Serpentia

Die Gorgone von Indien

Herbst 1197

Gwyn, Padraig, Gwyweredd, Borric, Ignifer, Ivan

Um zu vermeiden, daß Padraig erneut mit in das Weiße Zwielicht gezogen wird, schickt Andrew ihn zusammen mit Gwyn nach Antiochia. Dort sollen die beiden jungen Männer etwas über das Handelsgewerbe lernen, bis der Sommer vorbei ist.
Als die beiden eines Abends zusammen unterwegs sind, treffen sie in einer Schenke etliche alte Bekannte: Borric, einen schottischen Jäger, Gwyweredd den Barden und Ignifer Ex Bjornaer. Borric und Gwyweredd sind Gwyn und Padraig bei der Suche nach Newyddllyn über den Weg gelaufen, und Ignifer hatte Andrew und Dáirine bei der Begegnung mit dem blauen Drachen kennengelernt. Außerdem befindet sich noch ein weiterer Magier bei ihnen: Ivan der Flüsterer aus dem Haus Ex Miscellania.
Während sie herumsitzen und bei einem Whisky über alles mögliche reden, nähert sich ein junger Mann – Thomas – der Gruppe. Er wirkt ausgezehrt, erschöpft und verzweifelt und bietet eine große Menge Gold für denjenigen, der ihm hilft, seinen Ritter Sir William wiederzufinden. Interessiert hören Padraig, Gwyn und die anderen ihm eine Weile zu, bis er völlig erschöpft zusammenbricht. Sie beschließen, ihm zunächst zu helfen und nehmen ihn mit sich zu einer Herberge. Dabei bemerkt Borric, daß ihnen einige unangenehm aussehende Männer folgen. Möglicherweise sind sie hinter Thomas´ Gold her – auch wenn die beiden Magier mittlerweile feststellen konnten, daß es kein echtes Gold ist.
Um den Verfolgern zu entkommen, legen Padraig und Ivan Illusionen über alle. Der immer noch ohnmächtige Thomas wird in einen Teppich eingewickelt und so zu einer anderen Herberge gebracht. Die Verfolger bleiben bei der alten zurück. Als Gwyn und Gwyweredd Thomas jedoch wieder auswickeln, stellen sie fest, daß der ausgezehrte junge Mann den Transport nicht überlebt hat: Er ist im Teppich erstickt. Um nicht mit einer Leiche im Zimmer erwischt zu werden, verlassen Ignifer, Ivan und die anderen die Herberge schleunigst. Thomas bleibt zurück.
Aber als Padraig und Gwyn am nächsten Morgen zusammen mit den anderen frühstücken, sehen sie Thomas gesund und munter die Straße entlanglaufen. Er ist guter Dinge und bedankt sich bei ihnen, daß sie ihm helfen wollen und ihm ein Kamel zur Verfügung gestellt haben – wovon weder die Lehrlinge noch die anderen etwas wissen. Da Thomas sofort aufbrechen will, beschließen alle, ihn zu begleiten, um den mysteriösen Ereignissen um den jungen Mann auf den Grund zu gehen. Bevor sie aufbrechen, kehrt Gwyweredd noch einmal zu der Herberge zurück, in der sie Thomas´ Leiche zurückgelassen haben. Der Wirt berichtet, daß letzte Nacht tatsächlich eine Leiche aufgefunden wurde – ein Priester habe sich um sie gekümmert. Näheres kann der Barde nicht herausfinden, da die anderen mittlerweile Reittiere und Verpflegung besorgt haben und die Reise losgehen kann.
Thomas hatte zunächst berichtet, daß er und sein Ritter in der Wüste von Banditen angegriffen worden wären, etwa zwei Tagesreisen von Antiochia entfernt. Als sie diesen Punkt jedoch erreichen – den Thomas mit traumwandlerischer Sicherheit findet – , ist von Sir William keine Spur zu entdecken. Allerdings ist sich Thomas sicher, daß er weiter zum Euphrat gereist ist. Nach kurzer Diskussion einigen sich Gwyn, Padraig, Ivan und die andern, den jungen Mann weiterhin zu begleiten. Aber am Euphrat angekommen, ist wiederum nichts von Sir William zu sehen. Allerdings können einige Dörfler berichten, daß hier ein fränkischer Ritter durchgekommen ist. Er hat ein Boot genommen und wollte wahrscheinlich nach Basra.
