Serpentia

Der Riese der Blutgier

Winter 1183

Alen, Aladin, Andrew, Julius, Lionel, Robert

Kaum sind Aladin, Andrew und Julius mit ihren Grogs wieder im Bund angekommen, als sie auch schon auf eine neue Reise aufbrechen. Alens Erzählung von Schwert und Rüstung seines Vaters ist allen im Gedächtnis geblieben, und daher wollen sie jetzt in dessen Heimat Ungarn einige Nachforschungen über die Vergangenheit des Grogs anstellen.
Die Hinreise verläuft relativ ereignislos, wenn man davon absieht, daß Alen sich ein paarmal verläuft und Julius nach einer Flußüberquerung auf einmal verschwunden ist. Darüber macht sich allerdings niemand allzu große Sorgen: Der Geist war unterwegs einigen der anderen doch ziemlich auf denselben gegangen.
Schließlich erreicht Alen eine Gegend, in der er sich wieder auskennt und findet auch bald die kleine Hütte, in der er mit seinem Vater gelebt hat. Diese ist zwar schon ein wenig zerfallen, kann aber ohne große Mühe wieder so hergerichtet werden, daß man in ihr übernachten kann. Am selben Abend noch führt Alen die Magier zum Grab seines Vaters. Dort scheint zunächst alles in Ordnung zu sein, aber dann bemerkt Robert, daß die Gruppe von einem kleinen Wesen beobachtet wird. Als er darauf zugeht, flieht es, allerdings kann der Grog die eindeutig dämonischen Züge der Kreatur erkennen.
Als er die anderen darauf aufmerksam macht, nehmen die Magier, geführt von dem Panther Aladin, die Verfolgung auf. Die Spur des kleinen Dings führt in Richtung der nahen Berge, verschwindet aber bei Sonnenaufgang plötzlich, sodaß die Verfolger wohl oder übel zu der Hütte zurück müssen. Dort legen sie sich zunächst schlafen.
Erst am späten Nachmittag stehen alle auf. Nach einer kleinen Mahlzeit wenden sich Alen und Andrew wieder dem Grab zu und öffnen es vorsichtig. Die Leiche darin wirkt völlig vertrocknet, als habe sie jahrelang im Wüstensand gelegen. Alen findet das nicht ungewöhnlich: So sah sein Vater schon bei seinem Tod aus. Bei dem Toten befindet sich auch eine nicht-magische Rüstung und ein prachtvolles Schwert, dessen Klinge mit Runen verziert ist. In das Heft ist ein kleiner Knochen, vielleicht von einem Finger, eingelassen und mit Draht befestigt, und den Knauf ziert ein taubeneigroßer Smaragd.
Als Aladin die Waffe untersucht, stellt er fest, daß sie magisch ist, ihre Zauberkraft aber von irgend etwas gehemmt wird. Andrew vermutet, daß der Fingerknochen die Reliquie eines Heiligen ist, in deren Nähe Magie nicht richtig wirken kann. Um herauszufinden, ob wirklich etwas Heiliges an dem Schwert ist, beginnt der Jerbiton, um Erkenntnis zu beten, und erhält tatsächlich eine Vision: Er sieht sich wieder dem Teufelsanbeter aus der Templerfestung gegenüberstehen und kämpft mit ihm. Dabei verstrahlt das Schwert ein helles, blendendes Licht. Der Magier kommt so zu der Überzeugung, daß die Reliquie echt ist.
Nachdem Alen das Schwert und die Rüstung geborgen hat, wird das Grab mit einem angemessenen christlichen Segen wieder verschlossen. Der Grog überläßt zunächst Andrew das Schwert, da der als einziger der Männer mit ihm umzugehen vermag. Für den nächsten Tag fassen die Magi den Entschluß, sich um die seltsamen kleinen Dämonen aus den Hügeln zu kümmern.
Dazu haben sie allerdings schon während der Nacht Gelegenheit, denn als gerade Lionel Wache hält, fangen die Pferde außerhalb der Hütte an, ängstlich zu wiehern und dann durchzugehen. Der Grog weckt die anderen, und als sie sich nach draußen wagen, um zu sehen, was los ist, bemerken sie die Hügeldämonen um das kleine Gebäude schleichen. Alen gelingt es, mit seinem Bogen einen davon zu töten und einen anderen zu verletzen. Als Andrew den Verwundeten erschlägt, leuchtet das Schwert von Alens Vater hell auf und der Dämon vergeht. Aber auch diesmal erweist sich eine Verfolgung als fruchtlos, da bei Sonnenaufgang wieder alle Spuren verschwinden.
Am nächsten Vormittag machen sich die Magier auf die Suche nach dem Zentrum der dämonischen Aktivitäten. Dabei erfahren sie von Alen, daß es in der Nähe der Hügel einen seltsamen, vom Blitz gespaltenen Baum geben muß, der in dieser Gegend immerhin relativ einzigartig ist. Aus Mangel an besseren Anhaltspunkten beschließen Aladin und Andrew, sich dort einmal umzusehen. Die Wahl scheint auch richtig zu sein: Die abgespaltene Hälfte des Baumes liegt fast waagerecht auf dem Boden und ist bearbeitet, außerdem weist der primitive Altar Blutflecken auf. Da die Teufel nur des Nachts auftauchen, wird in der Nähe ein Lager aufgeschlagen, von dem aus man diesen Platz einigermaßen beobachten kann, ohne selber gesehen zu werden.
