Serpentia

Llwellyn hängt rum

Winter 1183

Llwellyn, Sean, Henry, Isabelle

Als Llwellyn eines Tages wieder einmal in St. Corona ist, um mit Costas, dem Wirt der dortigen Herberge, Handel zu treiben, wird er von diesem um Hilfe gebeten. Einer der zahlreichen Vettern des Dörflers, der im Nachbarort Amaram lebt, ist vor kurzer Zeit zu ihm gekommen, da es in seiner Heimat ein Problem gibt, und Costas glaubt, daß der Vorfall die Magi vielleicht interessieren könnte.
Nach einigen Anstößen des Wirts erzählt der nervöse Mann von einem Schwarzen Löwen, der seit Jahren über Amaram wacht und von einem benachbarten Beduinenstamm, mit dem die Dörfler ausgiebig Handel treiben, als Garant für deren Ehrlichkeit angesehen wird. Jetzt aber ist das mächtige Tier verschwunden und es gehen Gerüchte um, die Schwarze Karawane von Tajar habe es gefangengenommen und in dessen Zoo verschleppt. Die Einwohner von Amaram fürchten nun um ihr gutes Ansehen bei den Beduinen, sind aber kaum in der Lage, loszuziehen und den Löwen zu suchen. Llwellyn verspricht, zu helfen und bricht noch am selben Tag mit dem Vetter auf. Sean und Henry, die ihn nach St. Corona begleitet haben, schließen sich an.
Gegen Abend erreichen sie Amaram, das an einer kleinen Oase in den südlichen Ausläufern des Anti-Libanon so gelegen ist, daß das Dorf an drei Seiten von hohen Felswänden umgeben wird. Die Dörfler hier scheinen ziemlich mißtrauisch und recht wenig kooperativ. Fast schon widerwillig gewährt man den Gästen freie Kost und Unterkunft.
Während ihres Aufenthalts in dem recht schludrig geführten Gasthaus trifft Llwellyn eine ziemlich aufgelöste Dame an, die sich ihm als Isabelle de Carason vorstellt. Sie ist ins Heilige Land gekommen, um ihren in die Sklaverei verkauften Ehemann Jean-Claude zu retten. Vor kurzer Zeit ging ihr dabei das Geld aus, sodaß ihre Diener sie verlassen haben. Dennoch war sie nicht völlig allein: Bei ihr war Arco, ein riesiger Hund, der auf die hilflose Frau aufpaßte. Vor zwei Nächten jedoch verschwand das Tier. Isabelle ist sich sicher, daß Arco nicht weggelaufen ist, außerdem glaubt sie, in dieser Nacht eine Karawane gesehen zu haben, die an ihrem Lager vorbeizog. Llwellyn hat sofort den Verdacht, daß auch der Hund von Tajars Häschern gefangengenommen worden ist und verspricht der Provencalin, ihr bei der Suche nach dem Tier zu helfen.
In der Nacht nutzt Sean den Mantel der Dunkelheit, um sich in Wolfsgestalt ein wenig umzusehen. Dabei entdeckt er eine schmale Spalte, die durch die umgebenden Felswände in die Berge führt und scheinbar recht häufig benutzt wird. Als der rote Wolf dem Pfad folgt, entdeckt er, daß man auf diesem Weg innerhalb einer knappen halben Stunde schon wieder aus dem Gebirge hinaus gelangt. Als er aus dem Schatten der Felsen tritt, sieht er in einiger Entfernung mitten in der Wüste eine etwas übermannshohe schwarzglänzende Stele, die in einer kleinen Mulde steht und mit Schriftzeichen bedeckt ist. Da er sich nicht zu weit von dem Rest entfernen will, beendet er seine Erkundung hier und kehrt zurück.
Am nächsten Tag reisen die Serpentianer in Begleitung von Isabelle de Carason ab und gelangen schon bald zu der Stele. Llwellyn kann die Schriftzeichen zwar nicht lesen, aber dennoch sind sie ihm vertraut: Das seltsame Buch, das die Magi damals bei Abbas fanden und das Shakram noch immer übersetzt, war mit denselben Buchstaben geschrieben. Über der Schrift befindet sich noch die Zeichnung eines stolzen Löwen. Llwellyn zeichnet die eingemeißelten Symbole mehr schlecht als recht ab, um sie später Shakram zu senden.
