Serpentia

Die Nacht des Schwarzen Mondes

Frühling 1187

Nakatia, Athanasius, Terminus, Theobald, Sean, Alenka, Cyriano, Sheherazan

Julius läßt die Sache mit dem merkwürdigen Gewitter keine Ruhe, und so beginnt er in den Annalen des Bundes, von Crenna aufgeschrieben, nach einem ähnlichen Vorfall in der Geschichte Serpentias zu suchen. Tatsächlich wird er schon bald fündig: Offenbar geht diese Art von Gewitter immer einer Mondfinsternis voraus. Als dies schon einmal geschah, befand sich ‘Torix gerade auf der Jagd nach einem Dämonisten. Sie hatte nämlich erfahren, daß bei dem Schrein Unserer Lieben Frau von Sardenay irgendwelche teuflischen Kräfte ihr Unwesen trieben, und war mit Vater Basileos von Athen aufgebrochen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Es gelang ihr, das Böse zu vertreiben, aber auf dem Rückweg begegnete sie einem alten Mann, der sie warnte, in der Nacht des Schwarzen Mondes werde Übles geschehen. Auf Anfrage erklärte er ihr nur, daß derjenige, der in einer solchen Nacht seine drei Söhne und seine sieben Enkel opfern würde, Unsterblichkeit erlangen könnte.
Von einem seltsamen Instinkt geleitet zog ‘Torix die Karawanenstraße entlang, bis sie schließlich einen schmalen Ziegenpfad fand, der in die Berge hinein führte. Sie und Vater Basileos folgten ihm, aber es dauerte nicht lange, da wurden sie aus dem Hinterhalt angegriffen und bewußtlos geschlagen. Als sie wieder erwachten, fanden sie sich als Gefangene in einer infernalen Burg wieder, konnten aber recht bald entkommen. Offensichtlich beschloß ‘Torix, wiederzukommen und endgültig aufzuräumen, aber entweder hat sie es nie getan, oder Julius ist nicht in der Lage, das Kapitel darüber zu finden.
Als die anderen Magi von seiner Entdeckung erfahren, sind sie ziemlich bestürzt. Immerhin hat einer der Erzfeinde des Bundes, Abbas Ibn Usama, ja genau drei Söhne und mittlerweile wahrscheinlich auch wieder sieben Enkel! Außerdem ist es möglich, daß sich in den Bergen um Serpentia immer noch die infernale Feste befindet. Daher beschließen Terminus und Nakatia, sich auf die Suche nach dieser Burg zu begeben, auch Cyriano und Sean als der Ortskundigste schließen sich ihnen an. Der Beschreibung in den Annalen nach sollte zumindest der Ziegenpfad in die Berge hinein recht leicht zu finden sein. Neben ihren Leibgrogs nehmen die Magier noch die Söldnerin Alenka und die gesamte Kundschafterkompanie mit.
Auch Andrew verläßt am nächsten Morgen den Bund: Er bricht zu seiner langen Pilgerreise nach Spanien auf. Eine Weile begleitet er die anderen noch, dann, als einer der Kundschafter besagten Ziegenpfad entdeckt, nimmt er Abschied von ihnen und reist weiter auf der Karawanenstraße gen Norden.
Der Ziegenpfad verläuft zunächst recht gerade in das Gebirge hinein, aber schon bald teilen sich schmale Wege, Pfade und ausgewaschene Schluchten von ihm ab, sodaß die Magier nun nicht mehr wissen, wohin es gehen soll. Die ausgeschickten Kundschafter kehren nach ein paar Stunden mit mehreren Entdeckungen zurück: Einer von ihnen, Hussein, hat ein völlig flaches und ebenmäßiges Plateau entdeckt, ein anderer, Hamdal, konnte einen ortsansässigen Schäfer finden. Da das Plateau weiter von ihnen entfernt ist, beschließt Terminus, zunächst mit dem Hirten zu sprechen. Der will allerdings erst einmal nichts mit den seltsamen Fremden zu tun haben, daher eröffnet Terminus ihm, er sei ein Magier, und wenn der Schäfer nicht alles erzählen würde, was er von ihm wissen will, dann würde er ihn in einen Rettich verwandeln. Der Hirte ist zwar offensichtlich nicht sehr vertraut mit dem Gemüse, aber als Terminus ihm auf seine Frage hin erklärt, ein Rettich sei eine Art Kröte, entscheidet sich der Mann doch zur Kooperation.
