kaum langsamer, stellt sich vor den Drachen, um ihn zu beschäftigen, während Henry die rechte und Sir Aindreas die linke Flanke bearbeiten. Quintus klettert gar auf den Rücken des Monstrums, um so seine Augen zu erreichen. Da das große Tier aber wegen des Kampfes in ständiger Bewegung ist, ist das gar nicht so leicht und der Knappe kommt nur mühsam voran. So muß er zu seinem Entsetzen sehen, wie Sir Garth vor seinen Augen getötet wird, kurz bevor er den entscheidenden Schlag anbringen kann. Das tut er zwar auch, aber er kann sich dieses Sieges nicht freuen, da doch sein väterlicher Mentor in diesem Kampf fiel. Wäre er doch nur ein paar Sekunden schneller gewesen….
In dem Moment, als der Drache stirbt, beginnt die Aifenfeste zu wanken und zittern. Schnell holt noch Sir Aindreas Chrysos aus der Halle, dann fliehen alle aus der Burg. Henry läßt es sich aber nicht nehmen, noch ein paar Drachenzähne abzubrechen und mitzunehmen. Kaum haben alle die Feste verlassen, als diese endgültig im Moor versinkt. Zurück bleiben von der einstmals so stolzen Burg nur noch ein paar schwarze Luftblasen.
Nachdem Sir Aindreas die Verletzungen des Dieners Chrysos verbunden hat, sodaß dieser wahrscheinlich durchkommen wird, begraben Henry und Quintus Sir Garth an dem Ort, wo die Aifenfeste einst stand. Über dem Grab schlägt schließlich der Drachentöter Quintus zum Ritter. Dem aber bedeutet das wenig: Hätte er doch nur Sir Garth retten können… Der junge Italiener fühlt sich des Titels unwürdig.
Quintus´ – Sir Quintus´ – gedrückte Stimmung hält die ganze Rückreise über an. Auch der schottische Ritter, der beschlossen hat, sie zu begleiten, läßt sich davon anstecken. Da beide also nicht viel reden und Henry durch den Hexenfluch stumm geworden ist, wird es eine sehr stille Rückreise. Erst in Ungarn erhält der eigentlich recht lebenslustige Chrysos wieder Gesellschaft zum Reden: Dort begegnen sie nämlich in einem der großen Wälder einem jungen Mann namens Alen, der fernab aller Menschen von seinem Vater großgezogen wurde. Kurzerhand nehmen sie den recht naiven und menschenunkundigen Jüngling als Grog mit nach Serpentia, zu dem sie erst im Frühling 1182 zurückkehren.

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Marganma

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