Serpentia

Smaskrifter

Winter 1183

Julius, Robert, Nicodemus, Aladin, Alen, Lionel

Auf ihrer weiteren Rückreise macht die Gruppe auf der Burg Karatur Rast. Dort müssen sie feststellen, daß die Dienerschaft dem ältlichen Burgherrn auf der Nase herumtanzt Dennoch können sie sich recht gut versorgen.
Der Herr dieses Landes, der alte Lubomir, erzählt ihnen, daß sein letzter Vertrauter, der Knecht Roriswoy, vor kurzem verstorben sei und bittet, daß doch jemand an seinem Sarg die Totenwache halten möge. Alen erklärt sich gerne einverstanden.
Während dieser Nacht, die er bei dem Toten wacht, hat der junge Grog einen seltsamen Wachtraum: Er wird von sechs kleinen Kobolden gezwungen, die Leiche auf den Rücken zu nehmen und nach einem Grab für sie zu suchen. Dies gelingt ihm aber erst am Vierten der angegebenen Orte. Als er wieder zu sich kommt, ist zwar der tote Knecht noch da, er selbst allerdings ist so verdreckt und verschwitzt, als hätte er den Weg tatsächlich hinter sich gebracht.
Als sich die anderen auf dieses seltsame Erlebnis hin etwas genauer in der Burg umsehen, finden sie in der Ahnengalerie ein eigenartiges Gemälde, daß zwei Männer vor einem Magierlabor zeigt. Im Vordergrund des Bildes ist ein verzerrter Gegenstand zu sehen, aber niemand kann erkennen, was das genau ist. Das Gemälde ist leicht magisch. Außerdem finden sie in einem Turmgemach eine große und etwas unpassende Platte, in die ein Steinskelett eingelassen ist, das in seiner Hand ein Herz hält.
Die Magi kommen allerdings nicht dazu, sich hier länger aufzuhalten, da man ihnen nach dem zweiten Tag zu verstehen gibt, daß auch die hiesige Gastfreundschaft Grenzen kennt. Daraufhin brechen sie wieder auf, um die starken Schneefälle in dieser Gegend zu vermeiden, und erreichen schon bald die nahe Stadt Slamohrad.
Dort angekommen, kehren sie zunächst in der Herberge „Zum Schwurbecher“ ein. Dort geht es gerade hoch her: Ein Einsiedler, Krysatlama, scheint ein recht seltsames Ritual durchzuführen. Dabei geht es um das Nachspielen eines geschichtlichen Ereignisses: Die Stadt wurde vor vielen Jahren von drei Männern gegründet, Ogfold dem Waffenmeister, Huldrik dem Magier und Odolen, der König wurde. Einige Zeit herrschte Frieden, dann aber warben elf Männer aus Ogfolds Sippe um die elf Königstöchter. Das wollte Odolen nicht zulassen, und als die Frauen entführt wurden, kam es zum Bürgerkrieg, trotz Huldriks Protesten. Auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs versuchte Ogfold, den tyrannischen König mit der Hilfe von sechs Verschwörern zu töten, wurde aber verraten, gefangengenommen und hingerichtet. Von den elf Königstöchtern hat nie wieder jemand etwas gesehen.
Das eigenartige Ritual ist nun eine Wiederholung des Schwurs der sechs Verschwörer an Ogfold. Auf die Aufforderung des Einsiedlers hin nimmt auch Robert an der Zeremonie teil, zusammen mit vier Einheimischen und einem bulgarischen Gelehrten, Bruder Nicodemus genannt. Das Ritual ist recht einfach und schnell durchgeführt: Jeder der Schwörenden muß ein wenig seines Blutes in einen uralten Becher geben, der dann mit Wein aufgefüllt wird, und einen Teil des Gebräus trinken. Nachdem das geschehen ist, löst sich die leicht geheimnisvolle Stimmung in der Schenke und alle beginnen zu zechen, was das Zeug hält. Auch die Gefährten halten mit, und bald schon versinkt das ganze Wirtshaus in Schlaf.
