Serpentia

Der verhängnisvolle Brief

Frühling 1182

Mentalia, Augustin, Andrew, Lucien

Da einer der beiden Söhne von Andrew und Mentalia nicht getauft ist, droht dem Magier die Exkommunikation. Vater Petrus ist über die ganze Lage zwar sehr unglücklich, aber dennoch hat er schon vor einiger Zeit einen Brief an den Patriarchen von Jerusalem geschickt und diesem das Problem geschildert. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Legat eintrifft, um sich den Fall anzusehen. Bevor das geschieht (und der Legat mehr sieht, als er sollte), will Andrew jetzt selbst nach Jerusalem reisen, um die Exkommunikation entgegenzunehmen. Viel Hoffnung auf das Verständnis des Patriarchen hat er nicht: Schon vor einigen Jahren ist der gütige Amalrich gestorben, und jetzt hat Heraklios, ein hochfahrender und selbstsüchtiger Mann, dessen Position inne. Dennoch möchte der Magier in der Heiligen Stadt noch einmal am Grab des Erlösers beten: Er ist sich bewußt, daß die Exkommunikation sehr lange anhalten kann.
Da Mentalia Jerusalem noch nie gesehen hat, beschließt sie, ihren Mann zu begleiten. Außerdem möchte sie dessen Verwandte kennenlernen.
Unterwegs treffen sie kurz hinter Damaskus auf eine kleine Schar grimmiger Beduinen, die Mentalia ehrenvoll empfangen. Seit ihrem mutigen Eingreifen in dem Dorf, das von einem Höllenhund bedroht wurde, hat die „Lady Djinn“ einen recht guten Ruf in dieser Gegend. Nach einem reichhaltigen Essen erfahren die beiden Magier dann, daß es sich bei den Beduinen um die Beni Razal handelt. Sie sind auf der Suche nach dem Schwarzen Löwen, der von der Karawane des Zoobesitzers Tajar entführt wurde. Dieser Löwe scheint für die Beni Razal etwas Besonderes darzustellen: Sie nennen ihn einen der mächtigsten Diener Allahs, und sie scheinen bereit, ihn um jeden Preis zu befreien. Da sie den Karawanenwächtern zahlenmäßig unterlegen sind, kann dieser Preis recht hoch werden.
Mentalia bietet den Beduinen spontan ihre Hilfe an, die diese auch erleichtert annehmen, denn schließlich sollen unter den Wächtern auch Zauberkundige sein. Die Magierin ist überzeugt, daß sie in dem Lager für genug Chaos und Verwirrung sorgen kann, daß der Angriff der Beduinen völlig überraschend kommt. Obwohl er sie ungern allein ziehen läßt, bleibt Andrew bei den Beni Razal, um ihnen als zusätzlicher Kämpfer zu helfen.
Nur in Begleitung ihres neuen Leibgrogs Augustin schleicht sich Mentalia in der nächsten Nacht in das Karawanenlager. Dort erfreut sie zunächst einige Leute mit neuen Köpfen – Tierköpfen! – dann schreitet sie zu allgemeineren Verwirrungsmaßnahmen wie plötzlich aufkommende Winde und ähnliche Dinge. Als die Beduinen schließlich angreifen, haben sie mit den desorganisierten Wächtern nur noch wenig Schwierigkeiten und können den Kampf für sich entscheiden.
Nach dem Sieg beginnen die Krieger der Beni Razal sofort, die Käfige zu öffnen. Auch der Schwarze Löwe, ein riesiges, beeindruckendes Tier, wird befreit. Aber trotz Mentalias Versuchen, sich mit ihm anzufreunden, bleibt die große Katze nicht bei dem Lager, sondern geht in die Wüste hinaus. Was es genau mit dem Löwen auf sich hat und warum er schwarz ist, wissen auch die Beduinen nicht: Aber sie kennen ihn als Wächter und Schutzgeist der Wüste.
Nachdem die beiden Magi so die Freundschaft der sonst recht unzugänglichen Beni Razal gewonnen haben, setzen sie ihren Weg nach kurzem Aufenthalt fort. Auf der Reise schließen sie sich einer Karawane an, in der auch der norwegische Methändler Lars mitreist. Als Mentalia ihren Mann überredet, doch noch einmal ein wenig Met zu versuchen, stellt sich heraus, daß Andrew das Getränk wohl tatsächlich nicht verträgt: Wieder wirft ihn schon der erste Becher um, und wieder dauert es eine Weile, bis er sich davon erholt hat.
Als das Ehepaar mit Augustin und Andrews Knappen Lucien in Jerusalem ankommt, besuchen sie zunächst die Glansdales. Die freuen sich über die unvermuteten Gäste und laden die vier ein, bei ihnen zu wohnen. Lady Isabelle und Sir William haben auch noch einen anderen Hausgast: Etienne, einen jungen Barden aus der Bretagne. Während Andrew sich in der Kirche im Gebet aufhält, freundet sich Mentalia mit dem etwas ungeschickten, aber freundlichen jungen Mann an. Von ihm erfährt sie ein paar Legenden über Tajar: Der Mann sammelt wohl hauptsächlich Menschen und andere intelligente Wesen für seinen Zoo, von dem niemand genau weiß, wo er liegt. Man sagt, er suche unter seinen Gefangenen nach einem weiblichen Djinn, in den er sich vor vielen Jahrzehnten verliebt hat. Um seine „Ausstellungsstücke“, von denen viele auch magische Fähigkeiten haben, in seinem Zoo zu halten, soll er sogar einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein.