In der Nähe der Stele kann Sean schließlich Spuren einer Karawane finden. In der Hoffnung, daß hier in der letzten Zeit nur diese eine vorbeigereist ist, folgen Llwellyn und seine Begleiter der Fährte, die sie schließlich zu einer recht großen und belebten Oase führt. Es gibt hier sogar zwei Karawansereien, von denen die eine schon fast völlig mit Beschlag belegt ist: Tajars Häscher machen kein großes Geheimnis aus ihrer Anwesenheit, die verschiedenen Wagen stehen gut sichtbar aber schwer bewacht in einem Ring am Rand des Dorfes.
In einem der Käfige, die auf den von Pferden gezogenen Wagen angebracht worden sind, findet Isabelle dann auch Arco, ihren treuen Hund. Ein anderer Käfig ist tief verhängt, aber Sean kann den strengen Geruch eines Löwen dabei riechen. Offenbar haben sie die Gesuchten gefunden.
Um sich zunächst ein wenig über die Schwarze Karawane zu informieren, erkundigt sich Llwellyn nach ihrem Führer. Dieser, ein völlig in Rot gekleideter Mann, bemerkt das Interesse der Neuankömmlinge und lädt sie großzügig zum Abendessen ein. Er erweist sich als hochkultivierter und an fremden Sitten interessierter Gastgeber, allerdings erweckt seine Freundlichkeit einen etwas schalen Nachgeschmack. Vielleicht liegt es daran, daß er zu glatt erscheint, oder an der Tatsache, daß seine Sklaven eine fast panische Angst vor ihm haben. Das Mißtrauen der Reisegefährten ist geweckt.
Und das nicht zu unrecht: In der opulenten Mahlzeit, die der Rotgewandete ihnen auftragen ließ, war ein starkes Schlafmittel enthalten. So merkt keiner der Gefährten, wie sie mitten in der Nacht klammheimlich aus ihren Betten entführt und in ein paar der noch leeren Käfige gesperrt werden.
Als sie wieder aufwachen, ist es bereits zu spät: Die Karawane ist bereits aufgebrochen. Llwellyn, der seinen Wagen mit Henry teilt, bemerkt zuerst, daß ihm die kleinen Hilfsmittelchen fehlen, die er für seine Formelsprüche braucht. Als nächstes stellt er fest, daß die Käfige magisch versiegelt sind, sodaß er auch keine spontanen Zauber mehr wirken kann. Auch Sean, der allein untergebracht ist, findet sich seiner übernatürlichen Kräfte beraubt. Isabelle hört von der seltsamen russischen Frau, die ihren Wagen teilt, dasselbe. Bei einer näheren Unterhaltung mit ihrer Mitgefangenen erfährt die Provencalin, daß diese nicht wirklich ein Mensch ist, sondern eine Ruselka. Was das allerdings bedeutet, erklärt ihr die Fremde nicht.
Weder Llwellyn noch Henry sind bereit, ihre Gefangennahme einfach so hinzunehmen und verursachen daher ein wenig Ärger, um die Wächter zu provozieren. Diese nehmen die Herausforderung an; unglücklicherweise sind der Magier und sein einzelner unbewaffneter Grog keine ernsthaften Gegner für die trainierten Wachen. Für ihre Widerspenstigkeit werden die beiden kräftig ausgepeitscht und danach zum Trocknen an die Sonne gehängt. Im Normalfall sind die Käfige nämlich mit einer Plane bedeckt, um die Insassen vor der grausamen Wüstenhitze zu schützen, jetzt aber wird dieser Schutz von dem Wagen der beiden Aufrührer entfernt.
Sean geht seinen Fluchtversuch etwas geschickter an: Unbemerkt von den Wachen wechselt er in der Deckung der undurchsichtigen Plane unter großer Anstrengung in die Schatten. Dort allerdings wird er sofort von einem dämonischen Wesen attackiert. Immerhin ist der magische Schutz hier nicht mehr so stark, sodaß der Ire sich verwandeln und schnell fliehen kann.
Bei seiner ziemlich wilden Flucht kommt er schon bald an eine kleine Oase. Dort trifft er den Geist der Quelle, der ihm gern erlaubt, sich hier zu erfrischen. Auch der Quellgeist hat schon seine leidvollen Erfahrungen mit der Schwarzen Karawane gemacht und kann Sean berichten, daß die Siegel, die die Zauberkraft der Gefangenen behindern, jeweils bei Sonnenauf- und untergang erneuert werden müssen. In dieser Dämmerzeit jedoch sind sie wesentlich schwächer, sodaß ein energischer Ausbruchsversuch zu dieser Stunde wohl die größten Chancen hat. Als der Quellgeist sieht, daß Sean fest entschlossen ist, dies zu wagen, bietet er ihm seine Hilfe an, die der Gestaltwandler auch gern annimmt.