Von einer dämonischen Feste hat er zwar noch nie etwas gehört, aber sein Vetter Ali der Säufer hat einmal eine merkwürdige Geschichte erzählt. Angeblich war der Mann auf dem Nachhauseweg, es war spät und er war schon ziemlich betrunken, aber der Vollmond schien recht hell, sodaß er den Weg noch erkennen konnte. Plötzlich jedoch wurde es immer dunkler, obwohl keine Wolke am Himmel zu sehen war, bis sich Ali der Säufer in der totalen Finsternis verlief. Auf einmal jedoch entdeckte er irgendwo vor sich Lichter, und als er näher kam, sah er, daß da eine ganze Stadt stand, die er nie zuvor gesehen hatte. Er wurde dort freundlich aufgenommen, und bekam von einer Horde schöner Mädchen den wundervollsten Wein serviert, den er je getrunken hatte. Schließlich schlief er selig ein, und als er wieder erwachte, lag er auf kahlem Fels im Gebirge. Von der prächtigen Stadt war nichts zu sehen. Als die Magier nun den Wunsch äußern, mit Ali dem Säufer zu sprechen, erfahren sie von dem Schäfer, daß der Mann vor einigen Jahren gestorben ist.
Terminus dankt dem Hirten für seine Geschichte, Nakatia gibt dem Mann dann noch einen Silberdinar. Beide halten die Erzählung für möglicherweise wichtig, aber zunächst wollen sie sich noch jenes seltsame Plateau anschauen, von dem Hussein berichtet hat.
Dort angekommen, stellen Nakatia, Terminus und Cyriano fest, daß die recht große Hochebene tatsächlich erstaunlich eben ist. Außerdem herrscht hier eine schwache magische Aura. Da in dieser Nacht der Vollmond scheinen wird, ist es durchaus möglich, daß etwas passiert. Aus diesem Grund begeben sich die Magi ganz an den Rand des Plateaus, um beobachten zu können, was geschehen wird.
Da bis zum Sonnenuntergang noch ein wenig Zeit ist, beschwört Nakatia den Geist von Ali dem Säufer. Allerdings weiß dieser der Erzählung seines Vetters auch nicht viel hinzuzufügen. Immerhin glaubt er in dem Plateau den Ort zu erkennen, an dem er nach seiner Nacht in der geheimnisvollen Stadt aufgewacht ist.
Schließlich geht die Sonne unter, und ein schöner runder Vollmond geht auf und versilbert die einsame Hochebene. Die magische Aura des Ortes wird um einiges stärker, aber ansonsten ist noch nicht viel zu sehen. Das ändert sich, als etwa eine halbe Stunde später der Mond beginnt, sich zu verdunkeln. Zuerst glauben die Magier nur vage Umrisse zu erkennen, aber dann beginnen mächtige Mauern, sich aus der Dunkelheit zu schälen. Schließlich kann man erkennen, daß eine ganze hell erleuchtete Stadt auf der noch vor kurzem leeren Hochebene steht.
Da kein Durchgang durch die Mauer zu erkennen ist, klettert Alenka mit Athanasius´ Hilfe auf das Bauwerk hinauf. Von oben kann sie Hütten in einem recht seltsamen Baustil sehen, einige Palmen und einen kleinen See, und im Mittelpunkt der Stadt ein großes, pyramidenförmiges Gebäude, bei dem reges Treiben herrscht. Da es auf der Mauer einen Wehrgang gibt, folgt Alenka diesem, bis sie über einem bewachten Tor ankommt. Der Rest der Reisegruppe ist unten geblieben, erreicht aber den recht prunkvollen bronzenen Einlaß nur kurz nach der Söldnerin. Diese erhält die Anweisung, oben zu bleiben und sich einstweilen leise zu verhalten, während die anderen unten an dem prächtigen Tor anklopfen.
