Serpentia

Frühling und Sommer 1188 - Bundleben

Frühling 1188

Am Anfang des Jahres trifft ein junger Mann bei Aladin ein: Er nennt sich Bernward Ex Bonisagus und behauptet, ein Sohn von Julius zu sein. Er ist auf der Suche nach Geschichten über seinen Vater und kommt deshalb zu dem Bund, in dem dieser bis zu seinem Tod lebte. Aladin übergibt ihn an Llwellyn, der gerade in Damaskus ist, um Whisky zu verkaufen. Der Ex Miscellania erfährt von dem jungen Deutschen, daß seine Mutter selbst ein Lehrling war, als sie von Julius geschwängert wurde. Aber irgend etwas lief schief: So wurde Bernward zwar mit der Gabe geboren, aber seine Mutter war von diesem Zeitpunkt an eine gewöhnliche Sterbliche. An dieser seltsamen Entwicklung interessiert, begann die Bonisagus Menacra, Julius´ Sohn schon von seinem fünften Lebensjahr an auszubilden.Sie hatte es offenbar ziemlich eilig, denn schon 12 Jahre später beendete Bernward seine Ausbildung. Jetzt ist er achtzehn und ein vollwertiger Magus. So wird er als Teilmitglied in den Bund aufgenommen.
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Auf dem Rückweg seiner Pilgerreise macht Andrew noch einmal in Valnastium Station, um ein paar mehr Informationen über seinen Lehrmeister zu erhalten. In dem Domus Magna Jerbiton wird er von Scelarius empfangen, einem schon recht alten und leicht senilen Magier, der sich nichtsdestotrotz als sehr freundlich und hilfsbereit herausstellt. Zwar weiß er wenig mehr über Alocar, als daß dieser in Vista Maris ausgebildet wurde, kann aber einiges über dessen Lehrmeisterin Elaine du Brac erzählen. Nach diesen Informationen war sie recht grausam zu ihrem Lehrling und verweigerte ihm jahrelang das Siegel. Sie hat wohl auch andere Magi ausgebildet, und alle von ihnen wie auch sie selbst hatten ein untrügliches Gespür für politische Gelegenheiten. Sie und auch die anderen Lehrlinge sind offensichtlich lange schon nicht mehr in Erscheinung getreten.
Zusätzlich zu diesen Informationen bietet Scelarius Andrew an, ein neuartiges, von ihm entwickeltes Ritual zu erproben, daß den Geist eines Menschen in eine Szene der Vergangenheit versetzt und ihn die damaligen Geschehnisse miterleben läßt. Obwohl Andrew etwas skeptisch ist, stimmt er zu, den Versuch zu wagen.
Das Experiment gelingt tatsächlich, und der Jerbiton findet sich in einem leeren Dorf in der Nähe eines Gebirges wieder. Dort erlebt er mit, ohne selbst eingreifen zu können, welche Auflage Elaine du Brac Alocar bei seiner Prüfung stellt: Er soll ein halbes Dutzend Säuglinge ermorden, um sein Siegel zu erhalten. Aber er weigert sich, und es kommt zu einer magischen Auseinandersetzung, die Elaine leicht gewinnt. Dann jedoch, als sie sich triumphierend über ihren verletzten Lehrling beugt, zieht dieser einen verborgenen Dolch und stößt ihn ihr mitten in den Leib. Dann nimmt er der tödlich Verwundeten sein Siegel ab und verläßt mit den hilflosen Säuglingen das Dorf, während Elaine in der entweihten Kirche, wo alles stattfand, stirbt.
Scelarius ist mit dem Ausgang sehr zufrieden, da er jetzt seine Forschung über diesen Spruch abschließen und sich einer neuen Arbeit widmen kann. Auch Andrew ist froh, daß er diese Gelegenheit genutzt hat, um mehr über Alocar zu erfahren. Er beschließt, noch von Valnastium aus einen Brief an Vista Maris zu schreiben, um von dort vielleicht neue Informationen zu erhalten.
