Serpentia

Ruairighs Heldentat

Winter 1196

Nakatia, Mesinga, Bernward, Taricles, Padraig, Gwyn, Olf, Lin Chou Yüan, Ruairigh

In der längsten Vollmondnacht des Jahres machen sich einige Magier auf, um das Vis des Mondbaumes abzuernten. Dabei jedoch geht etwas schief: Versehentlich entzieht Nakatia dem Baum zuviel magische Energie – fünf Bauern statt nur einem. Als Alkmene versucht, den Schaden mit Hilfe dieser Bauern wieder gut zu machen, verschwindet sie im Inneren des Baumes und kommt erst einige Zeit später wieder zurück. Sie berichtet, daß sie kurz das Bewußtsein verlor. Als sie wieder aufwachte, machten sich viele kleine Spinnen an ihr zu schaffen und versuchten, sie einzuweben. Allerdings gelang es ihr, zu fliehen und zurückzukehren. Das Vis jedoch ist nicht mehr vorhanden.
Andrew bricht auf, um im Bund weiteres Vim-Vis zur Heilung des Mondbaumes zu holen. Auf dem Weg wird er von Tarila in der Gestalt eines Einhorns überholt, die gerade von der Jagd zurückkehrt. Als sie jedoch den Bund erreicht, hört man aus dem Stall das laute Brüllen eines erzürnten Stieres. Plötzlich scheint Feuer im Hof auszubrechen, wilde Flammen lecken über Mauern und Gebäude. Erschrocken hält Tarila einen Moment inne, dreht sich dann um und jagt Richtung Baum davon. Im Tor des Bundes erscheint jetzt das Wesen, das sie so erschreckt hat: Ein riesiger roter Stier, der in Flammen zu stehen scheint und nur entfernte Ähnlichkeit mit Heracles hat. Das brennende Tier brüllt laut auf, als es das fliehende Einhorn erblickt. Dann beginnt es mit der Verfolgung, und obwohl Andrew und Rhys alles tun, um den Stier aufzuhalten, erreicht das monströse Wesen den Baum kurz nach Tarila. In einem hellen Aufblitzen verschwindet das Einhorn, und Alkmene, Dáirine und die anderen sehen den Flammenstier auf sich zurasen. Um sich selbst und die anderen zu schützen, spricht Alkmene einen Spruch, der eine Wurzelwand erschafft. Damit der Zauber die nötige Stärke erhält, verstärkt sie ihn mit ihrer Lebenskraft und sinkt deutlich gealtert zu Boden. Aber die Wand bremst den rasenden Lauf des Stieres kurz, und seine Flammen jagen über die Menschen hinweg. Dann erreichen sie den Baum und setzen ihn in lichterlohen Brand. Als die durch den Wall Geschützen wieder aufblicken, ist auch der Stier verschwunden.
Im Bund wird jetzt eine Krisensitzung einberufen. Bernward will sofort aufbrechen, um seine Frau zu suchen, aber die anderen überzeugen ihn, bis zum Morgen zu warten und zuerst zu planen. Im Laufe der Sitzung wird beschlossen, daß Bernward und Nakatia zunächst in den Goldenen Frühlingswald gehen werden, um dort Erkundigungen nach Einhorn und Stier anstellen. Wenn sich dort nichts anderes ergibt, wollen sie weiter zum Eulenwald reisen, um in Tarilas ehemaligem Reich mehr zu erfahren.
Als Gwyn und Padraig von der ganzen Geschichte hören, kommen sie auf die Idee, daß die Rettung eines Einhorns eine geeignete Heldentat für Dáirines Ehemann Ruairigh wäre, und überreden ihn, sich der Expedition anzuschließen. Die beiden jungen Männer wollen ebenfalls mitkommen: Schließlich wird Sir Ruairigh ja Knappen brauchen, oder?
