Serpentia

Der Seher von Marrakesch

Sommer 1201

Ramitep, Padraig, Gwyn, Ludwig, Aella, Pierre, Safira, Lin Chou Tian

Padraig und Gwyn machen sich in Begleitung von Ramitep auf den Weg, um die geheimnisvolle Frau, die Gwyn in Tripolis vor den Kultisten gerettet hatte, zu suchen. Da es eine ständige Verbindung zwischen ihr und Gwyn gibt, kann Ramitep mit einem Spruch feststellen, daß sie sich irgendwo im Atlas-Gebirge, in der Nähe der Stadt Marrakesch, aufhalten muß. Zusätzlich zu den drei Männern kommen auch Ludwig, Aella und Pierre mit.
Zunächst geht es durch das Hermesportal nach Questorin, und von dort aus mit dem Schiff an die Westküste Afrikas. Schon bevor die Gefährten Marrakesch erreichen, hören sie beunruhigende Gerüchte: Ein merkwürdiger weiser Mann soll sich in der Stadt aufhalten, von einer seltsamen Vision geleitet. Einige der Leute, die den Serpentianern begegnen, sind eindeutig auf der Flucht.
Trotzdem wollen die Reisenden in die Stadt, da sie ihre Vorräte auffrischen müssen. Schon am Tor werden sie von den Wachen aufmerksam und sehr mißtrauisch gemustert und genau nach ihrer Herkunft gefragt. Über dem Tor hängen die frischen Köpfe einiger Leute – nach Auskunft der Torwächter „Römer“.
Was es damit auf sich hat, erfahren die Gefährten schneller, als ihnen lieb ist: Kaum haben sie sich in einer Karawanserei einquartiert, als schon ein ganzer Trupp Wachen auftaucht und Gwyn verhaftet. Er wäre verdächtig, ein Römer zu sein, und so nehmen sie den jungen Mann mit, der sich zunächst nicht wehrt. Schließlich kann das nur ein Irrtum sein.
So einfach ist es allerdings nicht: Padraig erfährt von einigen Einheimischen, daß seit die Stadt seit ein paar Wochen de facto von dem heiligen Mann Ghadir beherrscht wird. Dieser heilige Mann hatte eine Vision, in der er sah, daß die Römer die Welt vernichten würden. Daraufhin beschloß er, vorsichtshalber alle Römer zu töten. Seitdem er in der Stadt ist, werden immer wieder Leute verhaftet und in einer Massenverhandlung abgeurteilt. Nur selten kommt es vor, daß einer begnadigt wird – meist werden alle Verdächtigen einfach hingerichtet.
Ramitep und Padraig beschließen, Gwyn irgendwie aus dem Gefängnis zu befreien, auch wenn das nicht so einfach ist: Die verdächtigen „Römer“ werden direkt im Palast gefangen gehalten und streng bewacht. Bisher ist jeder Ausbruchs- oder Befreiungversuch gescheitert. Allerdings hat es auch noch niemand mit Magie versucht.
Während Padraig unterwegs ist, um Informationen zu sammeln, fällt ihm auf dem Marktplatz ein seltsamer, grau verhüllter Mann auf, der die dort zur Schau gestellten Leichen mit kühler Ruhe betrachtet. Er spricht kurz mit ihm und erfährt, daß der Fremde wohl auch keine Römer mag, die Hexenjagd hier aber auch nicht gerade sinnvoll findet. Im Laufe des Gesprächs entdeckt Padraig auf der Wange des Mannes eine Tätowierung: Eine kleine schwarze Spinne. Möglicherweise handelt es sich um einen Friedhofshexer!
Auch einige der Leichen, die an hölzernen Galgen hängen, sind tätowiert, allerdings auf dem Körper, nicht im Gesicht. Die Zeichnungen ähneln denjenigen, die die mysteriöse Frau auf Gwyns Brust angebracht hat. Von dem Friedhofshexer erfährt Padraig, daß auch der heilige Mann Ghadir solche Zeichen trägt.
Im Laufe ihrer Nachforschungen über den seltsamen Führer der Stadt erfahren die Serpentianer, daß sein voller Name „Ghadir aus dem Haus Criamon“ lautet. Das macht die Angelegenheit nicht weniger verwirrend – schließlich ist der hermetische Orden aus einer römischen Tradition entstanden. Immerhin sind sie jetzt gewarnt, daß der seltsame heilige Mann tatsächlich über magische Kräfte verfügt.
Außerdem treffen sie einen Bekannten wieder: Julna, den Sklaven von Haidar al-Hilali aus Tripolis. Er ist mit zwei Leibwächterin und einer weiteren Sklavin, der jungen Safira, unterwegs, weil sein Herr beunruhigende Gerüchte aus Marrakesch gehört hat. Er bietet Padraig und den anderen seine Hilfe bei Gwyns Befreiung an.
Schließlich entsteht ein Plan: Padraig und Safira werden sich magisch verkleiden und versuchen, eine Arbeit als Tagelöhner im Palast zu bekommen. Die Tagelöhner werden immer morgens angeheuert, dann in den bewachten Vorhof gelassen und schließlich abends wieder nach draußen gebracht. Sie hoffen, mehr Informationen über Wachen zu bekommen und Gwyn kontaktieren zu können.
