Serpentia

Schachmatt in Prag

Sommer 1198

Rhys, Andrew, Karl, Alen, Lin Chou Yüan, Colleen, Alenka, Pierre

Dank Hugos neuem Lied brodelt die Gerüchteküche des Bundes förmlich über. Vor allem Alenka fühlt sich so sehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses unwohl. Daher überredet sie ihren Ehemann Pierre, mit ihr eine Reise zu ihrem Geburtsort Prag zu machen. Auch Andrew schließt sich an und überredet Rhys, seinem Labor eine Weile den Rücken zu kehren und auch mitzukommen. Zusätzlich schließen sich noch Alenkas Freundin Colleen und Lin Chou Yüan an, und natürlich die Leibgrogs Alen und Karl.
Es gibt noch einen weiteren Grund, nach Prag zu reisen: Vor einiger Zeit hatte ein Magier, der in Serpentia zu Gast war, ein Buch als Geschenk dagelassen. In diesem Buch, das 1115 von einem Bruder Tomasz aus dem Kloster Brevnov geschrieben wurde, geht es um ein großes Schachturnier, das damals in Prag stattgefunden hat. Einer der Turnierteilnehmer war ein junger Alocar d´Alencon… In dem Buch ist sogar ein Bild zu sehen, auf dem die Endpartie dargestellt wird. Die beiden Finalisten sind Woitech Udlice und Konrad von Annaberg. Die Aufstellung auf dem Schachbrett ist recht interessant: Schwarz ist eindeutig in der stärkeren Position, obwohl Weiß auch noch über viele wichtige Figuren verfügt. Andrew hofft, in Prag auf andere Schachspieler zu treffen, damit er seine Fähigkeiten in diesem Spiel ein wenig verbessern kann.
Die Reise geht zunächst durch einige Hermesportale über Al-Arama und Irencillia nach Deutschland. Das nächste Ziel ist Nürnberg, wo man sicherlich erfahren kann, wie man weiter nach Prag kommt. Während ihrer Reise durch Deutschland erfahren die Gefährten, daß im Moment Krieg zwischen den mächtigen Familien der Staufer und der Welfen herrscht, da der letzte deutsche Kaiser als seinen Nachfolger nur ein Kleinkind hinterlassen hat, das den Thron wohl nicht ausfüllen wird. Der böhmische König hat die Chance genutzt, um sich von dem Reich loszusagen. Trotz dieser Kriegswirren verläuft die Reise friedlich, und wenige Wochen später treffen die Serpentianer in Prag ein.
Dort nehmen sie sich zunächst ein Zimmer in einer Herberge. Dann geht Alenka mit Pierre los, um das alte Waisenhaus, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat, aufzusuchen. Sehr zu ihrer Freude wird es immer noch von demselben Mönch geführt, den sie von früher noch kennt: Bruder Martin, der hocherfreut ist, seine „Prinzessin“, wie er Alenka in ihrer Kindheit immer nannte, wiederzusehen. Von ihrem Ehemann ist er allerdings weniger begeistert: Er behauptet, Pierre würde „etwas finsteres“ anhaften, und er sei überhaupt kein guter Mann für Alenka. Nach dieser kleinen Mißstimmung verläßt das Ehepaar das Waisenhaus wieder. Alenka verspricht allerdings, mit Geschenken für die Kinder wiederzukommen.
Auf dem Rückweg vom Waisenhaus kommt es zu einem merkwürdigen Zwischenfall: Ein gutgekleideter junger Herr rennt an einer Straßenecke beinahe in Alenka hinein. Er scheint sie zu erkennen und nennt sie „Elena“. Als er seinen Irrtum erkennt, ist er sehr enttäuscht und verabschiedet sich schnell. Weder Alenka noch Pierre messen der Angelegenheit größere Bedeutung bei.
