Serpentia

Ein ganz normaler Wald

Frühling 1185

Andrew, Nakatia, Athanasius, Alen

Endlich einmal soll nicht nur der Feenwald, sondern auch der normale Wald von Serpentia untersucht werden. Dazu brechen Nakatia und Andrew mit ihren Leibgrogs Athanasius und Alen auf. Da der Wald nicht allzu groß ist, rechnen die beiden nicht mit besonderen Problemen.
Nachdem Nakatia und Andrew den Wald fast zur Hälfte umrundet haben, entdeckt Alen an einem Baum, der am Rand des Forsts steht, ein Stück Rinde, das ein wenig vom Baum absteht. Neugierig geworden, zieht er daran und löst es damit vom Stamm ab. Unter der Rinde ist ein Zeichen angebracht, das Nakatia recht schnell als ein Bannsiegel erkennt, das unter anderem Geister oder Böses abhalten kann.
Bei einer genaueren Untersuchung der Gegend findet Alen dann auch noch eine seltsame Schnur, die von einem Baum herabhängt. Als er hochklettert, entdeckt er, daß der Faden zu einer Art Nest führt, in dem sich drei faulige Eier befinden. Da das Nest nicht magisch ist und auch sonst keinerlei Sinn zu erfüllen scheint – außer vielleicht ein schlechtes Omen zu sein – wird es zunächst in Ruhe gelassen.
In dieser Nacht warten die vier Gefährten im Schutz eines Bannzirkels gegen Geister, den Nakatia gezogen hat, auf das Erscheinen derer, gegen die die Rune am Baum gedacht sein muß. Sie werden allerdings enttäuscht: Außer der Tatsache, daß sich die Grogs schlafen legen und die Magier Wache halten, ereignet sich nichts Ungewöhnliches.
Am nächsten Tag jedoch stellen sie fest, daß die Bannrune kein Einzelfall ist, sondern daß an vielen Bäumen derartige Symbole angebracht sind. An einigen davon sind auch die merkwürdigen Nester zu finden. Offenbar sind die Siegel kreisförmig um das Herz des Waldes angelegt. An diesem Tag dringen die Magier und ihre Grogs noch nicht in diesen Bereich vor, sie wollen noch einmal die Nacht abwarten. Da aber auch diese ereignislos bleibt, beschließen Andrew und Nakatia am nächsten Morgen, den Bannkreis zu überschreiten.
Innerhalb des Kreises ist es unnatürlich still, es gibt keine Anzeichen für irgendwelche Tiere, die außen doch recht zahlreich waren. Als Alen schließlich zu einem Busch geht, um dort nach Nüssen zu suchen, tritt er versehentlich in einen Eichhörnchenkadaver, der aber sofort zu einer schleimigen, grünen Masse zerfällt, die pflanzlicher Natur zu sein scheint. Unter einigem Gemurmel von schlechten Omen dringen die vier tiefer in den Wald vor. Dabei finden sie noch weitere tote Tiere, die wie das Eichhörnchen zu grünem Schleim geworden sind.
Schließlich wird es dunkel, und die Gefährten schlagen ein Lager auf. Dabei werden sich von einem Wildschwein angegriffen, das Athanasius – in völliger Unkenntnis über die Stärke von Keilern – zunächst versucht mit bloßem Körpergewicht aufzuhalten. Mit Sicherheit wäre auch der recht hochgewachsene Grieche bei einer solchen Konfrontation schwer verwundet worden, wenn nicht der geistesgegenwärtige Alen ihn aus dem Gleichgewicht gebracht und Andrew den Keiler nicht in einer seiner Gruben gefangen hätte. Dort unten benimmt sich der Eber ziemlich merkwürdig und beginnt, immer und immer wieder gegen die vor ihm liegende Wand anzurennen.
Bevor sie dieses seltsame Verhalten näher untersuchen können, bemerkt Nakatia aus der vor ihnen liegenden Mitte des Waldes einen flackernden, schwachen Lichtschein. Als sich die vier allerdings anschleichen wollen, verlischt das Leuchten. Auch eine nähere Untersuchung des Ursprungs ergibt nichts, sodaß sie schließlich zum Lager zurückkehren müssen. Dort stellen sie fest, daß irgend jemand das Wildschwein aus seiner Grube befreit hat. Alen findet ein paar menschliche Spuren, die erst vor kurzem entstanden sein müssen. Da es allerdings in dieser Nacht zu dunkel ist, um die Fährte verfolgen zu können, wird diese Aufgabe auf den nächsten Tag verschoben.
Als es wieder hell genug ist, brechen die Gefährten auf. Die Spur ist mit Andrews Erdmagie recht leicht zu verfolgen, und schon bald erreichen die vier eine größere Lichtung, die nach der bis jetzt angefertigten Karte relativ genau im Zentrum des Waldes liegen müßte. In der Mitte der Lichtung erhebt sich kleiner Hain aus fünf mächtigen uralten Eichen, die wie stumme Wächter hier stehen. Der Boden an sich ist nicht bewachsen, vielmehr wirkt er wie gepflügt oder umgegraben. Die menschlichen Spuren verlieren sich in der Erde, als sei ihr Verursacher hier direkt im Boden versunken. Bei einer magischen Untersuchung können im Erdreich Spuren von menschlichen und tierischen Körpern gefunden werden. Außerdem ist der Boden mit Pflanzenmaterial vermischt wie ein frisch besätes Feld.