Sie bekommen sofort von etwas erstaunten Torwachen geöffnet, die sie in leicht archaischen Arabisch freundlich willkommen heißen. Dies ist die Stadt Ras, erzählen ihnen die beiden Wächter, und sie hätten nur selten Gäste. Dennoch wären diese natürlich sehr gerne gesehen, sicherlich würde der Herr der Stadt sich freuen, sie begrüßen zu können. So werden Nakatia, Terminus und die anderen in die Stadt eingelassen und sogleich von dem Hauptmann der Garde zu dem pyramidenförmigen Gebäude gebracht, wo der König sie morgen empfangen wird. Er beruhigt ihre sofort geäußerten Ängste: Es sei ohne Probleme möglich, die Stadt auch ohne Mondfinsternis zu verlassen – und auch zu betreten – , wenn man nur wüßte, wie dies anzustellen sei. Dennoch bleiben die Magi etwas mißtrauisch, und so befehlen sie den Kundschaftern, außerhalb zu warten, bis sie am nächsten Tag Nachricht erhalten. Sollten sie nichts hören, sollen sie sich unverzüglich zum Bund aufmachen, um Hilfe zu holen. Auch Alenka bleibt vorerst versteckt.
Bei der Pyramide angekommen, verlangt der Hauptmann der Garde, daß die Serpentianer ihre Waffen abgeben. Widerwillig kommen diese der Aufforderung nach, immerhin wollen die Magi nicht den Eindruck erwecken, sie kämen in feindlicher Absicht. Dennoch, kaum ist der Hauptmann verschwunden, um sich um ihre Quartiere zu kümmern, erschafft Terminus den Grogs zunächst ein neues Schwert mit seiner Magie. Dabei wird er allerdings von einem der Soldaten beobachtet, der daraufhin eilig die Halle verläßt.
Zwar läßt Terminus das Schwert sofort wieder verschwinden, aber der Schaden scheint schon angerichtet: Fast ein Dutzend zusätzlicher Gardisten, mit Speeren und Schilden bewaffnet, erscheint in der Halle, zusammen mit dem Hauptmann. In seiner Begleitung befindet sich ein älterer, Autorität ausstrahlender Mann, der sich Terminus, Nakatia und Cyriano als der Wesir der Stadt vorstellt und gleichzeitig mit einer nachlässigen Handbewegung für helles, leuchtendes Licht sorgt. Der Mann ist offenbar ein Magier!
Den über so viel Flamboyance erstaunten Gästen erklärt er sogleich, daß es hier recht viele Zauberer gibt – auch der Herr der Stadt ist einer von ihnen. Daraufhin geben sich Terminus, Nakatia und Cyriano als Magier zu erkennen – und sind recht überrascht, als der Wesir nicht nur den Orden des Hermes, sondern auch Serpentia selbst zu kennen scheint. Vor vielen Jahren, erklärt der ältere, weißhaarige Mann ihnen, wären hier öfter Besucher aus jenem Bund vorbeigekommen. Er selbst hätte zwar keine davon mehr miterlebt, aber er sei trotzdem froh, jetzt wieder welche empfangen zu können. Kara Im-Hotep, so der Name des Wesirs, führt die Neuankömmlinge sogar höchstpersönlich zu ihren luxuriös ausgestatteten Gästequartieren, wo er ihnen eine gute Nacht wünscht und sich dann zurückzieht.
