Serpentia

Drachenblut

Frühling 1201

Sir Quintus, Lady Colleen, Pierre, Jochen, Ramitep, Yudur, Dáirine, Aella

Mitten in der Nacht schrickt Sophia Maxima plötzlich hoch: Sie hat das Gefühl, daß ihrer Schwester Margaret etwas schreckliches zugestoßen ist. Nachdem ihr Vater die Magier alarmiert hat, stellt Ramitep fest, daß die junge Frau recht gehabt hat: Marga ist tot.
Zum Zeitpunkt ihres Todes hatte sie sich zusammen mit ihren beiden Kindern Salvus und Maura Ilana in Damaskus aufgehalten. Die beiden Kinder sind, soweit Ramitep feststellen kann, noch am Leben und befinden sich irgendwo in der Salihiya, der Vorstadt von Damaskus.
Sir Quintus will sofort aufbrechen, um nach seinen Enkeln zu suchen und herauszufinden, was mit seiner Tochter geschehen ist. Seine Frau Joanna begleitet ihn, genau wie Colleen, Ramitep, Jochen, Yudur und Aella.
In der Stadt angekommen, suchen die Serpentianer sofort das Haus auf, in dem Salvus und Maura Ilana gefangen gehalten werden. Dort finden sie eine größere Ansammlung Stadtwachen vor: Offenbar hat es in der zerfallenen Hütte einen heftigen Kampf gegeben. Dabei sind einige Leute getötet worden, darunter auch der kleine Salvus Maximus, der von einem verirrten Bolzen getroffen wurde.
Bei den Toten gibt es einige Auffälligkeiten: Einer der Entführer, die hier angegriffen worden sind, hat eine Spinne auf seine Wange tätowiert. Ein anderer ist ein alter Bekannter von Quintus, Hakennasen-Omar, ein Straßenschläger, der zu Nenehs Organisation gehört. Einer der Angreifer kommt hingegen Ramitep bekannt vor: Es könnte sich bei ihm um einen Wachmann handeln, der bisher für die Ibn Usama gearbeitet hat.
Da sich hier keine weiteren Spuren finden lassen, bringen die Serpentianer die Leiche des kleinen Salvus zum Stadthaus. Dort trennt sich Quintus von den anderen, um mit seiner alten Bekannten Neneh zu sprechen, die engen Kontakt mit Marga hatte.
Von Neneh erfährt er, daß einige merkwürdige Ägypter sich nach „dem Drachenblut“ erkundigt haben. Marga hätte in dieser Hinsicht ein paar Andeutungen gemacht und wäre schließlich verschwunden und später tot von Nenehs Leuten aufgefunden worden. Daß die Ägypter ein paar Straßenschläger angeheuert haben, ist ihr neu, aber sie verspricht Quintus, daß sie sich umhören wird. Auch sie ist interessiert daran, sich an Margas Mördern zu rächen. Ihr Berater Meno, der über magische Kräfte verfügt, warnt Quintus davor, daß bei großem Zorn der Drache in ihm erwachen könne. Der Ritter hält das nicht unbedingt für einen Nachteil.
In der Zwischenzeit melden sich Ramitep und Dáirine bei Gilad, um irgendwelche Mißverständnisse zu vermeiden. Bei dem Gespräch kommt unter anderem die Frage auf, wer denn am besten als neuer Herr von Abbas´ alter Bergfestung geeignet sei. Gilad ist nicht abgeneigt, Gwyn die Feste zu überlassen, aber Dashan wirkt nicht besonders begeistert. Immerhin ist Gwyn ja mit einer Tochter aus der rivalisierenden Familie der al-Azaeds verheiratet. Aber wenn der junge Mann einverstanden wäre, vielleicht seine Nichte Fayeda zur Frau zu nehmen….
Außer diesen politischen Verwicklungen erfahren die beiden Magier noch, daß zwei entfernte Bekannte der Familie ibn Usama aus Ägypten vor ein paar Tagen in Damaskus angekommen sind. Auch diese haben sich nach „Drachenblut“ erkundigt. Gilad hat sie zunächst – mit einigen seiner Wachen als Unterstützung – wieder weggeschickt, aber wie es scheint, hat sich Ramiteps Schwiegervater Malakei noch länger mit ihnen unterhalten.
