Serpentia

Die Eisgnome

Frühling 1187

Alen, Sean, Aischa, Finn, Sven Svenson

Eines Abends Ende Frühling, als Alen gerade Herbergsdienst hat und sich auch Sean in der Karawanserei befindet, fängt es während eines schweren Unwetters an zu schneien. Dieses doch recht außergewöhnliche Ereignis, daß sich nicht auf den Talkessel von Serpentia erstreckt, gibt nicht nur den beiden Männern, sondern auch einer Reihe anderer Herbergsgäste schwer zu denken, denn schließlich war es ja den ganzen Tag über eher heiß für die Jahreszeit, und Schneefall ist doch recht unüblich. Vor allem die Magierin Aischa Ex Merinita, die aus dieser Gegend stammt, beschließt, sich dieses Phänomens anzunehmen. Da sie sehr gut aussieht, möchte der irische Barde Finn ihr beistehen, was allerdings Aischas Leibgrog Sven Svenson nicht sehr gefällt.
Schon bald bemerken Alen und Sean, daß sie diese drei neugierigen Leute wohl kaum davon abhalten können, sich ihren Untersuchungen anzuschließen, zumal Aischa sehr gut weiß, daß sich hier in der Nähe ein Bund befindet.
Also brechen die fünf ungleichen Gefährten zusammen auf, um die Ursache dieses unzeitigen Schneesturms herauszufinden. Schon bald entdeckt Alen auf der Paßstraße an einer der Felswände Rußspuren, und durch ihre Magie kann Aischa feststellen, daß sich dahinter ein großer Hohlraum befindet. Schnell entschlossen durchbricht sie den Felsen und tatsächlich – durch das unregelmäßig gezackte Loch können die Gefährten in eine von bläulichem Licht erleuchtete Höhle schauen.
Als sie ins Innere des Berges klettern, lernen sie schon bald die Quelle des Leuchtens kennen: Hinter der Felswand erwarten sie fast ein Dutzend kleine, etwa kniehohe Gestalten, die wie aus Bronze gegossen wirken, in ihrer Körpermitte jedoch aus einer durchscheinenden, silbrig-blau schimmernden Kugel zu bestehen scheinen. Außerdem gibt jeder ein leises Ticken und Klocken von sich, daß aus ihrem Inneren zu kommen scheint. Die Kerlchen sind recht verängstigt und laufen angesichts der „Riesen“ in alle Richtungen auseinander, nur einer ist mutiger als die anderen. Er bleibt und betrachtet die Gefährten neugierig. Aischa spricht ihn an und erfährt recht schnell, daß die kleinen Wesen Eisgnome sind, die aus ihrer Heimat von dem grausamen König der Eisigen Speere verbannt wurden. Bei diesem Namen horcht Sean auf: Dieser Feenherrscher ist ihm als Daowyns Vater bekannt!
Die Eisgnome hatten sich vor einiger Zeit geweigert, einen besonders grausamen Befehl des Königs auszuführen. Daraufhin fror dieser die kleinen Wichte ein und verstieß sie aus seinem Reich, wo sie in tiefem Kälteschlaf lagen – bis dann schließlich, vor ein paar Tagen, plötzlich etwas sehr Heißes gegen die Außenwand ihres Gefängnisses prallte und sie so weckte. Offenbar war Llwellyn bei einer seiner Räuberjagden hier vorbeigekommen…
Jedenfalls haben die Eisgnome den Schneesturm heraufbeschworen, da es ihnen hier viel zu warm war. Sie würden gerne in ihre Heimat zurückkehren, dazu aber müßten sie ihre magische Maschine, das Große Klonk, wieder anwerfen. Aber es fehlt ihnen der Schlüssel, den der König zwar in ihrer Nähe versteckt hatte, allerdings an einer Stelle, die so heiß ist, daß die Eisgnome sie nicht erreichen können. Die Menschen erbieten sich gerne, den kleinen Wesen zu helfen, zumal es sicher nicht in ihrem Interesse wäre, wenn jetzt ständig Schneestürme über den Paß fegen würden.
Die Gnome, die auf die Versicherung ihres Gefährten, daß diese Riesen keine Gefahr darstellen, zurückgekommen sind, führen die fünf Menschen nun zu einem weiten Tunnel, der sie zu dem Schlüssel bringen soll.
Der Tunnel windet sich immer weiter in die Tiefe, und tatsächlich wird es nach einiger Zeit spürbar wärmer. Schließlich können die Gefährten an den Wänden Rosenranken mit spitzen Dornen entdecken, die sich sogar als giftig erweisen, als sich Sven Svenson daran sticht. Zwar kann Aischa ihren Grog relativ mühelos heilen, aber dennoch beunruhigt die Anwesenheit von Rosen Alen und Henry, die den Rosenprinzen Charles d´Avignon nicht vergessen haben. Sollte er den Brand seines Turmes etwa überlebt haben?
