Serpentia

Ende eines Gefallenen

Winter 1190

Dáirine, Alenka, Nakatia, Mesinga, Andrew, Alen, Colleen, Athanasius

Auf ihrer Patrouille in der Umgebung des Bundes machen zwei Grogs eine grausige Entdeckung: Sie finden ein fürchterlich verbranntes, schwer verwundetes Kind. Nach Serpentia zurückgekehrt, stellt Nakatia fest, daß der Junge mehrere, wie absichtlich zugefügte Knochenbrüche erlitten hat. Seine schweren Brandwunden weisen auf eine Begegnung mit einem Feuerball hin. Die Magierin bemüht sich verzweifelt, das sterbende Kind zu retten, was ihr nach vielen Stunden auch endlich gelingt – aber der Junge fällt in ein tiefes Koma.
Als Nakatia seinen Geist auf Hinweise untersucht, wie er so schwer verletzt worden ist, findet sie heraus, daß sich seine letzte Erinnerung auf eine Begegnung mit Alocar d´Alencon bezieht. Offenbar war er dem finsteren Magier in einer Höhle über den Weg gelaufen, wo dieser ihn dann grausam verwundete und für tot liegen ließ. Andrew, der davon hört, hat ein paar Zweifel an dieser Geschichte: Zwar wäre Alocar grausam genug für eine solche Untat, aber zum einen ist ein Feuerball nicht der Stil des ehemaligen Jerbiton, und zum anderen hätte er nie den Fehler gemacht, den Jungen am Leben zu lassen. Diese Umstände scheinen auf eine Falle hinzuweisen.
Dennoch beschließen Nakatia, Andrew und Dáirine, zusammen mit Colleen und ihren Leibgrogs zu der Stelle aufzubrechen, wo die Grogs den Jungen gefunden haben – allein schon um herauszufinden, was dort vor sich geht.
Kaum sind die Magier jedoch an jenem Berghang angekommen, der sich unweit von Serpentia befindet, und haben mit dem Anstieg begonnen, als sie auch schon von einigen Söldnern angegriffen werden. Allerdings gelingt es ihnen, die Gegner zu überwältigen, und so finden sie am oberen Ende des Hanges eine kleine Höhle vor. Im Inneren treffen sie auf Karl, einen Lehrling Alocars, der hier einen Schutzkreis gegen Dämonen gezogen hat. Neben diesem Schutzkreis findet sich noch eine zweite magische Einrichtung – ein Hermesportal, das nach Südfrankreich zu führen scheint. Sein Eingang wird durch den Kreis beschützt.
Nachdem die Magi den etwa achtzehnjährigen Karl beruhigt haben, der einige Angst vor ihnen zu haben scheint, erzählt er ihnen, daß er und sein Meister sich seit etlicher Zeit in der Gegend hier aufhalten, und daß Alocar wohl eine größere Sache vorbereitet. Der finstere Magier hatte die Söldner angeheuert, um den Durchgang zu schützen, und hat sich selber durch das Portal begeben. Von dem verletzten Jungen weiß Karl nichts, tatsächlich hält er es für unwahrscheinlich, daß Alocar ihn verletzt hat, da sich dieser die ganze Zeit in seiner Gesellschaft aufgehalten hatte. Auf die Bitte der Magi hin zeigt er ihnen auch die Hütte, in der er und sein Meister gelebt haben. Dort findet sich kein Hinweis auf das große Projekt, das Alocar plant; aber der Schutzkreis erlischt, als Karl ihn verläßt.
Da Andrew vermutet, daß Alocar nichts Gutes im Schilde führt, beschließt er, seinem ehemaligen Meister nach Frankreich zu folgen, und auch die anderen schließen sich an. So durchschreiten sie das Portal, wobei alle das Gefühl haben, von etwas Finsterem gestreift zu werden – vielleicht dem Wesen, das Karls Schutzkreis abhalten sollte?
In Frankreich angekommen, stellt Andrew fest, daß sie sich in der Nähe jenes kleinen Dorfes befinden, in dem Alocar seine Prüfung ablegte. Der Ort ist mittlerweile völlig ausgestorben und jetzt im Winter tief verschneit, aber in seiner Nähe können die Gefährten einen Feuerschein entdecken.