Neben diesen dreien kommen die Leibgrogs Taricles und Mesinga mit, außerdem auch noch Olf wegen seiner Deutschkenntnisse und Lin Chou Yüan, der Bernward begleiten möchte. Außerdem geht auch die junge Groga Soltana mit, da sie sich Heracles sehr verbunden fühlt und hofft, ihm irgendwie helfen zu können.
Am späten Vormittag des nächsten Tages sind schließlich alle Vorbereitungen beendet und die Gruppe bricht auf. Der Weg in den Goldenen Frühlingswald ist leicht gefunden, und die Königin begrüßt ihre Gäste freundlich. Leider kann sie nicht viel weiterhelfen, was Tarilas Verbleib angeht, aber einer ihrer anderen Gäste wird hellhörig, als der rote Stier erwähnt wird. Sein Name ist Sir Sheldan, er ist ein Ritter aus dem Weidenland. Seine Königin, so behauptet er, wisse mehr über den Stier und auch über das Einhorn. Ein wenig zögernd beschließen Nakatia und Sir Ruairigh, sich ihm anzuschließen.
Am nächsten Morgen machen sie sich auf den Weg. Sir Sheldan führt die Gruppe – das Weidenland befindet sich in einiger Entfernung vom Goldenen Frühlingswald. Dazu müssen sie auch mehrere andere Reiche passieren. Schon am Abend haben sie eines davon erreicht: Einen riesigen Wald mit dunklen Bäumen, deren Äste die Sonne verbergen. Mitten in diesem Wald lebt ein Volk von Gnomen, die eine riesige Mühle betreiben. Ihre Häuser sind auf die Flügel der Mühle gebaut, die sich langsam drehen und so die Hälfte eines Tages über dem Wipfeldach sind – im Licht der immer scheinenden Sonne….
Allerdings gibt es ein Problem mit der Mühle: Vor ein paar Tagen ist die Achse von eines Zahnrads gebrochen, und jetzt können sich die Flügel nicht mehr drehen. Die Gnome sind überaus unorganisiert und haben mit der Reparatur kaum Fortschritte gemacht, als die Serpentianer bei ihnen eintreffen. Kurz entschlossen beschließen sie, den kleinen Feen zu helfen. Mit etwas Magie und Ruairighs Organisationstalent ist es dann auch nicht sonderlich schwierig, den Gnome die nötigen Aufgaben zuzuweisen und die Achse zu reparieren.
Am Tag nach ihrem Aufbruch von der Gnomenmühle kommen die Serpentianer schließlich im Weidenland an. Unterwegs haben sie von Sir Sheldan erfahren, daß es sich bei den Einwohnern größtenteils um Hirten handelt – es gibt nur sieben Ritter in diesem Reich. Jeder von ihnen ist einem der wichtigen Tiere der Hirten zugeteilt: Sir Sheldan selbst ist der Ziegenritter.
Die Königin vom Weidenland, Altana, empfängt die Gefährten kühl. Nach dem Roten Stier und dem Einhorn gefragt, erzählt sie, daß vor langer Zeit einmal eine ganze Herde dieser Einhörner ihr Reich heimgesucht hat. Allerdings sind diese Wesen nicht wirklich das, was sie vorgeben zu sein – es sind Windwölfe, die nur die Gestalt von Einhörnern angenommen haben, um ihre Beute besser täuschen zu können. Nun können die Bewohner des Weidenlands teilweise selber Tierform annehmen, und so wurde die Tochter der Königin von den Windwölfen in dieser Gestalt getötet. Daraufhin rief Altana den Roten Stier, den Beschützer ihres Reiches, und gab ihm den Auftrag, alle „Einhörner“ zu töten. Tarila ist jetzt die Letzte ihrer Art – für die anderen stehen verdorrte weiße Lilien vor Altanas Thron.