Am nächsten Tag suchen die Serpentianer eine Taverne im jüdischen Viertel auf, in der viel Schach gespielt wird. Dort lernen Rhys und Andrew den freundlichen Schachspieler Abraham Ben Nablah kennen, der einiges über das große Schachturnier vor achtzig Jahren weiß. Unter anderem soll das nahe Kloster Brevnov ein ganzes Buch haben, das sich nur den Partien dieses Turniers widmet. Bruder Jiri, ein Mönch des Klosters, gilt übrigens als einer der besten Schachspieler Prags. Nach einigen mehr oder weniger erfolgreichen Partien mit den lokalen Spielern ist es auch schon wieder Abend, und die Serpentianer kehren zu ihrer Herberge zurück.
Am Tag darauf brechen Andrew und Lin zum Kloster auf, um dort vielleicht ein wenig in dem Buch über das Schachturnier zu blättern. Bruder Jiri, den sie dort kennenlernen, gewährt ihnen Zugriff auf das Buch, das die beiden nun intensiv nach Informationen durchkämmen. Dabei erfahren sie, daß acht Personen an dem Turnier teilgenommen haben: Woitech Udlice, ein lokaler Adliger, der schon relativ alt und noch kinderlos war; Konrad von Annaberg, ein deutscher Ritter, der möglicherweise im Auftrag des Kaisers in Prag war; Alocar d´Alencon, der hier nur als französischer Ritter bezeichnet wird; Arnold von Steinfurt, ein weiterer Deutscher, der mit Alocar nach Prag kam und sehr von seinen Siegeschancen überzeugt war; Johannes, der damalige Bischof von Prag; Boleslav Primislid, ein Angehöriger des böhmischen Königshauses; Samuel Ben Ibrahim, ein reicher Jude; und die einzige Frau, Maria Ervenicova, eine Adlige aus einer lokalen Familie. Wie es scheint, waren Konrad und Woitech tatsächlich die Finalisten, wie es auf dem Bild, das auch in diesem Buch zu finden ist, angedeutet wird. Allerdings wurde diese Partie nie gespielt – am Abend vor dem Spiel erkrankte Konrad plötzlich sehr schwer und verstarb. Woitech wurde zum Sieger des Turniers, das er selber ausgerichtet hatte, erklärt. Er gewann damit ein Schachspiel von ungewöhnlicher Schönheit und hohem Wert.
Auf dem Bild in diesem Buch bemerken Andrew und Lin eine Besonderheit: Ein Schriftzug, der darunter geschrieben worden war, ist mit dicker schwarzer Tinte übermalt worden. Vorsichtig wirkt Andrew einen Spruch, der diese Tinte durchsichtig macht. Darunter sind die Worte zu lesen: „Die Dame schlägt den Ritter.“
Nach dem Fund dieser rätselhaften Botschaft begeben die beiden Männer sich wieder zurück zu den anderen. Für heute abend hat Andrew etwas besonderes geplant: Um Rhys ein wenig aufzuheitern, will er mit den anderen in eine eher heruntergekommene Schenke gehen und dort eine kleine Schlägerei provozieren. Rhys scheint ihm doch in letzter Zeit sehr niedergeschlagen und lustlos zu sein, und er hofft, ein kleiner Kampf würde die Lebensgeister des Iren wieder ein wenig anfachen.
Geplant, getan: An diesem Abend gehen alle gemeinsam in eine schattige Spelunke, in der viel getrunken wird und es so aussieht, als wäre es ziemlich einfach, eine Schlägerei zu provozieren. Tatsächlich müssen sich Andrew und Alenka weniger anstrengen als gedacht: Kaum haben sie sich an einem Tisch niedergelassen, als ein kleiner Kerl in Begleitung von zwei schrankähnlichen Männern zu ihnen kommt und Alenka fragt, was sie hier treibt. Auch er verwechselt sie offenbar mit „Elena“. Er behauptet, Mara wäre gar nicht erfreut, sie hier zu wissen und fordert sie auf, mit ihm zu kommen. Bevor jedoch die beiden Schränke Alenka verschleppen können, greifen Karl, Andrew und Pierre ein. Im Handumdrehen ist eine schöne Kneipenschlägerei im Gange, in deren Verlauf es dem kleinen Kerl, den die anderen beiden „Karel“ genannt haben, zwar gelingt zu entkommen, aber die beiden Schränke werden von Pierre zusammengeschlagen, nachdem einer von ihnen Andrew zu Boden geschickt hat. Um den Rest der Gaststätte kümmert sich Rhys mit seiner Whiskywolke.