Mitten in der Nacht erwachen Robert und Nicodemus. An dem alten Tisch in der Mitte der Gaststube haben sich fünf Gestalten versammelt: Vier Männer in Totenkopfmasken und der Einsiedler Krysatlama. Dieser erhebt erneut den Becher und füllt ihn mit Gift. Der Verräter, so sagt er, werde diesen Trank bis zur Neige leeren müssen. Da sich keiner freiwillig erbietet, verstreuen sich die „Verschwörer“ zunächst wieder. Während sie durchs Haus laufen, sehen Nicodemus und Robert einige merkwürdige Erscheinungen von elf kopflosen Frauen, einem geblendeten alten Mann, einem fahlen Pferd und einem großen grauen Wolf, die jedesmal verschwinden und die Leiche eines Mannes in Totenkopfmaske enthüllen. Als die beiden die Masken entfernen, erkennen sie in den Toten ihre vier Schwurbrüder vom letzten Abend. Gegen Morgen sind nur die zwei Fremden noch am Leben, denen der Einsiedler wiederum den vergifteten Schwurbecher darbietet. Bevor jedoch einer trinken kann, wachen Robert und Nicodemus wieder auf. Aber die Angelegenheit ist damit noch nicht ganz beendet.
Tagsüber beschäftigen sich die Gefährten damit, ihre Vorräte aufzufüllen. Da Andrew auf dem Weg an einem zuerst recht leichten, sich dann aber verschlimmernden Fieber erkrankt ist, bringen Aladin und Alen ihn zu dem Kloster, das sich in der Stadt befindet. Die Mönche nehmen den Kranken auf, erklären aber, daß die Genesung, wenn sie denn stattfinden sollte, noch eine Weile dauern könne.
In dieser Nacht geschieht etwas sehr Seltsames: In die Schlafgemächer von Nicodemus und Robert schleichen sich zwei Gestalten und versuchen, diese umzubringen. Die Attentäter können leicht abgewehrt werden, dabei aber fällt auf, daß die zwei Männer schon sehr lange tot sein müssen. Die beiden sind nicht die einzigen Untoten, die umherirren: Insgesamt sind es sechs unruhige Leichen, die durch das Wirtshaus wandeln und nach etwas Undefiniertem suchen.
Schließlich findet der Einsiedler eine Antwort: Die sechs sind die ursprünglichen Verschwörer im Kampf gegen Odolen, und da sie immer noch alle nach dem Schwurbrecher suchen, kann es keiner von ihnen gewesen sein. Als er diese Einsicht verkündet, schlagen plötzlich alle Türen des Gasthauses zu, und eine kleine Geheimtür öffnet sich, hinter der ein schmaler Gang gähnt. Da er der Kleinste der Gefährten ist, windet Julius sich hinein. Während er hindurchgeht, nimmt der Gang das Aussehen einer fleischigen Röhre an, die in konvulsivischen Krämpfen immer wieder erschaudert. Julius wird auf das Ende der Röhre zugepreßt, wo eine riesige Hand mit einem Skalpell versucht, ihn herauszuziehen und auseinanderzuschneiden. Kaum hat der Geist jedoch das Gangende erreicht, als die Erscheinung verschwindet, und er vor sich den Schwurbecher sieht. Dazu hört er die Stimme des Einsiedlers, der damals den Trank mischte, und der nun gesteht, aus Liebe zu einer gewissen Jenufa den Schwur selber gebrochen zu haben.
Um die Erlebnisse zu einem Abschluß zu bringen, erneuern die Gefährten zusammen mit Krysatlama den Schwur. Daraufhin taucht auf dem Tisch eine spiegelnde Fläche auf, in der das Gesicht eines kleinen Mannes mit einer Narrenkappe sichtbar wird. Schon bald zerbirst der Spiegel wieder, aber auf dem Tisch bleibt eine Buchschließe in der Form eines Raben zurück, die Aladin an sich nimmt.
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Am nächsten Tag geht die Kunde durch Slamohrad, daß die Stadt eingeschneit ist und niemand sie mehr verlassen kann. Daraufhin stellt Aladin fest, daß es mit den Finanzen nicht zum besten steht und beschließt, zunächst die Kosten der Unterkunft zu sparen, indem er für den nächsten Monat ein eigenes Haus anmietet. Da auch Nicodemus nicht zu den Reichsten zu gehören scheint, bietet er ihm an, sich doch bei den Serpentianern einzuquartieren, was der Bulgare auch annimmt.