Die Königin erlaubt Sir Sheldan, den Gefährten den Weg zum Eulenwald zu zeigen, wo die Suche nach Tarila weitergehen soll. Als Gegenleistung fordert sie, daß Sir Ruairigh und seine Begleiter noch einmal zurückkehren und ihr berichten, wie die Geschichte ausgegangen ist. Ein wenig zögernd stimmt der irische Ritter zu – ihm und den anderen scheint der Haß der Feenkönigin viel zu extrem. So verweilen sie nicht lange im Weidenland, sondern machen sich gleich wieder auf den Weg.
Am nächsten Tag kommen Sir Ruairigh und die anderen an eine Brücke über einen bodenlosen Abgrund, die sie überqueren müssen. Allerdings wird diese Brücke von drei Rittern bewacht, die nicht bereit sind, die Gefährten einfach passieren zu lassen. Es gelingt Sir Ruairigh, den ersten in einem Harfenduell zu besiegen und der zweite wird von Bernward überlistet. Dabei stellt sich heraus, daß diese beiden Ritter nicht ganz das waren, was sie vorgaben zu sein: Tatsächlich scheint es sich bei ihnen um kleine Kobolde in einer leeren Rüstung gehandelt zu haben. Der dritte Ritter jedoch ist echt, wird aber von Sir Ruairigh im Schwertkampf besiegt. Sein Name ist Sir Aasimar, und er schließt sich der Gruppe als Gefolgsmann des siegreichen Ritters an.
Der weitere Weg zum Eulenwald verläuft ereignislos, wenn man davon absieht, daß sich Gwyn und Taricles unterwegs mit einer kleinen grünen Schnecke namens Osiris anfreunden, die allerdings noch zu jung ist, um ihre neuen Freunde zu begleiten.
Nach ein paar Tagen Reise ist sich Sir Sheldan nicht mehr ganz sicher, wo der Weg entlangführt. Um sich zu orientieren, benutzen die er, Gwyn und Padraig einen nahen Ausgang in die Menschenwelt. Dabei finden sie heraus, daß sie in der Nähe der Burg Greifenfels sind. Der Herr auf Greifenfels ist jener Ritter Robert, dem Andrew und Hélène in dem Dorf Eulenwald begegnet waren. Sir Ruairigh beschließt, der Burg zusammen mit Gwyn, Padraig und Olf einen Besuch abzustatten. Dabei erfahren sie, daß Robert mittlerweile verheiratet ist und sich die Dinge in der Gegend auch generell zum Besseren gewandelt haben: Die Menschen von Eulenwald haben das Christentum nicht vergessen, und es ist Robert gelungen, einen festen Priester für diese Gegend zu bekommen. Auch die Spukmine wurde wieder in Betrieb genommen und vollständig ausgebeutet – mit dem Überschuß an Einnahmen soll jetzt ein Kloster für Benediktinerinnen gebaut werden. Robert hat sich von einem mürrischen, sorgenvollen Menschen in einen glücklich verheirateten, fröhlichen Mann verwandelt, der an diesem Abend den Geburtstag seiner Frau Helga feiern will. Natürlich sind Sir Ruairigh und sein Gefolge herzlich eingeladen. Zur Unterhaltung für die Gäste sind ein paar durchreisende Zigeuner angeheuert worden. Dabei gibt es einen unangenehmen Zwischenfall: Als eine rothaarige Zigeunerin einen aufreizenden Tanz vorführt, ereifert sich die Nonne Schwester Agnes und bezichtigt sie der Hexerei. Die Rothaarige fängt ihrerseits an, die Nonne zu beschimpfen, woraufhin die Zigeuner aus der Burg geworfen werden. Sie reisen noch am selben Abend ab. Ein Stück von Greifenfels entfernt wird das rothaarige Mädchen von ihrer Sippe zusammengeschlagen, verstoßen und im Schnee liegengelassen. Dort finden sie Nakatia, Bernward und Lin. Sie nehmen das verletzte Mädchen mit zum Lager und kümmern sich um ihre Wunden.
