Serpentia

Die Göttin der Zwerge

Sommer 1198

Andrew, Alenka, Aella

Vor über einem Jahr hatten die Zwerge aus dem rauchenden Berg Andrew um ein wenig Terram-Vis gebeten, mit dem sie ihrem Kämpfer ein „Herz“ schaffen könnten. Wie es scheint, kämpfen die einzelnen Zwergenvölker aller paar Jahre miteinander. Um einen Krieger für einen dieser Kämpfe zu schaffen, geht es. Andrew hatte den Zwergen damals drei Bauern Vis gegeben und im Gegenzug die Versicherung erhalten, jegliche Herzen von besiegten Kriegern zu bekommen.
Jetzt ist es endlich soweit: Eines Abends taucht ein Zwerg im Bund auf, völlig in eine steinerne Kugel mit Arm-, Bein- und Augenlöchern gehüllt. Offenbar fühlt sich der Bote ohne Wände nicht allzu wohl… Grosch, so heißt der Zwerg, lädt Andrew ein, bei dem Kampf dabeizusein. Auch Alenka ist einem derartigen Abenteuer nicht abgeneigt und darf gerne mitkommen. Außerdem soll Aella die beiden begleiten.
Zunächst geht die Reise zum rauchenden Berg, wo schon alle Vorbereitungen getroffen worden sind: Ein riesiger Torbogen wurde errichtet, vor dem ein ebenso gigantischer Kastenwagen steht. Auch der Krieger ist zu sehen: Eine gut zwei Mann hohe, zwergisch wirkende Gestalt aus schimmerndem Erz mit zwei funkelnden Rubinaugen.
Während des Abends erfahren Andrew und Alenka von Limbeck, dem Zwergenherrscher, genaueres über den Kampf: Wie es scheint, gibt es bei den Zwergen sieben Völker: Die von Luft, Wasser, Feuer, Frost, Knochen, Wald und Erz. Vor langer Zeit wurden dieser von einer Göttin, Deianira, erschaffen. Doch diese Göttin wurde durch Verrat verflucht, eine Steinstatue zu sein, und nur der Kuß von einem, der sie wahrhaft liebt, vermag sie zu erlösen. Nun wetteifern die Zwerge alle hundert Jahre um das Recht, diesen Kuß zu versuchen. Bisher hat noch keiner den Fluch zu brechen vermocht, und alle, die es versucht haben, sind ebenfalls versteinert. Der Kastenwagen wird am nächsten Morgen in das Reich Alundra aufbrechen, das von dem Steinkönig regiert wird, dem Vater Deianiras. Eigentlich sind die Zwerge Ausgestoßene in diesem Reich, aber für ihren Kampf kehren sie immer wieder zurück. Interessiert beschließen Andrew und Alenka, die Zwerge zu begleiten – es klingt nach einem entspannenden Urlaub…
Die Reise in dem Kastenwagen entpuppt sich als verblüffend bequem: Die Quartiere sind allesamt groß genug, um den Erzkrieger aufzunehmen, sodaß auch Andrew, Alenka und Aella sie ohne Probleme benutzen können. Nach einigen Tagen erreichen sie Alundra, ein Reich der weiten Ebenen und alten Steineichenwälder. Andrew spürt sofort, daß die magische Aura hier vor allem die Stein- und Erdmagie besonders stark unterstützt.
Aber in Alundra steht nicht alles zum Besten: Schon das erste Dorf, an dem der Kastenwagen vorbeikommt, macht einen verlassenen und leblosen Eindruck. Die Zwerge halten den Wagen an, um sich dort umzusehen, und die Serpentianer begleiten sie. Die Bewohner des Dorfes scheinen alle versteinert zu sein, es gibt keine Überlebenden. Aella, die in der Mitte der Ansiedlung in eine leichte Trance versinkt, hat eine Vision, wie das Leben durch den Boden aus den Häusern und den Anwohnern gezogen wird, obwohl sie nicht sagen kann, durch was.
Währenddessen haben Andrew und Alenka außerhalb des Dorfes einen lebenden Steinelfen gefunden. Dieser ist verletzt und hinkt stark. Er stellt sich als Colin Liedschmied, ein Barde, vor, der vor einigen Tagen aus den Verliesen des grausamen Steinkönigs entkommen ist und nun von dessen Schergen verfolgt wird.
Bevor die Zwerge und die Gefährten sich mit dem Barden in dem Kastenwagen in Sicherheit bringen können, tauchen die beiden Verfolger auf: Zwei Oger, die größer sind als zwei hochgewachsene Männer, mit riesigen Keulen bewaffnet. Die Zwerge stellen sich zum Kampf, unterstützt von Andrew und Alenka.
Aber der Kampf dauert nicht allzu lange: Mit dem ersten Schlag erlegt Andrew den ersten Oger, während Alenka für den zweiten nur unwesentlich länger braucht. Beide tragen nur leichte Verletzungen davon. Die Zwerge sind von den kriegerischen Fähigkeiten der beiden Menschen angemessen beeindruckt.