Ein leerstehendes und relativ billiges Haus ist auch schnell gefunden. Auf dem Weg dorthin fällt auf, daß Nicodemus wohl irgendwelche Probleme mit Knoten zu haben scheint: So ziemlich alles, was möglich ist, verknotet oder verwirrt sich in seiner Nähe. Dem ehemaligen Mönch ist das unerklärlich: Vorher ist so etwas noch nicht passiert.
In dem angemieteten Haus finden die neuen Bewohner noch Überbleibsel von den alten: Dabei entdeckt Aladin unter anderem ein ziemlich zerfallenes Labor und zerfressene Labortexte. Offenbar war in diesem Haus einmal ein Bund beheimatet. Im Keller finden sich einige Dokumente, darunter auch ein alter Liebesbrief, dessen Unterschrift „Jenufa“ lautet. Der Brief ist an Ogfold gerichtet, den die Frau offenbar zur Ermordung Odolens auffordert – bei der sie später selbst für sein Scheitern sorgte, wie sich die Gefährten noch aus dem Wirtshaus erinnern.
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Da ihre finanziellen Mittel wohl immer noch nicht ganz ausreichend sind, schickt Aladin die Grogs los, um nach einer Möglichkeit, an Geld zu kommen, zu suchen. Dabei fällt Alen auf, daß es hier zwar alle möglichen Obstsorten gibt, aber keine Äpfel. Auch Apfelbäume sieht er keine in dieser Stadt.
Nicodemus ist mittlerweile recht interessiert an den Ruinen der Burg Slamohrad. Diese wurde nämlich von den ungarischen Herrschern während eines Krieges zerstört und nie wieder aufgebaut. Dabei lernt er den Kastellan Kasimir kennen, der sich offenbar geistig immer noch in der Vergangenheit befindet und den ruinenhaften Zustand der Feste gar nicht bemerkt. Er führt Nicodemus auch gerne zur Gruft der Könige, wo nach Odolen noch sieben andere Könige begraben liegen. Dabei fällt auf, daß das Grab Odolens keine Deckplatte mehr hat. Als Nicodemus Aladin davon erzählt und ihm den Ort später zeigt, denkt der Magier sofort an die merkwürdige Platte in der Burg Karatur, die auf dieses Grab hervorragend passen würde.
An den Mauern der Ruine kann Nicodemus außerdem die untereinanderstehenden Schriftzüge „Maske Trifs“ und „Smaskrifter“ entdecken.
Auf dem Markt hören Alen und Lionel unterdessen, daß in dem Kornturm der Stadt eine Mäuseplage ausgebrochen ist. Die Ratsherren bieten dem, der die Tiere ein für alle Mal unschädlich macht, eine hohe Belohnung an. Da Aladin immerhin zum Teil eine Katze ist, scheint das eine ideale Aufgabe zu sein.
Tatsächlich ist der Bjornaer von einer so einfachen Art, an Geld zu kommen, recht angetan und so brechen die Gefährten, nachdem sie die Sache mit dem Magistrat abgeklärt haben, zu dem Kornturm auf. Dort erfährt Aladin von den wirklich sehr zahlreichen Mäusen, daß ein Mann sie gebeten habe, doch hier das Korn zu fressen, was sie natürlich auch gerne tun. Dieser Mann bringt auch immer wieder neue Mäuse zu dem Turm. Offensichtlich handelt es sich hierbei um einen Magier, der der Stadt irgendwie schaden will.
Während sie noch auf den Hexer warten, um ihm das Handwerk zu legen, fällt Nicodemus die merkwürdige Struktur des Gebäudes auf: Türen und Fenster sind, genau wie die Mauern, scheinbar willkürlich angeordnet. Als der Bulgare jedoch die drei Stockwerke einmal übereinander im Grundriß zeichnet, ergibt sich das Muster eines Mühlebretts, bei dem die Türen die schwarzen und die Fenster die weißen Steine darstellen. Es fehlt allerdings eine Türe an einem Ort, wo eigentlich ein schwarzer Stein sitzen müßte. Als Nicodemus die Wand dort untersucht, entdeckt er ein Geheimfach, in dem neben einer Phiole und einer Pergamentrolle auch eine weitere Rabenbuchschließe liegt.