Am nächsten Tag kehren Sir Ruairigh, seine Knappen und Olf wieder zu den anderen zurück. Sir Sheldan ist sich jetzt sicher, den Weg in den Eulenwald finden zu können, und so bricht die ganze Gruppe wieder auf. Auch Alessandra, die Zigeunerin, begleitet sie – sie wüßte nicht, wo sie sonst hinsollte.
Schließlich erreichen Sir Ruairigh, Bernward und die anderen den Eulenwald. Aber der einstmals lebendige, grüne Wald ist jetzt nur noch ein Feld aus niedergebrannten und zertrampelten Bäumen, in dem sich kein Hauch mehr regt. Entsetzt sehen die Gefährten das Ausmaß der Zerstörung. Die Brandspuren weisen eindeutig darauf hin, daß hier der Rote Stier gewütet hat. Vor allem Sir Sheldan ist zutiefst schockiert: Er hat nicht geahnt, welche Auswirkungen der Haß seiner Königin haben könnte.
Sowohl das Tag- als auch das Nachtreich sind vollständig zerstört, es scheint keine Überlebenden zu geben. Nur noch die Skelette einiger Feentiere können gefunden werden. Außerdem entdeckt Bernward noch etwas rotglänzendes unter der Asche – den Flügel eines roten Drachen, Elviras Flügel. Bei diesem Fund kommt ihm die Idee, mit Elviras Vater Nebel-Egon zu sprechen. Vielleicht weiß er ja, was hier genau geschehen ist. Bernward schickt ihm eine Nachricht, indem er Elviras Flügel als arkane Verbindung nutzt. Nach einiger Zeit steigt an den Grenzen des Reiches Nebel auf – der schwarze Drache hat die Botschaft erhalten und ist gekommen. Er kann bestätigen, daß der Rote Stier den Eulenwald zerstört hat. Elvira jedoch lebt noch, aber er ist nicht in der Lage, sie zu finden.
Nach der Begegnung mit Nebel-Egon will sich Nakatia das Spinnenreich im Eulberg ansehen, von dem sie in England gehört hatte. Tatsächlich läßt sich der Eingang zu diesem Reich bei der alten Mine finden. Die Königin – eine Riesenspinne – empfängt Nakatia als ihre Mutter und Schöpferin. Da alle anderen Spinnen in diesem Reich die Nachkommen dieser Königin sind, hat Nakatia jetzt plötzlich eine ganze Menge Enkelinnen, Urenkelinnen, Ururenkelinenn und so weiter.
Die Spinnenkönigin – die ebenfalls den Namen Nakatia trägt – kann zwar nicht viel weiterhelfen, aber immerhin berichtet sie, daß das Einhorn und der Rote Stier im Eulenwald gewesen sind. Kurz vor ihrem Auftauchen sei auch eine menschliche Frau aus einem Baum gefallen, aber kurz darauf gleich wieder verschwunden. Nakatia nimmt an, daß es sich bei ihr um Alkmene gehandelt hat. Wenn aber nun dieser Baum hier eine Verbindung zum Mondbaum in Serpentia hat, dann vermutet sie, er könne vielleicht bei der Heilung des Mondbaums helfen. So verabschiedet sie sich von ihrer Tochter und deren Volk und läßt sich zu dem Ort führen. Aber der andere Baum ist ebenfalls verbrannt und tot. Genau wie in Serpentia finden die Magier zwischen seinen Wurzeln Vim-Vis in Form von gläsernen Eichen.
Während sich alle um den toten Baum versammelt haben, kommt ein dichter Nebel auf. Da sie jetzt keine echte Spur mehr haben, um Tarila und den Roten Stier zu finden, konzentriert sich Bernward jetzt auf das Bild seiner Frau und schreitet entschlossen in den Nebel hinein. Die anderen folgen ihm. Bei ihnen befindet sich auch eine kleine Spinne, die sich in Nakatias Haar eingenistet hat. Von der Schlange Samt erhält sie den Namen Seide.