Der Plan gelingt: Safira erfährt, daß die Verhandlung in zwei Tagen stattfinden soll, im Innenhof des Palasts. Ghadir wird persönlich dazu erscheinen, um das Urteil zu fällen, aber erst am Nachmittag. Die Gefangenen werden schon morgens nach draußen gebracht, um ihre Hinrichtung im glühenden Sonnenschein zu erwarten. Padraig kann Gwyn kontaktieren, der mittlerweile in seiner Zelle einige Aufständische kennengelernt hat, die den heiligen Mann gern stürzen wollen. Zwar ist ihr Anführer hier im Gefängnis, aber ein Großteil der anderen befindet sich noch auf freiem Fuß, und Gwyn kann Padraig auch erzählen, wo man diese Leute kontaktieren kann.
Noch in derselben Nacht nehmen die Serpentianer Verbindung zu den Aufständischen auf, die selber schon geplant hatten, ihren Anführer bei der Verhandlung zu befreien. Mit der Hilfe der Magier wird nun ein Plan entwickelt, um möglichst viel Verwirrung zu stiften. Yulna bietet an, die Schmiede mit ein wenig Magie in die Luft zu jagen, während Ramitep und Padraig sich selbst, Pierre und Ludwig wie Wachen erscheinen lassen wollen, um widersprüchliche Befehle zu geben.
Padraig geht am nächsten Morgen noch einmal zu den Tagelöhnern, wird aber erwischt, als er versucht, Gwyn etwas zuzustecken, und ebenfalls eingesperrt. Das stört aber nicht wirklich – der Plan kann ebenso gut durchgeführt werden, wenn Padraig ein paar der Gefangenen wie Wachen aussehen läßt.
Außer Gwyn, dem Anführer der Aufständischen und einigen verängstigten Bürgern trifft Padraig in der Zelle auch den Fremden mit der Spinnentätowierung an, der offenbar ein besonderes Interesse an Gwyn hat. Allerdings ist er nicht bereit, darüber zu reden.
Am Abend kommt Ghadir persönlich bei den Zellen vorbei, um die Gefangenen zu inspizieren. Als er jedoch in die Zelle schaut, in der sich die Lehrlinge aufhalten, stößt er unvermittelt einen Schrei aus und fällt mit verdrehten Augen zu Boden. Es gelingt Gwyn und Padraig, tatsächlich einen Blick auf seine Tätowierungen zu werfen: Sie sind denen der geheimnisvollen Frau wirklich sehr ähnlich.
Am nächsten Tag ist es soweit: Der Fluchtplan wird umgesetzt. Und wirklich gelingt es den Serpentianern und Yulna, für genug Chaos zu sorgen, sodaß die Gefangenen fliehen können. Unglücklicherweise verliert Padraig, der zusammen mit dem Anführer der Aufständischen, Tariq al-Gundafi, entkommt, Gwyn aus den Augen. Durch die Massenflucht entsteht soviel Unruhe in der Stadt, daß die Armee ausrückt, um den beginnenden Aufstand niederzuschlagen. Um nicht wieder verhaftet zu werden, beschließen Ramitep und Yulna, die Stadt zunächst in Begleitung der Aufständischen zu verlassen.
Die Flucht aus Marrakesch gelingt problemlos, aber als Ramitep Gwyn kontaktiert, kann dieser die Stadt nicht verlassen. Er behauptet, sich in Sicherheit zu befinden, aber sein Versteck im Moment nicht verlassen zu wollen. Widerwillig beschließt Ramitep, zunächst weiter nach der geheimnisvollen Frau zu suchen. Die Verbindung zu Gwyn ist nicht unbedingt nötig, da sie sich die letzten zwei Monate ständig an einem festen Ort aufgehalten hat.
Auch die Aufständischen wollen ins Gebirge, sodaß die beiden Gruppen zunächst zusammen reisen. Yulna und seine beiden Leibwächter begleiten sie nicht, da der junge Sklave bei der Flucht am Bein verletzt wurde und daher lieber in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt bleibt. Safira hingegen schließt sich den Serpentianern an. Das stimmt Padraig mißtrauisch, denn er vermutet, daß sie sie ausspionieren soll. Tatsächlich ist die junge Frau sehr neugierig.
In der Nähe des Ortes, an dem sich die Tätowiererin aufhält, kommen die Gefährten, die sich mittlerweile von Tariq und seinen Leuten getrennt haben, in ein kleines Dorf. Dort herrscht Angst: Irgendjemand war auf dem Friedhof und hat dort Leichen gestohlen. Zunächst können sich die Serpentianer keinen Reim auf diese Geschichte machen, zumal die Dörfler ihnen auch nicht trauen und sie lieber wieder loswerden wollen.
Aber nachdem sie das Ziel ihrer Suche erreicht haben, kommt Licht in die Sache: Dort liegt nämlich ein hermetischer Bund, Jebel al-Batal, und einer der dortigen Magier ist ein Nekromant. Offenbar hat er sich bei dem Dorf-Friedhof Forschungmaterial besorgt. Die Serpentianer werden von der Führerin des Bundes, Zuhaira al-Bari aus dem Haus Jerbiton, freundlich empfangen geheißen.
Gwyns Retterin ist tatsächlich zu Gast in Jebel al-Batal. In der Nähe des Bundes gibt es eine Höhle, die mit Licht- und Schattenmosaiken bedeckt ist. Diese Bilder scheinen sich ständig zu ändern und zu wandeln, und die Frau hofft, irgendwo dort ein Muster zu finden, das ihr hilft, ihr Gedächtnis wiederzufinden.