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Terminus erforscht eines der Artefakte, die die Magier des alten Bundes zurückgelassen haben – eine weiße Schreibfeder. Er stellt fest, daß sie zweierlei Fähigkeiten hat: Zum einen kann sie den Aufenthaltsort einer Person bestimmen, in dem sie eine Karte zeichnet, auf der angegeben ist, wo sich diese Person befindet. Dazu allerdings muß man eine arkane Verbindung des Gesuchten besitzen und sie mit eben dieser Feder so gut wie möglich beschreiben. Je besser diese Beschreibung ausfällt, desto besser und genauer ist auch die Skizze. Zum anderen ist die Feder in der Lage, das Porträt eines Menschen oder Tieres zu zeichnen, wenn man mit einer entsprechenden arkanen Verbindung wie oben beschrieben verfährt. Uther hilft ihm bei seinen Versuchen.
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Als Andrew wieder im Bund ankommt, bespricht er sich mit Llwellyn. Er hat festgestellt, daß es offenbar in und um Serpentia ein paar Leute gibt, die so ihre Probleme haben und um die man sich ja schon lange einmal kümmern wollte, aber irgendwie nie dazu kam. Die beiden Magier beschließen, in dieser Hinsicht etwas aktiver zu werden.
Zuerst beschäftigen sie sich mit Ephgenia, der von Llwellyn aus Versehen geblendeten Groga. Nach einigem Nachdenken stellen die beiden Magier fest, daß sie tatsächlich einen entsprechenden Spruch in der Bibliothek stehen haben, und auch das für die Heilung benötigte Vis ist vorhanden. So kann Andrew Ephgenia nach drei Jahren endlich von ihrer Blindheit heilen. Die Dankbarkeit der Griechin führt nur dazu, daß die ganze Sache den beiden noch peinlicher ist.
Danach wenden sie sich Marian, dem geistig verwirrten Mädchen aus Tripolis, zu. Bei einer Befragung ihres Bruders Thomas erfahren sie, daß vor etwa neun Jahren ein paar Kerle versucht hatten, die damals Zwölfjährige zu vergewaltigen. Da aber fing das Mädchen an, ein seltsames Lied zu singen, und die Raufbolde verschwanden ganz friedlich. Aber seit diesem Ereignis ist Marian so geistesabwesend und stumm wie Andrew sie vor fünf Jahren kennengelernt hat. Mit einigen Erkenntnissprüchen finden die Magier heraus, daß das Mädchen einen Teil seines Selbst hinter einer geistigen Tür verschlossen hat, und mit etwas Vis und einiger Anstrengung gelingt es Llwellyn, diese Tür zu öffnen. Marian kommt wieder zu sich, aber ihr Benehmen und ihre ganze Art ist die eines zwölfjährigen Kindes. Sie wird einiges aufholen müssen, aber jetzt ist sie sich ihrer selbst wieder bewußt und von ihren selbst angelegten Fesseln befreit.
Außerdem setzen Andrew und Llwellyn noch Aladin darauf an, sich einmal ernsthaft darum zu kümmern, den Mann der Heilerin Isabelle de Carason zu finden. Tatsächlich wird der Bjornaer nach ein paar Wochen fündig: Jean-Claude, so sein Name, ist als Sklave bei einem Emir gelandet, der ihn Aladin jedoch gern verkauft. So wird auch dieses Problem gelöst, und die beiden Eheleute ziehen glücklich und dankbar in Richtung ihrer heimatlichen Provence davon.
Nach diesen doch recht einfach gelösten Problemen beschließen Andrew und Llwellyn, von nun an ein genaueres Auge auf die Consortis und Grogs zu haben – es könnte ja jedesmal genauso einfach sein zu helfen …
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Zu derselben Zeit sind Terminus und Cyriano auch mit dem Versuch beschäftigt, Probleme zu lösen. Sie haben sich zwei ungleich schwerere Dinge vorgenommen: Den Saphirspiegel und Gerwald…
Das ganze begann eigentlich damit, daß Andrew nach seiner Rückkehr versucht hatte, Terminus als Brautvater für die bevorstehende Hochzeit von Alen und Daphne zu gewinnen, was ihm schließlich auch gelang. Dabei erfuhr er den Grund für die Zurückgezogenheit des Tytalus: Er meistert den Konflikt, der aus dem Kontakt mit anderen Menschen entsteht, dadurch, daß er ihn vermeidet…
Um gegen diese etwas defätistische Haltung anzugehen, schlug Andrew Terminus vor, zusammen mit Cyriano nach Damaskus zu ziehen, um in der dortigen Bibliothek etwas über die Edelsteinspiegel zu erfahren. Außerdem könnten die beiden dabei gleich Raimond von Tripolis kennenlernen. Nach einigem Hin und Her entschied sich Terminus, tatsächlich mit Cyriano aufzubrechen, da er wohl hoffte, in der Stadt auch etwas über eine so merkwürdige Erscheinungsform wie Gerwald zu erfahren.