Nach einer längeren Reise klärt sich der Nebel endlich wieder. Die Gefährten stehen jetzt auf einer großen Frühlingswiese, auf der bunte Blumen wachsen. In einiger Entfernung steht eine kleine, windschiefe Hütte mit einem gut sortierten Kräutergarten davor. In dieser Hütte lebt die Kräutermizi, die auch gern bereit ist, Sir Ruairigh bei seiner Queste zu helfen. Sie braut ihm gerade einen Trank und braucht nur noch ein Löwenherz, um ihn fertigzustellen. Nach kurzer Beratung fällt Nakatia und Olf ein, daß auch Erdbeeren manchmal als Löwenherzen bezeichnet werden. Die Früchte sind schnell gefunden, und kurz darauf übergibt Kräutermizi Sir Ruairigh sieben Verwandlungstränke, die er vielleicht einmal gebrauchen könnte. Außerdem weist sie ihm den Weg in Richtung der tiefhängenden Wolken – dort würde er weiterreisen müssen.
Nach einer kurzen Reise in die Wolken hinein erreichen Sir Ruairigh und die anderen einen großen Palast voller Vögel aller Arten und Größen – von Sperlingen bis zu Adlern. Unterwegs haben sich diverse Verwicklungen zwischen Padraig, Gwyn und dem Zigeunermädchen Sandra ergeben: Während Padraig sich zu Sandra hingezogen fühlt, hat die Rothaarige nur Augen für Gwyn. Der wäre zwar nicht uninteressiert, will aber seinem besten Freund auch nichts wegnehmen…
Im Palast werden die Reisenden freundlich empfangen und am Abend zu einem Fest der Vogelkönigin geladen. Diese ist eine beeindruckend schöne Fee, die sehr viel Interesse an Gwyn zeigt. Dieses Interesse wird von dem jungen Knappen auch erwidert, und die beiden verschwinden schon recht früh zusammen. Sandra verbringt den Abend allein, bis Padraig ihr Gesellschaft leistet. Er macht sich Sorgen um seinen Freund: Einige der Vögel haben ihm erzählt, daß die Königin dem Jungen eine Lektion erteilen wolle…
Ruairigh verbringt den Abend damit, auf seiner Harfe zu spielen. Seine Musik beeindruckt einige Adler, und sie überlassen ihm eine kleine Pfeife, mit der er sie zu Hilfe rufen kann.
Am nächsten Morgen wacht Gwyn neben der Vogelkönigin auf und erfährt, worin die Lektion besteht – über Nacht hat die Fee den Jungen in ein überaus hübsches Mädchen verwandelt. Sie eröffnet ihm, daß dies die Strafe für die vielen gebrochenen Herzen sei, die er hinter sich gelassen hätte. Der Fluch würde enden, wenn er das Kind dieser Nacht geboren hätte….
Sir Ruairigh ist nicht sonderlich begeistert von dieser Entwicklung. Da die Feenkönigin jedoch nicht für ihn zu sprechen ist und die Zeit zu drängen scheint, brechen die Gefährten an diesem Morgen wieder auf. Erneut folgen sie Bernwards Gefühl, das sie diesmal in einen düsteren Wald führt. Dort erfahren sie von einem Getreuen der Vogelkönigin, daß es sich um das Reich Morgenrot handelt, in dem einiges nicht zu stimmen scheint. Mehr weiß der Vogel jedoch auch nicht zu sagen. Allerdings merken die Magier schnell, daß sie hier ihre Kräfte nicht anwenden können: Die Magie scheint förmlich aus ihnen herausgesaugt zu werden. Dennoch findet Mesinga nach einiger Zeit tatsächlich die Spuren von Einhorn und Stier. Es ist dem Roten Stier wohl tatsächlich gelungen, Tarila zu stellen, dann aber wurde er von irgendetwas zurückgehalten, sie zu töten. Bernward, der intensiv an diesem Ort meditiert, hat den Eindruck, daß eine Art Kette dafür verantwortlich gewesen sein könnte.