Dort angekommen sehen sie tatsächlich Alocar, der sich mitten in den Vorbereitungen zu einem größeren Ritual zu befinden scheint. Dazu gehört auch, daß er einen riesigen weißen Bären über einer Menge zugespitzter silberner Stäbe auf ein Gerüst gebunden hat, sodaß das Tier sich bei der geringsten Bewegung selber aufspießen würde. Andrew, Dáirine und Colleen meinen, in dem riesigen Bären Scathelock, den gestaltwandelnden Wikinger, zu erkennen. Um den Raum, den er für sein Ritual braucht, hat Alocar einen Schutzschirm gelegt, den die Gefährten nicht durchdringen können.
Andrew ruft seinen ehemaligen Meister an und bittet ihn, von seinem Vorhaben abzulassen. Alocar hingegen erklärt, daß er sich mit diesem Ritual endgültig von der dunklen Seite abwenden würde und fordert seinen Schüler auf, ihm zu helfen. Dieser lehnt natürlich ab, da er mit einer Opferung nichts zu tun haben will. Daraufhin bricht Alocar ihm den Arm und schleudert ihn von der Barriere weg. Dann wendet er sich wieder seinem Ritual zu.
Derweil versucht Nakatia, den Schutzschirm mit ihrer Magie zu durchdringen. Tatsächlich gelingt es ihr auch, eine etwa kopfgroße Lücke zu schaffen, durch die Colleen und Alen ihre Pfeile auf den gegnerischen Magier abschießen. Einer von ihnen trifft und durchbohrt Alocar, der zwar wankt, aber entschlossener denn je ist, sein Ritual durchzuführen. Aber Nakatia gelingt es, die Lücke zu vergrößern, wobei sie das Gefühl hat, daß da auch noch etwas anderes ist, das den Schirm schwächt. Schließlich bricht die Schutzbarriere zusammen. Nakatia kann sich nach dieser Anstrengung nur mühsam auf den Beinen halten.
Kaum ist der Schirm erloschen, als Alocar auch schon aufschreit und plötzlich zu Boden stürzt. Irgend etwas stimmt nicht mit ihm: Zwar sind seine Augen offen, aber sie sind leer und starren blicklos vor sich hin. Andrew, der zu ihm gestürzt ist, gelingt es nicht, irgendeine Reaktion von ihm zu bekommen.
Während sich der Großteil der Gefährten noch um Alocar oder Scathelock kümmert, entdeckt Alen eine Bewegung, die vom Dorf her kommt. Nach einiger Zeit kann er feststellen, daß es ein paar Leute sind, aber keine normalen Dorfbewohner: Sie sehen alle aus, als wären sie schon mehrere Jahre tot, was wahrscheinlich auch der Wahrheit entspricht. Angeführt werden die Zombies von einer blassen schönen Frau mit dunklen Haaren – die Andrew recht schnell als Elaine du Brac, Alocars Lehrmeisterin, erkennt.
Da Karl recht gut im Ziehen von Schutzkreisen ist, spricht er einen solchen Schirm gegen Untote aus. Keine Minute zu spät: Schon stehen die Zombies an dem Ritualplatz, und Elaine fordert die Lebenden auf, ihr ihren ehemaligen Lehrling und Mörder zu übergeben. Andrew jedoch weigert sich strikt, und auch die anderen sind nicht sonderlich erpicht darauf, mit der unheimlichen Gestalt einen Handel einzugehen. Elaine erweist sich als geduldig: Ihre Untoten können sicher länger warten als die Sterblichen.
Da auf Alocar ein Iter Magorum ausgesprochen wurde, bittet Andrew schließlich Nakatia, den gefallenen Magus zu töten – er selbst könne es nicht. Die Magierin ist dazu durchaus bereit, aber als sie ihr Messer zückt, um Alocar die Kehle durchzuschneiden, erscheint plötzlich eine schemenhafte Gestalt, die den Bewegungslosen von Nakatia weg auf die Untoten zu schleppt – offensichtlich ein Dämon. Zwar können die Gefährten verhindern, daß Alocars Körper aus dem Kreis geschleppt wird, aber in dem Moment löst sich ein kleiner weißer Funke, von Dunkelheit umhüllt, aus seinem Körper und fliegt geradewegs auf Elaine zu.
Bevor sie ihn jedoch auffangen kann, springt Andrew aus dem Schutzkreis und greift die Untote nur mit einem Kreuz bewaffnet an. Obwohl sie ihn verwundet, erweist er sich als stärker: Die Berührung mit dem christlichen Symbol zerstört die Untote. Der kleine helle Funke entfernt sich schnell von dem Ort, an dem die Gefährten immer noch gegen die Dorf-Zombies kämpfen. Da diese aber für Nakatias Zerstörungssprüche anfällig sind und mit dem Tod ihrer Anführerin ihren Kampfeswillen verloren haben, ist ihr Ende sehr schnell gekommen – tatsächlich haben sie sowenig Chancen in diesem Kampf, daß Nakatia ihre Leibgroga Mesinga hinter dem Seelenfunken herschickt.