In der Zwischenzeit erkundet Alenka außerhalb der Pyramide die Gegend. Dabei fällt ihr auf, daß es jenseits der Wohnhäuser, die aus Schilf erbaut worden zu sein scheinen, ein großes Ruinenfeld gibt. Als sie sich jedoch dorthin begibt, stellt sie fest, daß sie sich hier sehr unwohl fühlt, beinahe so, als würde sie von feindseligen Augen beobachtet. Alenka verläßt die Ruinen wieder, nachdem sie herausgefunden hat, daß es sich hier wohl ehemals um eine Art Feste gehandelt hat. Sie sucht sich ein geeignetes Versteck, von dem aus sie die Pyramide gut sehen kann, und legt sich nieder, um ein wenig zu dösen.
Auch Nakatia ist neugierig darauf, sich ein wenig in der Stadt umzusehen. Da sie allerdings nicht will, daß ihre Gastgeber von ihrer Erkundung etwas mitbekommen, macht sie sich unsichtbar, bevor sie die Pyramide verläßt. Nachdem sie eine Weile in den stillen Straßen umhergelaufen ist, findet sie schließlich Alenka in ihrem Versteck und gibt sich ihr vorsichtig zu erkennen. Die Söldnerin weist Nakatia auf die große Ruine hin und bietet ihr an, sie dorthin zu begleiten. Da die Magierin Alenka aber nicht ebenfalls unsichtbar machen kann, lehnt sie diesen Vorschlag ab und begibt sich allein zu der zerfallenen Feste.
Auch Nakatia spürt die unangenehme Ausstrahlung des Ortes sofort, als sie ihn betritt. Dennoch beschließt sie, sich hier umzusehen. Tatsächlich findet sie auch schon bald einen Abstieg in eine Art Kellergewölbe, und vorsichtig geht sie hinunter. Auch dieser Raum ist teilweise zerfallen, aber auf dem Boden sind noch die Spuren einer Kreidezeichnung – vielleicht eines Pentagramms – zu finden. Als Nakatia diese jedoch auf Magie untersuchen will, gelingt ihr der Spruch zwar recht gut, aber kaum hat sie ihn gesprochen, fühlt sie sich von dem Gefühl, Zauberei zu wirken, so überwältigt, daß sie sogleich den nächsten Spruch anstimmt – und den nächsten, und noch einen…. Schließlich fordert die Magie ihren Tribut: Ohnmächtig sinkt Nakatia zu Boden und bleibt dort liegen.
In der Pyramide beginnen die anderen sich Sorgen zu machen, als die Magierin auch nach mehreren Stunden nicht wiederkehrt. Schließlich verwandelt sich Sean in seine Wolfsgestalt und verläßt das Gebäude mit Athanasius, der vorgibt, seinen Hund auf die Straße zu führen. Schnell finden die beiden Nakatias Spur und stoßen dabei auf Alenka, die ihnen die richtige Richtung weisen kann. Schließlich entdecken Sean und Athanasius die ohnmächtige Magierin in dem Ruinenkeller, den sie zuvor voller Vergnügen noch mit magischen Spinnweben angefüllt hat. Es gelingt ihnen, Nakatia wieder zu Bewußtsein zu bringen, aber die ist immer noch zu erschöpft, um sich wieder unsichtbar zu machen. Der vorherige Zauber war erloschen, als sie vorher die Kontrolle über sich verlor. Daher schickt sie Sean und Athanasius wieder zur Pyramide zurück. Sie selbst will sich noch ein wenig ausruhen und dann nachkommen. Widerstrebend lassen die beiden Männer sie allein.
Während Nakatia sich noch ausruht, hört sie draußen die Stimmen mehrerer Männer. Offenbar waren Sean und Athanasius nicht so unbeobachtet geblieben, wie sie gehofft haben, und nun wollen diese Leute – zwei Gardisten und ihr Hauptmann – herausfinden, was die Fremden denn hier in den Ruinen zu suchen hatten. Zwar gelingt es Nakatia mit großer Anstrengung noch einmal, sich unsichtbar zu machen, sodaß sie von den Suchenden nicht entdeckt wird, aber dafür fallen die vielen feinen Spinnweben hier in diesem leblosen Keller doch ziemlich auf. Mißtrauisch beschließt der Hauptmann, sofort den Wesir zu holen, da hier eindeutig Zauberkräfte im Spiel sind. Einen seiner Männer läßt er jedoch als Wache zurück.