Der weitere Weg durch den Wald führt schließlich zur Stadt Morgentau. Über den gedrängten grauen Häusern erhebt sich auf der Spitze einer Klippe ein einsames Schloß. Dahinter liegt das Meer, das in den Strahlen der Sonne rötlich zu glühen scheint. Als die Gefährten in die Stadt gehen wollen, lernen sie schon am Tor Sir Lukas kennen, einen Troll-Ritter, der ihnen erklärt, daß der König für niemanden zu sprechen sei und schon lange keinen Besuch mehr bekommen hätte. Er gibt ihnen eine laufende Rüstung mit, die sie zu einem Gasthaus führt.
Hier erfahren die Gefährten noch deutlicher, daß etwas in der Stadt nicht stimmt. Der junge König Lir ist seit dem Tod seiner Eltern vor mehreren Jahren nicht mehr für das Volk zu sprechen. Er hat einen merkwürdigen Hofmagier, der den Namen Vitus Aeternus trägt. Gwyn kennt diesen Namen aus den Erzählungen seines Vaters – Vitus Aeternus war einst ein Verditius, der aber aus dem Orden ausgestoßen wurde. Möglicherweise handelt es sich bei ihm um einen Dämonisten.
Vor einigen Tagen jedenfalls hat die Bevölkerung der Stadt ihren König das erstemal gesehen: Da ritt er mit einer großen Gesellschaft auf die Jagd. Auch der Rote Stier befand sich an seiner Seite.
Da sich Tarila möglicherweise im Schloß befindet, machen sich die Gefährten auf die Suche nach einem Geheimgang. Es gelingt ihnen tatsächlich, einen zu finden, aber als sie versuchen, ihn zu öffnen, werden sie von den laufenden, quietschenden Rüstungen angegriffen, die im Dienst des Königs zu stehen scheinen. Zwar gelingt es ihnen, die Rüstungen leicht zu überwinden, aber dabei erregen sie das Aufsehen des Magiers. Als dieser sie jedoch auf einen fliegenden Stuhl angreift, beschießt Nakatia ihn mit Rhys` Feuerstab, den sie vorsichtshalber mitgenommen hatte. Brennend stürzt der Stuhl mit dem Magier ins Meer.
Hastig dringen die Gefährten nun weiter ins Schloß vor. Schließlich kommen sie zu einem geheimen Durchgang unter den Verliesen. Dort hören sie allerdings schon mehrere Wachen herumlaufen. Auch der junge König ist anwesend und drückt Sir Lukas gegenüber sein Interesse aus, die Eindringlinge kennenzulernen. Daraufhin öffnen Olf und Taricles den Durchgang, und Sir Ruairigh stellt sich dem König vor.
König Lir wirkt noch sehr jung, aber irgendetwas scheint nicht mit ihm zu stimmen. Er und Sir Lukas erwecken irgendwie den Eindruck, sich zu bewegen wie Marionetten und nicht wie lebendige Personen. Dieses merkwürdige Verhalten war Gwyn und Padraig auch schon bei dem Wirt in der Stadt, nicht aber bei seiner Frau oder seiner Tochter aufgefallen.
Der König heißt seine „Gäste“ willkommen und bittet sie, mit in den Thronsaal zu kommen. Ihre Waffen jedoch müssen sie abgeben, nur den Feuerstab – getarnt als Bannerstange – können sie mitnehmen. Im Thronsaal erfahren Bernward und die anderen, daß der König leidenschaftlich gerne jagt, und daß er für morgen eine neue Jagd angesetzt hat. Beute soll, wie schon zuvor, das Einhorn Tarila sein. Er bietet Sir Ruairigh an, zusammen mit seinen Begleitern an der Seite des Einhorn zur Beute zu werden. Ihre Waffen werden sie zur Jagd zurückerhalten. Sir Ruairigh überlegt recht lange, und gerade als er diesem Handel zugestimmt hat, schwingt die Tür auf und der tropfnasse Hofmagier kommt zornerfüllt herein. Er eröffnet dem König, die Bannerstange sei eine getarnte Waffe und seine Gäste wollten ihn nur betrügen.