Mit einem etwas mulmigen Gefühl in der Magengrube – immerhin haben sie sich nicht einmal bei ihrem Lehrmeister abgemeldet – stimmen Padraig und Gwyn zu, auch bis zu dieser Stadt mitzukommen. Die anderen vier werden ebenfalls dabeisein.
Während ihrer Reise den Euphrat hinunter stellen sie fest, daß kurz vor ihnen eine ganze Armee gezogen ist: Die Leute eines mächtigen Generals, die unterwegs nach Basra sind. Die ersten paar Tage auf dem Fluß vergehen ruhig, bis sie Thomas eines Abends zu einem alten Schlangentempel in der Wüste führt, wo sie zunächst lagern. Dort werden sie mitten in der Nacht von den steinernen Schlangen aus den unzähligen Reliefs, die den alten Tempel verzieren, angegriffen. Nur Thomas bleibt völlig davon verschont und schläft während der wilden Flucht in die Wüste friedlich wie ein Säugling. Am nächsten Tag stellen ihn die Magier zur Rede: Sie haben das Gefühl, daß er bei seiner Geschichte einiges ausgelassen hat. Unter Druck gesetzt, erzählt Thomas ein wenig mehr über die Ereignisse, die zu Sir Williams Verschwinden geführt haben: Der Ritter machte in Arabien die Bekanntschaft einer jungen Inderin, die im Besitz eines magischen Heilmittels war. Hinter diesem Heilmittel war auch eben jener General her, dessen Armee gerade auf dem Weg nach Basra ist. Er ließt die junge Frau und ihre Begleiter verfolgen und überfiel sie schließlich in der Wüste. Dort wurde Sir William schwer verwundet und die Inderin entführt. Es gelang Thomas allerdings, den Ritter mit dem begehrten Heilmittel zu behandeln, sodaß er seine Verletzung überlebte. Aber am nächsten Tag war er verschwunden, und Thomas blieb allein in der Wüste zurück. Wieso er in der Lage ist, Sir Williams Weg so genau nachzuverfolgen, weiß der junge Mann allerdings selber nicht.
In Basra bestätigt sich die Vermutung, daß der General die Inderin gefangen genommen hat: Die Einheimischen sprechen von einer schönen jungen Frau, die sich in seiner Begeleitung befinden soll. Auch die weiteren Pläne des Generals sind bekannt: Mit einer ganzen Armee will er nach Indien übersetzen. Die Gründe sind in Basra nicht bekannt, aber Ignifer und die anderen vermuten, daß er zu der Quelle des Heilmittels gelangen will. Da die junge Inderin im Palast des hiesigen Herrschers gefangengehalten wird und für dem Moment sicher zu sein scheint, beschließen Magier und ihre Begleiter, keinen Befreiungsversuch zu unternehmen. Statt dessen wollen sie sich auf Sir Williams Spuren auf den Weg nach Indien machen – sicherlich ist auch der Ritter auf der Suche nach der Quelle des Heilmittels.
So besorgen sie sich ein schnelles Segelschiff und machen sich auf den Weg. Unterwegs verrät ihnen Thomas ein weiteres Puzzlestück des Rätsels um das mysteriöse Heilmittel: Man kann damit Leute von den Toten wieder auferwecken! Offenbar war Sir William tot, als Thomas ihn damit behandelte. Danach verblieb dem jungen Mann nur noch ein wenig von dem roten Pulver – und auch das war nach der einen Nacht in Antiochia verschwunden….
Schließlich treffen sie nach mehreren Wochen in Indien ein – allerdings erst nach dem General, dessen Männer schon die Umgegend verwüsten. Es gelingt den Gefährten zunächst, den arabischen Kriegern aus dem Weg zu gehen, bis sie schließlich ein kleines Dorf erreichen. Dort hält sich der General selbst auf, zusammen mit zwanzig seiner besten Leute und der jungen Inderin. Aus der Entfernung können Gwyn, Padraig und die anderen erkennen, daß er noch einen weiteren Gefangenen hat – möglicherweise Sir William?