In Damaskus angekommen, treffen sich die beiden Magier zunächst mit Raimond, der ihnen tatsächlich weiterhelfen kann. In einem seiner Bücher sind ein paar Informationen über die Edelsteinspiegel, zu denen auch der saphirne gehört, zu finden. So wurden diese Artefakte offenbar vor sehr langer Zeit von einigen Magiern und einigen sehr mächtigen Elementarwesen geschaffen und verbinden das elementare Zentrum – die Erde – mit den vier Elementarwelten. Dadurch ist es möglich, durch einen dieser Spiegel sehr viele verschiedene Punkte in all diesen Orten zu erreichen. Die Innenräume der Artefakte befinden sich dem Buch nach in kleinen Blasen – Regiones – zwischen den fünf Welten. Es gibt fünf große Edelsteinspiegel, die allerdings nicht an ein bestimmtes Element gebunden sind, sondern alle fünf in sich vereinen: Saphir, Rubin, Smaragd, Diamant und schwarzer Onyx. Neben den Großen Spiegeln gibt es auch noch fünfundzwanzig kleine, die allerdings weniger mächtig und vor allem an eines der Elemente gebunden sind. Immerhin soll es mit den Kleinen Spiegeln möglich sein, die Großen zu erreichen. Auch sie bestehen aus edlen Steinen, farblich zu je einem der Großen passend. Genaueres können Cyriano und Terminus nicht herausfinden, aber Raimond schlägt vor, vielleicht einmal bei den Elementarwesen nachzufragen.
Zum Thema Gerwald kann der ehemalige Graf weniger weiterhelfen. Zwar stellt er einige Vermutungen an, führt diese aber meist selbst ad absurdum. Immerhin entsteht dabei die These, der Stallknecht könne eine Art erschaffene Kreatur sein, die den Samen seines Meisters weiterträgt. Die mangelnde Sprachfähigkeit wäre dann vielleicht auf ein magisches Mißgeschick zurückzuführen. Dennoch paßt auch hier einiges nicht zusammen, aber schließlich kommt Terminus auf die Idee, doch einmal die Königin der Feen zu diesem Thema zu befragen.
Mit solcherlei neuen Ergebnissen kehren die beiden Magier nach Serpentia zurück. Dort beschließen sie, die neuen Ideen in Richtung Gerwald sofort auszuprobieren. Zunächst gehen sie alle Formen der hermetischen Magie durch, um festzustellen, ob der alterslose Stallknecht vielleicht auf noch andere Dinge außer Corpus und Vim reagiert. Aber was sie auch immer versuchen: Sie erhalten keine Resultate. Immerhin können sie dabei feststellen, daß sein Körper um die 140 Jahre alt sein muß.
Daraufhin brechen Cyriano und Terminus zum Feenwald auf, wo sie Fionnuala um Ratschlag bitten – zumal ja immer noch nicht klar ist, ob Gerwald nicht vielleicht doch eine Fee ist. Die Königin wählt eine ihrer Hofdamen aus, die mit den Magiern zum Bund gehen soll, um dort näheres zu erkunden.
Als diese Hofdame aber Gerwald sieht, kann sie das Erstaunen in ihren Augen nicht verbergen. Sie stellt ihm nur eine Frage: „Bist Du es wirklich?“, woraufhin er einfach „Ja“ antwortet. Fast schon entsetzt erscheinend weigert sich die Fee, die erstaunten Fragen der Magier zu beantworten und erklärt ihnen, sie müsse sich erst mit ihrer Königin besprechen. Dann stürmt sie in den Wald davon.
Terminus und Cyriano folgen ihr langsamer, und als sie wieder zu jener Wiese gelangen, wo Fionnuala Hof hält, begegnet ihnen die Herrscherin sehr nachdenklich. Sie weigert sich, ihnen eine Erklärung über Gerwald zu geben, sie will dem Schicksal nicht in die Hand fallen. Dieses Rätsel ist etwas, was die Serpentianer selbst lösen müssen. Auf Terminus´ Anfrage, ob der Stallknecht gefährlich für den Bund sein könnte, antwortet sie, daß dies unter Umständen durchaus möglich wäre. Wenig weiser kehren die beiden Männer schließlich nach Serpentia zurück. Nach einiger Grübelei, die allerdings auch nicht weiter führt, beschließen sie, sich nun dem Problem der Spiegel zuzuwenden – vielleicht erweist sich das ja als weniger verschlungen…
Immerhin haben sie eine wichtige Information von Fionnuala erhalten: Nämlich daß das „Volk der Lüfte“, ein Volk von Elementaren, in der Nähe des Bundes in den höchsten Gipfeln des Antilibanon zu finden sein soll. Da sie mit den Fluggürteln über ein probates Mittel verfügen, auch größere Entfernungen im Gebirge problemlos zu überwinden, entschließen sie sich, eine Erkundungstour zu unternehmen.