Als er das Pergament aufrollt, lösen sich die geschriebenen Buchstaben in eine dichte Rauchwolke auf. Als sich die Schwaden wieder verzogen haben, scheinen sich die Gefährten in der Behausung eines Magiers zu befinden. In einem Lehnstuhl sitzt ein alter Mann, der zu reden beginnt. Er sagt, er sei Huldrik der Zauberer, und dies hier sei sein Testament. Darin müsse er noch einmal die Wahrheit berichten: Seiner Meinung nach war an dem Bruderkrieg zwischen Ogfold und Odolen einzig der Hofnarr Maske Trifs schuld, der die Geister der Mächtigen systematisch durch ein Gewirr an Lügen vergiftet habe. Dafür habe er, Huldrik, den Narren jetzt getötet, obwohl er ihn nur für einen Teil eines größeren, übelwollenden Geistes hält. Für diesen Mord wird der Magier sterben, deshalb vertraut er seine letzten Worte diesem Testament an. Als der alte Mann fertig gesprochen hat, verschwindet die Illusion wieder und alle sind zurück in dem Kornturm.
Kurz darauf taucht der Mäusehexer auf, wird aber von Aladin und den Grogs recht schnell zur Strecke gebracht. Danach führt Aladin die kleinen Tiere aus dem Turm und in den nahen Fluß, wo die meisten von ihnen den Tod finden.
Als sie diese Aufgabe erledigt haben, fällt ihnen auf, daß Aladin auf einmal Schwierigkeiten hat, den richtigen Weg zu finden: Will er nach rechts, läuft er nach links und umgekehrt. Auch ihn scheint eine Art Fluch ereilt zu haben.
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In dieser Nacht ist Alen noch einmal kurz nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs. Dabei sieht er einen der kleinen Kobolde, die ihn in Karatur geplagt haben, auf der Straße umherlaufen. Sofort stürmt er wütend auf das Kerlchen zu, das sehr schnell die Flucht ergreift. Der Grog verliert die Spur des Verfolgten bald, findet aber noch ein Blatt Pergament auf dem Boden, das der Kleine wohl verloren hat. Als er es Aladin gibt, ist der über den Inhalt ziemlich verwundert: Es handelt sich um einen Erlaß des Rates von Slamohrad aus dem Jahr 962, bei dem Julius von Palermo, Alen, Sohn des Bragon, Aladin Ibn Usama, Lionel ap Thomas, Robert von York und Bruder Nicodemus als Feinde des Königs unter dem Berg bekannt gegeben werden. Wie man damals von diesen Leuten gewußt haben kann, ist eine weitere Frage in dem Wust aus Rätseln, der diese Stadt umgibt.
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Am nächsten Tag kann Alen eine weitere Arbeit für die Gefährten finden: Das alte Waisenhaus der Stadt soll abgerissen werden, und der Magistrat sucht noch nach Hilfe. Während die Grogs sich in dem Gebäude abmühen, hat Robert eine seltsame Vision, in der er eine Abtreibung durchlebt. Auch Alen sieht etwas: Vor ihm fällt eine Kinderpuppe auf den Boden und zerspringt. Kurze Zeit später finden die beiden in einer zugemauerten Nische eine Gedenktafel, deren Aufschrift andeutet, daß den elf Kindern diejenigen helfen könnten, die den verschollenen Pfad beschreiten – was auch immer das heißen mag. Außerdem finden sie hier eine dritte Rabenbuchschließe.
Auf dem Heimweg fällt Robert dadurch auf, daß der sonst so weitschweifige Grog auf einmal ständig die – meist recht unbequeme – Wahrheit sagt. Auch treffen die beiden wieder einen der Kobolde, der auch diesmal flieht und dabei einen Brief verliert. Darin steht, daß die Stadt die Arbeit der Gilde des Glanzes fördern würde und diese Gilde eines Teils ihrer Steuern enthoben sei.