Gegen Abend trifft auch die Karawane an der Oase ein, aber der Geist der Quelle kann Sean vor den Dämonen, die den Wagen in den Schatten folgen, verstecken. Seine Hilfe reicht noch weiter: Durch sein Gemurmel verständigt er die Gefangenen, daß am nächsten Morgen ein Befreiungsversuch gemacht werden wird, der aber nur mit ihrer Hilfe gelingen kann.
Schließlich ist es dann soweit: Die ersten Strahlen der Morgensonne kriechen langsam in die kleine Oase, und der Führer der Karawane, der wohl ein Zauberkundiger sein muß, beginnt, die Siegel zu erneuern. Einen kurzen Moment scheint alles friedlich, dann aber greifen der Quellgeist und Sean mit all ihrer Macht an. Auch Henry kann sich von seinen Fesseln befreien und die Tür des Gitterkäfigs sprengen, sodaß Llwellyn in der Lage ist, den Wagen zu verlassen. Jetzt, da seine Magie nicht mehr gehemmt ist, greift der zornige Ex Miscellania sofort den rotgewandeten Führer an und verbrennt ihn zu einem kleinen Häuflein Asche. Auch einige der anderen Gefangenen schaffen es, ihre Käfige zu sprengen, darunter die Ruselka. Während diese merkwürdige Frau mit Zähnen und Klauen gegen die Wächter kämpft, öffnet Isabelle einen Käfig nach dem anderen, sodaß bald schon alle befreit werden können. Einige von den teilweise sehr merkwürdigen Kreaturen wenden sich auch gegen die Sklaventreiber, einige andere aber fliehen nur. Der Schwarze Löwe jedoch schaut bei seiner Befreiung nur traurig auf das Blutbad, daß hauptsächlich Llwellyn und die Ruselka veranstalten, brüllt einmal kurz als Dank auf und verläßt den Ort des Kampfes würdevoll.
Schließlich werden die Wächter besiegt, nur zwei von ihnen haben das Massaker überlebt. Diese werden gefangengesetzt, damit man sie später befragen kann. Als Isabelle, die über ausgezeichnete Kenntnisse der Heilkunst verfügt, sich etwas später um ihre Wunden kümmern will, muß sie allerdings feststellen, daß die beiden tot sind, obwohl sie den Grund dafür nicht herausfinden kann. Da Llwellyn entschlossen ist, ein paar Antworten zu bekommen, werden die Leichen kurzerhand auf einen der Wagen geladen, damit Nakatia sich im Bund mit ihnen unterhalten kann.
Bei der Durchsuchung der Habseligkeiten seiner toten Gegner findet Llwellyn in dem Zelt des Karawanenführers ein kleines Kästchen voller Gold, das ihn sofort in seinen Bann zieht. Der Magus versteckt es zunächst einmal, da er fürchtet, einer der anderen könnte es ihm stehlen wollen.
Wieder in Serpentia angekommen, läßt Llwellyn nach Nakatia schicken. Die versucht dann auch, die Geister der toten Wächter zu beschwören, aber niemand antwortet auf ihre Anrufung. Offenbar sind die beiden längst zur Hölle gefahren.
Kurz nach der Heimkehr der Gefährten fällt Tina eine seltsame Veränderung an ihrem Ehemann auf: Er scheint ein Geheimnis zu haben und wird unglaublich bösartig, wenn man ihn deswegen bedrängt. Auch scheint er unter einer Art von Verfolgungswahn zu leiden. Das alles, so meint Tina, geht auf ein seltsames Kästchen zurück, das Sine einmal kurz bei ihrem Vater gesehen haben will.
Da sie mit ihren Mann nicht über dieses Thema reden kann, wendet sich die Italienerin in ihrer Not an Nakatia. Diese ist zwar zunächst nicht überzeugt, daß etwas nicht stimmt, aber nach einem Gespräch mit dem unglaublich feindseligen Llwellyn ändert sie ihre Meinung. Zusammen mit Terminus und Theobald entwendet sie den anderen Magus das Kästchen und stellt tatsächlich einen dämonischen Einfluß fest. Gemeinsam bannen Terminus und sie den Kastenteufel, woraufhin Llwellyn wie aus einem bösen Traum aufwacht und von dem Bann erlöst ist.

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Marganma

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