Um näheres über Elena und die mysteriöse Mara zu erfahren, schnappen sich Pierre und Karl einen der Schränke und nehmen ihn mit, als sie die Spelunke verlassen. Aber an diesem Abend soll er nicht mehr befragt werden, da sich Andrew nicht sonderlich fit fühlt und den entsprechenden Spruch nicht mehr wirken will. Daraufhin gehen alle zu Bett, nur eine Wache wird aufgestellt, um auf den Gefangenen aufzupassen.
Aber als Alenka früh am nächsten Morgen aufwacht, stellt sie fest, daß Pierre sie nicht zu ihrer Wache geweckt hat. Als sie sich ein wenig im Zimmer umschaut, stellt sie zu ihrem Entsetzen fest, daß der Gefangene tot ist – jemand hat ihm die Kehle durchgeschnitten. Pierre ist nicht im Raum, und an der Tür steht ein kleines Holzkästchen.
Alenka macht sich zunächst auf die Suche nach ihrem Mann. Schnell hat sie ihn gefunden: Er liegt am Fuß der schmalen Treppe, die von den Gästequartieren hinunter in die Schankstube führt. Sein Genick ist gebrochen – Pierre ist tot.
In dem Holzkästchen, das an der Tür steht, findet sich eine einzelne, kostbare Schachfigur: Der weiße Turm. Die Befragung von Pierres Geist ergibt nichts, außer der Tatsache, daß er ermordet worden ist und nicht bei einem Unfall zu Tode gekommen ist.
Zunächst wird ein Priester gerufen, damit Pierres Leichnam aufgebahrt werden kann. Danach beginnen die Serpentianer zu überlegen, was hinter diesem heimtückischen Mord stecken mag. Eine vorhandene Spur sind sicherlich Mara, Karel und ihre Spießgesellen, eine andere die Schachfigur – möglicherweise stammt sie aus eben jenem Schachspiel, das damals der Preis des Turniers gewesen ist. Zudem wäre es der nächste logische Zug von Schwarz gewesen, den weißen Turm zu schlagen…
Den Tag verbringen sie also damit, in der Schachkneipe und auf dem Markt nach Informationen zu suchen. Außerdem soll Karel eine Falle gestellt werden: Rhys, Andrew und Karl tarnen sich mit einem Spruch als Italiener, sprechen in der Spelunke von gestern vor und behaupten, sie hätten gestern eine Verabredung mit Karel gehabt, sie aber wegen der Schlägerei nicht wahrnehmen können. Jetzt wollen sie ihn heute abend treffen – der Wirt soll diese Nachricht weitergeben.
Tagsüber finden die Serpentianer wenig über Mara heraus, dafür zeigt sich aber, daß sowohl die Ervenicovs als auch die Udlices noch in der Gegend leben. Wie es scheint, hat Maria Ervenicova nach dem Turnier Woitech Udlice geheiratet. Der augenblickliche Herr der Udlice ist ein gewisser Stjepan, ein alter, exzentrischer Mann, in dessen Besitz sich das Schachspiel wohl noch befindet. Sein einziges Kind ist eine Tochter, Anna, die mit dem Taugenichts Laszek Jesenice verheiratet ist. Der junge Herr Vaclav Ervenicov ist genau jener Adlige, der vor einigen Tagen Alenka als erstes mit „Elena“ verwechselte.
Am Abend gehen die drei „Italiener“ erneut zu der Spelunke, während die anderen draußen Wache halten. Der Wein, den der Wirt ihnen aufträgt, ist mit einem starken Betäubungsmittel versetzt, was die beiden Magier aber sofort bemerken. Nachdem sich aber ansonsten nichts zu tun scheint, geben die drei Männer vor, in tiefen Schlaf zu versinken, nachdem sie den anderen mit einem Spruch Bescheid gegeben haben.