Und tatsächlich: Nach zwei, drei Tagen Flug begegnen die beiden Magier und ihre Leibgrogs zwei Angehörigen des Luftvolks. Die beiden haben annähernd menschliche Gestalt, weisen aber auch einige vogelhafte Züge, wie zum Beispiel Federn statt Haaren, auf. Ihre Haut ist tiefblau, und sie fliegen zwar flügellos, aber dennoch elegant durch die Wolken. Zunächst sind die beiden recht mißtrauisch, erklären sich aber dennoch bereit, die vier Menschen zu ihrem Herrscher zu bringen.
Das Treffen mit dem Herrn des Volkes der Lüfte verläuft recht kurz und abrupt. Der Elementarfürst hat offensichtlich eigene Probleme und kein Interesse, den Menschen bei den ihren zu helfen, zumal sie mit Cyrianos Groga Sheherazan eine Frau in seine Hallen gebracht haben – die einzige, die im Moment hier anwesend ist. Kurz angebunden fertigt er Terminus´ Anfrage nach den Spiegeln ab und weist dann die beiden, die die vier Menschen hierher gebracht haben, an, sie wieder nach Hause zu geleiten.
Auf dem Heimweg erfahren Cyriano und Terminus von ihren beiden „Wächtern“, daß es vor einiger Zeit Streit zwischen den weiblichen und den männlichen Angehörigen des Volkes der Lüfte gegeben hat, und sie seitdem nicht mehr zusammenleben. Daher wäre ihr Fürst auch so unfreundlich und barsch gewesen. Im Augenblick wüßten die beiden aber auch nicht, was zu tun sei. Terminus und Cyriano versprechen, ihnen zu helfen, wenn sie sie einmal brauchen würden, und scheiden dann doch recht freundlich von den zwei Elementarwesen. Zwar haben sie nicht viel über ihr Ziel gelernt, aber dafür immerhin ein paar entfernte Nachbarn kennengelernt.
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Terminus erforscht die Fluggürtel aus Tripolis noch einmal etwas genauer, kann aber keine weiteren Fähigkeiten außer der, den Träger fliegen zu lassen, entdecken.
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Sommer 1188

Aus Sankt Blasius kommt eine traurige Mitteilung: Llwellyns Mutter Aldith liegt im Sterben! Sofort begibt sich der Magier ins Dorf und führt noch ein einigermaßen versöhnliches Gespräch mit der Sterbenden, bei dem sie ihn noch in einige Geheimnisse seines Clans einweiht. Zwei Tage später entschläft sie friedlich im Morgengrauen. Ihr Begräbnis ist sehr feierlich und das ganze Dorf trauert um diese willensstarke und starrsinnige alte Frau. Nicht jeder hat sie geliebt, aber jeder hat sie respektiert.
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Während des Abendessens kommen Llwellyn, Bernward und Frederik wieder einmal auf das Thema Gerwald zu sprechen. Bernward, der die Eigenheiten des Stallknechts nicht kennt, erbietet sich, ihn magisch zu untersuchen. Als er dies dann tut (wobei er relativ immun gegen die Beleidigungen seines Untersuchungsobjekts ist), stellt er fest, daß nicht nur ein, sondern mehrere nicht-hermetische Zauber auf Gerwald liegen, deren Stärke sich allerdings nicht ausloten läßt.
Llwellyns Idee, den Stallknecht zum ehemaligen Dämonenwald zu bringen, um zu sehen, wie er auf eine infernale Aura reagiert, scheitert daran, daß Gerwald keine Lust hat, dorthin zu gehen.
Während der auf diese Untersuchungen folgenden Debatte stellt Frederik die These auf, daß der rätselhafte Mann verflucht sein könnte. Von wem allerdings weiß er nicht zu sagen.

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Marganma

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