Serpentia

Der Säbel des Sultans

Winter 1183

Sir Quintus, Ulf Ulrich, Henry

Als Sir Quintus und Henry wieder einmal mit Ulf Ulrich in Damaskus sind, ist die Gerüchteküche der Stadt am Schwirren: Der Säbel des Sultans Saladin soll gestohlen worden sein. Dieser Säbel ist angeblich keine gewöhnliche Waffe, sie soll große Zauberkräfte haben und fünf Templer mit einem Schlag fällen können.
Quintus, der neugierig geworden ist, besucht seine Ziehmutter Hassana, die Königin der Diebe von Damaskus. Die alte Frau kann ihm berichten, daß die Gerüchte wohl wahr wären, und der Säbel tatsächlich entwendet worden ist. Sie bittet ihren ehemaligen Lehrling und Ziehsohn, doch nach Jerusalem zu gehen und die Waffe zurückzuholen. Dabei vertraut sie ihm an, daß sie nicht etwa nur die Herrin der Gauner ist, sondern gleichzeitig auch der Kopf von Saladins Spionagenetzwerk. Der hätte sie nun damit betraut, den Säbel wiederzufinden, und sie gibt diesen Auftrag an Sir Quintus weiter, da dieser sich als Italiener in Jerusalem freier bewegen kann als ein Araber. Sie kündigt dem Ritter an, daß Saladin ihn noch einmal genauer informieren werde, wenn er mit Aladin zu einem der Festbankette des Sultans ginge.
So geschieht es dann auch: Bei dem Fest nimmt Saladin Sir Quintus beiseite und bittet den christlichen Ritter noch einmal persönlich um die Wiederbeschaffung seines Säbels. Die Waffe hätte keine eigentlichen Kräfte, aber sie sei eine Art Symbol für sein Kriegsglück, und in den Händen der Franken könne sie diese zum Angriff provozieren. Und einen Krieg brauchen im Moment weder Saladin noch die Christen. Quintus nimmt den Auftrag an.
Da Henry und Ulf Ulrich ihren Begleiter nicht allein gehen lassen wollen, brechen alle drei nach Jerusalem auf. Wenn tatsächlich ein Christ den Säbel gestohlen hat, wird er ihn wohl dorthin gebracht haben.
Als sie die Heilige Stadt erreichen, stellt sich Quintus schon am Tor als „Sir Quintus von Damaskus“ vor, was einige Verwunderung erweckt. Ein christlicher Ritter, der in der Hauptstadt des islamischen Sultans lebt?
In der Stadt erfahren die Gefährten zunächst einiges über die aktuellen politischen Verwirrungen: Der leprakranke König Baouduin IV. hat gerade seinen Schwager Guy de Lusignan der Regentschaft enthoben, da dieser sich als allzu unfähig erwies. Jetzt wird der durch seine Krankheit erblindete Monarch von zwei Parteien bestürmt, die beide ihre Ziele durchsetzen wollen: Zum einen die Falken, die vom Großmeister der Templer, Gerard de Ridefort, und dem Wolf von Kerak, Rainald de Chatillôn, geführt werden und hauptsächlich aus neuangekommenen Franken bestehen, die Krieg gegen Saladin und die Moslems führen wollen; zum anderen die Tauben, denen die hier geborenen Edlen wie Graf Raimond von Tripolis und Balian von Ibelin angehören, und die für Friede mit den Einheimischen sind.
Diese beiden Parteien sind sehr an einem damaszenischen Ritter interessiert, sodaß Sir Quintus am Abend seiner Ankunft gleich zwei Einladungen zu einer Unterredung erhält: Zunächst wird er von einem jungen Poulain, einem fränkischen Christen mit syrischem Blut, sehr höflich angesprochen. Dessen Herr, Raimond von Tripolis, würde gerne mit dem Neuankömmling sprechen. Sir Quintus sagt ihm zu, daß er sich am nächsten Abend mit dem Grafen treffen werde.
Kurz nachdem dieser Bote sich verabschiedet hat, kommen drei Templer in die Herberge. Deren Anführer gebärdet sich recht herrisch und fordert Quintus auf, sich am nächsten Tag mit seinem Herrn Odoric de Savigny zu treffen, dem Berater des Großmeisters. Ohne die Antwort des Italieners größer abzuwarten, geht er wieder.
Da beide Treffen am nächsten Abend stattfinden sollen, wird Sir Quintus sich beeilen müssen, denn der Palast des Königs, in dem Raimond zu Gast ist, und die Festung der Templer liegen nicht allzu nahe beieinander. Dennoch beschließt er, lieber ein wenig zu hetzen, als einem der beiden abzusagen.