Außer ihr gibt es auch noch andere Gäste: Tariq und seine Aufständischen, die mit den Magiern verbündet sind.
In Jebel al-Batal lebt auch Samara bint Oman, die aus dem Haus Guernicus stammt. Da sie die amtierende Quaesitorin des Nordafrikanischen Tribunals ist, weist Ramitep darauf hin, daß Ghadir möglicherweise ein hermetischer Magier aus dem Haus Criamon ist, und daß seine Handlungsweise in Marrakesch einen direkten Verstoß gegen den Codex darstellt. Widerstrebend stimmt sie zu: Der Orden muß etwas gegen den Renegaten tun. Das kommt auch Tariq entgegen, der ohnehin wieder zurück in die Stadt will.
Also brechen die Serpentianer nur wenige Tage nach ihrer Ankunft in Begleitung von Samara, einigen ihrer Grogs und den Aufständischen auf. Schließlich müssen sie ohnehin nach Marrakesch, um Gwyn wieder einzusammeln. Die Tätowiererin wird ebenfalls mit ihnen reisen – ihr liegt etwas an Gwyn. Unterwegs treffen sie auf Yulna, der schon wieder viel besser laufen kann. Er kommt ebenfalls mit.
In der Stadt hat sich nicht viel geändert: Der heilige Mann setzt seine Hetzjagd nach „Römern“ fort. Mindestens einem Anschlag ist er nur sehr knapp entronnen. Er scheint die Stadt immer noch fest im Griff zu haben. Aber es gibt auch Unzufriedene, zu denen Gwyn mittlerweile Kontakte geknüpft hat. Als er wieder mit Ramitep und Padraig zusammentrifft, äußert er sich allerdings nur sehr vage über die Zeit, die er in der Stadt verbracht hat. Er leugnet jedoch, etwas mit dem mißlungenen Anschlag zu tun zu haben. Auch den Mann mit der Spinnentätowierung will er nicht wiedergesehen haben.
Zusammen mit den Rebellen in der Stadt und Tariqs Aufständischen entwickeln die Serpentianer einen Plan für einen erfolgreichen Anschlag auf Ghadir. Es ist bekannt, daß er jeden Freitag in die Hauptmoschee der Stadt geht, um dort zu predigen. Seine Predigten sind mit Magie so verstärkt, daß sie den Zuhörern glaubwürdig und überzeugend erscheinen. Außerdem der Freitagpredigten bewegt er sich kaum aus seinem Palast hinaus, der schwer bewacht und wahrscheinlich magisch gesichert ist. Es wird geplant, am nächsten Freitag zwei Anschläge zu starten: Zunächst sollen Tariqs Leute direkt vor der Moschee einen Scheinangriff starten, der leicht zurückgeschlagen werden kann. Später auf dem Rückweg erfolgt der eigentliche, magisch unterstützte Anschlag. Ghadir soll von der Hand eines geübten Kämpfers sterben, den die Rebellen aus der Stadt kennen und kontaktieren werden.
Und tatsächlich geht der Plan auf: Nachdem der erste Anschlag vereitelt wurde, sind die Soldaten zwar mißtrauisch, aber gerade deshalb auch leichter in Panik zu versetzen und von Ghadirs Sänfte wegzulocken. Bei der Sänfte taucht der grau gekleidete Fremde mit der Spinnentätowierung – offenbar der Verbündete der Rebellen. Er kann den Criamon durch ein Gift daran hindern, zu zaubern, wird dabei aber verletzt. Mit vereinten Kräften gelingt es Pierre und Safira jedoch, Ghadir zu töten und die Schuld an seinem Tod den Wachen zuzuschieben.
Die erregte und empörte Menge stürzt sich auf die Wachen und erschlägt trotz heftiger Gegenwehr eine große Zahl von ihnen. Andere Menschen fangen in religiösem Wahn an, Ghadirs Leichnam zu zerreißen, um auch ein Stück des großen heiligen Mannes für sich zu erringen. In dem allgemeinen Wirrwarr gelingt es den Gefährten, sich unversehrt zurückzuziehen.
Außerhalb der Stadt trennen sich die Serpentianer von Yulna, der nach Tripolis zurück muß, um seinem Herrn Bericht zu erstatten. Safira bittet darum, noch bleiben zu dürfen, da sie die Höhlen von Jebel al-Batal gerne besuchen würde. Yulna erlaubt ihr großzügig, die Serpentianer noch eine Weile zu begleiten – wenn sein Herr keine Einwände hat. Ramitep ist erfreut, denn er mag die freundliche, aufmerksame junge Frau. Padraig hingegen hält sie immer noch für eine Spionin.
Den Rest des Sommers verbringen die Serpentianer in Jebel al-Batal. Vor allem Padraig und die Tätowiererin verstehen sich prächtig, da sie beide an Bildern und Mustern interessiert sind. Ein lebhafter Austausch zwischen den beiden Künstlern beginnt. Gwyn hingegen ist eher verschlossen und verbringt viel Zeit damit, allein im Gebirge umherzufliegen.
Schließlich kommt Ende Sommer die Zeit, wieder aufzubrechen. Die Tätowiererin wird noch in Jebel al-Batal bleiben, verspricht aber, bald in Serpentia vorbeizuschauen. Vielleicht wird sie dann ihr Gedächtnis ja wiedergefunden haben.

