Serpentia

Schwarzenbruck

Frühling 1193

Dáirine, Frederik, Olf, Andrew, Alen, Lionel, Nakatia, Henry, Colleen, Gareth

Das Kloster, in dem Frederik die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte, nennt sich St. Vredelin und liegt in der Nähe von Nürnberg. Dies ist das erste große Ziel der Reise: Hier muß es noch Informationen über den seltsamen Araber geben, der vor fünfunddreißig Jahren einen Säugling herbrachte. Vielleicht kann Frederik sogar erfahren, wo dieser Mann herkam.
Da die meisten der Reisegefährten kein Deutsch verstehen, geht Frederik alleine nach St. Vredelin, nur begleitet von seinem Leibgrog Lionel. Dort kann er mit Bruder Bernhardt sprechen, der ihn vor langer Zeit aufgezogen hat. Der Mönch ist schon sehr alt, erinnert sich aber noch lebhaft an den jungen Novizen, der schließlich von Gerbert von Köln als Hexenbrut entlarvt wurde. Viel weiß er zwar nicht über die Hintergründe um Frederiks Geburt, aber er kann ihm den Sarazenen beschreiben, der ihn damals hierhergebracht hatte: Ein Mann, der Abbas Ibn Usama hätte sein können – zumindest die Usama-Nase ist nicht so leicht zu verwechseln. Er kam offenbar aus Richtung Nürnberg, wo der Rest der Reisegruppe sich aufhält.
Etwas verwirrt kehrt Frederik also in diese Stadt zurück. Dort erfährt er, daß in Nürnberg zwar noch nie ein Sarazene war, es aber Gerüchte gibt, daß sich in Schwarzenbruck mal einer aufgehalten haben soll. Diese Ortschaft hat einen bösen Ruf, sodaß es einige Schwierigkeiten bereitet, herauszufinden, wo sie sich befindet. Ein Wildhüter kann schließlich weiterhelfen: Das Dorf Schwarzenbruck befindet sich zwei Tagesreisen flußabwärts. Die Gefährten brechen sofort dahin auf.
Schwarzenbruck ist kein besonders schöner Ort: Die Hütten sind klein und geduckt, das Vieh recht mager und apathisch. Auch die Felder wirken eher karg. Die Bewohner des Dorfes sind den zahlreichen Fremden gegenüber sehr mißtrauisch und entschließen sich erst nach langer Beratung, Frederiks Fragen in der Kirche zu beantworten. Die Kirche des Dorfes ist der einzige Ort, der irgendwie gepflegt wirkt: Tatsächlich ist sie sogar recht schön, mit poliertem Holz ausgelegt und reich geschmückt.
Hier erfährt Frederik, daß vor fünfzehn Jahren tatsächlich ein Araber hier war, auf den die Beschreibung Bruder Bernhardts zutrifft. Er war eine Weile in Schwarzenbruck, bevor er in den Wald aufbrach. Er kehrte einige Tage danach spät nachts zurück, gehetzt und auf der Flucht, mit einem Säugling im Arm. Woher er jedoch das Kind hatte, weiß der Dorfvorsteher nicht zu sagen – keiner aus dem Dorf würde je in den Wald gehen, denn dort sollen sich unheimliche Wesen herumtreiben. Genaueres kann oder will der Mann nicht erzählen.
Da das Dorf nicht sonderlich gastfreundlich ist, brechen Frederik und die anderen sofort wieder auf, um die Nacht auf einem freundlichen Großhof zu verbringen, den sie schon auf der Hinreise gesehen hatten. Dort hören sie abends etliche Spukgeschichten über den Wald – und vor allem über einen sogenannten „Hexenhügel“, von dem alles Übel ausgehen soll. Interessiert beschließen die Gefährten, sich diesen Hügel am nächsten Tag einmal anzusehen.
In dieser Nacht jedoch hat Frederik einen sehr beunruhigenden Traum: Er befindet sich in einem seltsamen, riesigen Palast, in dem ein düsteres rotes Licht flackert. Der Boden ist mit Mosaiken bedeckt, die menschliche Leiber in verschiedenen Positionen der Liebesfreuden zeigen – wiewohl es genauso gut auch Folterszenen sein könnten, die dargestellt werden. Gelegentlich sind Statuen einer nackten Männergestalt von perfekter, grausamer Schönheit zu sehen. Kein Zweifel – dies hier ist ein großer Tempel des Charnas! Unsicher bewegt sich Frederik durch die Hallen. Als er aus einem der Fenster sieht, stellt er fest, daß der Himmel dort schwarz und dunkelrot ist, von Zeit zu Zeit von grellroten Blitzen zerrissen. Tief unter dem Palast brodeln Seen aus Feuer und Lava. Dieser Ort befindet sich nicht auf der Erde: Sein Traum hat Frederik in eine infernale Regio verschlagen. Instinktiv weiß er, daß es dieser Platz ist, der sich hinter dem Hexenhügel verbirgt…
Schließlich wird er entdeckt, obwohl er doch durch seine Traumgestalt den Augen der Menschen verborgen bleiben sollte. Die drei Priester, die er beobachten wollte, lähmen seine Gestalt, und obwohl er verzweifelt versucht aufzuwachen, gelingt es ihm nicht. Erst als die Dämonendiener ihn lächelnd freigeben, kann er zu seinem Körper zurückkehren.
Seine Reisegefährten waren schon recht besorgt um ihn, da er nicht aufzuwachen schien. Als er ihnen jetzt erzählt, was er gesehen hat, beschließen die Magi, den Besuch im Hexenhügel auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben. Sie sind nicht darauf vorbereitet, in eine mächtige infernale Regio einzudringen, und ohne entsprechende Maßnahmen wäre das wohl eher ein Selbstmordunternehmen…
So belassen sie es bei den bisherigen Erkenntnissen und reisen weiter nach Irencillia, dem Domus Magna Merinita, das näher an Nürnberg liegt als Durenmar. Dort treffen sie Seans Tochter Shirley an, die jetzt der Lehrling des Magiers Vargr ist. Das Mädchen, dessen Name in „Schierling“ geändert wurde, scheint sich hier recht wohl zu fühlen. Sie sorgt dafür, daß die Gefährten nach einer gemütlichen Übernachtung am nächsten Tag das Hermesportal nach Harco benutzen können. Da ihr nächstes Ziel Vista Maris in der Nähe von Marseilles liegt, scheint ihnen dieser Bund recht günstig gelegen.
In Harco werden die Magier von dem Türhüter Ianitor begrüßt. Es ist seine einzige Pflicht, die zahlreichen Hermesportale unter dem Bund zu bewachen und Reisende willkommen zu heißen – und ihnen Vis für die Benutzung abzunehmen. Er nimmt statt dessen aber auch gerne Geschichten als Bezahlung an. So unterhalten sich Frederik, Dáirine, Andrew und Nakatia noch ziemlich lange mit dem älteren Mann und erzählen ihm von den interessanten Begebenheiten in der Levante. Schließlich verabschieden sie sich freundlich von ihm – zumindest bis ihr Rückweg sie wieder hier vorbeiführen wird.

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Marganma

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