Da Nakatia fürchtet, der Wesir könne ihre Tarnung durchschauen und eine Menge unangenehmer Fragen stellen, versucht sie sich an der Wache vorbei zu schleichen. Dabei wird sie allerdings von dem Gardisten bemerkt, der sie zunächst für eine Art Dämon hält. Glücklicherweise ist der Mann nicht allzu helle, und so gelingt es Nakatia, ihm weiszumachen, sie sei ein guter Geist und völlig harmlos. Er läßt sie laufen, und sie gelangt ungesehen zurück in die Pyramide.
Am nächsten Morgen erscheinen einige Gardisten bei den Gästequartieren. Sie sind nicht sonderlich freundlich und bringen die Serpentianer unter strenger Bewachung zum Wesir. Der scheint äußerst sorgenvoll: Er weiß durchaus, daß einige der Gefährten letzte Nacht bei den Ruinen waren, und nun muß er wohl annehmen, daß sie Diener jener Mächte sind, die sich in der ehemaligen Feste immer noch aufhalten: Dämonen! Terminus und die anderen verleugnen diese Anschuldigungen vehement, und so bietet ihnen der Wesir an, sie zu testen. Er kenne ein altes, magisches Ritual, mit dem man solche Dinge herausfinden könne. Bereitwillig gehen die Gefährten auf sein Angebot ein.
Daraufhin bringt Kara Im-Hotep sie in einen tiefen Keller unter der Pyramide. Unterwegs lassen sie sogar die Wachen hinter sich, da ihre Anwesenheit das Ritual stören könne. Schließlich kommen sie in einen großen Raum, in dem sich eine arenaähnliche Vertiefung befindet. Der Wesir bittet die Serpentianer, sich dort hinein zu begeben, damit er den Zauber von oben vollziehen kann. Terminus und die anderen klettern über eine schmale Treppe hinunter, dann beginnt Kara Im-Hotep, einen merkwürdigen Singsang anzustimmen. Um die Gefährten herum steigt ein grauer, schlieriger Nebel auf, zunächst nur ganz dünn, dann immer dicker und substantieller, bis sich schließlich fast ein Dutzend kleiner, grauer Gestalten mit roten, zahnigen Mündern und spitzen Klauen aus der Masse schälen – Dämonen! Offenbar hat der Wesir die Serpentianer betrogen: Er ist selbst ein Satansdiener und will auf diese Weise seine potentiellen Feinde – oder Rivalen – aus dem Weg räumen!
Es kommt zum Kampf zwischen den unbewaffneten Grogs und den kleinen Dämonen. Glücklicherweise kann Sean sich in seine Wolfsmenschgestalt verwandeln, und Terminus gibt seinen Stab, den er vor über einem Jahr von Nakatia, Aladin, Andrew und Llwellyn erhielt, an Theobald weiter. Dann wendet er sich dem Wesir der Stadt Ras zu und versucht, diesen zu töten. Dies aber scheitert daran, daß sich Kara Im-Hotep mittels einer magischen Wand geschützt hat. Aber schnell gelingt es Nakatia, diesen Schutz zu entfernen, und nun kann der verräterische Wesir erschlagen werden.
Währenddessen stellt Theobald fest, daß Terminus´ Stab erstaunlich effektiv im Kampf gegen die Teufelchen ist: Jedesmal, wenn er einen von ihnen damit auch nur berührt, vergeht dieser in einer nach Whisky riechenden, wie ein Panther fauchenden Nebelwolke, während Theobald ein kalter Hauch den Rücken herunter rinnt. Auch Sean kann sich die höllischen Wesen gut vom Leibe halten, indem er eines von ihnen als Prügel benutzt und so andere erschlagen kann. Aber die anderen sehen nicht so gut aus: Bis auf je einen Dolch völlig unbewaffnet, kämpfen Sheherazan und Athanasius verzweifelt gegen die kleinen Dämonen.