Die angeblichen Italiener werden gefesselt und auf einen Gemüsekarren verladen. Auch Alen gelingt es, sich auf den Karren zu schmuggeln, während Alenka das Gefährt zu Fuß verfolgt. Der Karren verläßt die Stadt nach Sonnenuntergang und fährt beinahe eine Stunde, bis er einen größeren Hof erreicht. Dort scheint gerade ein Fest im Gang zu sein, jedenfalls dringt aus dem größten Gebäude laute Musik und Gelächter. Die Gefangenen werden zunächst in einen Gemüsekeller gesteckt. Dort gelingt es ihnen ohne weitere Schwierigkeiten, sich zu befreien, und sie verlassen den Hof zunächst wieder, um sich zunächst mit dem Wirt zu unterhalten, der sie hatte betäuben wollen.
Es gelingt ihnen, den Wirt (immer noch in der Verkleidung als Italiener) gefangenzunehmen und auszufragen. Dabei erfahren sie, daß Karel tatsächlich für eine gewisse Mara arbeitet. Diese Frau ist wohl so etwas wie die Herrin der hiesigen Gauner – jedenfalls hat der Wirt panische Angst vor ihr. Das Gehöft außerhalb der Stadt ist ihr Gasthof mit angeschlossenem Bordell. Wer Elena ist, weiß der Wirt nicht.
Am nächsten Tag planen die Gefährten, diesem Gasthof einen Besuch abzustatten. Sie wollen in der Nacht alle mit Rhys´ Whiskynebel außer Gefecht setzen, sich dann Mara greifen und wegen Elena und dem Mord an Pierre befragen. Alenka äußert die Vermutung, daß Elena ihre älteste Tochter sein könnte, die sie von dem Führer ihrer Söldnerkompanie bekommen und in einem kleinen Dorf bei Adoptiveltern zurückgelassen hatte.
Die erste Gruppe, die sich zu dem Gasthof begibt, besteht aus Andrew, Colleen, Alenka und Alen, die sich als irische Kaufleute ausgeben, die zweite aus Rhys, Karl und Lin, die vorgeben, arabische Händler zu sein. Der Plan funktioniert zunächst recht gut: Beide Gruppen erhalten Unterkünfte in dem Gasthof, und können sich problemlos in der Nacht treffen. Als nun aber Alenka aus dem Fenster in den Hof schwebt, wird sie von einer schwerbewaffneten Wache angesprochen. Während sie versucht, sich herauszureden, wirkt Rhys hastig seinen Spruch, der die ganze Herberge volltrunken machen soll. Dies gelingt auch hervorragend: Außer Rhys und Andrew fallen alle in einen betrunkenen Schlaf. Dann aber werden die beiden Magier von mehreren schattenhaften Gestalten angegriffen und nach kurzem Kampf niedergeschlagen.
Die Gefangenen finden sich in zwei Zellen wieder: Rhys, Andrew und Lin in der einen, der Rest weiter entfernt in der anderen. Die magisch begabten tragen einen Halsring, der ihre Kräfte hemmt. Sie bekommen schon bald Besuch von Mara, der Herrin des Gasthofs, die ihnen eröffnet, daß sie gerade versucht haben, daß lokale Hauptquartier einiger Charnas-Dämonisten zu überfallen. Dann stellt sie ihnen Elena vor: Eine Frau, die aussieht wie eine zwanzig Jahre jüngere Version von Alenka. Ihre Augen jedoch sind leblos und starr, offenbar steht sie unter Drogen. Mara läßt sie bei den drei Männern, damit sie ihnen ein wenig „Freude bereitet“.
Kurz nachdem Elena von Karel wieder abgeholt wurde, taucht eine vermummte, schlanke Gestalt in der anderen Zelle auf und überreicht Alenka den Schlüssel für die Ketten, ohne sich zu erkennen zu geben. Rasch befreit Alenka ihre Mitgefangenen, auch die Magier, und gemeinsam fliehen sie aus dem Keller, der unter einer kleinen Waldhütte versteckt ist.