In der Nacht stößt zunächst ein etwas verärgertes Wildschwein auf die Lagernden, das aber nach kurzem Kampf in eine spontan erschaffene Erdgrube befördert werden kann. Dort unten wird es getötet und zum Speiseplan addiert. Plötzlich jedoch entdeckt Alen in den Sträuchern wieder die kleinen Dämonen, von denen er einen in die Grube jagen kann. Auch dieses teuflische Wesen erschlägt Andrew, und auch diesmal leuchtet das Schwert beim Tod des Dämons auf. Dabei fühlt sich der Magier äußerst wohl, die Klinge scheint wie für ihn gemacht worden zu sein.
Als sich der Jerbiton danach wieder schlafen legt, da in dieser Nacht wohl nicht mehr viel passieren wird, hat er einen seltsamen Traum: Er sieht sich selbst mit der leuchtenden Klinge die Feinde des Christentums in ruhmreichen Kriegen hinschlachten. Dennoch ist er beunruhigt, als er erwacht, denn Gewalt mag manchmal notwendig sein, aber ein Gemetzel dieses Ausmaßes erscheint ihm nicht mit den Lehren der Kirche übereinzustimmen. Als er den anderen davon erzählt, teilen die seine Zweifel.
Am nächsten Morgen untersuchen die beiden Magier noch einmal den gespaltenen Baum. Dabei findet Aladin ein paar Borstenhaare eines Wildschwein, was ihn zu der Vermutung veranlaßt, der Eber, der sie gestern angegriffen hat, wäre hier geopfert worden. Da die anderen das für relativ unwahrscheinlich halten (wie hätten sie das Tier dann bitte töten können?), brechen sie gegen Mittag zu den Hügeln auf, in der Hoffnung, dort etwas über die Dämonen in Erfahrung bringen zu können.
Da sie recht spät aufbrechen und einen Abstecher zur Hütte machen, wo die verstreuten Pferde wieder zurückgekommen sind, erreichen sie die Hügel an diesem Tag nicht mehr. Als es dunkel wird, begegnen sie unterwegs einer ganzen Gruppe der kleinen Dämonen, die vor ihnen davonlaufen. Eines der Wesen jedoch bleibt zurück und greift die Gefährten mit Todesverachtung an, was dem Rest die ungehinderte Flucht ermöglicht. Auch diesmal leuchtet das Schwert beim Töten auf, und das angenehme Gefühl beim Kampf damit verstärkt sich noch mehr. Andrew wird sehr mißtrauisch und beschließt, die Klinge künftig nur in äußerster Not einzusetzen, zumal das Verhalten der kleinen Kreaturen nicht sonderlich typisch für Dämonen ist.
Während die Gefährten weiterhin auf die Hügel zuhalten, bemerken sie in den Büschen eine kuriose Gestalt, die ihnen zu folgen scheint. Bei genauerer Nachforschung entpuppt sich der Verfolger als ein ungelenker junger Mann, in die unpassende Kleidung eines Städters gehüllt. Er scheint recht nervös zu sein und stellt sich als Vladimir aus Zagreb vor. Er habe etwas gefunden, was die anderen verloren hätten: Julius. Der war bei der Flußüberquerung nicht hinterhergekommen und hatte es dann auf eigene Faust nicht geschafft, ans andere Ufer zu gelangen. Daher hatte sich der Geist zunächst in die nächste Stadt, Zagreb, begeben und war dort auf Vladimir gestoßen, der ihn tatsächlich sehen konnte. Mit der Hilfe des jungen Mannes gelang es Julius, einiges über Alens Vater Bragon herauszufinden: Der Mann war offenbar eine Art Ritter gewesen, der sich ohne genaue Angabe von Gründen vor vielen Jahren mit seiner schwangeren Frau in den Wald zurückgezogen hatte und diesen danach nur noch sehr selten verließ. Er schien in seinen letzten Lebensjahren an einer merkwürdigen Auszehrung zu leiden, an der er wohl schließlich starb. Die Erzählung läßt vermuten, daß der Ritter sich als eine Art Hüter des blutgierigen Schwertes verstand, und vielleicht sogar starb, weil er es nicht benutzte. Trotz dieser unheilvollen Vorzeichen will Andrew das Schwert nicht aus der Hand geben: Er hofft, als Magier widerstandsfähiger zu sein als die gewöhnlichen Menschen.
Als Andrew auf dem Weg erneut einen der kleinen Dämonen sieht, fängt er ihn mit einem Spruch ein und packt danach die Schriftrolle aus, auf der Terminus´ Dämonenvernichtungszauber geschrieben steht. Als er das teuflische Wesen damit zu bannen versucht, geschieht etwas sehr Merkwürdiges: Die dämonischen Attribute des kleinen Kerls verschwinden, und zurück bleibt ein toter Erdelf, der auch schnell in den Boden einsinkt. Das Schwert scheint mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden zu sein und drängt danach, benutzt zu werden. Allerdings kann der Magier diesem Drang ohne größere Schwierigkeiten widerstehen.