Kaum hat jedoch der Kampf durch Seans riesige Gestalt und Theobalds seltsam tödlichen Stab eine positive Wendung erhalten, als von oben, wo der Wesir gefallen ist, ein lautes Lachen ertönt. Als die Magier hinauf schauen, sehen sie, wie sich der Verräter wieder aufgesetzt hat und scheinbar keine Wunden mehr trägt. Aber er ist jetzt kein Mensch mehr: Seine vormals bräunliche Haut ist nun von Schuppen bedeckt, sein Haar besteht aus zischelnden Schlangen und aus seiner Stirn wachsen ihm zwei mächtige Hörner. Noch in seinem Tod muß sich der üble Hexer seinem dämonischen Herrn ganz und gar ergeben haben. Als Terminus seiner angesichtig wird, spricht er sofort seinen Dämonenvernichtungsspruch, der auch Wirkung zeigt, den Teuflischen jedoch nicht ganz bannen kann. Fluchend zieht dieser sich aus dem Sichtbereich der Magi zurück, und nur wenige Sekunden später hören die Kämpfenden unten den entsetzten Todesschrei einer jungen Frau aus seiner Richtung erklingen.
Sofort beschließt Terminus, sich dieser neuen Gefahr zu widmen. Er befiehlt seinen Bruder an seine Seite, und obwohl Nakatia ihn bittet zu bleiben oder wenigstens den Stab zurückzulassen, hört er nicht auf sie und rennt, gefolgt von Theobald, die Treppe hinauf.
In der Arena wird der Kampf nun wieder sehr viel kritischer, da Sheherazan schon schwer verwundet ist, und auch Athanasius und Sean Schwierigkeiten haben, den verbliebenen Teufelchen den endgültigen Garaus zu machen. Schließlich schlagen sich Cyriano und Nakatia mit ihren letzten Kraftreserven frei und müssen von Athanasius und Sean halb die Treppe hinaufgetragen werden.
Oben hat Terminus mittlerweile den Kampf mit dem neuen Dämon aufgenommen. Dieser jedoch ist um einiges stärker als die Teufelchen aus der Arena, und so liegt Theobald schon schwer verwundet am Boden, als die anderen endlich dort ankommen. Auch Terminus selbst ist stark erschöpft und unfähig, in diesem Zustand seinen mächtigsten Zauber zu sprechen und den Dämon damit endgültig zu bannen.
Ohne zu Zögern greifen Sean und Athanasius den riesigen, aber durch Terminus´ vorherige Magie schon geschwächten Dämon an. Und obwohl die beiden starke und fähige Krieger sind, gelingt es dem Teufel mit geradezu spielerischer Leichtigkeit, Sean von den Beinen zu fegen und ihm eine schwere Wunde zuzufügen. Aber Athanasius hat die Zeit genutzt und den Befehl befolgt, den Nakatia ihm gegeben hat: Er nimmt Theobald den offenkundig magischen Stab ab und schlägt nun seinerseits damit nach dem riesigen infernalen Geschöpf. Und tatsächlich: Kaum daß Athanasius den ehemaligen Wesir auch nur streift, vergeht dieser in der schon vorher gesehenen Nebelwolke.
Von der zornigen Nakatia, die sich von Terminus in der Arena im Stich gelassen fühlte, erfährt dieser jetzt die Wahrheit über den „einfachen Wanderstab“, den ihm die vier Magi Weihnachten vor einem Jahr schenkten: Sie hatten den Holzstab mit einem Dämonenvernichtungszauber belegt, damit Terminus damit auch kleinere Teufel erledigen kann – und sie nicht mit einem Stock prügeln muß, um einen Grog zu retten, wie es bei der Schlacht im Dämonenwald geschehen war…
Auf diese Enthüllung hin ist Terminus ziemlich verärgert, da er sich von Nakatia irgendwie hintergangen fühlt. Bevor jedoch die beiden ihrem Zorn Luft machen können, hören sie aus dem Gang, durch den sie hierher gelangt sind, Geräusche. Allerdings ist es diesmal nichts Besorgniserregendes: Es ist Alenka, die mit dem Herrn der Stadt und einigen Gardisten kommt, um ihren Gefährten beizustehen.
