Serpentia

Frühling 1196 - Der Schutzengel

In letzter Zeit stellt Henry fest, daß seine Frau Myra immer erstaunlich gute Laune hat. Zunächst kann er nicht herausfinden, weshalb, aber dann wacht er eines Nachts auf und stellt fest, daß seine alte Kraft und Gelenkigkeit wieder völlig hergestellt ist, er aber immer noch aussieht wie ein alter Mann. Neben ihm im Bett liegt eine Nachricht von seiner Frau, die besagt, daß sie im Wald sei, um seine Jugend zurückzuholen. Myra selbst ist nicht da, und auch Llwellyn, der älteste Sohn des Paares, fehlt.
Beunruhigt macht sich Henry auf, um die beiden zu suchen. Dabei wird er von Alenka, Patrick und Mesinga begleitet. Als sie gerade den Bund verlassen wollen, begegnen sie im Hof Ephangelia, die ihren Ehemann Gerwald sucht. Sie berichtet, daß sie gerade zum Stall wollte, um ihn zum Abendessen zu holen, als sie von hinten niedergeschlagen wurde. Als sie wieder aufwachte, fand sie im Stall Spuren eines Kampfes.
Da es immerhin möglich ist, daß Myra Gerwald entführt hat – die Torwache berichtet, sie habe einen großen Sack bei sich gehabt, als sie vor ein paar Stunden mit Llwellyn den Bund verließ -, begleitet Ephangelia Henry und die anderen in den Wald. Dort müssen sie nicht lange suchen: Deutlich hört man einen Singsang, der für Myras Verhältnisse erstaunlich melodisch ist. Als sie näher kommen, stellen Henry und Mesinga fest, daß der Gesang irgendwie dämonisch klingt. Daraufhin hält Henry nichts mehr: Er stürmt in Richtung des Singens los, gefolgt von Ephangelia, Patrick und Alenka. Mesinga beschließt, lieber den Magiern des Bundes Bescheid zu sagen, und eilt zurück.
Schließlich erreichen Henry und die anderen den Ursprung des Gesangs: Auf einer kleinen Lichtung brennt ein riesiges Feuer. Am Rand stehen Llwellyn und Alexander, der Sohn von Gerwald und Ephangelia. Während jedoch Llwellyn verängstigt aussieht, spielt um Alexanders Lippen ein höhnisches Lächeln. Direkt vor dem Feuer ringen Myra und Gerwald miteinander, in Myras Hand blitzt ein Dolch auf. Durch das Eingreifen von Henry und den anderen kann jedoch vermieden werden, daß beiden etwas zustößt, wenn auch Gerwald leicht verletzt wird. Als Henry seine Frau fragt, was sie sich bei der ganzen Angelegenheit eigentlich gedacht habe, erklärt diese, sie hätte ihm seine Jugend und Kraft wiedergeben wollen. Wie dies zu bewerkstelligen sei, hätte ihr ein schöner bunter Vogel verraten: Um Henrys unnatürliches Alter aufzuheben, sei es nötig, jemanden mit unnatürlicher Jugend zu töten – Gerwald zum Beispiel. Und genau das hätte sie jetzt eben versucht, zumal der Vogel auch noch behauptet hat, Gerwalds Jugend wäre das Ergebnis von infernalen Einflüssen und der Stallknecht habe dafür irgendwelche Kinder geopfert…
Mittlerweile hat Mesinga im Bund Andrew geweckt und ihn von der ganzen Angelegenheit unterrichtet. Der Magier beschließt, mit Alen und ihr in den Wald zurückzukehren, gibt aber vorher noch einem etwas verschlafenen Frederik Bescheid.
Unterwegs begegnen die drei schon Henry, Myra, Alenka, Gerwald und Llwellyn, die auf dem Rückweg zu Bund sind. Patrick ist zurückgeblieben, um das Feuer zu löschen, und Ephangelia sucht noch nach ihrem Sohn, der während des Kampfes verschwunden ist. Andrew beschließt, eigentlich überhaupt keinen der Beteiligten im Bund haben zu wollen – schließlich war irgend etwas Dämonisches an der ganzen Sache beteiligt – und schickt die Gruppe zum Salomoniterkloster nach Secundus. Dann macht er sich auf die Suche nach Patrick und Ephangelia, die er und Alen auch schnell finden. Alexander ist nicht wieder aufgetaucht, aber als Ephangelia im Bund nachschaut, liegt der junge Mann in seinem Bett und schläft friedlich. Er behauptet, nachdem er geweckt worden ist, in dieser Nacht nicht im Wald gewesen zu sein, und versteht die ganze Aufregung nicht.
Nachdem er wieder schlafen geschickt wurde, machen sich auch Andrew, Alen, Ephangelia und Patrick zum Kloster auf. Dort ist Gerwald mittlerweile verarztet worden. Brendan of Lydney segnet gerade Henry, den seine neugewonnene Jugend prompt wieder verläßt – sehr zu Myras Enttäuschung.
Eine genauere Befragung durch Andrew ergibt, daß Henrys Frau den bunten Vogel wohl schon länger kannte. Er hatte ihr erzählt, daß er der verwandelte Schutzengel des Tales sei, und daß sie Stillschweigen über ihn bewahren müsse, wenn sie ihn erlösen wolle. Außerdem habe er ihr das Ritual beigebracht, daß sie braucht, um ihren Ehemann von dem unnatürlichen Alter zu erlösen…
Schließlich legen sie gegen Morgen alle schlafen – alle außer Myra, die noch über ihren jetzt wieder schwachen Ehemann gewacht hat. Als sie merkt, daß sie die einzige ist, die noch wach ist, schleicht sie in Gerwalds Zimmer, um ihn dort endgültig zu ermorden – schließlich hält sie ihn immer noch für einen Dämonisten. Zwar gelingt es ihr, dem Schlafenden einen Dolch in die Rippen zu rammen, dabei erwacht jedoch Ephangelia, die laut um Hilfe schreit und Myra ihrerseits angreift. Dieser gelingt zwar die Flucht aus dem Zimmer, aber auf dem Flur wird sie von Alen gestellt. Bei dem Versuch, sie mit dem Schwertknauf zu betäuben, schlägt er jedoch zu heftig zu: Mit einem leisen Knacken bricht Myras Genick und sie sinkt tot zu Boden.
Während sich Brendan und andere Heilkundige bemühen, Gerwalds Leben zu retten, verläßt Alen das Kloster, um unter freiem Himmel über den unglücklichen Ausgang des Kampfes nachzugrübeln…
Am nächsten Morgen will Frederik die restlichen Magier zusammenrufen, um sie über das zu unterrichten, was Andrew ihm in der Nacht zuvor gesagt hatte. Dabei jedoch kommt es zu ziemlichem Chaos: Der Diener, der Dáirine wecken soll, behauptet, es stünde ein Dämonenangriff bevor, um sie wach zu bekommen. Durch eine Verkettung von Mißverständnissen kommt es zu einem allgemeinen Alarm im Bund, und auch Andrew und die anderen werden von einem Angriff unterrichtet (dies geht auf einen verfehlten Gedankenübermittlungsspruch zurück). Bis all diese Mißverständnisse aufgeklärt sind und die Magier eine Sitzung abhalten können, ist es schließlich Nachmittag.
Nachdem Andrew berichtet hat, was in der Nacht vorgefallen ist, beschließt der Rat, Gerwald unter Beobachtung zu halten. Schließlich wird der Verdacht geäußert, der Stallknecht könne immerhin der verschwundene Schutzengel des Tals sein. Einige der Fakten sprechen dafür: Dieser Angriff der Dämonen weist ebenfalls darauf hin. Es wird beschlossen, nach Gerwalds Genesung zwei Dinge zu unternehmen: Zuerst werden die Magier versuchen, ihn auf die Suche nach dem Schutzengel zu schicken (schließlich hat Gerwald bisher auch alles gefunden, was er suchen sollte). Danach werden sie ihn einfach fragen, ob er selbst der Schutzengel sei.
Henry verläßt den Bund nach diesen Ereignissen für ein paar Tage. Seine beiden Söhne nimmt er mit. Erst nach seiner Rückkehr kann geklärt werden, was Alexander bei dem Ritualplatz verloren hatte: Der neunjährige Llwellyn erinnnert sich, daß der bunte Vogel sich in ein Abbild von Ephangelias Sohn verwandelt hat….