Es kommt zu einem hitzigen Streit zwischen Vitus Aeternus und Sir Ruairigh, der darin endet, daß der ausgestoßene Verditius die steinerne Decke über einem Großteil der Gefährten zusammenbrechen läßt. Gwyn, der sich zusammen mit Sir Ruairigh und Padraig in Sicherheit befunden hat, springt den Magier mit gezogenem Dolch an und stößt ihn aus dem Fenster, daß sich glücklicherweise im ersten Geschoß befindet. Nach kurzem Sturz prallen beide auf. Gwyn kommt mit ein paar Kratzern davon, aber Vitus Aeternus, durch den Dolch schon schwer verletzt, überlebt nicht. In dem selben Moment, in dem der Magier stirbt, können die Magier ihre Fähigkeiten wieder einsetzen.
Oben im Thronsaal ist die Situation schlecht: Zwar hat Olf durch ein Wunder keinen einzigen Stein abbekommen, aber Mesinga, Soltana, Sir Aasimar, Sir Sheldan, Bernward, Taricles, Nakatia, Lin und Sandra sind von der Decke verschüttet worden. Padraig, der gesehen hat, wie Sandra von mehreren schweren Steinen getroffen wurde, greift sich den Feuerstab und beginnt, den Trollritter Sir Lukas zu beschießen. Olf hingegen nimmt seine schwere Axt und schlägt zunächst dem reglos dasitzenden König den Kopf ab. Dann rammt er seine Waffe noch dem brennenden Troll in den Rücken, bevor er sich aufmacht, um in den Trümmern nach Überlebenden zu graben.
Nur Bernward, Nakatia und Lin können noch lebend geborgen werden. Bernward und Lin konnten sich unter den schweren Tisch flüchten, und Nakatia wurde durch Mesingas Körper vor den schlimmsten Verletzungen geschützt. Dennoch geht es ihr sehr schlecht.
Gwyn hat mittlerweile das Herz des Magiers aus seinem Körper gezogen – eine merkwürdiges mechanisches Gerät – und ist dann zu den anderen zurückgekehrt. Die Erde bebt mittlerweile heftig, und das Schloß beginnt, zusammenzustürzen. Während Bernward, Sir Ruairigh, Olf und die Lehrlinge die Verletzten sowie Mesingas und Sandras Leichen herausbringen, stürzt der Turm des Magiers in sich zusammen. Aus den Ruinen schreitet der Rote Stier, der das besinnungslose Einhorn auf dem Rücken trägt. Er scheint kein Feind mehr zu sein. Außerdem klammert sich die schwerverletzte Elvira, die hier von dem Magier gefangengehalten wurde, an den Rand der Klippe, die im Zerfall inbegriffen ist. Es gelingt Bernward nicht, sie zu retten, aber Sir Ruairigh kann mit seiner Pfeife die Adler rufen, die den schweren Drachenkörper tatsächlich in letzter Sekunde abfangen und in die Stadt zum Marktplatz bringen, wo auch schon der Rote Stier und das Einhorn warten.
Nakatia ist zu schwer verletzt, als das ihr die heilende Magie, die Bernward zu wirken versucht, helfen könnte, daher webt Seide sie in einen Kokon aus Spinnweben ein. So wird sie überleben, bis sie im Bund behandelt werden kann. Während sich Olf und die Lehrlinge um Nakatia kümmern, unterhält sich Bernward mit dem Roten Stier. Von ihm erfährt er, daß der Stier tatsächlich vom Haß der Königin des Weidenlandes getrieben Tarila gejagt hat, bis sie nach Morgenrot geflüchtet ist. Hier hat er sich mit König Lir verbündet, um das Einhorn erlegen. Aber als sie Tarila gestellt hatten, hielt ihn Lir zurück – lachend verlangte er, die Jagd zu wiederholen. In dieser Grausamkeit wiedergespiegelt erkannte der Rote Stier sein eigenes Wesen und konnte sich so von dem Haß lösen, da seine wahre Natur doch die eines Beschützers und nicht eines Jägers ist. Deshalb hat er Tarila auch gerettet. Es geht ihr recht gut und voller Freude begrüßen sie und Bernward sich.
