Serpentia

Frühling 1187 - Bundleben

Nakatia, Quintus und die anderen kehren von ihrer langen Reise endlich zurück. Da es ihnen gelungen ist, den Silberschlüssel zu finden, können nun weitere Türen des Bundes geöffnet werden. Dahinter entdecken sie außer dem letzten Teil der Bibliothek auch noch sechs vollständig eingerichtete Labore, darunter auch das von Crenna. Dort können die Magier einen großen Schatz bergen: Die alte Chronik von Serpentia. Zwar ist auch hier nichts genaues über den Grund der Zerstörung des alten Bundes zu finden, aber Terminus hofft, dennoch einige wichtige Informationen zu erhalten. Dazu überläßt er die insgesamt fünfundzwanzig Bücher Nicodemus, da er nicht die Zeit hat, alle zu lesen.
*

Vater Heimeran, der Dorfpriester, ist nach langem Überlegen und sorgfältiger Beobachtung endlich zu der Überzeugung gelangt, daß Andrew entgegen aller Anschuldigungen kein Diener der Finsteren Mächte sein kann. Damit ergibt sich nun allerdings das Problem, daß der Engländer immer noch exkommuniziert ist, obwohl eigentlich keine Gründe mehr dafür vorliegen. Dennoch möchte Heimeran ihn nicht nach Jerusalem zum Patriarchen schicken, da dies wahrscheinlich einem Todesurteil gleichkommen würde.
Schließlich verfällt der findige Priester auf eine andere Strategie: Da Andrew ja eigentlich nicht wirklich mit Mentalia verheiratet gewesen sein kann – schließlich lebte zum Zeitpunkt der Eheschließung seine wahre Gemahlin Melisende ja noch – war er auch nicht für die Taufe seiner strenggenommen unehelichen Kinder in dem Maße verantwortlich, daß eine Exkommunikation für eine derartige Verfehlung als Strafe angemessen wäre. Da die Exkommunikation damit unrechtmäßig ist, besteht sie eigentlich gar nicht. Andrew war nie wirklich aus der Kirche ausgestoßen, der Herr hat es nur für richtig befunden, ihn eine Weile in diesem Glauben zu lassen.
Zwar ist sich der Jerbiton nicht sicher, ob viele der Kirchenherren diese Interpretation gelten lassen würden, andererseits ist er natürlich froh, seinen Bann auf diese Art und Weise loszuwerden.
Um sicherzugehen, daß seine Vorgehensweise richtig ist, will Heimeran je einen Brief über diese Angelegenheit an den Patriarchen von Jerusalem und den Papst schreiben. Diese Briefe schickt er dann über den erstbesten Boten, den er auf dem Markt von Damaskus trifft. Sollten die Schreiben in dem von Kriegsvorbereitungen unruhig gewordenen Land verloren gehen – nun, dann ist es wohl der Wille des Herrn …
Nach vielen Jahren kann Andrew nun endlich wieder zur Beichte gehen. Da er sich erst nach seiner Exkommunikation wieder an einige der Dinge, die er als Alocars Lehrling zu tun gezwungen wurde, erinnern konnte, dauert das Gespräch zwischen ihm und dem Priester mehrere Stunden. Schließlich erlegt Heimeran ihm als Buße auf, zu Fuß, ohne Waffen oder den Einsatz von Magie nach Santiago de Compostela zu pilgern und dort am Grab des Heiligen Jakob zu beten. Der Engländer beschließt, so bald wie möglich aufzubrechen. Er möchte diese Pilgerreise allein begehen, sogar seinen Leibgrog Alen läßt er im Bund zurück.
*
Eines Nachmittags herrscht großes Geschrei im Hof des Bundes: Offensichtlich haben sich die Kinder der Magier, Consortis und Grogs über etwas heftig gestritten, und jetzt ist der Streit in eine handfeste Prügelei ausgeartet. Als die Erwachsenen aber dazwischengehen, um die Kampfhähne zu trennen, müssen sie feststellen, daß eine Partei der Kinder der anderen zahlenmäßig stark unterlegen waren: So schlugen sich Paddy, Bina, Richard und Peregrina mit etwas zehn anderen herum, darunter auch Shirley, Sine, Nynaeve, Gwyn, Uther, Justus und Lucas.
Nach etlichem Hin und Her können Nakatia, die die Kinder verarztet, Sean, Llwellyn und Frederik herausfinden, was eigentlich los war: Offenbar hat Vanessa, Seans Tochter, damit angefangen, Alexander beleidigende Fragen über seinen Vater Gerwald zu stellen. Dabei hat sie angedeutet, der Stallknecht könne möglicherweise ein Dämonist sein – schließlich ist er in all den Jahren, die er schon in Serpentia lebt, kein bißchen gealtert und sieht immer noch aus wie knapp zwanzig. Außerdem hat er ja schließlich die ermordete Maureen gefunden und ähnliche Argumente mehr. Vanessa war wohl recht überzeugend, vor allem als sich ihre Schwester, die wunderhübsche Shirley, auf ihre Seite stellte. Damit waren fast alle Jungen des Bundes für die Idee gewonnen, Alexander eine Abreibung zu verpassen. Aber Bina, Paddy, Richard und Peregrina stellten sich dagegen, und so kam es zu einer großen Rauferei…
Obwohl die Magier den Streit der Kinder und Vanessas Hetze kaum billigen können (zumal die Kleine während der Schlägerei fröhlich lächelnd daneben stand), müssen sie sich doch eingestehen, daß Gerwalds Alterslosigkeit ziemlich seltsam ist. Also beschließen sie, herauszufinden, was mit dem Stallknecht eigentlich los ist. Zunächst spricht Terminus seinen Dämonenvernichtungsspruch auf ihn, was allerdings keinen Effekt hat. Dann versucht Frederik seine Gedanken zu lesen, nur um festzustellen, daß Gerwald augenscheinlich keine hat. Auch Ephangelia kann ihnen nicht weiterhelfen: Sie weiß nicht einmal, aus welchem Land ihr Ehemann stammt.
