Serpentia

Die Katzen von Alamut

Winter 1182

Sir Quintus, Octavia, Aladin, Julius, Lionel

Sir Quintus brennt darauf, den Kupferschlüssel aus Alamut zu holen, und als sich seine kleine Schwester Octavia von ihren Verletzungen erholt hat, will er mit ihr endlich in die Festung der Assassinen reisen. Die Meisterdiebin freut sich schon darauf: Der Ausflug verspricht zu einer Herausforderung ihrer Talente zu werden. Auch Aladin will die Geschwister begleiten, seine Fähigkeit, sich und andere in Tiere zu verwandeln, wird sicher von Nutzen sein. Als letzter schließt sich auch noch der Geist Julius an, der ausprobieren will, was er in seiner neuen Daseinsform alles tun kann. Sein früherer Leibgrog Lionel, jetzt eine Art „Geistgrog“, möchte auch mitkommen. Der frühere Hasenfuß hat durch den Tod von Julius all seine Feigheit verloren: Offensichtlich geht das Leben auch nach dem Tod weiter, warum sollte er sich also fürchten?
Auf ihrer Reise nach Alamut kommt die kleine Gruppe auch in der Stadt Täbris vorbei. Dort gibt es politische Schwierigkeiten zwischen der sunnitischen Mehrheit und den machtvollen Ismailiten. Beide Fraktionen sind Anhänger des Islam, allerdings durch mehrere Schismen voneinander getrennt. Während die Sunniten mit der Abfolge des Kalifentums nach Mohammeds Tod einverstanden sind und ohnehin nicht so viel Wert auf dieses Amt legen, haben sich schon sehr früh die Schiiten abgespalten, die der Meinung sind, daß Ali, der Schwiegersohn des Propheten, und seine Nachfahren die rechtmäßigen Erben des Amtes sind. Unter den Schiiten gibt es jetzt auch wieder mehrere Splittergruppen, je nach dem, welcher Nachfolger Alis als der einzig richtige gilt. Die Assassinen von Alamut gehören zu den Ismailiten, deren religiöse Haltung den Glauben an einen Mahdi, einen neuen Erlöser, beinhaltet. Ihr geistiges Oberhaupt ist der Alte vom Berge, der Herr der Bergfestung Alamut.
Dieser Alte vom Berge hat nun seinen Anhängern mitgeteilt, daß für die Ismailiten die Gebote des Propheten nicht mehr gelten würden, und sie also Wein trinken und andere Ausschweifungen mitmachen dürften. Diese Verhaltensweisen erregen natürlich den Zorn der Rechtgläubigen von Täbris, allerdings wagt der Gouverneur der Stadt nicht, ernsthaft gegen die Ismailiten vorzugehen. Dafür hat der Alte vom Berg hier in Persien zu viel Macht.
Die Reisenden versuchen nun, dieses Schisma auszunutzen, um an Informationen zu kommen. Während Aladin sich unter den Rechtgläubigen umhört, begibt sich Quintus in eine der Kneipen und trinkt mit den Ismailiten, wobei er sich die Freundschaft des jungen Halef zuzieht, von dem er erfährt, daß dieser ein Assassine ist und daß der Jüngste Tag kurz bevorstehen würde. Die Ankunft des neuen Mahdi wird jederzeit erwartet. Durch ein paar mysteriöse Andeutungen kann Quintus Halef sogar überzeugen, daß er ein syrischer Assassine auf dem Weg nach Alamut sei. Allerdings überzeugt er nicht nur den an und für sich harmlosen Jungen, sondern auch einen der älteren Attentäter, der sich gerade in der Stadt aufhält und ohnehin auf Unterstützung aus Syrien gewartet hat. Dieser trifft sich kurz mit Quintus und führt mit ihm eine etwas rätselhafte Unterredung über „den Auftrag“, bei der der Italiener sich sehr wissend gibt.
Am nächsten Abend erhält Sir Quintus dann ein Kästchen zugesandt, in dem sich ein verzierter Assassinendolch befindet, dazu eine Botschaft, aus der hervorgeht, daß die Waffe für den Gouverneur der Stadt bestimmt ist. Offenbar erwartet man nun von dem vermeintlichen syrischen Mitmeuchler, daß er hilft, den Mann zu töten. Der junge Ritter ist ziemlich entsetzt, denn einerseits will er den Auftrag natürlich nicht erfüllen, aber andererseits auch nicht ablehnen: Schließlich will er sich ja noch in Alamut einschleichen.
Zusammen mit den anderen schmiedet er dann aber einen Plan, wie er das Attentat so verpatzt, daß man ihm nichts vorwerfen kann.
Am Morgen des nächsten Tages verlassen Sir Quintus und Octavia Täbris, nachdem Aladin ihr Aussehen mit einem Spruch verändert hat. Dann spricht Aladin den gleichen Zauber auf den Fluchtspezialisten Lionel, sodaß der jetzt aussieht wie der junge Ritter, und zuletzt auch auf sich selbst. Zur verabredeten Zeit gehen die beiden so Getarnten dann auf den Marktplatz, wo der Gouverneur auch pünktlich auftaucht, umgeben von seiner Leibwache. Langsam und vorsichtig schiebt sich Lionel mit dem Dolch im Ärmel auf den Herrn der Stadt zu und kommt auch recht nahe heran, bis er von Aladin „bemerkt“ wird. Der beginnt natürlich sofort, Zeter und Mordio zu schreien, woraufhin der vermeintliche Assassine die Flucht antritt. Die Wache des Gouverneurs nimmt natürlich die Verfolgung auf, wobei ihnen der Bjornaer hilfreicherweise noch ein wenig im Weg steht.
