Serpentia

Lagerspuk

Sommer 1190

Dáirine, Alenka, Colleen, Sir Quintus, Hugo, Nicodemus

Als sich Sir Quintus, Dáirine, Alenka, Colleen und Nicodemus eines Tages in Damaskus befinden, entdecken sie bei einem Sklavenhändler einen zum Verkauf stehenden blonden Mann, der Sir Quintus reichlich bekannt vorkommt: Es scheint sich dabei um Aladins Spielmann Hugo zu handeln! Als er und die anderen sich jedoch mit ihm unterhalten, stellt sich heraus, daß es nicht Hugo ist, sondern dessen Zwillingsbruder Averey, der mit einigen englischen Kreuzfahrern in die Levante gekommen ist. Im Dienst von Sir Berengar hatte er an der Belagerung von Acre teilgenommen, bis er nach einem Fest von etlichen dämonenhaften Gestalten in die Sklaverei entführt wurde. Seine kleine Tochter Edith, die er mitgenommen hatte, da ihre Mutter ihm durchgebrannt war, muß sich wohl noch in dem Heerlager befinden.
Als Hugo all dies erfährt, beschließt er, sofort mit seinem Bruder nach Acre zu ziehen, um das Mädchen zu finden. Sir Quintus als Ritter schließt sich an, und auch Dáirine will mitkommen. Da es gefährlich werden könnte, wird Colleen zum Bund zurückgeschickt, um das Liber Peregrinatio zu holen. Dort gibt es einen leichten Aufruhr, da Llwellyn seine „kleine“ Nichte eigentlich nicht allein gehen lassen will, aber sich auch kein Magier findet, der sie begleiten kann.
Nach einigem Hin und Her erreichen die Gefährten – einschließlich Colleen – Acre dann doch. Dort sind die beiden Heerlager der gegnerischen Parteien deutlich zu erkennen: Beide haben mittlerweile behelfsmäßige Festungen aus Holzpalisaden aufgebaut, zwischen denen sich ein karger Streifen Land dahinzieht. Die Gefährten begeben sich zunächst zu Saladins Lager, wo sie auch ihren Lehensherrn Yazed Ibn Usama antreffen.
Eigentlich wollte dieser Sir Quintus und den anderen eine Passage in das gegnerische Lager beschaffen, aber es kommt anders: Noch in der Nacht, in der sie eintreffen, will Sir Quintus zusammen mit Hugo und Averey schon einmal hinüberschleichen, um ein wenig zu kundschaften. Dáirine fühlt sich etwas zurückgesetzt und beschließt nun ihrerseits, mit Colleen, Nicodemus und Alenka zu folgen.
In dem Lager der Christen erfahren Sir Quintus und seine Begleiter zunächst von Sir Berengar, daß Edith seit dem Verschwinden ihres Vaters von niemandem mehr gesehen wurde – man nahm bisher an, daß Averey und sie das Lager verlassen hätten, um nach Hause zurückzukehren. Immerhin kann Sir Berengar die Auskunft geben, daß sich einige der Kriegswaisen in den Ruinen einer ehemaligen Vorstadt von Acre, die sich innerhalb der christlichen „Festung“ befindet, aufhalten. Averey, der sich große Sorgen um seine Tochter macht, drängt darauf, diese Ruinen sofort anzusehen.
Unterwegs treffen die drei Männer wieder mit Dáirine und dem Rest zusammen, die sich klugerweise magisch als Männer getarnt haben, um in das Lager zu gelangen. Gemeinsam untersuchen sie nun die Ruinen und müssen feststellen, daß es sich dabei um wahre Katakomben mit vielen verschiedenen, unterirdischen Ein- und Ausgängen handelt, in denen die Armen und Waisen des Lagers ein kärgliches Dasein fristen. Während der Suche findet Nicodemus ein kleines, ziemlich unterernährtes Mädchen von etwa zwei Jahren, das sich Musa nennt und sich ihm vertrauensvoll anschließt. Von ihr erfährt er, daß sie Edith kennt und daß er mal einen Jungen namens Geoff nach ihr fragen sollte – der habe auch nach ihr gesucht.