Das Sprechen dieses Spruchs, der weit über das hinausgeht, was Andrew selber fertigbringen würde, erschöpft den Jerbiton sichtlich, und nachdem er danach noch einmal einen Zauber benutzt, bricht er zusammen. Sein Leibgrog Robert hat daraufhin nichts Besseres zu tun, als den Ohnmächtigen wie ein erlegtes Reh an eine Stange zu binden und so zu tragen – das wäre doch einfacher als etwas anderes. Glücklicherweise erreichen sie die Hügel und schlagen ein Lager auf, bevor der Magier wieder zu sich kommt. Der wundert sich dann nur über die Fesselspuren an seinen Handgelenken ….
Als Andrew sein Bewußtsein wiedererlangt, geht er los, um den Hügel zu besteigen. Kaum aber hat er sich der Kuppe genähert, beginnt eine Steinlawine auf das Lager zuzurollen. Die Gefährten verteilen sich, aber der Angriff wird von einer intelligenten Macht gelenkt: Jeder der Männer wird von einem großen Felsen regelrecht verfolgt. Als Andrew seine Erdmagie anwenden will, um seinen Verfolger aufzuhalten, wirkt der Spruch nur in soweit, daß der immer noch Erschöpfte ein zweites Mal zu Boden sinkt. Zwar kann Alen den Magier in letzter Sekunde retten, verliert aber dabei das Schwert seines Vaters, welches daraufhin von einem Felsbrocken zerschmettert wird. Als das geschieht, hört die Attacke schlagartig auf.
Aladin, der den Angriff wie alle anderen auch unverletzt überstanden hat, sieht sich die Bruchstücke an. Der kleine Knochen im Heft ist zersplittert, die Klinge in mehrere Teile zerbrochen. Während die Grogs das Lager wieder aufbauen und Andrew langsam wieder zu sich kommt, beginnt der neugierige Bjornaer, die Klinge wieder zusammenzufügen, was wegen der Runenverzierung auch recht einfach ist. Kaum ist ihm das jedoch gelungen, als direkt über dem Schwert eine Gestalt entsteht: Ein mit einer Keule bewaffneter, dreifach mannsgroßer Riese, in dessen Augen die Blutgier und Lust am Kampf blitzt.
Mit dröhnender Stimme dankt er den Menschen höhnisch für seine Befreiung: Lange genug war er schon gefangen und jetzt, endlich wieder erlöst, wird er sie alle töten. Dann greift er an, und es kommt zu einem unausgeglichenen Kampf. Die gewöhnlichen Waffen der Grogs helfen nichts gegen den gigantischen Kerl, Pfeile und Schwerter prallen einfach an ihm ab. Glücklicherweise ist der Riese nicht nur groß, sondern auch langsam, sodaß er seine kleineren Gegner nicht trifft. Direkte Magie kann dieses seltsame Wesen auch nicht betreffen, und so verfällt Aladin auf eine andere Strategie: Den nächsten Pfeil, den Alen abschießt, vergrößert der Magier mit einem recht mächtigen Spruch ins Riesenhafte, sodaß dieser Treffer, der überdies auch noch gut gelingt, den feindseligen Giganten tot zu Boden wirft.
Schnell verstreut Aladin die Bruchstücke des Schwertes wieder, allerdings nicht ohne vorher die Runen abgeschrieben zu haben.
Nachdem sich alle von dem Kampf erholt haben, spricht Andrew mit dem Erdgeist des Hügels, der wohl vorher für den Angriff verantwortlich war. Wie sich herausstellt, wußte der Geist genau, was er tat: Er kennt dieses Schwert. Von ihm erfahren die Menschen dann auch, daß die Klinge eine alte Wikingerwaffe war, in die ein Geist der Blutgier gebannt war. Die Runen sollten verhindern, daß er jemals wieder frei käme, allerdings wurde deren Magie durch die Reliquie gehemmt, sodaß sie den üblen Einfluß nicht mehr so gut gefangen halten konnten. Auf die Bitte hin, ob man den Körper des Riesen in seinem Hügel begraben könne, erklärt der Erdgeist sich einverstanden, mit der Bedingung, daß das Grab mit den Schwertrunen versiegelt wird.
Dies geschieht, und nachdem der böse Einfluß des Riesen der Blutgier nicht mehr existiert, kann das Land endlich heilen. Auch die kleinen Erdfeen werden dadurch von dem dämonischen Einfluß befreit.
Alen beschließt, die Rüstung seines Vaters mitzunehmen und zu lernen, wie man mit einem Schwert umgeht. Auf der Rückreise hat er recht viele Unterhaltungen mit Andrew, da der junge Ungar immer noch recht wenig über die Gesellschaft, in der die Menschen leben, weiß. Der Jerbiton beantwortet Alens Fragen nach bestem Wissen und schafft es dabei sogar, den Grog zum Christentum zu bekehren.

Comments

Marganma

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.