Trotz diesen leichten Sieges beschließen die Zwerge, nicht länger in der Gegend zu bleiben. Zusammen mit dem verletzten Colin brechen sie erneut auf, um zum Kampfplatz bei Deianiras Tempel zu gelangen.
Als sich Andrew, Alenka und Aella mit Colin unterhalten, erfahren sie, daß er in den Kerker geworfen wurde, weil er eine andere Version der Geschichte von Deianira und dem Fluch erzählt hat. In der offiziellen heißt es, daß die Göttin nach der Erschaffung der Zwerge diese ihre Kinder so sehr liebte, daß sie den Magier Dago, der ihr Geliebter gewesen war, verließ. Daraufhin sprach dieser den Fluch auf sie, sodaß sie versteinerte. Colin behauptet nun, Dago habe den Fluch auf die Zwerge gesprochen, und Deianira nahm ihn statt ihrer Kinder auf sich – etwas, daß Dago sofort bereut hätte. Aber bevor er etwas tun konnte, wurde er von dem Steinkönig gefangengenommen und eingesperrt. Seither befindet er sich in dessen Kerker und wird von ihm gefoltert. Aber sein Körper durchlebt ständig immer wieder denselben Tag: So heilt er am Morgen alle Wunden, die ihm am Tag davor zugefügt wurden. Colin behauptet, bei seiner Flucht habe er den Magier gesehen. Dago hätte ihm eine Spange gegeben, die er den anderen Magiern von Alundra bringen solle – sie würden dann schon wissen, was zu tun ist.
Nach einigen längeren Diskussionen über die Legende mit den Zwergen beschließen die drei Serpentianer, Colin zu den Magiern zu begleiten. Von den Zwergen wissen sie, daß diese seit dem Fluch im Krieg mit dem König liegen. Ihr Turm befindet sich einige Tagesreisen in den Süden.
Doch beim Turm der Magier angekommen, stellt sich heraus, daß dieser schon vor langer Zeit vernichtet wurde – nur noch eine einsame Ruine ist von dem einstmals stolzen Gebäude übrig geblieben. Nachdem sich die Gefährten ein wenig umgesehen haben, taucht ein fremder Steinelf auf. Sein Name ist Lariel, er ist ein flüchtiger Magier und wird von einer ganzen Abordnung Trollritter verfolgt, die auch prompt vor der Turmruine auftauchen und die Herausgabe des Flüchtlings fordern. Es gelingt Andrew, ein wenig Zeit zu gewinnen, um sich erst einmal mit Lariel zu unterhalten.
Während dieser Diskussion finden er und die anderen heraus, daß das Reich Alundra ohne Deianiras Einfluß stirbt. Der einzige, der wohl eine Chance hat, den Fluch zu brechen, dürfte Dago sein. Der aber liegt im Sterben – auch sein sich immer wieder regenerierender Körper hat seine Grenzen. Er muß schnellstens befreit werden.
Nach einer längeren Diskussion können Andrew und Alenka den Anführer der Trolle, Sir Ranarr, überzeugen, daß irgend etwas in Alundra nicht stimmt. Aber er will Beweise: Er stimmt zu, sich von einigen von Lariels Freunden zusammen mit den Serpentianern, Colin und dem Magier selbst in das zerstörte Dorf teleportieren zu lassen.
Nachdem die drei dazu nötigen Magier aus Lariels Dorf herbeigeholt worden sind, transportieren sie die Gruppe zurück in das Dorf. Es ist Eile von nöten, wenn Dago noch rechtzeitig befreit werden soll. Die Zustände in dem zerstörten Dorf, dem die Lebensenergie selbst entzogen wurde, überzeugen Sir Ranarr – er beschließt, die Serpentianer und die Steinelfen zu unterstützen.
Dazu erhält er schnell Gelegenheit: Ein ganzes Heer von Ogern hat das tote Dorf umzingelt und kommt auf die Gruppe zu. Durch den Heldenmut der Trolle können Andrew, Alenka, Aella, Colin und Lariel entkommen. Bei der Flucht ereignet sich etwas sehr merkwürdiges: Als einer der Oger nach Colin greift und es fast schon so aussieht, als würde die Flucht doch noch scheitern, spricht der Barde ein paar seltsame Worte, und für einen Moment hält die Zeit für alle außer den Gefährten an. Colin verliert das Bewußtsein und kann hinterher auch nicht mehr sagen, was über ihn gekommen ist. Er weigert sich, zu glauben, daß er einen Zauberspruch gewirkt hat.
Aber die Zeit drängt zu sehr, als daß sie sich mit diesem neuen Rätsel befassen könnten: Bei einer nahen Ogerhütte stehlen sie einige Reitvögel, um ihre Reise zur Hauptstadt weiter zu beschleunigen. Nach einem anstrengenden Ritt erreichen sie die Stadt nur wenige Tage später. Sie haben beschlossen, zunächst mit dem Steinkönig selbst zu sprechen und zu versuchen, ihn davon zu überzeugen, daß er sein Reich nur durch Dagos Freilassung retten kann.