Aber der kann auch nicht viel mehr erzählen. Immerhin waren diese Ägypter nicht tätowiert oder verschleiert, wie die anderen. Möglicherweise handelt es sich um feindliche Gruppen.
In der Nacht hat Sir Quintus ein paar sehr merkwürdige Träume, in denen er fliegen und Feuer speien kann. Am nächsten Morgen sieht er noch drachenhafter aus als sonst: Die Schuppenstruktur seiner Haut hat sich verstärkt, und die roten Augen glühen.
Ein Bote von Neneh berichtet, daß Zathera, einer von Margas Freunden und der Vater von Salvus, tot im Barada gefunden wurde. Auch der junge Mann wollte sich wegen der seltsamen Ägypter umhören. Aber die nächste Nachricht ist noch viel schlimmer: Quintus´ und Joannas Sohn Justus, der in Damaskus bei einem Baumeister in die Lehre geht, ist entführt worden. Sein Lehrmeister ist tot.
Nur wenige Stunden nach dieser Nachricht melden sich die Entführer: Sie wollen Justus gegen Quintus´ jüngste Tochter Bianca und Gwyn austauschen. Als Treffpunkt wird ein Ort in der Nähe des Friedhofs außerhalb der Stadt genannt, Zeit der Übergabe soll Mitternacht des übernächsten Tages sein.
Ramitep schickt eine Nachricht mit dieser Forderung an den Bund. Dort beschließt Dáirine, zusammen mit Pierre und Yudur nach Damaskus aufzubrechen. Sie wollen weder Bianca noch Gwyn mitnehmen und in Gefahr bringen, statt dessen wird Pierre als Gwyn getarnt und eine Puppe als Bianca. Farina al-Azaed erklärt sich bereit, beide in die Stadt zu fliegen, damit sie rechtzeitig dort eintreffen.
In den nächsten zwei Tagen schreitet Quintus´ Veränderung weiterhin fort: In der ersten Nacht entzündet er sogar im Traum sein Bett, und er und Joanna können den Flammen nur knapp entkommen. Es wird für Ramitep immer schwieriger, ihn mit Illusionen zu tarnen, zumal Sir Quintus ein Stück gewachsen ist und auch Muskelmasse zugelegt hat.
Ansonsten bleibt den besorgten Serpentianern nur das Warten: Sie finden keine neuen Spuren von der einen oder der anderen Gruppe der Ägypter. Am Abend vor der Übergabe bricht schließlich die ganze Gruppe zum vereinbarten Ort auf. Es handelt sich um ein karges kleines Tal zwischen zwei Schutthügeln. Am Endpunkt des Tals wächst ein toter Baum, an den Sir Quintus seine Tochter und Gwyn bringen sollte.
Er geht allein mit Pierre und der Illusion von Bianca dorthin. Dáirine und Yudur, Ramitep und Jochen, Colleen und Aella wollen die Umgebung beobachten und sich langsam auf die Hügelseiten vorarbeiten, um die Entführer und Mörder nach der Übergabe verfolgen zu können. Mateen ist unsichtbar und hält sich hinter der Hügelkuppe auf.
Als Quintus und Pierre an dem toten Baum ankommen, erscheint die durchscheinende Form eines kleinen Mädchens, das sie anweist, näher zu kommen. Unglücklicherweise ist der Geist des Kindes offenbar in der Lage, Illusionen zu durchschauen, denn als die beiden Männer an sie herantreten, ruft sie „Verrat!“. Daraufhin steht auf dem Hügel oberhalb des Baums eine Gestalt auf und erklärt Quintus, das Leben seines Sohns sei verwirkt. Es ertönt ein kurzer, abgehackter Schrei. Der Mann auf dem Hügel wirft mit nachlässiger Geste eine leblose Figur hinunter – es ist Justus. Seine Kehle ist durchtrennt, er ist tot.