Da sich die Erforschung der Ruinen als ergebnislos herausstellt, ziehen sich die Gefährten für die Nacht zurück, Musa bleibt bei Nicodemus. Am nächsten Tag erfährt Sir Quintus von Sir Berengar, der sich ein wenig umgehört hat, daß auch einige andere Leute verschwunden zu sein scheinen. Außerdem geht ein Lagerfieber um, das aber seltsamerweise hauptsächlich die höhergestellten Persönlichkeiten betrifft.
Da bei der Entführung von Averey Magie im Spiel gewesen zu sein scheint, beschließen die Gefährten, mit der Kräuterkundigen Amalie zu sprechen, erfahren aber von ihr nur, daß der schon erwähnte Geoff ein ziemlich bösartiger Knabe von etwa elf Jahren sein muß.
Bei einem Gespräch mit dem Jungen finden die Gefährten nichts heraus, allerdings kann Sir Quintus von seinem Bekannten James – dem ehemaligen Oberhaupt der Jerusalemer Diebe – erfahren, daß sich einige Leute öfter mit Geoff zu treffen scheinen: Unter anderem der Koch der höhergestellten Adligen und ein Ritter namens Sir Ogier.
Bevor Sir Quintus dieser Spur jedoch weiter folgen kann, trifft er auf Balian d´Ibelin, der ihn noch in sehr guter Erinnerung hat und zu einem festlichen Essen der Adligen einlädt – auch der König wird anwesend sein. Seine Frau Sybille, über die Guy de Lusignan seine Position legitimiert, und ihre gemeinsamen Töchter werden nicht teilnehmen, da sie an dem Lagerfieber erkrankt sind.
Auch ein anderer alter Bekannter der Serpentianer nimmt an dem Festessen teil: Gerbert von Köln, in Begleitung eines Friesen namens Eiko, den er Sir Quintus als Dämonenjäger vorstellt. Während der Ritter sich mit den höheren Adligen unterhält, macht Hugo die Bekanntschaft eines provencalischen Spielmannes, Etienne, und seines Lehrlings – dem er später seltsamerweise in Gerberts Gefolge wiederbegegnet…
Nachdem das etwas kärgliche Essen beendet ist, trifft ein Bote in der „Festhalle“ ein, der dem König eine schlechte Nachricht überbringt: Soeben ist die Königin dem Fieber erlegen! Während Guy voller Entsetzen zu ihrem Totenbett eilt, bleiben die Adligen zurück, um sich über die veränderte Situation zu beraten. Sybilles Tod wirft die Frage der Legitimation des Königs und der Nachfolge auf, und es ist abzusehen, daß sich die levantinischen Grafen und Barone nicht ohne Intrigen und Pläne einigen werden.
Sir Quintus jedoch interessieren diese Themen weniger als der Verbleib von Edith. Am nächsten Tag beschließt er, zusammen mit den anderen dem Ritter Sir Ogier ein wenig nachzuspionieren. Als sich die Gefährten dem Zelt nähern, sehen sie in seinem Inneren kurz eine Art hellblauen Blitz aufflammen, wenig später kommt ein schwergepanzerter Mann mit grimmigem Gesicht heraus. In seiner Begleitung befindet sich eine merkwürdige Gestalt in einer bestickten Robe. Der Mann trägt eine runde, metallne Kappe auf seinem kahlgeschorenen Schädel, seine Fingernägel sind lang und spitz, seine Augen tiefliegend, dunkel und stechend. Die beiden verlassen das Zelt, augenscheinlich in ein Gespräch vertieft. Diese Chance wollen Sir Quintus und die anderen nutzen: Sie betreten das Quartier von Sir Ogier, und schon nach kurzer Suche haben sie etwas äußerst interessantes gefunden – einen hohen Spiegel aus poliertem Aquamarin. Schnell stellen sie fest, daß es sich um ein Artefakt ähnlich dem Saphirspiegel handelt: Man kann den Spiegel betreten und findet sich in einer Halle mit unzähligen Ab- und Ausgängen wieder. Nach einigem Herumprobieren können die Gefährten ein seltsames Lager hinter einer der Türen ausmachen, das sich in ihrer Nähe zu befinden scheint und an einem kleinen See liegt. Averey kennt das Lager – hier ist er nach seiner Entführung aufgewacht. In einer der drei kleinen Hütten werden Sklaven gefangengehalten.