Durch Illusionen als taoistische Mönche getarnt, begeben sich die Gefährten ins Dorf. Dort werden sie von dem General gefangengenommen. Der arabische Krieger traut ihnen nicht und es kommt zum Kampf, in dessen Verlauf die Soldaten aus dem Dorf vertrieben werden.
Es bleiben zwei Gefangene zurück. Einer von ihnen ist Sir William, der andere ein kleiner arabischer Junge. Sie berichten, daß sich ein christlicher Priester bei dem General befindet – offenbar derselbe Priester, der sich damals in Antiochia um Thomas´ Leiche gekümmert hat. Sir William verspürt schon seit seiner Wiedererweckung den Drang, an einen bestimmten Ort zu gehen, genau wie auch Thomas. Beide sind sich einig, daß der Ort ganz in der Nähe ist, und so brechen die Gefährten ohne Verzug auf, bevor der General seine Leute wieder sammeln und zurückkommen kann.
Sir William und Thomas haben keine Schwierigkeiten, den versteckten Weg zu finden, und so kommt die ganze Gruppe nur wenige Stunden später in einem abgelegenen, friedlichen Tal an. Die beiden Wiedererweckten streben auf den großen Tempel zu, der in der Mitte des Tals steht. Dort werden alle freundlich im Namen der „Göttin“, die über diese Gegend herrscht, begrüßt. Die Diener dieser Göttin sind ausnahmslos blind, und nachdem er die täuschend lebensechten Statuen im Inneren des Palastes gesehen hat, kann sich Gwyweredd auch denken, warum: Die sogenannte Göttin ist eine Gorgone! Die Diener bestätigen diese Vermutung gleichmütig und eröffnen den Gästen, daß ihre Herrin sie bald zu sprechen wünscht.
Die Unterredung erfolgt in einem abgedunkelten Raum, da die Gorgone nicht sonderlich daran interessiert ist, ihre Gäste zu versteinern. Sie bestätigt, daß das rote Pulver, mit dem man Tote wieder aufwecken kann, von ihr stammt. Jeder, dem man dieses Pulver jedoch verabreicht, wird danach zu einem ihrer Diener – so wie jetzt Thomas und Sir William. Die junge Inderin ist auch eine ihrer Dienerinnen. Sie wird bald mit dem General im Tal eintreffen. Die Gorgone macht sich keine großen Sorgen wegen der Soldaten, sie versichert, problemlos mit ihnen fertig zu werden. Danach wird sie ein paar neue Statuen haben, das ist alles.
Noch während des Gesprächs wird außerhalb des Palastes ein großer Gong geschlagen: Der Alarm. Die Gorgone verläßt ihre Gäste mit ein paar Abschiedsworten, um sich den Eindringlingen zu widmen. Als der Kampf noch tobt, kommt die junge Inderin, jetzt durch ihre Herrin befreit, zu den Magiern und ihren Begleitern und bietet ihnen an, sie aus dem Tal hinaus zu führen, bevor die Gorgone zurückkommt. Die Herrin des Tals ist nämlich immer auf der Suche nach gutaussehenden jungen Liebhabern, wird ihrer aber leider schnell überdrüssig. Da niemand einen besonderen Wunsch hegt, als blinder Diener oder als Statue zu enden, folgen die sechs Männer der jungen Frau gerne.
Außerhalb des Tals verabschiedet sich die Dienerin der Gorgone von ihnen. Vorher jedoch gibt sie Gwyn noch eine Phiole von dem roten Pulver. Unglücklicherweise verliert der junge Mann dieses wertvolle Kleinod jedoch auf der Rückreise….
Da Padraig und Gwyn es nicht sonderlich eilig mit ihrer Rückkehr haben – wer weiß, wann sie danach den Bund wieder verlassen dürfen? – , kehren sie erst Ende Winter nach Serpentia zurück. Immerhin bringen sie einige seltene Gewürze aus Indien mit, sodaß die Reise zumindest finanziell ein voller Erfolg war…

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Marganma

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