*

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Serpentia statten Padraig und Gwyn dem Geisterbeschwörer Raissan einen Besuch ab. Mitten im Gespräch mit den beiden zückt Raissan plötzlich einen Dolch und stürzt sich auf Gwyn, um ihn zu ermorden. Glücklicherweise geht sein Stich fehl, aber wie ein Rasender versucht er weiter, den jungen Mann zu töten. Den Lehrlingen bleibt gar keine andere Wahl, als ihn zu töten.
Sir Quintus, der Raissan als wichtige Informations-quelle im Kampf gegen die Friedhofshexer angesehen hat, ist von dieser Entwicklung weniger begeistert. Auch mit dem Leichnam des Geisterbeschwörers ist wenig anzufangen: Kein Spruch, den die Magier wirken, kann den Geist des Toten zurückholen. Es ist, als würde er irgendwo gefangengehalten…

*
Einige Wochen nach den Ereignissen in Marrakesch erhält Ramitep einen Brief von Haidar al-Hilali: Er bedankt sich für die Hilfe, die der hermetische Magier seinem wertvollen Sklaven geleistet hat. Als kleine Gegenleistung schenkt er ihm dafür die Gärtnerin Safira, an der Ramitep ja offensichtlich Gefallen gefunden hat.
Ramitep ist zunächst sehr glücklich über das Geschenk (zumal seine Frau auch erfreut ist, jetzt eine Sklavin zu haben), wird aber bei einer Ratsversammlung darauf hingewiesen, daß Sklavenhaltung in Serpentia nicht üblich ist. Daraufhin gibt er Safira frei, bietet ihr aber an, als Gärtnerin weiterhin im Bund zu arbeiten. Die junge Frau nimmt das Angebot dankbar an.

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Marganma

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