Serpentia

Schlacht um Serpentia

Frühling 1191

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Im Bund trifft eine der Kundschafterpatrouillen ein, die die Umgebung des Tales unter Beobachtung hält. Zwei von ihnen, Robert und Kiriakos, fehlen, und ein weiterer, Rémy, ist schwer verletzt. Selma, die zu der Gruppe gehörte, kann berichten, daß sie auf eine ziemlich große Horde tierköpfiger Dämonen stießen, die sie zwar angegriffen und die beiden Fehlenden gefangengenommen haben, den Rest aber entkommen ließen. Die Teufelskreaturen haben in einem Tal, etwa zwei Stunden von Serpentia entfernt, ihr Lager aufgeschlagen.
Nach einiger Beratung kommen die Magier zu der Erkenntnis, daß es sich bei den Infernalen eventuell um Überlebende aus dem Dämonenwald handelt, und daß man dringend etwas unternehmen muß. Zuerst wird St. Blasius evakuiert und die Dörfler im Bund untergebracht. Gleichzeitig werden die Schilde, die Lanzknechte, die Erste Bogeneinheit, die Erste Reiterei und die Dritte Troßkompanie mobilisiert. Andrew, Frederik, Llwellyn und Bernward werden sie mit ihren Leibgrogs begleiten. Außerdem wird die junge Hélène, die vor kurzer Zeit zum Bund gestoßen ist, mitkommen. Sie verfügt über ein erstaunliches Verständnis für Tiere und kann mit den meisten von ihnen sprechen. Auf der Karawanenstraße war sie Ladyhawke begegnet, die von Terminus aus dem Labor geworfen worden war, und die die junge Frau zum Bund brachte. Dort wurde sie gerne aufgenommen. Nun soll sie zusammen mit dem Falkenweibchen – deren richtiger Name Moira lautet – mitkommen, um die Dämonen auszukundschaften. Auch Sir Brendan von den Salomonitern wird sie begleiten.
Terminus ist nicht ansprechbar, er hat seinem Bruder strikte Anweisungen gegeben, niemanden in sein Labor zu lassen, auch dann nicht, wenn der Bund brennt… So sind er und Cyriano die einzigen Magier in Serpentia, da ja Nakatia und Dáirine sich immer noch im Feenwald aufhalten. Immerhin wird ein Bote geschickt, um die beiden zu holen.
Die anderen ziehen derweil los. Da es schon gegen Abend ist, wird ein Lager auf einer leicht zu verteidigenden Felsplattform unweit der Dämonen aufgeschlagen. Moira kann berichten, daß Robert und Kiriakos noch leben und von den Teufelswesen an je eine Steinsäule gebunden wurden. Die Kreaturen der Finsternis scheinen ein Fest zu feiern, aber sie sind vorsichtig genug, um regelmäßige Patrouillen auszuschicken. Es sind etwa fünfzig oder sechzig der Tierköpfigen.
Nach einiger Beratung wird beschlossen, am nächsten Morgen die Schilde, Lanzen und Bogenschützen zusammen mit Llwellyn und Bernward loszuschicken, um die Dämonen mit einem direkten Angriff abzulenken. Andrew und Frederik werden sich zusammen mit der Dritten Troßkompanie einen unterirdischen Tunnel unter die beiden Steinsäulen höhlen, um diese dann herunterfallen zu lassen und so die Gefangenen zu retten. Die Reiter, bei denen sich auch Hélène befindet, sollen am Taleingang abwarten und im Notfall eingreifen.
In der Zwischenzeit kehren Nakatia, Dáirine und die anderen aus dem Feenwald zurück. In ihrer Begleitung befinden sich einige von Fionnualas Rittern, darunter auch Sir Coll und Sir Bealach. Als sie etwa gegen Mitternacht aus dem Wald herauskommen, sehen sie entsetzt, wie eine riesige Horde von über zweihundert tierköpfigen Teufelskreaturen den Bund angreift und gute Fortschritte zu machen scheint. Schließlich können die Serpentianer mit den verbliebenen vierzig Grogs die Wälle nicht ausreichend bemannen. Während die Menschen noch voller Verzweiflung auf das riesige Heer starren, fällt Sir Bealach auf, daß ein Großteil der Horde aus Illusionen besteht. Er teilt dies den anderen mit, woraufhin Dáirine ihre Feenmagie nutzt, um diese Trugbilder zu durchschauen.
