Serpentia

Die Goldene Rose

Herbst 1185

Andrew, Colleen

Endlich wollen Andrew und Colleen die Suche nach der Obsidianfee, die in Damaskus als Diener des Charles d´Avignon aufgetreten ist, wieder aufnehmen. Dazu begeben sie sich zunächst nach Tripolis, wo sie das letzte Mal die Spur verloren haben.
In der Stadt trifft sich Andrew als erstes mit seinem Freund Orson, dem Hauptmann der Stadtgarde, um von ihm vielleicht Informationen über ungewöhnliche Geschehnisse zu erhalten. Tatsächlich kann der Gardist ihm erzählen, daß etwas nördlich von Tripolis eine gefährliche Räuberbande ihr Unwesen treibt. In Anbetracht der Tatsache, daß die Spur über die arkane Verbindung auch in diese Richtung weist und der Obsidian wahrscheinlich nicht allein ist, scheint das ein Hinweis zu sein, der es wert ist, daß man ihm nachgeht.
Einen Tagesritt in diese Richtung kommen Andrew und Colleen in ein kleines Dorf. Es scheint zunächst verlassen, dann aber finden die beiden die Bewohner: Alle sind zu Stein erstarrt und stehen eingefroren und mit verängstigten Gesichter wie willkürlich verteilte Statuen herum. Ein einziger Dörfler ist diesem Schicksal entgangen: Ein alter Mann, der sein Augenlicht schon vor langer Zeit verloren hat. Er berichtet von mehreren Reitern, die am Morgen ins Dorf kamen und die Einwohner auf dem Marktplatz versammelten. Dort hielt der Anführer, der mit leichtem französischen Akzent sprach, eine kleine Rede, die er mit ein paar lateinischen Worten beendete. Daraufhin ertönte ein leises Stöhnen im Wind und irgend etwas geschah: Der Alte konnte bisher nicht genau sagen, was.
Während Colleen ihn über die Versteinerung der Dörfler informiert, fällt ihr auf, daß Andrew bei dem Bericht des Alten sehr blaß geworden ist. Als sie ihn danach fragt, erklärt er ihr, daß das Stöhnen im Wind das Siegel des Alocar d´Alencon ist, seines grausamen Lehrmeisters. Auch der Akzent würde zu ihm passen. Andrew ist von der Aussicht, vielleicht auf diesen Mann zu treffen, alles andere als begeistert: Schließlich leidet er immer noch unter Alpträumen, die von seiner Lehrzeit handeln.
Noch während der Magier und die Ritterin sich unterhalten, reitet eine Abordnung Templer in das Dorf ein. Sie waren gerade auf der Jagd nach der Räuberbande gewesen und haben einen Gefangenen dabei, einen jungen Mann, dessen Augen Andrew seltsam vertraut vorkommen. Die Templer sind entsetzt über den Zustand, in dem sich das Dorf befindet, und bieten Andrew, Colleen und dem alten Mann Geleitschutz nach Tripolis an, was die drei aber ablehnen.
Diese Ablehnung hat einen bestimmten Grund: Der Alte erzählt, daß man hier in der Nähe die Goldene Rose finden könne, die alle Flüche löst. Sie sei in einem Turm versteckt, der nicht weit von dem Dorf entfernt läge. Offenbar hatte der alte Mann in seiner Jugend aus Habgier einmal versucht, die Rose zu erringen. Aber nur, wenn man diese Aufgabe mit einem reinen Herzen und nicht aus Selbstsucht auf sich nimmt, kann man in dem Turm bestehen. Das Versagen hat den Alten damals sein Augenlicht gekostet, aber er meint, daß er den Weg wohl noch finden werde. Sogar an ein paar der vielen Fallen könne er sich noch erinnern.
Nicht ohne Mißtrauen über die Beharrlichkeit des Alten, sie zu begleiten, aber dennoch voller Hoffnung, den Dörflern helfen zu können, brechen Andrew und Colleen zu dem Turm auf. Dieser liegt mitten in einem Salzschott, aber der Dörfler findet seinen Weg hier doch erstaunlich behende. Auch im Turm erweist sich seine Gesellschaft als äußerst nützlich, denn er kann sich an fast alle Fallen erinnern. Die meisten sind allerdings ohnehin von vorherigen Eindringlingen schon lahmgelegt worden, und die wenigen intakten lassen sich mit etwas Erdmagie ohne Schwierigkeiten umgehen.