Der Plan wäre auch fast aufgegangen, allerdings hat niemand mehr mit dem zweiten Assassinen gerechnet, der das ganze Chaos ausnützt und den unbewachten Gouverneur von hinten niedersticht. Dabei wird er zwar gefaßt und nach kurzem Kampf getötet, aber das kann dem unglücklichen Stadtherren auch nicht mehr helfen. Versehentlich haben die Serpentianer diesen Mord erst möglich gemacht.
Ohne Probleme können Lionel, dessen Aussehen sich bei Sonnenuntergang wieder zurückverwandelt, und Aladin die Stadt verlassen. Als sie in der verabredeten Herberge wieder auf die Maximus-Geschwister treffen, sind die nicht allein: Halef, der junge Ismailit, ist zu ihnen gestoßen und von Sir Quintus´ „Heldentat“ völlig begeistert. Er wird mit ihnen nach Alamut reisen.
Die Feste der Assassinen, deren Name Adlerhorst bedeutet, liegt auf einem Hochplateau in den Bergen am Rand des Schwarzen Meeres. Als einziger Zugang dient ein schmaler Trampelpfad, der kurz vor der Festung noch von einer Schlucht unterbrochen wird, über die eine wacklige Seilbrücke führt. Tatsächlich macht die Burg ihrem Namen alle Ehre: Wie das Nest eines Adlers klebt sie an der Seite des Gebirges, es scheint schier unmöglich, sie anzugreifen, geschweige denn zu erobern.
Dort angekommen, wird Sir Quintus, der Held von Täbris, zu einer Ehrung durch den Alten vom Berge gebeten. Dabei macht er eine beunruhigende Entdeckung: In dem hageren Mann, der wie ein guter Freund an der Seite des Ismailitenführers steht, erkennt er Serpentias alten Feind Abbas Ibn Usama. Glücklicherweise scheint der finstere Zauberer ihn nicht zu bemerken, dennoch ist es beunruhigend, ihn hier zu wissen. Schließlich ist es unwahrscheinlich, daß er seinen Schwiegerneffen Aladin nicht erkennt, wenn er ihn sieht.
In der Nacht macht sich der Geist Julius auf die Suche nach der kleinen unterirdischen Kammer, in der der Schlüssel liegen muß, und findet dabei auch ein paar andere Geister, die ihn vor Abbas Ibn Usama warnen. Außerdem bedeuten sie ihm, daß keiner von ihnen in das große Prunkgebäude, in dem der Alte vom Berge lebt, hinein kann. Dennoch findet Julius einen Eingang in dieses Haus. Dort gibt es auch eine Treppe, die nach unten führt. Allerdings beschließt der tote Italiener, sich dort noch nicht umzusehen, sondern dafür die anderen mitzunehmen.
In der nächsten Nacht ist es soweit: Aladin verwandelt alle bis auf Julius und Octavia, die lieber ihre menschliche Gestalt behalten will, in Katzen. So gelangen sie ohne Schwierigkeiten in das Haus des Alten und finden auch die Treppe. Diese führt sehr weit nach unten, bis ins Herz des Berges selbst, wie es scheint. Am Ende der Treppe liegt ein kurzer Gang, der in eine kleine Kammer führt, die Quintus sofort als den Aufbewahrungsort des Schlüssels erkennt.
Allerdings ist der Raum nicht völlig unbewacht: Zwei Luftdjinns stellen sich ihnen entgegen, von denen Aladin und Octavia den einen, Henry, Sir Quintus und Lionel in Katzenform den anderen besiegen können. Als die Djinns sich auflösen, nimmt die Katze Quintus den Kupferschlüssel in ihr Maul und gemeinsam schleichen alle wieder nach oben.
Kaum treffen die ersten Sonnenstrahlen die Festung, verwandeln sich alle wieder in Menschen. Betont gleichmütig schlendern sie zu den Ställen und satteln ihre Pferde. Als sie jedoch wieder ins Freie treten, sehen sie auf der anderen Seite des Platzes Abbas Ibn Usama stehen. Dieser erkennt Aladin recht eindeutig und nickt ihm sogar mit einem trockenen Lächeln zu. Erst als die Diebe die Feste fast schon verlassen haben, ruft der Zauberer ein halblautes „Alarm!“ hinter ihnen her.
Daraufhin kommt Leben in die Assassinen von Alamut: Innerhalb kürzester Zeit haben Aladin, Julius und die anderen einen ganzen Schwanz von Verfolgern auf den Fersen. Als sie jedoch die schmale Seilbrücke erreichen, wirft Sir Quintus ein paar von dem Alchemisten Friedrich geborgte Behälter hinter sich. Kaum haben die ersten Ismailiten ihre Pferde auf die Seilkonstruktion gelenkt, als diese unter ihnen zusammenbricht. Friedrichs Säure hat ihre Arbeit getan.
Dennoch geben die Assassinen nicht so leicht auf, und bis sie in Damaskus sind, können die Gefährten nicht aufhören, nervös über die Schulter zu sehen. Dort allerdings sind sie sicher: Saladin hat ein Friedensabkommen mit den syrischen Ismailiten abgeschlossen, das auch deren persische Brüder nicht mißachten werden.
So gelingt es nach einem harten Ritt dann doch noch, den Vierten Schlüssel nach Serpentia zu bringen und damit den zweiten Teil der Bibliothek zu öffnen. Neueren Aufschluß über das geheimnisvolle Verschwinden der früheren Magi bringt das aber noch nicht mit sich. Immerhin wird auch die alte Viskammer geöffnet: Sie ist fast völlig leer.

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Marganma

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