Spät in der Nacht treffen sie wieder in Prag ein. Einige von ihnen legen sich schlafen, andere, darunter Andrew, Rhys und Lin, gehen zunächst in eine Kirche. Dort gelingt es Andrew, mittels einiger Gebete den Halsring, der seine Magie behindert, zu lösen, aber die anderen beiden bleiben fest. Jetzt begeben sie sich zum Kloster, um dort einen echten Exorzismus zu erhalten.
Die Mönche sind einigermaßen entsetzt, als sie die Geschichte der Gefährten hören. Da glücklicherweise gerade einige Templer unter der Führung eines gewissen Siegmund von Kollwitz im Kloster zu Gast sind, beschließen sie, am nächsten Tag eine Strafexpedition zu dem Gasthof zu schicken. Die Serpentianer werden sie begleiten.
Bei dem Gasthof finden sie am nächsten Tag genügend Beweise für die infernalen Umtriebe von Mara und ihrem Spießgesellen. In einem Keller finden sich etliche Gefangene, die unter Drogen stehen, darunter auch Elena, die zunächst mit zum Kloster genommen wird. In den Privatquartieren der Dämonisten finden die Serpentianer Mara neben einem Mann, in dem sie Laszek Jesenice, den Mann von Anna Udlice, wiedererkennen, im Bett. Beide sind tot – jemand hat ihnen das Genick gebrochen. Zurück in der Herberge findet Alenka auch prompt ein weiteres Kästchen vor: Diesmal enthält es einen weißen Bauern. Von der Logik der Schachpartie ist dies eher ein Spielfehler von Schwarz: Warum hätte die schwarze Dame einen völlig unwichtigen Bauern schlagen sollen? Aber offensichtlich gehört der schachspielende Mörder nicht zu Mara und ihrer Bande.
Die Vermutung liegt nahe, daß Bruder Martin mehr über die Angelegenheit weiß. Schließlich werden die Schachfiguren immer an Alenka geschickt, und sie scheint der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Angelegenheit zu sein. Auch Bruder Martin hat sie immer behandelt, als wäre sie etwas besonderes – wie sonst wäre der Spitzname „Prinzessin“ zu erklären.
Als die Serpentianer jedoch zum Waisenhaus gehen, um mit dem alten Mönch zu sprechen, will sein junger Stellvertreter sie nicht so waffen- und rüstungsstarrend einlassen. Daraufhin erzwingen sie ungeduldig den Einlaß, nur um festzustellen, daß Bruder Martin nicht anwesend ist. Offenbar ist der alte Mann krank und hat sich zum Kloster zurückgezogen. Nach ein wenig Ärger mit der Stadtwache wegen des gewaltsamen Eindringens in das Waisenhaus kehren die Serpentianer in ihre Herberge zurück.
Dort finden sie erneut eine Schachfigur vor: Einen weißen Turm. Von ihrem Wirt erfahren sie, daß einen Tag zuvor der alte Stjepan Udlice gestorben ist – allem Anschein nach jedoch eines natürlichen Todes.
Am nächsten Tag begeben sie sich zunächst zum Kloster, um dort mit Bruder Martin zu sprechen. Sie müssen allerdings erfahren, daß es dem alten Mann sehr schlecht geht und er nicht bei Bewußtsein ist. Daraufhin verschieben sie den Besuch und wenden sie zunächst den Udlices zu, deren Herrenhaus sich ein gutes Stück außerhalb von Prag befindet. Dort wollen sie mit Anna Udlice sprechen und sich endlich nach dem Schachspiel erkundigen.
Als sie am späten Nachmittag dort ankommen, hat es begonnen zu regnen. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Gewitter losbricht, betreten sie den Herrenhof der Udlice. Bevor sie jedoch in das Hauptgebäude eindringen, hören sie einen lauten Schrei aus der Kapelle. Dort finden sie neben der aufgebahrten Leiche von Stjepan auch den Körper von Anna Udlice, deren Genick unnatürlich verdreht ist. Sie ist noch warm, der Mörder kann noch nicht weit sein.