Im Inneren der Festung eilt Nicodemus gerade in Richtung der Wälle, um bei der Verteidigung zu helfen, als er einen ihm unbekannten Araber bemerkt, der sich an den Zeichen der Aegis zu schaffen macht. Zwar kann er dem Saboteur den Schädel einschlagen, aber der hat seine Aufgabe schon erfüllt: Die magische Verteidigung des Bundes fällt, und die dämonische Horde dringt über die Wälle.
Dáirine jedoch, die die realen Höllenwesen von den Illusionen unterscheiden kann, umgibt jedes von ihnen mit einem hell leuchtenden Licht. Dann stürmt sie zusammen mit den Feenrittern los, um die „Horde“ zu vernichten, was mit Hilfe von Nakatia und den anderen auch gelingt.
Währenddessen ist Nicodemus aufgefallen, daß aus Terminus´ Laborfenstern ein merkwürdiges, helles weißes Licht herausleuchtet. Als er sich auf den Weg macht, um nachzuschauen, fällt ihm zuerst auf, daß der Aufzug nicht funktioniert. Daraufhin steigt er über die Treppen hoch, aber als er den zweiten Stock erreicht, auf dem die Magier ihre Labore haben, erscheint oben ein Fremder mit einer Armbrust und schießt auf den Gelehrten. Der Bolzen trifft, und schwerverletzt stürzt Nicodemus die Treppe zurück hinunter.
Dort finden ihn Nakatia, Dáirine, Colleen und Sir Quintus. Sie haben das seltsame Licht aus Terminus´ Labor auch bemerkt und wollten genau wie Nicodemus nachschauen, was los ist. Nakatia kümmert sich um die Wunden des Verletzten, während Colleen und Sir Quintus in Begleitung der Feenritter in der Deckung ihrer Schilde die Treppe hinaufschleichen, in der Erwartung, gleich unter Beschuß genommen zu werden. Dies geschieht jedoch nicht: Offenbar sind die Eindringlinge schon aus dem zweiten Stock verschwunden. Als sie sich kurz umsehen, müssen sie feststellen, daß alle Magierlabore zerschlagen und verwüstet worden sind – alle außer dem von Terminus. Von dort kommt ein sehr helles, aber nicht blendendes weißes Licht, und in der Mitte des Raumes hängt der Tytalus bewegungslos in der Luft. Auch Theobald und Uther sind in dem weißen Glanz gefangen und reagieren nicht, als sie angesprochen werden.
Da die Suche nach den Eindringlingen Vorrang hat, begeben sich die Ritter weiter nach oben. Als sie im dritten Stock ankommen, steigt ihnen Rauch in die Nase: Die Bibliothek brennt! Dort entdecken sie auch einen Unbekannten: Er ist gerade dabei, durch den Aquamarinspiegel zu gehen. Sir Coll stürmt vor, und es gelingt dem Feenkrieger, gleichzeitig mit dem Eindringling in den Spiegel zu kommen, dann aber verschwindet das magische Artefakt in einem hellblauen Aufblitzen.
Das Feuer in der Bibliothek hat glücklicherweise noch nicht sehr weit um sich gegriffen, und so können weite Teile davon noch gerettet werden. Dennoch sind etliche Bücher verbrannt, besonders jene aus der Gemeinen Bibliothek, die für Anfänger geeignet sind. Die Zerstörung der Labore jedoch ist ziemlich umfassend, sie werden von Grund auf neu aufgebaut werden müssen, wobei es unwahrscheinlich ist, daß die Magier in der Lage sein werden, wieder eine so gute Qualität zu erhalten. Immerhin erstrecken sich die Verwüstungen nur bis zum vierten Stock, sodaß die alten Labore von Crenna und Maelgwyn noch erhalten geblieben sind. Dáirine ist darüber recht froh, da sie ja Maelgwyns Räume vor einiger Zeit übernommen hat.
Gegen Morgen, als Nakatia, Dáirine und Cyriano gerade mit der Bestandsaufnahme der Beschädigungen fertig sind, ziehen die anderen Magier los, um die Dämonen in dem Talkessel zu vernichten. Auf dem Hügel oberhalb des Lagers der Teuflischen kommt es zum Kampf zwischen den Höllenkreaturen und den Schilden, Lanzen und Bogenschützen. Geführt werden die Dämonen von einer riesenhaften ziegenköpfigen Kreatur, deren lauter Schrei zunächst vielen der Grogs das Gehör nimmt. Daher sieht es zunächst recht schlecht für die Serpentianer aus. Zwar kann das rechtzeitige Eingreifen der Reitereinheit ein totales Massaker verhindern, aber dennoch werden die Schilde fast vollständig aufgerieben und die Bogenschützen fliehen in der Mitte der Schlacht völlig demoralisiert.