Offenbar war sie draußen bemerkt worden, denn in den frühen Morgenstunden begannen die Gardisten, nach ihr zu suchen. Letzten Endes wurde sie dann auch entdeckt, und lief auf ihrer wilden Flucht dem Herrn der Stadt förmlich in die Arme. Als der Hauptmann der Wache gegen dessen ausdrücklichen Befehl versuchte, sie mit einem Bogen zu erschießen, rettete ihr der Herrscher das Leben. Wie sich herausstellte, hatte der alte Mann nie von den Besuchern erfahren. Bei einer magischen Befragung des Hauptmanns fand der Herr der Stadt, ein mächtiger Magier, dann auch schnell heraus, was hinter dessen seltsamen Benehmen steckte. Um seinem tückischen Wesir das Handwerk zu legen und seinen Gästen das Leben zu retten, brach er sofort mit einigen verläßlichen Gardisten und Alenka in die unteren Gemächer auf, wo er allerdings zu spät kam, um noch zu helfen.
Der Herr der Stadt, al-Fasur Ra-Temet, heißt die Serpentianer nun nochmals willkommen und entschuldigt sich für die Vorfälle. Dann läßt er seine Gäste wieder in ihre Quartiere bringen, damit sie sich ausruhen können. Überdies schickt er ihnen noch Ärzte und Heiler, die die Verwundeten verbinden.
Schließlich lädt er sie gegen Abend zu einem prächtigen Gastmahl. Dabei erfahren Terminus, Nakatia und Cyriano von ihm, daß er Serpentia durchaus kennt. Offenbar hat ‘Torix ihren Schwur wahr gemacht und die infernale Feste vernichtet – mit seiner Hilfe. Ra-Temet war damals ein sehr junger ägyptischer Magier, der sich nach dem Kampf hier mit einigen Getreuen niederließ, um die alten Götter seiner Heimat weiter verehren zu können – Ra, Osiris, Isis und all die anderen haben ihre Schreine in dieser Stadt erhalten.
Die Stadt Ras liegt in einer Regio, die für Uneingeweihte nur während einer Mondfinsternis zugänglich ist. Als der alte Mann den Magiern nun erklärt, wie man auch zu anderen Zeiten an diesen Ort gelangen kann, erfahren sie nebenher, daß auch Serpentia früher in einer Regio gelegen war. Terminus beginnt, Ra-Temet nach Einzelheiten zu befragen, und daraufhin erzählt dieser, daß das ganze Tal früher einmal jenseits dieser Welt lag. Aber nachdem der Bund vernichtet worden war, ist etwas damit geschehen, sodaß die Regio vernichtet wurde und alles, was in ihr lag, auf die mundane Ebene gezogen wurde.
Tatsächlich gab es einen Zeugen dieses Rituals: Ein junger Bursche, als Kundschafter in das Tal geschickt, berichtete Ra-Temet damals, daß er am See dreizehn schwarzgerobte Gestalten gesehen habe. Sie hätten seltsame Gesänge in einer widerlich klingenden Sprache angestimmt und dabei einige menschlich aussehende Gestalten in ein großes, düster loderndes Feuer geworfen. Geendet hätte dieses abscheuliche Ritual schließlich mit einem seltsam reinen, saphirfarbenen Blitz, und danach wäre alles irgendwie anders gewesen – mundaner, nicht mehr so verzaubert …
Terminus dankt dem alten Mann für diese Geschichte, er hält sie für recht wichtig. Dennoch bleiben die Serpentianer nicht mehr lange in der Stadt Ras, sondern verabschieden sich schon bald, aber immerhin mit dem Versprechen auf weitere Besuche. Der Rückweg verläuft ereignislos, und so treffen sie ohne Zwischenfälle wieder in Serpentia ein.

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Marganma

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