Was es damit auf sich hat, erfahren sie erst am Abend: Kaum ist die Sonne untergegangen, als aus dem Boden heraus statt Pflanzen Tiere wachsen – Wildschweine, Wölfe, Hirsche und unzählige Vögel. Vom Hain her nähert sich der kleinen Gruppe nun eine Person, die in Größe und Gestalt stark an Julius erinnert. Als der Mann näher kommt, sehen die Magi und ihre Grog, daß die Ähnlichkeit mit dem kleinwüchsigen Geist stärker ist, als sie zunächst vermutet hatten: Bis ins kleinste Detail ähnelt der Neuankömmling dem toten Magier. Hinter ihm im Hain ist eine zweite Person zu erahnen. Auch sie gleicht Julius in ihrem kleinen Wuchs. Der vordere Juliusabklatsch bedroht Nakatia und Andrew und behauptet, die Zeit der Rache sei nun gekommen. Auf seinen Ruf hin beginnen die erdgeborenen Tiere, die vier Serpentianer anzugreifen. Zwar kann Nakatia den eigenartigen Mann mit einem Bannspruch vertreiben, sein Gefährte aber wird von ihrem Zauber nicht betroffen. Die Flucht des falschen Julius hält aber die Tiere nicht davon ab, die Gefährten weiter zu bedrängen. Verfolgt von einigen Hirschen, Wildschweinen und Wölfen fliehen sie von der Lichtung auf ein paar Bäume.
Dort oben wirken die Magi einige recht uneffektive Zauber gegen ihre Angreifer, die von Tiermagie nicht betroffen werden können. Die ständig ausgelöste Magie fordert allerdings ihren Tribut: Nakatia verliert das Bewußtsein und muß nun von Athanasius gegen eine Schar erdgeborener Vögel verteidigt werden. Andrew findet zwar heraus, daß Pflanzenmagie den angreifenden Tieren schadet, bevor er aber dieses Wissen einsetzen kann, fällt er vom Baum, da er sich mehr auf seine Zauberkunst denn auf einen festen Sitz konzentriert hatte.
Als Alen das sieht, verläßt auch er seine Deckung und geht mit Andrew in den Nahkampf. Die beiden Männer schaffen es nach einer heftigen Schlacht auch tatsächlich, ihre Angreifer zurückzuschlagen, wobei aber auffällt, daß die erdgeborenen Tiere sehr viel leichter zu erschlagen sind als ihre entsprechenden natürlichen Vettern.
Schließlich fliehen die falschen Tiere. Als Andrew und Alen ihre Gegner verfolgen, treffen sie auf einige Trolle, die sich ziemlich wundern, was hier geschehen ist. Nachdem die beiden Menschen den Feenwesen klargemacht haben, daß nichts davon ihre Schuld ist, erfahren sie, daß dies hier der Pflanzplatz der Feen vom Goldenen Frühlingswald ist. Alles, was an einem Tag hier gesät wird, wächst bis zum nächsten Morgen zur vollen Reife heran, auch Tiere und sogar Menschen. Offenbar war es das, was von Nakatia vertrieben worden war: Ein hier gewachsener Mann. Anscheinend hat Julius´ Inkubus ihn gesät, um dem Bund ein paar kleine Ungelegenheiten zu bereiten. Der Erdgeborene ist allerdings vernichtet: Bei seiner Flucht lief er den Trollen in die Arme, die nicht lange gezögert haben, diese Abscheulichkeit von der Erde zu tilgen.
Die Schutzrunen um das Herz des Waldes sind ebenfalls von den Feen angebracht worden, um genau solche Wesen wie den Inkubus abzuhalten. Als jedoch Alen ein wenig von der Rinde, die die Bannzeichen bedeckte, abriß, brach der ganze Schutzkreis zusammen – wie vom Inkubus beabsichtigt.
Er war es auch wohl, der die seltsamen Vogelnester angebracht hatte: Ein Scherz, wie er auch für Julius typisch gewesen wäre, denn wenn man an einer der Schnüre zieht, fällt einem das ganze Nest samt fauligen Eiern auf den Kopf…
Um diesen Ort vor Mißbrauch besser zu schützen, wollen die Feen nun einen Wächter abstellen und verabschieden sich, da sie ihre Königin informieren müssen. Als die vier Menschen am nächsten Morgen noch einmal auf die Lichtung schauen, sehen sie im Hain sechs statt nur fünf Eichen stehen. Die sechste Eiche ist der von Fionnuala geschickte Wächter und sogar der menschlichen Zunge mächtig. So versichert sie Nakatia und Andrew, gut auf die Lichtung aufzupassen, damit hier nichts anderes als Pflanzen gesät werden.

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Marganma

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