Serpentia

Herbst und Winter 1185 - Bundleben

Herbst 1185

Nakatia begibt sich auf die Reise nach Antiochia, um dort ihre Meisterin Anette de Paris zu besuchen. Sie nimmt ihren Sohn Connor Kerid und die junge Maika, die die Gabe hat, mit. In Porta Oriens angekommen, bittet sie Anette, Maika auszubilden, da in Serpentia keiner in der Lage dazu ist. Die alte Ex Miscellania ist froh, daß sie nicht mehr alleine auf den Friedhof gehen muß und nimmt das Mädchen gerne auf.
In Antiochia trifft Nakatia auch einige ihrer Schwestern wieder und stellt erfreut fest, daß sie sich von ihnen noch am besten gehalten hat: Ihre Schwestern sind durch viele Geburten doch ziemlich in die Breite gegangen und haben einen Großteil der Schönheit ihrer Jugend eingebüßt, während Nakatia immer noch schlank ist und durch das Alter nur an gutem Aussehen gewonnen hat.
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Winter 1185

Aladin, Andrew, Nakatia und Llwellyn arbeiten gemeinsam an einem Projekt im Labor.
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Terminus erweist sich als echter Schotte und wirft bei der Weihnachtsfeier einen (wenn auch ziemlich kleinen) Baumstamm. Von der Schneeballschlacht entschuldigt er sich aber wegen seiner alten Verletzung.

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Gegen Ende des Jahres bringt Cavallo eine Nachricht aus Sardonyx: Es ist Shakram endlich gelungen, das Buch, das Terminus vor vielen Jahren in Abbas´ Keller gefunden hat, zu entziffern. Die Lettern, in denen das Werk geschrieben ist, bezeichnet Silva Creat als prä-babylonisch, Shakram jedoch als atlantisch, da der Text sich hauptsächlich mit der Gründung und Zerstörung von Atlantis befaßt. Der größte Teil des Inhalts handelt von dem Untergang der tyrannischen Herren dieses fabelhaften Kontinents, dabei taucht zu Terminus´ großer Bestürzung der Name Carnah als einer der Schutzherren des üblen Reichs auf. Carnah ist, wie der Tytalus weiß, nämlich nur eine andere, veraltete Schreibweise des Wortes Charnas.
Der genaue Inhalt des Briefes lautet:

_„Geehrte Magistres von Serpentia !
Jetzt endlich lassen mir meine Pflichten als Bibliothekar von Sardonyx genügend Zeit, um eine kurze Zusammenfassung der Schriften anzufertigen, die Ihr mir damals zur Übersetzung überließt.
Zunächst muß ich voran schicken, daß die Sprache, in der die Schriften abgefaßt worden sind, mir am Anfang völlig unbekannt war, genauso wie die Schriftzeichen, derer sie sich bedient. Nach etlichen Studien jedoch konnte ich gewisse Übereinstimmungen der Zeichen mit Buchstaben des griechischen, persischen und lateinischen Alphabeths wie des Sanskrit (eine Schriftart meiner Heimat) feststellen. Durch einige Arbeit konnte ich dann zunächst einige Wörter und dann ganze Textpassagen übersetzen. Anbetracht des offensichtlichen Alters der Schriften scheint mir diese Sprache eine Art Ursprache zu sein, da sie Elemente vieler mir bekannter Sprachen (jedoch nicht des Arabischen) in sich vereinigt: Vielleicht, so sagt Silva Creat, ist dies die Sprache, die die Menschen vor dem Turmbau zu Babel sprachen: Prä-babylonisch. Angesichts der Tatsache, daß es sich bei dem Verfasser des Textes seiner eigenen Aussage nach um einen Einwohner der heute untergegangenen Insel Atlantis handelte, und ich es für wahrscheinlich halte, daß er den Text in seiner Heimatsprache verfaßt hat, möchte ich diese Sprache doch lieber als Atlantisch bezeichnen.
Nun aber genug der sprachlichen Analysen. Der Text wurde wahrscheinlich ursprünglich von einem Historiker abgefaßt und handelt von den letzten Jahren der mächtigen Insel Atlantis. Bei dieser Betrachtung scheint es sich nur um das letzte Buch von fünf zu handeln.
Dieser Text ist keineswegs das Original, es ist wahrscheinlich eher eine Abschrift zweiter oder gar dritter Hand, was die Übertragung nicht gerade einfacher macht.
Im Hauptsächlichen besteht das Buch, welches Ihr mir zukommen ließt, aus dem Text des vorher erwähnten fünften Buches. Jedoch gibt es eine Art Introductio, von der ich annehme, daß es sich dabei um einen Text aus dem ersten Buch handelt: Eine Art mystischer Gründung des Staates von Atlantis.
Eröffnet wird das Buch mit einem Gedicht oder Gedichtsfragment (ich vermute eher letzteres). Damit möchte ich nun auch meine Übertragung eröffnen.
Vor langer Zeit der Schicksalsschmied -
er hämmerte ein neues Lied,
und jeder Macht ein Gleiches gab:
Kelch, Krone, Schwert und Buch und Stab.
Als nächstes geht es um die Dinge, die Atlantis´ Gründung vorausgingen (dies war die am schwierigsten zu übersetzende Passage, und ich kann für die Korrektheit meiner Zusammenfassung nicht garantieren).
Und nun, da sich alle (Götter?) versammelt hatten im Zentrum, wo alles ausgewogen ist, fehlte nur noch der Auserkorene Träger. Doch bevor er kommen konnte, standen ihm und den Seinen große Aufgaben bevor, und sie mußten weite Reisen in barbarische Länder wagen. Jedoch meisterten sie alle Prüfungen und schließlich kamen auch sie zu dem Ort, wo alles gleich und doch völlig verschieden ist und wo für jeden dieselben Rechte gelten. Und so kam der Zeitpunkt der Wahl und jeder bot einen Preis. Da wurde dann schließlich die Macht erwählt, die ihm die eigene Erhöhung anbot, und als er nach Hause kam, machte er sich zum Herrscher und benannte sein neues Reich nach seinem eigenen Namen Atlantis und führte es im Dienst der Erwählten Macht. Und unter seinem Namen und seiner Herrschaft breitete sich das ganze Reich aus, bis es schließlich die ganze Welt umfaßte. Schließlich starb er und ging in der Dunkelheit auf.
Fünftes Buch:
Atlantis beherrschte die Welt nun schon seit langer Zeit, und während sich die Herrscher in immer ansteigenden Ausschweifungen verloren, darbten die anderen Völker in der Sklaverei. Denn die Atlanter dienten ihren Schutzpatronen gut: Immer neues Elend verursachten sie auf deren Geheiß, und opferten ihnen die schönsten und geliebtesten Menschen der unterjochten Völker. Zu diesem Zeitpunkt hielt endgültig die Dreiheit die Macht unter den Schutzpatronen: Croi der Krieger, der Haß sät und Kriege erntet, Nidra die Schlange, die Angst und Verzweiflung bringt und Carnah der/die Verführerin, der aus Richtig Falsch macht und aus Falsch Richtig. Unter diesen Schutzpatronen herrschten die Atlanter, und mehr und mehr gaben sie sich ihren Vergnügungen hin. Ihre Provinzen beherrschten jetzt Einheimische, die zuvor von Carnah gegen ihr eigenes Volk gewendet worden waren.
Jedoch nichts kann ewig währen. Und so kam es, daß zu einer Zeit, als die Atlanter Atlantis fast nie mehr verließen, eine Verschwörung begann. Zwar hatte es zu allen Zeiten immer wieder Aufstände und Rebellionen gegeben, aber diese Verschwörung vereinigte fast alle der unterdrückten Völker und auch die Freien der Letzten Inseln waren beteiligt. Schließlich gelang es ihnen, das Joch von Atlantis abzuschütteln, und sie stellten ein Heer auf, um das Reich endgültig zu vernichten. Dies traf allerdings auf den Widerstand der Dreiheit, die ihre Diener schickten, um Angst und Ehrgeiz zu sähen. So zerriß sich das riesige Heer beinahe von selbst, und konnte von den atlantischen Diener Crois mühelos versprengt werden.
Aber nicht alle Rebellen waren in die Fänge Nidras oder Carnahs geraten. Und diese versammelten sich wieder und riefen alle Mächte zu ihrer Unterstützung an. Und die Mächte erhörten sie, denn sie wußten, daß eine neue Wahl bald bevorstand.
Mit dieser Unterstützung konnten die Aufständischen Crois Armee ins Meer treiben. Und dort, am Ufer des Ozeans, versammelten sich die mächtigsten Theurgen, Priester, Magier und Weisen und riefen die Mächte des Meeres an. Sie beschworen eine riesige Flutwelle, die Atlantis vernichten sollte. Aber das Meer läßt sich nicht beherrschen: Die ersten Länder, die die Flut traf, waren die der Rebellen selbst. Viele Leben vergingen unter der Macht des Meeres, und auch heute noch sprechen viele von der Großen Sintflut.
Doch letzten Endes traf die Flut auch die, die sie vernichten sollte: Atlantis selbst. Die Flut kam in der Nacht, ohne Vorwarnung, und bewegte sich rasend schnell auf die Hauptstadt, das Herz der Insel, zu. Viele erkletterten den höchsten Berg von Atlantis, wo die Hohepriester von Croi und Nidra versuchten, der Flut Einhalt zu gebieten. Aber es fehlte der Hohepriester Carnahs, und so versankt die Insel Atlantis, das größte Reich, das die Erde jemals gesehen hat und jemals sehen wird. Aber seine Feinde tanzen nicht auf seinem Grab, denn als sie es vernichteten, vernichteten sie auch sich selbst. Den wenigen Überlebenden war das ein schwacher Trost.
Nun wird die Welt wieder in Barbarei versinken, und Atlantis auf ewig ein schönes Traumgebilde sein: All seine Weisheit und Kunst auf ewig von jenen zerstört, die sie für böse hielten.
Ob sie da so unrecht hatten? Ich muß sagen, daß ich diese Art von Atlantis nicht für sonderlich wohlwollend halte.
Der Text hier ist nur eine kurze Zusammenfassung. Im Original wird wesentlich mehr über Heeresbewegungen, Opferzeremonien und ähnliches gesagt, was allerdings für den Inhalt nicht allzu wesentlich ist. Solltet Ihr noch Fragen haben, werde ich versuchen, diese zu beantworten. Gebt mir einfach über Cavallo Bescheid.
Beste Grüße von Silva Creat und Mikula.
Beileidsbezeugungen zu Magistra Mentalias Tod von Flosculus.
Mit besten Wünschen und einem Gruß an Sir Quintus
Shakram
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Marganma

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