Den Tag über verbringen die drei Gefährten damit, Informationen zu sammeln. Dafür sucht sich Quintus ein paar einheimische Diebe und lernt James kennen, der auch von Hassana großgezogen wurde, und hier über einigen Einfluß verfügt. Der junge Engländer kann ihm berichten, daß auch hier die Gerüchte über Saladins Säbel umgehen und sowohl die Falken als auch die Tauben sehr an der Waffe interessiert wären. Bemerkenswerterweise wären in den letzten Nächten sowohl ein Templer als auch ein Bote des Raimond von Tripolis unter großer Geheimhaltung nach Norden abgereist.
Als der Abend kommt, begibt sich Sir Quintus zunächst zu Raimond von Tripolis und lernt diesen als recht freundlichen Mann kennen, der um gute Beziehungen zu seinen Nachbarn bemüht ist. Dem Grafen ist klar, daß die christlichen Königreiche von Outremer sich letzten Endes mit dem Rücken zur Wand befinden und daß Friede mit Saladin, den er persönlich kennt, sehr wichtig für die Zukunft der Franken ist. Wenn er den Säbel hätte, so sagt er, würde er ihn dem Sultan sofort zurückgeben. Er vermutet, daß die Templer etwas mit dem Diebstahl zu tun haben. In freundlichen Einvernehmen trennen sich die beiden Männer.
Danach springt Quintus schnell auf sein Pferd, das ihm Henry schon bereit gehalten hat, und die beiden hetzen zur Präzeptur der Templer. Dort trifft Sir Quintus auf Odoric de Savigny, einen überzeugenden und mitreißenden Redner, der ihm in feurigen Worten klarzumachen versucht, warum der Säbel für die gesamte Christenheit so wichtig ist: Schließlich ist Saladin ein grausamer Heide und wird sicher nicht ruhen, bis er das ganze Königreich Jerusalem im Meer versenkt hat. Aber auch er hat den Säbel nicht: Er verdächtigt den Grafen von Tripolis, ihn gestohlen zu haben, um böses Blut gegen die Templer zu erzeugen. Ohne eine wirkliche Einigung verläßt Quintus den Fanatiker wieder.
Während dieses Gespräches ist Henry unten im Hof geblieben. Dort trifft er den jungen Templer Joscelin d´Acre, der gerade die Pferde versorgt. Als dieser erfährt, daß Henry nicht etwa stumm geboren wurde, sondern seine Stimme erst später verlor, spricht er ein Gebet zum Herrn, daß dieser dem Unglücklichen doch die Sprache wiedergeben möge. Wie wirkungsvoll diese Fürbitte war, erfährt Henry erst, als er sich schon von dem jungen Mann getrennt hat und ihm sein Pferd auf den Fuß tritt: Unfreiwillig stößt er einen leisen Fluch aus und stellt dadurch fest, daß er tatsächlich wieder sprechen kann. Da er sich allerdings das Schweigen ziemlich angewöhnt hat, zieht er es vor, auch weiterhin als stumm zu gelten.
Als die Gefährten nach den beiden Gesprächen überlegen, wer denn jetzt den Säbel haben könnte, kommen sie recht schnell auf den Gedanken, daß vielleicht beide Parteien die Wahrheit sagen und die Waffe niemals wirklich gestohlen wurde. Statt dessen könnte es sich bei den ganzen Gerüchten nur um ein Ablenkungsmanöver des Sultans handeln, welches dem ermöglicht, sich um seine internen Angelegenheiten zu kümmern, ohne daß er sich Sorgen um die Aktivitäten der Christen machen muß. Da allen diese Erklärung einleuchtet, und sie auch noch nie vorher gehört hätten, daß Saladins Säbel irgend etwas Besonderes wäre, beschließen sie, umzukehren.
Kaum haben sie Jerusalem verlassen, als sie feststellen müssen, daß sie recht hatten: Während sich die Christen mit der Säbelgeschichte beschäftigt haben, hat Saladin sein Heer aus Damaskus geführt, um den räuberischen Herrn von Kerak, Rainald de Chatillôn, anzugreifen. Zwar wird er dennoch bei den Goliatstümpeln aufgehalten, aber auch dort erweist sich wieder, daß der Schwager des Königs, Guy de Lusignan, dessen einzige Auszeichnung die Abstammung von der Wasserfee Melusine ist, auch als Heerführer wenig taugt: Einzig die kluge Taktik Raimonds von Tripolis und der Ibelin – Brüder Baouduin und Balian verhindert einen unüberlegten Angriff auf das zahlenmäßig weit überlegene Heer der Moslems. Da die Christen allerdings den Geländevorteil haben und nicht aus ihrer Deckung herauszulocken sind, muß Saladin unverichteter Dinge wieder abziehen.
Wieder in Damaskus angekommen, erwarten Quintus traurige Neuigkeiten: Die alte Hassana ist gestorben. Sie hat ihm einen Brief hinterlassen, in dem sie sich entschuldigt, ihn für ihre Zwecke benutzt zu haben.

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Marganma

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