Die Befreiung der beiden Gefangenen hingegen klappt recht gut, allerdings ist Robert durch die „Spielereien“ der Dämonen schon so schwer verletzt, daß er den Sturz in die Erdhöhle hinein nicht überlebt. Kiriakos jedoch kann gerettet werden. Auf halbem Weg aus dem Tunnel hinaus kommt Andrew und Frederik jedoch Moira entgegen, die von Hélène losgeschickt wurde, um Hilfe für die bedrängten Einheiten herbeizuholen. Ohne lange zu zögern brechen die beiden Magier aus dem unterirdischen Tunnel durch die Erde, um die Dritte Troßkompanie möglichst schnell zu den anderen zu bringen.
Durch das schlagkräftige Eingreifen dieser Truppe können die ohnehin schon vor allem durch die Reiterei geschwächten Dämonen größtenteils erschlagen werden. Aber der Preis war recht hoch: Fast zwanzig Grogs sind gefallen, und viele der Überlebenden sind schwer verletzt. Immerhin stellt sich bei der Versorgung der Verwundeten heraus, daß Hélène eine große Begabung für das Heilen besitzt.
Nach dem Ende der Schlacht nehmen die Magier Kontakt nach Serpentia auf und erfahren so von der Zerstörung der Labore und der Bibliothek. Sofort brechen diejenigen von ihnen, die reiten können, zum Bund auf, auch um Heiler und Bahren herbeizuschaffen.
Nachdem alle Verwundeten versorgt und alle Toten begraben sind, und sich die Magier ein wenig ausgeruht haben, wird schließlich der Geist des von Nicodemus Erschlagenen beschworen, der sich an der Aegis zu schaffen gemacht hatte. Von ihm erfahren die Magier, daß es sich bei den Eindringlingen um syrische Assassinen gehandelt hat, die von Abbas Ibn Usama beauftragt wurden, im Bund soviel Zerstörung anzurichten, wie es ihnen möglich sei, dabei primär die Labore und die Bibliothek zu vernichten und ihm alle interessanten Gegenstände mitzubringen. Da es ihm anscheinend um Rache für seinen von Nicodemus getöteten Sohn Faisal ging, gab er auch den sekundären Auftrag, ein Kind zu töten, wenn es ohne Risiko möglich wäre. Die tierköpfigen Dämonen waren auch im Auftrag des Ibn Usama unterwegs. Dies verwundert Andrew ein wenig, da der Satansdiener doch Charnas verschworen war, als er ihn das erste Mal traf, und die Tierköpfigen sicher nicht zu dessen Kreaturen gehören…
Vor allem Llwellyn und Nakatia sind nach diesen Eröffnungen außer sich vor Zorn und schon halb bereit, nach Alamut zu reisen und den Berg dort einstürzen zu lassen. Diesen Plan lassen sie nach dem Ratschlag besonnenerer Gemüter allerdings wieder fallen, aber Nakatia beschäftigt sich noch einige Tage sehr intensiv damit, den Geist des Assassinen zu foltern, bevor dieser endgültig verschwindet. Die Verwüstung ihres Labors hat sie offenbar tief getroffen: Auch nach der Säuberung der Räume durch ein paar Diener weigert sie sich, sie wieder zu betreten.
Immerhin ist durch Aidans Knauserigkeit jetzt genug Geld da, um alle sechs Labore zu ersetzen. Dies wird sofort in Angriff genommen, da die notwendigen Gegenstände ja erst einmal bestellt werden müssen.
Da während der Ratssitzung nach der Schlacht alle über Abbas schimpfen und fluchen, schlägt Andrew vor, doch einmal nähere Informationen über diesen Feind einzuholen: Wie ist er so geworden, wie er ist? Wie alt ist er überhaupt? War er schon immer so? Wenn man seinen Feind kennt, kann man ihn besser bekämpfen, also sollte sich Serpentia mehr mit Abbas´ Hintergrund beschäftigen, argumentiert der Jerbiton. Also wird Quintus nach Damaskus geschickt, um sich nach dem Ibn Usama umzuhören.