In diesem Augenblick übermannt die Wut Quintus, und er beginnt, den Hügel hinaufzurennen, dicht gefolgt von Pierre. Mit dem Ritter geht eine rasend schnelle Verwandlung vor: Seine Gestalt wird größer, ein harter schwarzer Schuppenpanzer bedeckt seine Haut, und ihm wachsen ledrige schwarze Flügel. Innerhalb weniger Augenblicke hat sich Quintus in einen mächtigen schwarzen Drachen verwandelt, der sich in die Lüfte schwingt, um die Verfolger der Mörder aufzunehmen.
Auf der Kuppe des Hügels findet er den ersten und zerreißt ihn in kleine Fetzen. Colleen und Aella folgen ihm und Pierre, während Ramitep und Dáirine feststellen, daß sie nicht die einzigen Beobachter waren – noch zwei andere Gruppen haben sich auf den zerklüfteten Seiten des Tales versteckt und bewegen sich jetzt in Richtung Drache.
Danach überstürzen sich die Ereignisse: Mateen wird von Geistern angegriffen und schwer verletzt, Ramitep gerät bei dem Versuch, ihn zu heilen, ins Zwielicht, und Dáirine nimmt Kontakt mit den anderen Beobachtern auf. Offenbar handelt es sich bei ihnen um die Ägypter, die bei den Ibn Usamas vorgesprochen haben – zwei Magier, Neny und Khufu, und ihre Wachen. Sie verfolgen die Friedhofshexer schon seit längerer Zeit. Vor allem Khufu scheint ein sehr effektiver Kampfmagier zu sein.
Quintus, immer noch als Drache, erwischt den letzten Friedhofshexer und reißt ihn ebenfalls auseinander. Darüber ist Khufu nicht besonders glücklich, im Gegenteil. Offenbar genügt es nicht, den Körper eines Friedhofshexers zu zerstören, wenn man ihn völlig vernichten will.
Da Quintus sich nicht beruhigt, sondern in seiner Drachengestalt weiter herumtobt, tritt Colleen auf ihn zu und fordert ihn barsch auf, sich zu beherrschen. Einen Moment lang sieht es fast so aus, als wollte der schwarze Drache sich auf die unerschrockene Ritterin stürzen, aber dann kommt er zur Besinnung. Beide verlassen den Kampfplatz, und langsam wird Quintus wieder zu einem Menschen. Als sie bei der Leiche seines Sohnes ankommen, sinkt der Ritter auf die Knie und läßt seiner Trauer freien Lauf.
Als Ramitep aus dem Zwielicht zurückkehrt, unterhält er sich noch kurz mit Neny und Khufu, die seinen Lehrmeister zu kennen scheinen. Dennoch halten die beiden Ägypter sich mit Auskünften über ihre Herkunft und ihre Absichten sehr zurück – offenbar trauen sie den Serpentianern nicht so ganz. Sie geben allerdings zu, daß sie die Friedhofshexer in der Vorstadt angegriffen haben. Dabei ist ihnen auch Maura Ilana in die Hände gefallen, und sie sind bereit, das kleine Mädchen zurückzuschicken. Sie verabschieden sich mit dem Kommentar, man würde sich wahrscheinlich wiedersehen.
Schließlich kehren Quintus, Dáirine, Ramitep und die anderen nach Damaskus zurück. Dort gibt es noch kurze Verhandlungen mit Gilad, der sich in die Idee verliebt hat, Gwyn mit Dashans Nichte zu verheiraten und ihm dafür die Bergfeste zu schenken. Nach einem kurzen Gespräch setzt sich Gilad durch, und die Hochzeit der beiden soll schon im Sommer stattfinden. Quintus und Colleen sind an diesen Verhandlungen verständlicherweise nicht sonderlich interessiert. Nachdem Maura Ilana wohlbehalten bei ihnen angekommen ist, kehren sie mit Salvus´ und Justus´ Leichen in den Bund zurück, wo die beiden begraben werden. In der Ritterhalle leistet Quintus danach den feierlichen Eid, die Friedhofshexer zu bekämpfen, wo immer er kann, und sie ein für allemal auszurotten.

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Marganma

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