Schließlich kommen die drei Menschen in eine große Halle, in der vor dem einzigen anderen Ausgang die riesige Statue eines Panthers steht. Hier ist der Alte damals gescheitert, und auch heute scheint die Steinfigur nicht willens, ihn weitergehen zu lassen und faucht ihn wild an. So bleibt er zurück, rät aber Andrew und Colleen noch, sich der Statue ohne Angst im Herzen zu nähern. Die beiden bestehen diese Prüfung mühelos und können den kleinen Raum hinter der Halle betreten.
Dort steckt ein Schwert in einem Stein. Die Waffe scheint gut gearbeitet, mit feinen Verzierungen auf dem Heft, der Knauf jedoch ist leer, dafür liegen auf dem Boden Unmengen von schmalen, goldgelben Kristallsplittern. Als Andrew sie mit seiner Magie zusammensetzt, ergeben sie die Form einer voll erblühten Goldenen Rose, die perfekt in den Knauf des Schwertes passen würde. Allerdings gelingt es dem Magier nicht, die Splitter dauerhaft miteinander verschmelzen zu lassen. Dennoch zieht Colleen die Waffe aus dem Stein, was erstaunlich leicht möglich ist.
Als sich die beiden den Raum weiter ansehen, wobei sie das Gedrängel des draußen stehenden Alten ignorieren, finden sie das Grab eines englischen Ritters vor. Gerade als Andrew und Colleen ein paar Gebete zu sprechen beginnen, bricht unter dem Stein, der einmal das Schwert enthielt, die Erde auf und ein Dämon steigt hervor. Der alte Dörfler kommt jetzt näher, wobei sich seine Gestalt langsam ändert und er schließlich als Alocar d´Alencon vor ihnen steht. Spöttisch bedankt er sich bei seinem ehemaligen Lehrling für die Befreiung des Dämons. Als kleines Gegengeschenk überläßt er Andrew freundlicherweise noch eine arkane Verbindung zu dem Obsidian, da er offenbar weiß, daß die beiden auf der Jagd nach der entarteten Fee sind. Dann macht er noch eine düstere Andeutung über das zukünftige Schicksal der Templertruppe und geht dann lachend.
Der befreite Dämon folgt seinem neuen Meister nicht sofort, sondern wendet sich zunächst dem Grab des englischen Ritters zu. Es gelingt ihm, die Platte, die die sterblichen Überreste des Toten bedeckt, zu zerschlagen, dann aber muß er sich gegen Andrew und Colleen wehren, die ihn angreifen. Zwar kann Colleen ihn mit dem Rosenschwert verwunden, aber Andrews Waffe vermag den Teuflischen nicht einmal zu kratzen. Daher greift der Magier zu seinem Kreuz und berührt die entsetzliche Kreatur damit. Diese Berührung kann das dämonische Geschöpf nicht ertragen: Lauthals aufbrüllend flieht es. Aber sein Schrei ist nicht der einzige, der zu hören ist, denn auch weiter vorne im Gang hört man einen schmerzvollen Ausruf. Offenbar ist Alocar ebenfalls von der Wunde des Dämons betroffen.
Zwar machen sich Andrew und Colleen noch an die Verfolgung des Teufels und seines Meisters, aber sie merken bald, daß die beiden einfach zu schnell sind, als daß sie sie noch einholen könnten. Also kehren sie wieder um, um zunächst noch einmal das Grab des Ritters in Ordnung zu bringen.
In der aufgebrochenen Begräbnisstätte finden die beiden ein altes Buch. Darin steht beschrieben, wie der Vater des hier Liegenden aus Versehen den Dämon beschwor und unter seinen Klauen starb. Sein Sohn machte es sich zur Lebensaufgabe, den Teufel zu jagen. Schließlich wurde das Schwert mit dem Rosenknauf eigens zu dem Zweck geschaffen, den Dämon zu binden. Um ihn einzufangen, beschwor der englische Ritter ihn in einer Zeremonie, die in dem Buch sehr genau aufgeführt ist. Die Beschreibung dieses Rituals wird sofort von Andrew und Colleen vernichtet, damit kein weiterer zufälliger Finder in Versuchung geführt wird, den Dämon zu beschwören. Das Buch legen sie wieder zurück, und nachdem sie das Grab wieder gerichtet und ein paar Gebete für die Seele des englischen Ritters gesprochen haben, verlassen sie den Turm.