Während ihres Aufenthalts bemerkt Mentalia, daß einer der drei Söhne der Glansdales sich recht oft in Etiennes Nähe herumtreibt. Als sie mit dem Jungen spricht, erzählt er ihr von seiner heimlichen Sehnsucht, Spielmann zu werden. Da die Magierin ihm helfen möchte, spricht sie mit seinen Eltern, die ihm schließlich schweren Herzens erlauben, mit Etienne von dannen zu ziehen.
Andrew wird eine knappe Woche nach seiner Ankunft in der Stadt eine Audienz beim Patriarchen gewährt. Da er nicht bereit ist, seinen Sohn Medyr Gwyn taufen zu lassen, hat der Patriarch keine andere Wahl: Der Jerbiton wird exkommuniziert.
Während ihr Ehemann gerade von Heraklios aus der Gemeinschaft der Christen ausgestoßen wird, schreibt Mentalia einen Brief an ihren alten Vormund Gerbert von Köln. Darin berichtet sie ihm mit spöttischer Freundlichkeit, daß sie nun nicht mehr sein Mündel sei; jetzt wäre sie ja mit Sir Andrew Fitzpatrick, dem Herzog von Gloucester, verheiratet. Diesen Brief schickt sie durch einen Boten zur Gefolgschaft des Patriarchen, sodaß Gerbert sie kurz nach der Exkommunikation erhält.
Als der Bischof diese Nachricht liest, ist er sicher, daß der Ehemann der Hexe (für die er Mentalia hält) sich mit der vorherigen Zeremonie nur über die katholische Kirche lustig machen wollte, und somit – genau wie sein frevlerisches Eheweib – ein Diener der finsteren Mächte ist. Sofort setzt er alle Hebel in Bewegung: Da Mentalia schon mit einem Schiff nach Zypern abgefahren ist, läßt er sie verfolgen; auch Andrew, der die Stadt gen Serpentia verlassen hat, hetzt er ein paar Templer hinterher. Die einzige, derer er habhaft werden kann, ist die Stieftochter des vermeintlichen Dämonisten: Isabelle Glansdale. Nach eindringlicher Befragung gibt diese auch zu, daß ihr Stiefvater ein Teufelsanbeter ist und sie selbst mehr als einmal eine Schwarze Messe mit ihm gefeiert hätte. Daraufhin wird sie öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ihr Mann Sir William wird von seinem Kommandanten auf einen Posten an einer hart umkämpften Grenze geschickt, wo er schon bald ehrenhaft fällt. Die Kinder der beiden nimmt Gerbert als Mündel zu sich, außer dem verschwundenen Knaben Richard, dem Lehrling des Barden Etienne.
Die Verfolger von Mentalia sind nicht allzu geschickt und verlieren viel Zeit bei der Suche nach dem Hafen, an dem ihr Schiff eingelaufen ist. Als sie es endlich finden, ist die Spur der Magierin schon ziemlich kalt.
Die sieben Templer, die Andrew jagen, haben es leichter: Da sie ihre Pferde immer wieder wechseln können, holen sie langsam aber sicher auf. Schließlich kommt es zu einer direkten Konfrontation in einer relativ breiten Schlucht, in der Andrew gezwungen ist, seine Erdmagie recht reichlich zu gebrauchen. Es gelingt ihm, durch Magie und Schwert vier Templer zu töten und einen fünften schwer zu verwunden, bevor er vor Erschöpfung zusammenbricht und verletzt vom Pferd fällt. Die letzten beiden Templer werden von seinem im Kampf kaum erfahrenen Knappen Lucien aus schierer Verzweiflung – und nicht einmal von hinten – erschlagen. Als Andrew wieder zu sich kommt, verlassen die beiden den Ort des Tötens sofort. Keiner von ihnen fühlt sich wohl bei dem Gedanken, daß die Getöteten ihre christlichen Mitbrüder waren, darum kontrollieren sie auch gar nicht, ob denn auch wirklich alle Templer gestorben sind.
Der siebte, schwerverletzte Templer wird etwas später von einer Patrouille gefunden. Er überlebt, sein Augenlicht jedoch erlischt für immer. Der christliche Ritter hat allerdings während des Kampfes noch genug gesehen, um zu bestätigen, daß der ehemalige Herzog von Gloucester sich tatsächlich teuflischer Mächte bedient. Wie sonst sollte man erklären, daß sich in der Erde plötzlich Spalten öffnen, oder daß Rüstungen, Schilde und Schwerter sich selbständig machen?

*

Andrew und Lucien erreichen ihre Heimat wieder, wenn auch unter einigen Strapazen. Die Ereignisse der letzten Wochen haben dem Jerbiton einiges klargemacht, und kaum treffen die beiden im Bund ein, als er mit seinem Sohn Medyr Gwyn zu Vater Petrus geht und das Kind taufen läßt.
Unterdessen war tatsächlich ein Legat in St. Corona eingetroffen, der nach dem englischen Ritter suchte. Als er aber hörte, daß der schon auf dem Weg nach Jerusalem sei, kehrte er wieder um.
Gerbert ist offensichtlich daran interessiert, mit Vater Petrus zu sprechen, aber der läßt sich in der einzigen Kontaktadresse St. Corona von Vater Taddeo verleugnen, sodaß die an ihn gerichteten Briefe ihn nicht erreichen.

Comments

Marganma

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.