Elvira jedoch geht es nicht so gut. Ihr eigenes Herz fehlt und ist von dem Magier durch eine mechanische Pumpe ersetzt worden – nicht unähnlich der, die Gwyn aus der Brust von Vitus Aeternus gerissen hat. Aber ohne ein Herz kann sie nicht leben. So ruft Bernward erneut Nebel-Egon herbei, der zunächst den abgerissenen Flügel seiner Tochter wieder mit ihrem Körper verbindet. Was das fehlende Herz angeht, so sieht der alte Drache jedoch nur eine Lösung: Sie braucht das Herz eines Drachen, also gibt er ihr sein eigenes und opfert so sein Leben für seine Tochter.
Als es Elvira wieder besser geht, bietet sie an, Sir Ruairigh und die anderen ins Weidenland zu bringen – dort muß die Geschichte ein Ende finden. Vorher jedoch machen alle noch einen kleinen Abstecher zum Eulenwald, um herauszufinden, ob dieses Reich durch Elviras Rückkehr noch zu retten sei. Aber die Zerstörung ist zu vollständig, der Eulenwald kann nicht wieder aufgebaut werden. Dann jedoch hat Lin die Idee, daß das Reich Morgenrot einen neuen Herrscher braucht – und wer wäre besser dafür geeignet als eine rote Drachin? Elvira gefällt die Idee, aber zuvor will sie noch ihr Versprechen einlösen und die Menschen ins Weidenland bringen.
Dort angekommen, finden die Gefährten keine einzige menschliche Gestalt vor. Allerdings werden sie von einem stattlichen Ziegenbock empfangen, in dessen Augen sie eine bekannte Intelligenz funkeln sehen – der Tod des Feenritters Sir Sheldan ist nicht endgültig gewesen. In Begleitung des Ziegenbock, des Roten Stiers und noch vieler anderer Tiere reisen die Gefährten zur Halle der Königin Altana.
Dort angekommen, stürzt der Rote Stier sich in blinder Wut auf die Königin, doch Sir Ruairigh und die anderen können ihn besänftigen – Haß und Zorn haben hier jetzt keinen Platz. Nachdem der Stier zurückgetreten ist, erfüllt Ruairigh die Bedingung, die die Königin bei ihrer ersten Begegnung gestellt hatte: Er erzählt ihr die ganze Geschichte, wie sie begann und wie sie durch ihren Haß in Leid und Tod endete. Am Ende seines Liedes wird Altanas Gestalt immer durchscheinender, bis sie schließlich völlig verweht und nichts mehr von ihr verbleibt. Die neuen Herrscher im Weidenland werden die Tiere sein.
Vor ihrer Abreise bittet Padraig um die Erlaubnis, Sandra im Weidenland zu begraben, die er auch erhält. Während er und der Ziegenbock nach einem geeigneten Ort suchen, verläßt auch der Rote Stier die Halle. Gwyn folgt ihm und findet kurz darauf Heracles schlafend unter einem Baum vor. Nachdem der Grieche geweckt und über alles aufgeklärt wurde, machen sich die Gefährten auf den Weg zurück zum Bund. Die Rückreise verläuft ereignislos und in sehr gedrückter Stimmung.
Als die Reisenden den Feenwald endlich wieder verlassen, fällt der Fluch von Gwyn ab und er erhält seine natürliche Gestalt zurück, worüber der junge Mann sehr erleichtert ist….

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Marganma

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