Auf ihrem Weg durch das Salzschott wirft Andrew Alocars „Geschenk“ weg, da er sicher nichts von seinem verderbten Meister annehmen möchte. Wieder im Dorf angekommen, beschließen die beiden, die Kirche zu untersuchen. Dort finden sie den Templer, den die Abordnung heute morgen als Wache in dem Dorf abgestellt hatte, ermordet auf. Seine Hand umklammert noch verzweifelt sein Schwert. Vor dem entweihten Altar sitzt der Obsidian. Er rührt sich nicht, als die beiden Menschen die Kirche betreten, was daran liegt, daß die Substanz seines Körpers mittlerweile mit dem Boden verschmolzen ist. Offensichtlich hat Alocar ihn benutzt und dann verraten und im Stich gelassen. Mit einem Kreuz und ein paar Gebeten vernichtet Andrew das, was von der entarteten Fee noch übrig ist und beginnt dann, wie ein Besessener die Kirche zu reinigen. Offenbar hat ihm die Begegnung mit seinem Meister einen bösen Schock versetzt.
Bei Sonnenuntergang verliert der Spruch, der die Dörfler in Stein verwandelt hat, seine Wirkung, sodaß aus den Statuen wieder Menschen werden. Colleen versammelt die verwirrten Einwohner des Unglücksdorfes und erklärt ihnen mit einigen Worten die Lage. Nur langsam beruhigen sich die Menschen.
Früh am nächsten Morgen machen sich Colleen und Andrew auf den Rückweg nach Tripolis. Beide sind immer noch in Sorge um den Trupp Templer, den Alocar bedroht hat. Ihre Ängste sind nicht unbegründet: Kurz vor der Stadt finden sie die Ordensritter dahingeschlachtet auf. Der einzige Überlebende des Massakers ist ihr Gefangener, dieser allerdings ist auf grausame Weise so gefesselt, daß die herniederbrennende Wüstensonne ihm große Qualen bereitet. Jetzt endlich aber weiß Andrew, woher ihm die Augen des jungen Mannes bekannt vorkommen: Es sind die selben dunkelbraunen Augen, wie auch Alocar d´Alencon sie hat.
Andrew und Colleen binden den Ohnmächtigen los und nehmen ihn mit nach Tripolis, wo sie ihn zunächst Orson übergeben. Als er wieder einigermaßen bei Besinnung ist, erfahren sie von ihm, daß er eher zufällig in die Gesellschaft der Räuber geriet und selber sicher keiner ist. Er ist auf der Suche nach Alocar ins Heilige Land gekommen, da der Magier vor vielen Jahren versucht haben soll, den Vater des jungen Mannes zu ermorden, als dieser noch ein Kind war. Er ist von Geburt Franzose, wie auch sein mittlerweile toter Vater es war. Dieser hatte ebenfalls die auffällig dunklen Augen, die Alocar auszeichnen. Offenbar war er der Sohn des Magiers, was den jungen Mann, dessen Name Pierre ist, zu dessen Enkel macht. Dadurch könnte er als arkane Verbindung zu dem Teufelsanbeter dienen.
Nach ein paar Gesprächen erklärt sich Pierre bereit, mit nach Damaskus zu kommen und ihnen bei ihrer Suche nach Alocar zu helfen.
Als sie mit ihm in der arabischen Stadt ankommen, holen Andrew und Colleen Nakatia hinzu, die die Verbindung zu Alocar kurz unterdrückt, um den Dämonisten zu verwirren. Dies zeigt allerdings recht wenig Wirkung, außer daß für eine kurze Zeit Pierres latente Magie die Kontrolle über ihn übernimmt, woraufhin der junge Mann zusammenbricht.
Um weder den Bund noch Pierre zu gefährden, wird der junge Franzose bei den damaszenischen Hospitalitern einquartiert.

Comments

Marganma

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.