*

Nach dem Angriff der Dämonen kommt es in Serpentia zum Ausbruch eines heftigen Fiebers, daß vor allem Kinder und Alte befällt. Zwar können alle Kinder gerettet werden, aber Aidan überlebt die schwere Krankheit nicht.
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Als die Magier Terminus’ Labor untersuchen, versucht Andrew, eines der Geräte herausschweben zu lassen. Kaum hat er seine Magie jedoch in das Leuchten geschickt, als er zusammenbricht und ein weißes Licht aus seinen Augen und seinem Mund dringt: Er ist ins Zwielicht geflogen. Zwar erholt er sich schon kurz danach wieder, aber von diesem Moment an wird Terminus´ Labor verschlossen gehalten…

*
Quintus beginnt seine Forschungen über Abbas Ibn Usamas Hintergrund in Damaskus und stößt dabei auf einige interessante Tatsachen: So waren Abbas´ eigener Vater Mansur und sein älterer Bruder Rajib wegen ihrer Grausamkeit in der Stadt gefürchtet und verhaßt. Der ganzen Familie haftet wohl schon seit Jahren ein schlechter Ruf an. Abbas selber wurde zwar als ein wenig verschroben und eigenbrötlerisch, aber nicht wirklich bösartig angesehen, zumindest bis zum Jahr 1173. Danach schien er die Wesenszüge seiner Familie wesentlich mehr zu verkörpern. In Abbas´ altem Haus findet Quintus zudem eine Ringschmiede und mehrere arabische Texte zum Thema Djinnbeschwörung: Ein paar von Abbas selbst, der überwiegende Rest von einem Mann namens Tabor al-Azaed. Genauere Nachforschungen ergeben, daß dieser Mann aus einer recht beliebten Gelehrtenfamilie stammt und einen Ruf als Menschenfreund und guter Moslem hatte. Er verschwand unter ungeklärten Umständen 1155 aus der Stadt, zusammen mit seiner Tochter. Eine interessante Verbindung ist, daß Rajibs Kinder, Yazed und Samala, in Edessa bei einem Verwandten von Tabor, Hassan al-Azaed, aufwuchsen. Als Quintus ihn besucht, erfährt er, daß Abbas die beiden aus Damaskus weggeschickt hat, um sie vor ihrem Vater zu schützen. In einem früheren Brief hatte Tabor Abbas schon einmal erwähnt, als „jungen Mann mit großen Problemen“, daher hat sich Hassan der Kinder dann auch angenommen.
Was Rajibs Tod betrifft, so soll Abbas ihn getötet haben, um an dessen Posten als Wesir zu kommen. In dem Zusammenhang mit der darauf erfolgten Rückkehr von Yazed und Samala nach Damaskus und dem Überfall von Selim Bey findet Quintus in Abbas´ Hofakten einen interessanten Vermerk: Zu genau diesem Zeitpunkt wurden nämlich zwei Hundertschaften Soldaten ausgesandt, um dem gefährlichen Räuber ein für alle mal das Handwerk zu legen…
Bei seinen Nachforschungen lernt Quintus auch einen ehemaligen Diener von Abbas kennen: Einen kleinen, verkrüppelten Mann, der offenbar in ständiger Angst vor den dämonischen Dienern seines einstigen Herrn lebt. Er berichtet Quintus, daß Abbas vor dem Jahr 1173 ein recht zurückgezogener, distanzierter Mann gewesen sei, aber nicht unbedingt grausam oder gehässig. Um dieses Jahr herum hatte der Ibn Usama allerdings eine längere Reise unternommen, und war mit seinen drei Söhnen und sieben Enkeln zurückgekehrt. Danach fing er mit Grausamkeiten gegenüber Dienern und seltsamen Experimenten an. Viel mehr weiß der Verkrüppelte nicht zu berichten, verspricht Quintus jedoch, sich zu melden, wenn er etwas Neues in Erfahrung bringt.

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Marganma

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