Serpentia

Liebe einer Toten

Winter 1183

Julius, Aladin, Andrew, Alen, Robert, Lionel

Auf dem Heimweg durch Ungarn kommen die Reisenden in ein kleines Dorf in der Nähe von Zagreb, wo sie übernachten wollen. Mittlerweile hat es schon angefangen zu schneien, was zumindest dem Wärme gewöhnten Aladin nicht allzu gut gefällt.
In der Herberge des Dorfes erzählt gerade ein alter Mann eine Geschichte, die sich in seiner Jugend in diesem Ort ereignet haben soll. Vor vielen Jahren gab es hier eine schöne junge Frau, die von drei Brüdern umworben wurde. Sie aber wählte einen stattlichen Ritter zum Gemahl, was die beiden älteren Brüder dazu brachte, sich selbst das Leben zu nehmen. Der Jüngste aber bat die Schöne, noch einmal mit ihm zu reden, und arglos traf sie sich an einer Klippe am Fluß mit ihm. Er aber packte sie am Arm und riß sie mit sich in die Fluten, wo beide ertranken. Ihre Leichen wurden weggespült und niemals gefunden.
Bald jedoch macht die Herberge die Schankstube zu und alle legen sich schlafen. Natürlich mit Ausnahme von Julius, der die Nacht ausnutzt, um die Gegend ein wenig zu erkunden. Dabei findet er einen alten, zerfallenen Turm, den er genauer untersucht. Unter den herabgestürzten Balken entdeckt er einen Pergamentfetzen, die abgerissene Ecke einer Buchseite. Da er die kyrillischen Schriftzeichen auf dem Zettel nicht lesen kann, bittet er am nächsten Morgen die anderen Magi, den Turm auch einmal anzuschauen. Dabei können einige andere Schriftstücke geborgen werden, allerdings alle in kyrillischer Schrift, aber der Fetzen läßt sich nicht mehr finden. Dennoch ist Julius recht optimistisch, daß sie in Zagreb einen Schreiber finden, der ihnen die Texte vorlesen kann.
Auf der Weiterreise am nächsten Tag kommen die Gefährten an ein paar am Fluß spielenden Kindern vorbei. Plötzlich rutscht ein kleines Mädchen ab und stürzt das Steilufer hinunter. Knapp über dem reißenden Fluß kann sich die Kleine festhalten. Kurz entschlossen helfen die Reisenden: Alen klettert vorsichtig hinunter und trägt das Kind wieder nach oben zum Weg. Die Eltern des Mädchens sind sehr dankbar und laden die Fremden zunächst zum Essen ein. Nach der einfachen Mahlzeit, die die Fischer servieren, steckt der Vater Aladin noch einen Ring an den Finger, den er eines Tages in einem Karpfen gefunden hatte. Bei dem Ring handelt es sich um ein einfaches Kupferband, und Aladin macht sich zunächst recht wenig Gedanken darüber, bis er feststellt, daß sich das Schmuckstück nicht mehr von seinem Finger lösen läßt. Es scheint sogar schwach magisch zu sein, wiewohl der Bjornaer keinerlei Auswirkungen spüren kann.
Am Abend des nächsten Tages kommen die Reisenden schließlich in Zagreb an. Da es zu spät ist, um noch einen Schreiber aufzusuchen, begeben sie sich gleich in eine Herberge. Als sie gerade noch im Schankraum sitzen und sich ein wenig die Zeit vertreiben, geht die Tür auf und eine junge Frau in einem schweren Umhang tritt ein. Ohne zu zögern kommt sie auf Aladin zu und bleibt vor ihm stehen. Aus der Nähe betrachtet, kann man sehen, daß sie einmal sehr schön gewesen sein muß, doch jetzt ist ihr Gesicht so blaß und wächsern wie das einer Toten, und auch ihre Augen wirken blicklos und starr. Dennoch sind diese Augen auf Aladin gerichtet, und zu ihm spricht sie auch, aber nur das eine Wort „Ivan“. Auf die Fragen der Gefährten, wer sie oder Ivan denn wären, antwortet sie nicht.
Schließlich nehmen Aladin und die anderen sie mit auf ihr Zimmer, wo Andrew zunächst herausfindet, daß sie Marina heißt und völlig auf den Bjornaer fixiert ist. Der untersucht sie dann auch noch einmal und stellt fest, daß sie schon seit zwölf Jahren tot sein muß. Sie scheint weder Intelligenz noch Willen zu besitzen und folgt Aladins sinnlosesten Anweisungen aufs Wort. Kurz vor Sonnenaufgang verschwindet sie unbemerkt.
Am Morgen gehen die Gefährten dann zu einem Schreiber, der ihnen die Schriftstücke vorliest. Dabei stellen Aladin, Andrew und Julius erstaunt fest, daß es sich hier offenbar um ein rudimentäres hermetisches Aquam – Buch handelt. Sie beschließen, es in den Bund mitzunehmen.