Aber der Feenherrscher ist ihren Argumenten gegenüber nicht aufgeschlossen, sondern befiehlt dem Hauptmann seiner Garde, einem weiteren Troll, die Fremden ins Verlies zu werfen. Unterwegs stellt sich jedoch heraus, daß der Hauptmann sehr gut weiß, daß die Serpentianer recht haben, und so läßt er wirft er sich im Kampf förmlich auf Andrews Schwert, der größte Mühe hat, den entschlossenen Troll nicht zu töten.
Nachdem sie die Wunden des Hauptmanns versorgt haben, führt Colin die anderen zu Dagos Verlies, wo die Gefährten den schwerverletzten Magier von seinen Ketten befreien. Mit dem Bewußtlosen fliehen sie durch eine Hintertür aus dem Palast, bis sie ein nahes Waldstück erreichen, wo sie zunächst rasten wollen. Mit ein wenig Vis versucht Andrew, dem sterbenden Magier genug Kraft zu geben, um bis zum Morgen durchzuhalten – dann nämlich werden seine schweren Wunden verschwinden.
Gegen Morgen stellen die Gefährten fest, daß mit Colin etwas nicht stimmt: Der Barde ist unruhig und nervös. Nach einigem Nachbohren kommt nun die Wahrheit an den Tag – Colin ist ein Teil von Dago, den dieser losschickte, um sich selbst zu retten. Colin ist jener Teil von ihm, der Angst hat und gerne vor allem davonläuft. Aber diese Teilpersönlichkeit hat genug Eigenleben entwickelt, um nicht einfach wieder in dem Magier aufgehen zu wollen – Colin hat Angst zu sterben.
Mit einigem guten Zureden gelingt es den Gefährten, ihn zu überzeugen, Dago ins Gesicht zu sehen. Tatsächlich erwacht der Magier am Morgen völlig von seinen Wunden genesen und ist zunächst nicht sehr begeistert, daß sein feiger Teil nicht wieder zu ihm zurück will. Aber er läßt sich überreden, Colin ziehen zu lassen – unter der Bedingung, daß sich der „Barde“ ihm selbst entgegenstellt und ihm seinen Wunsch ins Gesicht sagt.
Schließlich sammelt Colin genug Mut, um genau das zu tun. Daraufhin gibt es eine kleine Explosion, und nur eine Person steht auf der Lichtung: Dago, aber ein anderer Dago als zuvor, ein Dago, der seine Furcht akzeptiert und angenommen hat, statt sie einfach nur zu unterdrücken. Tatendurstig wirkt er sofort einen Spruch, der alle zu dem Tempel Deianiras versetzt. Dort gibt er der versteinerten Göttin den erlösenden Kuß: Die schöne, jung wirkende Frau erwacht aus ihrem langen Schlaf, gerade als die Zwerge, deren großer Kampf nun entschieden ist, in die Halle des Tempels drängen. Deianiras Kinder sind entsetzt, den schrecklichen Dago in ihrer heiligen Halle vorzufinden, aber als sie sehen, daß Deianira sich wieder bewegt und spricht, weicht das Entsetzen großer und tiefer Freude.
Die Göttin der Zwerge bedankt sich bei Andrew, Alenka und Aella. Nachdem sie die Wunden ihrer Befreier geheilt und versprochen hat, auch nach dem Troll-Hauptmann und dem bestohlenen Oger zu sehen, verlassen die Gefährten sie, damit sie mit Dago allein sein kann. Außerhalb des Tempels erzählen sie dem versammelten Zwergenvolk die Geschichte ihrer Reise, die mit großem Jubel begrüßt wird.
Während der folgenden Feier erfahren die Serpentianer, daß der Krieger der Erzzwerge als Sieger aus den Kämpfen hervorgegangen ist. Die sechs Herzen der besiegten Krieger erweisen sich als Vis, das nun Serpentia gehört.
Nach einer längeren Feier brechen die Erzzwerge wieder zurück in ihre Heimat auf, wo sie auch ohne weitere Zwischenfälle ankommen….

*

Im Bund hört der Barde Etienne die Geschichte von Andrews und Alenkas Reise. Vor allem der Kampf mit den Ogern beeindruckt ihn sehr, und so beschließt er, ein Lied daraus zu machen. Dabei deutet er an, daß Andrew und Alenka sich bei diesen Erlebnissen näher gekommen wären – wie er sagt, gehört zu einer guten Geschichte auch eine gute Romanze. Hugo ist davon so angetan, daß auch er ein Lied darüber macht. Hier jedoch sind die Andeutungen nicht mehr sonderlich subtil, und Pierre, Alenkas Ehemann, ist darüber und über den folgenden Bundklatsch gar nicht erfreut. Wütend sucht er Hugo auf und versetzt dem Barden eine ordentliche Tracht Prügel…

Comments

Marganma

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.