Während die anderen die Kapelle durchsuchen, bleiben Rhys und Alenka an der Tür stehen. Plötzlich taucht ein Schatten hinter Rhys auf und schlägt den Magier zu Boden. Alenka erkennt in dem Angreifer Bruder Martin. Dieser beginnt, ihr alles zu erklären: Er ist der jüngere Bruder von Stjepan. Vor vielen Jahren hat er seine Familie im Streit verlassen und ist Mönch geworden. Alenka ist Stjepans uneheliche Tochter, um die er sich gekümmert hat und die er für die einzig würdige Erbin des Udlice-Besitzes hält. Deswegen hat er gemordet: Zunächst, um den unpassenden Ehemann zu entsorgen, dann, um sie vor Mara zu retten, und jetzt wieder, um alle anderen Bewerber um das Erbe auszuschalten.
Als Alenka die Begründung für den Tod ihres Ehemanns und ihrer Familie hört, übermannt sie die Wut: Mit bloßen Händen geht sie auf ihren mörderischen Onkel los und erwürgt ihn, bevor die anderen auf ihr Tun aufmerksam werden und sie von ihm wegreißen können. Jetzt ist sie tatsächlich die letzte der Udlice – genau wie Martin es geplant hatte.
Nachdem sich die Aufregung der Diener aus dem Herrenhaus etwas gelegt hat – glücklicherweise hat Bruder Jiri aus dem Kloster die Serpentianer begleitet und kann deren Aussagen bestätigen -, findet Alenka in dem Nachlass ihres Onkels sein Tagebuch. Darin legt er seine gesamte Geschichte dar: Daß er sich schon von früher Jugend an zu Männern statt zu Frauen hingezogen fühlte, wie er sich deswegen mit seinem Bruder Stjepan verstritt, wie er dann später Alocar d´Alencon kennenlernte, der ihn in seinen Neigungen bestärkte und in den Charnas-Kult einführte. Dort bekam er spezielle Fähigkeiten und Kräfte, die es ihm auch jetzt ermöglichten, trotz seines hohen Alters all die Morde zu begehen. In diesem Tagebuch finden sich auch die Beweise, daß Alenka tatsächlich Stjepan Udlices Tochter und die Erbin der Familie ist.
Aber Alenka ist an dem Erbe wenig interessiert: Es wird ihr Pierre nicht zurückbringen, und sie hat nicht vor, den Rest ihres Lebens in Prag zu verbringen. Aber mit Elena, die möglicherweise ihre Tochter ist, will sie dann doch noch einmal sprechen. Einige Tage nach den Ereignisse auf dem Herrenhof der Udlices ist dies auch möglich: Die junge Frau hat sich von den Nachwirkungen der Drogen, die ihr Mara verabreicht hat, weitgehend erholt. Bei dem Treffen zwischen Alenka und Elena ist auch Vaclav Ervenicov zugegen, der ein großes Interesse an Elena zu hegen scheint. Man merkt, daß auch sie ihm vertraut. Das Gespräch zwischen Mutter und Tochter ist nicht allzu lang, da Elena von den Ereignissen noch völlig überwältigt ist und der Fremden, die behauptet, ihre Mutter zu sein, nichts zu sagen hat. Aber Vaclav kann später bestätigen, daß Elena tatsächlich aus dem Dorf stammt, in dem Alenka damals ihr Kind zurückgelassen hat.
Alenka beschließt, ihr Erbe an Elena weiterzugeben. So kann wäre die junge Frau auch eine angemessene Partie für Vaclav… Nachdem alle Formalitäten geregelt sind, machen sich die Serpentianer wieder auf den Rückweg. Pierres Leiche nehmen sie mit, denn er soll in Serpentia beigesetzt werden. Einige Wochen Reisezeit später treffen sie wieder zu Hause ein…

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Marganma

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