Bei genaueren Nachforschungen finden die Magi heraus, daß Gerwald wohl in Sankt Corona zu der ersten Gruppe von Grogs gestoßen ist, die von Al-Arama nach Serpentia geschickt wurde: Elsa, Myra, Germaine und einige andere. Deren Packpferd lahmte zu dieser Zeit, und da Gerwald es ohne Schwierigkeiten kurieren konnte, nahm ihn die Truppe eben mit. Wo genau er vorher herkam, läßt sich nicht feststellen: Die Dörfler von Sankt Corona sagen, daß er wohl aus der Wüste Richtung Damaskus kam, bei seiner Ankunft aber weder geschwitzt habe noch sonderlich durstig gewesen sei – obwohl er augenscheinlich kein Gepäck dabei gehabt hatte.
Schließlich kommen die Magier auf die Idee, Gerwald exorzieren zu lassen – er könnte von etwas Dämonischem oder einer Fee besessen sein. Dazu rufen sie Joscelin herbei und bringen den Stallknecht unter dessen lautem Geschimpfe in die Kirche. Die heilige Aura scheint ihn nicht zu stören. Als der junge Salomoniter den Exorzismus beginnt, geschieht gar nichts, außer daß Gerwald beginnt, Joscelin auf seine übliche dezente Art und Weise zu beleidigen, wobei der sonst so friedfertige und sanftmütige Tempelritter beinahe seine Beherrschung verliert. Bei einem späteren „Gespräch“ mit Vater Heimeran fängt sich der Stallknecht sogar ein blaues Auge ein.
Bei der folgenden Besprechung sind die Magier ziemlich ratlos. Es gibt ziemlich viele Thesen, darunter aber nichts wirklich überzeugendes. Gerwald könnte eine Illusion sein, oder von einem starken Dämon oder einer mächtigen Fee besessen. Er könnte selbst dämonischer oder feenhafter Natur sein. Möglicherweise ist sein Geist von seinem Körper getrennt, und beide sind nur durch die Seele noch verbunden, die mit hermetischer Magie nicht faßbar ist. Unter Umständen, so Frederik, war auch das lahme Packpferd in Wirklichkeit eine Fee, die sich einen Diener erschuf, der ihr Leid lindern sollte. Oder Gerwald könnte die Projektion einer pandimensionalen Wesenheit sein oder von jenseits der lunaren Sphäre stammen …
Schließlich, am Abend nach diesem doch recht umtriebigen Tag, ziehen dunkle Wolken über dem Bund auf und ein reinigendes Gewitter bricht los. Schwerer Regen prasselt auf den Bund hernieder, und immer wieder zucken gleißende Blitze auf, denen sofort ohrenbetäubender Donner folgt.
Frederiks Tochter Peregrina und Andrews Sohn Lucas, Auricas Kinder, fühlen sich ins Freie gezogen und genießen augenscheinlich die Nässe und den Lärm. Cyriano geht es anders: Der junge Spanier haßt und fürchtet Gewitter abgrundtief. Aber Nakatia steht ihm in dieser Nacht bei, und so vertieft sich die Freundschaft zwischen den beiden Magiern.
Julius macht auf dem Dach des Bundes eine erstaunliche Entdeckung: Hier oben sind die anderen Geister zusammengekommen und haben offenbar Spaß daran, sich von den zuckenden Blitzen treffen zu lassen. Maeve erklärt ihm, daß sie dadurch an Substanz gewinnen, und tatsächlich erscheinen die Geister Frederik, der das Spektakel beobachtet, sehr viel realer und weniger durchscheinend. Zögernd läßt sich Julius überreden, das Spiel mitzumachen – immerhin ist er durch Blitzschläge ums Leben gekommen – und siehe da: Es funktioniert auch bei ihm! Terminus ist etwas entsetzt, als er kurz darauf den fast vollständig substantiellen Julius in der Bibliothek vorfindet…
Allerdings hält dieser Zustand nicht allzu lange vor – nur bis zum nächsten Neumond. Glücklicherweise, wie einige der Magi meinen. Das Gewitter selbst flaut gegen Morgen ab, und der folgende Tag zeichnet sich durch so schönes Wetter aus, wie es die Einwohner des Tals noch nie gesehen haben …
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Terminus ist immer noch verärgert und enttäuscht, weil keiner der Magier, die an der Verzauberung des Stabes mitgewirkt haben, ihm die Wahrheit darüber gesagt hat. Außerdem ist jetzt nur noch wütender auf Nakatia, da er schon lange das Gefühl hat, daß sie ihm ihren gemeinsamen Sohn Connor Kerid entfremden will. Um sich einmal auszusprechen, nimmt er nach kurzem Überlegen ein Pferd und setzt auf der Karawanenstraße Andrew hinterher, den er schon nach kurzer Zeit einholt.
Die beiden Männer führen ein langes Gespräch über Frauen, Kinder, Verantwortung und Humor, und schließlich kehrt Terminus wieder in den Bund zurück. Er ist zwar nun etwas ruhiger, aber dennoch kaum zugänglicher…
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Aladin bricht mit einigen Söldnern auf, um die Schwester des Sultans Saladin aus den Händen des christlichen Räubers Rainald de Chatillon zu retten. Dies gelingt ihm auch, und dabei lernt er die schöne indische Prinzessin Damayanti kennen, die ebenfalls in Kerak gefangengehalten wurde. Er verliebt sich auf der Rückreise in sie, und schon bald wird sie seine dritte Frau…

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Marganma

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