Da das gestrige Auftauchen von Marina allen noch recht rätselhaft ist, überlegen die Gefährten, was sie jetzt tun sollten. In Ermangelung besserer Ideen entscheiden sich die Magier dafür, in das kleine Dorf am Rand des Waldes zurückzukehren, um sich die Geschichte über das Mädchen und die drei Brüder noch einmal anzuhören. Außerdem können sie dann den Turm nach weiteren Hinweisen auf den Magier absuchen, zumindest aber den Pergamentfetzen, der wohl von der Titelseite des Buches stammen muß, bergen.
Nach Anbruch der Dunkelheit taucht Marina wieder auf. Heute spricht sie öfter, wenn auch immer nur das eine Wort „Ivan“. Immerhin reagiert sie auf Fragen mit Nicken oder Kopfschütteln. So kann Aladin dann herausfinden, daß der mysteriöse Ivan weder ihr Vater noch sonst ein Verwandter noch ihr Ehemann oder Geliebter und nicht einmal ihr Mörder ist. Auch an diesem Tag verschwindet sie am Morgen, ohne daß jemand sehen kann, wohin.
Gegen Spätnachmittag erreichen die Serpentianer das Dorf. Die Leute dort sind etwas erstaunt, daß die ungewöhnlichen Reisenden so schnell wieder da sind, fragen aber nicht weiter nach. Während Andrew und Aladin sich noch einmal mit dem alten Geschichtenerzähler unterhalten, geht Julius mit Alen und Lionel zum Turm. Dort können sie den seltsamen Fetzen tatsächlich finden und mitnehmen.
Nach einigen gezielten Fragen kann sich der Alte tatsächlich erinnern, daß das Mädchen aus der Geschichte Marina hieß. Der Name ihres Geliebten war Bragon – offenbar ist Alens Vater hier einmal vorbeigekommen. Allerdings liegen die Vorfälle fünfundzwanzig Jahre zurück und sind damit lange vor Alens Geburt passiert. Diese Zeitangabe verwirrt die Magier gewaltig, da Aladins Freundin doch erst seit zwölf Jahren tot ist. Sollte es doch eine andere Frau sein?
Unverrichteter Dinge kehren die Gefährten nach Zagreb zurück, um dort den Fetzen zum Schreiber zu bringen. Auch in dieser Nacht taucht Marina wieder auf und bittet Aladin in wenigen Worten, sie doch zu retten. Wieder bleibt sie nicht länger als bis zum Morgen.
In der Stadt erfahren sie, daß die Aufschrift auf dem Zettelchen den Titel des Buches und seinen Autor nennt: De Fluvii, von Ivan aus dem Haus Ex Miscellania. Offenbar ist Marinas geheimnisvoller Meister ein hermetischer Magier gewesen. Genauere Erkundigungen in der Stadt bestätigen das: Ivan war als exzentrischer Gelehrter und Magister bekannt. Er starb vor ungefähr einem Dutzend Jahren. Da er nicht auf einem christlichen Friedhof beerdigt liegt, öffnen die Magier eines Abends sein Grab und finden seine Leiche, die an einem Finger einen Ring trägt, der mit dem Aladins identisch ist.
Endlich kann sich der Bjornaer die Lösung des Rätsels zusammenreimen: Vor fünfundzwanzig Jahren sprang Ivan, der jüngste von drei Brüdern, tatsächlich mit Marina in den Fluß, aber die beiden ertranken keineswegs. Der Magier, dessen Spezialität Wassermagie war, nahm das unglückliche Mädchen mit nach Zagreb und band sie durch einen Ring an sich. Als er endlich starb, konnte Marina den Ring lösen und warf ihn in den Fluß, wo er dann von einem Karpfen verschluckt wurde. Offenbar hat sie Ivan nicht lange überlebt, aber als Aladin den Zauberring angesteckt bekam, rief dessen Magie sie wieder aus ihrem Grab, um dem Träger zu dienen.
Allerdings verbleibt das Problem, wie das Schmuckstück wieder von der Hand des Bjornaer gelöst werden kann. Selber vermag es keiner der Magier, aber Julius erinnert sich, daß er auf einer der Reisen seines Meisters von einer alten Sumpfhexe gehört hat, die hier in der Nähe leben soll. In der Hoffnung auf Hilfe reisen die Gefährten los.
Schon bald kommen sie an dem Sumpf in der Nähe Zagrebs an. Auch auf diesem Weg taucht Marina jede Nacht auf und verschwindet am Morgen wieder.
Da Julius nicht mehr genau weiß, wo die Hexe leben soll, kehren die Gefährten in einer Herberge am Rand des Sumpfes ein und fragen dort nach einem Führer. Zunächst stoßen sie auf mißtrauisches Schweigen, bis eine junge Frau, die Männerkleidung trägt, ihnen anbietet, sie dorthin zu bringen. Die Bedingungen sind schnell ausgehandelt, und am nächsten Morgen macht sich die Gruppe auf den Weg.