*
Ein paar Wochen nach seiner Verwundung ist Gerwald vollständig genesen, und die Magier beschließen, ihm die entsprechenden Fragen zu stellen.
Der Versuch, ihn auf die Suche nach dem Schutzengel zu schicken, bleibt ergebnislos: Nur die üblichen höhnischen Bemerkungen müssen sie sich anhören. Aber bei der Frage: „Bist du der Schutzengel des Tales?“ erhebt sich Gerwald, ein Strahlen geht über sein Gesicht und er antwortet klar und deutlich: „Ja, natürlich.“ Aber die Antwort wäre nicht notwendig gewesen: Mit dem Glanz, der nun über seinen Zügen und seiner Gestalt liegt, hätte niemand mehr ihn für einen gewöhnlichen Menschen gehalten. Bevor er jedoch den Magiern die Antworten auf ihre brennenden Fragen gibt, will er zunächst mit zwei anderen Menschen sprechen – Ephangelia und Alexander. All dies vermittelt er den Magiern in völlig klarer Sprache, und später, als er mit dem Rat spricht, stellt sich auch der Grund für seine vorherige Redeweise heraus:
Derjenige, den alle jahrelang als Gerwald kannten, ist in Wahrheit der Engel Yeriel, der Schutzengel des Tales. Früher, zur Zeit der alten Magier, wurde er durch seine Freundschaft mit ihnen näher und näher in diese Welt gezogen und dadurch mehr und mehr ein Teil von ihr. So stark war seine Bindung an die alten Serpentianer, daß er damals mit ihnen loszog, um ihren letzten Feind zu bekämpfen. Der Kampf war hart und auch für den Gegner sehr verlustreich, doch letzten Endes unterlagen sie. Yeriels Bindung an diese Welt wurde ihm nun zum Verhängnis: Die Dämonen konnten ihn gefangennehmen und an einen menschlichen Körper binden. Danach belegten sie ihn noch mit einem Fluch, daß er in jeder Situation immer genau das Falsche sagen würde und ließen ihn gehen. Niemand, so dachten sie wohl, würde den Engel in der menschlichen Hülle entdecken…
Yeriel wird in dem Tal bleiben. Allerdings kann auch er den Magiern nicht über den letzten Feind erzählen, solange sie nicht durch das Ritual geschützt sind…

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Marganma

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