Nachdem die Menschen einige Zeit lang ins Innere der Erde hinabgestiegen sind, kommen sie an einen weiten Abgrund, der zwar auf der anderen Seite einen Tunneleingang aufweist, aber es gibt weder eine Brücke noch irgendeine Möglichkeit, ein Seil zu befestigen, um hinüber zu gelangen. Während die Gefährten noch am Überlegen sind, spinnen sich allerdings einige der Rosenranken über den Abgrund, zunächst nur ein paar, dann aber genug, um eine einigermaßen stabile Brücke zu bilden. Aischa jedoch traut diesem dornigen Übergang nicht und erschafft sich lieber selbst mit etwas Erdmagie eine steinerne Brücke, über die sie und die anderen dann schließlich auf die andere Seite gelangen.
Der Tunnel wird hier, je weiter sie ihn gehen, immer breiter, bis sie schließlich in einen weitläufigen Rosengarten gelangen, in dessen Mitte eine Statue auf einem hohen Sockel steht, die in ihrer Hand einen großen, unförmigen Schlüssel hält – sie haben ihr Ziel erreicht! Als die Gefährten sich jedoch der Statue nähern, vertritt ihnen ein hochgewachsener Mann mit blondem Haar und eindrucksvollem Auftreten den Weg. An seiner Hand hält er ein Kind, das Llwellyns jüngstem Sohn Steven erstaunlich ähnlich sieht. Offenbar hat der Rosenprinz tatsächlich überlebt – wenn auch nicht ganz so unbeschadet, wie es zunächst scheint: Mit ihrer Feensicht können sowohl Aischa als auch Finn erkennen, daß es sich bei dem guten Aussehen des Mannes nur um eine Illusion handelt. In Wirklichkeit sind seine Züge von einem grausamen Feuer entstellt und verheert, ein Auge fehlt ihm völlig, nur das andere funkelt noch in der Ruine seines Gesichts.
Alen will sich sofort auf den bekannten Dämonendiener stürzen, um das Kind zu befreien, dieser jedoch benutzt seine Macht über die Rosen, um den Grog in einem Geflecht aus Ranken festzuhalten. Danach bietet er den anderen an, den Konflikt friedlich zu lösen, vielleicht könnten sie ihm ja eine angemessene Gegenleistung für den Schlüssel anbieten? Aischa, die Mitleid mit dem entstellten Magier fühlt und Alens und Seans Warnungen wenig Bedeutung beimißt, beginnt ein freundliches Gespräch mit ihm, und schließlich einigen sich die beiden, daß sie ihm auch einmal helfen wird, wenn er sie darum bittet. Daraufhin erhält die Merinita den Schlüssel zum Großen Klonk, und alle verlassen den Rosengarten wieder, auch der inzwischen freigelassene Alen.
Auf dem Rückweg machen er und Sean Aischa schwere Vorwürfe und warnen sie noch einmal, daß der Rosenprinz mit Dämonen im Bunde steht. Sie jedoch hält diese Anschuldigungen für überzogen und ist sich nicht bewußt, etwas Falsches getan zu haben. Schließlich erreichen die fünf die Siedlung der Gnome wieder, die sich sehr freuen, ihren Schlüssel zurückzubekommen. Sie versprechen, das Gebirge so schnell wie möglich zu verlassen und ihren unzeitgemäßen Schneesturm mitzunehmen, was sie nach dem Abschied von den Gefährten dann auch tun.
Innerhalb kürzester Zeit normalisiert sich das Wetter wieder, und die Reisegefährten erreichen die Herberge ohne weitere Zwischenfälle. Dort trennen sich ihre Wege: Alen und Sean kehren in den Bund zurück, während Finn beschließt, noch ein wenig bei Aischa zu bleiben. Die Merinita will eine Weile in Arabien herumreisen, bevor sie sich wieder in ihren Heimatbund nach Italien zurückbegibt.
Im Bund berichten Alen und Sean Llwellyn sofort von den Kind, das den Rosenprinz begleitete. Der irische Magier erkennt bei dieser Beschreibung, daß seine schlimmste Befürchtung tatsächlich wahr ist: Stevens Zwillingsbruder Tonino, der kurz nach seiner Geburt verschwand, befindet sich in der Hand des Rosenprinzen! Die darauf folgende Suche nach dem Rosengarten bleibt jedoch ohne Ergebnis, Charles d´Avignon ist erneut verschwunden und unauffindbar…

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Marganma

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