Gegen Mittag trennt sich die Führerin kurz von ihren Schützlingen, um ein Stück vorzugehen, wie sie sagt. Julius folgt ihr und sieht, wie sie sich mit ein paar Männern trifft, bekommt aber deren Gespräch nicht mit. Da alle davon ausgehen, daß die Männer wohl eine Art Grogs der Hexe sein werden, ist niemand sonderlich mißtrauisch, als sie zurückkehrt.
In der Nacht tauchen einige kleine, leuchtende Feen auf, als Andrew gerade Wache hat. Der Magier läßt sich gern ablenken, und auch Julius ist etwas unaufmerksam. So bemerken die beiden das gute Dutzend Männer, das das Lager umzingelt hat, erst als es schon zu spät ist. Ihre Führerin ist nämlich die Braut eines Räuberhauptmanns und hat sie geradewegs in dessen Arme geführt. Die mehr über soviel Dreistigkeit verblüfften als wirklich erschrockenen Magier und ihre Gefährten werden von den Räubern gefangengenommen und mit verbundenen Augen in deren Lager gebracht.
Dort eröffnet ihnen der Hauptmann der Bande, er sei ein Räuber, kein Mörder und werde ihnen nur ihre irdische Habe nehmen, sie aber am Leben lassen. Nach dieser kleinen Ansprache läßt er seine Gefangenen gefesselt in eine Hütte bringen.
Während sich die Gebundenen problemlos befreien und noch debattieren, wie sie jetzt am einfachsten wieder an ihre Spruchrollen und ihr Vis kämen, beobachtet Julius einen Streit zwischen dem Hauptmann und einem der anderen Räuber. Der andere ist nämlich der Meinung, man solle die Gefangenen lieber töten. Als der Anführer darauf besteht, kein Mörder zu sein, erweist sich sein Untergebener als ein solcher: Er tötet den Hauptmann und nimmt selbst dessen Stelle ein. Daraufhin setzt er die Braut des Ermordeten gefangen und bringt sie zu den Serpentianern, die ihre ungefesselten Hände schnell hinter ihren Rücken verbergen. Freudig verkündet er den Gefangenen, daß sie morgen sterben werden und geht dann wieder.
Die unglückliche Räuberbraut ist recht verwundert über das Amüsement, das diese Bemerkung auslöst, noch verwunderter ist sie allerdings, als sie feststellt, daß die Gefährten schon fast frei sind. Aladin bietet ihr an, sie mitzunehmen, wenn sie ihn zu der Sumpfhexe bringt, was die junge Frau mangels anderer sinnvoller Wahlmöglichkeiten auch annimmt.
Aber die Fluchtpläne werden ein zweites Mal gestört: Diesmal durch den alten Koch und seine Frau, die die Gefangenen befreien wollen. Als dies sich als recht unnötig erweist, besorgen die beiden alten Leutchen die Habe der Magier wieder. Dafür möchten sie, daß die Gefährten ihren Sohn mitnehmen, damit dieser nicht unter dem mörderischen neuen Hauptmann ein Räuber sein muß. Die Serpentianer nehmen diese Bedingungen gerne an und fliehen so mit einem verhinderten Jungräuber und ihrer Führerin in den Sumpf.
Schließlich kommt dieses muntere Grüppchen endlich bei der Sumpfhexe an. Diese erweist sich als recht umgänglich und ist gerne bereit, Aladin zu helfen. Als Gegenleistung fordert sie von ihm einen Gefallen, den dieser auch gerne bereit ist, zu erfüllen. Daraufhin löst sie den Ring mit hermetischer Magie von dessen Finger und erklärt, man werde sich wiedersehen.
Auf dem Weg aus dem Sumpfgebiet heraus beschließen Aladin und Andrew, den Räubern noch das Handwerk zu legen und greifen im Schutz der Nacht deren Lager an. Sie bleiben recht mühelos siegreich, und nachdem die rachsüchtige Führerin den neuen Hauptmann getötet hat, ergeben sich die anderen Räuber. Da man sie wohl kaum ungestraft gehen lassen kann, wird beschlossen, sie mit dem Verlust ihrer rechten Hand zu bestrafen. Da Andrew, der als einziger ein Schwert hat, noch keine große Erfahrung als Henker sammeln konnte, wird die ganze Angelegenheit doch noch recht blutig …
Immerhin scheint Marina ihren Frieden gefunden zu haben: Nachdem die Sumpfhexe den Ring von Aladins Finger gelöst hat, taucht die Tote nicht mehr auf.

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Marganma

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