Sir Quintus und die anderen beschließen, die Unglücklichen zu befreien, was ihnen nach einem kurzen Kampf mit den Wächtern auch gelingt. Die Gefangenen wurden offenbar sowohl im christlichen als auch im moslemischen Lager irgendwie betäubt und dann mit Hilfe des Spiegels zu dem See geschafft. Von dort aus sollten sie auf die Märkte von Damaskus und Homs gebracht und dort als Sklaven verkauft werden. Nach ihrer Befreiung kehren sie in ihr jeweiliges Lager zurück, einige ziehen auch aus der Gegend von Acre ab, da sie genug von der ewigen Belagerung haben.
Als die Serpentianer wieder per Spiegel ins Zelt Sir Ogiers zurückkehren, begegnen sie dort dem Mann mit den langen Fingernägeln, der behauptet, ein Magier zu sein. Er droht, sie alle mit Flüchen zu belegen, wenn sie den Spiegel nicht zurückgeben, stößt aber nur auf Spott, da die Gefährten schnell gemerkt haben, daß es mit seinen Fähigkeiten nicht sehr weit her sein kann. Nachdem sie den Aquamarinspiegel in Sicherheit gebracht haben, übergeben sie den Magier und seinen Komplizen, Sir Ogier, an Gerbert von Köln zur weiteren Befragung. Dieser findet die Details mit dem Sklavenhandel schnell heraus: Offenbar wurden die Opfer vorher von Geoff ausgesucht, dann mit Opium betäubt und verschleppt. (So entsprangen Avereys „Dämonen“ nur den Rauschvisionen). Auf die Anfrage des Dämonenjägers, wo denn nun dieser teuflische Spiegel sei, antwortet Sir Quintus nur, daß er nicht da gewesen wäre. Sollte er je wieder etwas davon hören, verspricht er, Henry Bescheid zu sagen.
Nachdem dem Sklavenhändlerring das Handwerk gelegt worden ist, bleibt nur noch die Suche nach Edith. Ein entsprechender Spruch kann das Kind schließlich in einem kleinen Dorf ein paar Stunden von Acre entfernt aufspüren.
Dort finden Sir Quintus und Dáirine sie dann auch gesund und munter vor. Sie hatte sich mit Hilfe des Araberjungen Selim versteckt, als ihr Vater verschwand. Offensichtlich wollte Geoff sie in seine Dienste als Lockvogel und Diebin pressen, und die neuerliche Anfrage nach ihrem Verbleib hat auch ihn angestachelt, noch einmal intensiv nach ihr zu suchen. Daher hatte Selim sie aus dem Lager gebracht. Edith ist natürlich sehr froh, ihren Vater wohlbehalten wiederzusehen, und auch Averey kann sich gar nicht fassen vor Dankbarkeit und beschließt sofort, eine große Ode zu dichten – garantiert ohne Wölfchen….
Da ihre Suche hier beendet ist, verabschieden sich die Gefährten und kehren mit dem Aquamarinspiegel zunächst in das moslemische Lager zurück, wo Sir Quintus sich Yazed gegenüber für sein plötzliches Verschwinden verantworten muß. Schließlich wollte der arabische Adlige doch für ihre Passage in das christliche Lager sorgen…
Mit diesem kleinen Mißklang kehren die Gefährten wieder nach Serpentia zurück, wo sich Cyriano vor Begeisterung kaum halten kann: Endlich eine Möglichkeit, etwas genaueres über die magischen Spiegel herauszufinden. Der Verditius beschließt, sich im Herbst sofort an die Erforschung des Artefakts zu machen.
*

Mitte Sommer ertrinkt der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa in Griechenland in dem Fluß Kalykadnos. Sein riesiges Heer, als Entsatz nach Acre unterwegs, zerstreut sich, sodaß nur noch wenige der deutschen Kämpfer tatsächlich bei der belagerten Stadt ankommen – sehr zu Saladins Erleichterung.

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Marganma

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