Die stumme Schwarze folgt dem Funken eine ganze Weile, bis sie schließlich – weit von den anderen entfernt – beobachten muß, wie sich vor dem Funken eine wirbelnde Schwärze auftut und ihn verschlingt. Zurück bleibt nur ein Hauch von Schwefel im Schnee.
Auch Andrew ist dem Funken trotz seiner Wunden hinterhergelaufen, gefolgt von Dáirine. Als er an der Stelle ankommt, wo Alocars Seele – wie er vermutet – verschwunden ist, sinkt er in sich zusammen und beginnt zu beten. Dáirine versucht zwar, ihn zu trösten, aber er möchte lieber allein sein.
Bei dem Ritualkreis hat sich mittlerweile Nakatia um den durch die Silberstäbe verletzten Scathelock gekümmert, der wahrscheinlich überleben wird, wenn er auch noch Hilfe braucht. Außerdem hat sie den leblosen Körper von Alocar nun endgültig getötet.
Der Tod des gefallenen Magiers hat eigentümliche Erderschütterungen in der gesamten Umgebung des Dorfes zur Folge – auch bei dem Berg, in dem sich das Hermesportal befindet. Schnell ruft Nakatia alle zusammen und läßt auch Andrew und Dáirine holen, sodaß die Gefährten fast im letzten Moment wieder in die Levante zurückkehren.
Dort ziehen sie sich – da alle recht erschöpft sind und Scathelock nicht gut transportiert werden kann – in Alocars Hütte zurück. Andrew, der lieber allein sein möchte, um mit sich ins Reine zu kommen, nimmt sein Pferd und reitet in die Wüste hinaus. Dáirine, die sich große Sorgen zu machen scheint, bleibt die ganze Nacht wach und wartet auf ihn. Dabei unterschätzt sie die Kälte einer winterlichen Wüstennacht: Als Andrew sie bei seiner Rückkehr am nächsten Morgen vorfindet, ist sie völlig durchgefroren und kaum ansprechbar. Nakatia, die sie untersucht, stellt entsetzt fest, daß einige ihrer Zehen so böse erfroren sind, daß sie sie abnehmen muß.
So kehren die Gefährten am nächsten Morgen mit zwei Verletzten und Karl in den Bund zurück. Der Lehrling möchte zunächst in Serpentia bleiben, was ihm auch erlaubt wird.
Die beiden Verwundeten erholen sich nach einiger Bettruhe wieder, wobei Scathelock das erste Mal klar wird, daß er ein Werwesen ist. Er betrachtet dies als Fluch, da er damals das Auge Odins verloren hatte. Auch jetzt war es ihm nicht gelungen, es zurückzuerobern, denn in dem Moment, als das Ritual unterbrochen wurde, verschwand das Kleinod vor den Augen der Anwesenden. Scathelock beschließt, nach seiner Genesung weiter durch die Welt zu wandern, in der Hoffnung, den Fluch loszuwerden.
Da Alen geistesgegenwärtig genug war, den Text einzupacken, den Alocar bei sich trug, können Andrew und Nakatia im Nachhinein feststellen, um was für eine Art Ritual es sich eigentlich gehandelt hat: Offenbar ging es Alocar darum, ein Tor in der Zeit zu öffnen, um in die Vergangenheit zu reisen. Andrew ist überzeugt, daß er zu dem Punkt wollte, als Michelle noch lebte und er sich noch nicht einem Dämon verschworen hatte, um von dort aus sein Leben noch einmal zu beginnen.
Da Nakatia das Schicksal des kleinen Jungen, mit dem alles angefangen hat, stark interessiert, beschäftigt sie sich weiterhin mit ihm. Obwohl seine Wunden gut heilen, erwacht er nicht mehr aus dem Koma. Schließlich stellt sie fest, daß ein Zauber auf dem Kind liegt, der für die Erinnerungen an Alocars angebliche Angriffe verantwortlich ist, und der dafür sorgt, daß sich diese Erinnerungen wie eine Schleife immer wiederholen. Solange diese Schleife nicht unterbrochen werden kann, wird der Junge nicht mehr aufwachen. Nakatia beschließt, sich eingehender damit zu beschäftigen…

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Marganma

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