In dieser Nacht haben alle, auch der normalerweise schlaflose Julius, denselben Traum: Sie betreten alle ein Drachenboot, jeder von ihnen scheint jetzt ein Wikinger zu sein. Das Boot legt ab, und Robert erklärt, jetzt ginge es nach Norden, zurück gen Inrim.
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Allerdings wird keiner von ihnen am nächsten Tag allzu schlau daraus. Zunächst haben sie auch dringendere Probleme: Zwar konnten sie auf dem Markt Korn kaufen, jetzt muß es allerdings gemahlen werden. Von Einheimischen erfährt Alen, daß es hier eine Mühle gibt, die von der Müllerin Jenufa geführt wird. Allein durch den Namen neugierig gemacht, begeben sich die Gefährten mit ihrem Korn zu der am Bach gelegenen Mühle.
Die Müllerin ist allerdings gerade nicht da. Von einem anderen Mann, der gerade sein Korn gemahlen hat, erfahren die Gefährten, daß sie ohnehin nur sehr selten zu sehen ist und vielleicht eine Art Naturgeist darstellt. Immerhin kann ihnen der Slamohrader Jenufa als schöne Frau mit außergewöhnlich rotem Haar beschreiben.
In der Mühle spricht Aladin vorsichtshalber einen Spruch, der ihn Magie entdecken läßt. Dabei kann er zwar nichts feststellen, aber in dem Moment, als der Zauber zu wirken beginnt, wird der Mühlstein durchsichtig und es lassen sich Buchstaben darauf ausmachen. Sie bilden einen Satz, der als „Smaskrifters Bannspruch“ bezeichnet wird, und besagt, daß solange sich das Mühlrad und der Mahlstein drehen, ein Wille über der Stadt herrsche. Außerdem taucht vor Aladin auf dem Boden eine Rabenbuchschließe auf.
Als sie noch grübelnd von der Mühle zurücklaufen, hat einer der Flüche jetzt auch Lionel erwischt: Der Waliser beginnt, immer dem größtmöglichen Umweg zu laufen, um an sein Ziel zu gelangen. Da sich Aladin und Julius langsam wirklich Sorgen machen, beschließen sie, sich in der Stadt nach anderen Weisen umzuhören, die ihnen vielleicht helfen könnten. Dabei erfahren sie von der alten Dänin Hrokkinskinna, die gewisse Kräfte besitzen soll. Diese wollen sie am nächsten Tag aufsuchen.
In der Nacht setzt sich der Traum fort: Das Drachenboot läuft auf die weite See hinaus. Um diesen Träumen auf die Spur zu kommen, beginnt Julius mit der Suche nach einem Traumdeuter. Zu seiner Überraschung stellt er fest, daß es in Slamohrad gleich drei davon gibt, und die beiden älteren damit auch tatsächlich reich geworden zu sein scheinen.
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Am nächsten Tag gehen Aladin und die anderen zuerst zu Hrokkinskinna. Die alte, fette Frau ist zunächst sehr abweisend, erklärt sich dann aber doch bereit, den Fremden zu helfen. Sie hat die Kräfte der Weissagung, die sie im Normalfall über ihre Runen nutzt. Als Aladin die Runen sieht, erkennt er in ihnen die selben Zeichen wie die, die sich auf dem Schwert der Blutgier befanden.
Danach gefragt, erzählt die Alte, daß diese Runen die Zaubersymbole ihres Volkes sind und gleichzeitig das Alphabet ihrer Sprache. Für jeden der Gefährten wirft sie die kleinen Stäbe, auf die die Zeichen geritzt sind, einmal. Dabei geschieht bei Nicodemus, Aladin, Robert und Lionel etwas sehr Merkwürdiges: Als die Runen geworfen werden, durchfährt jeden von ihnen ein stechender Kopfschmerz, und eines der Symbole erscheint als weiße Verfärbung in ihren Haaren. Dieses fehlt dann auch bei dem Runenhaufen. Auch Hrokkinskinna kann sich das nicht erklären, aber sie weiß, daß es wichtig ist.
Wegen der seltsamen Vorkommnisse bietet sie an, mit einem der Gefährten ein altes Opferritual durchzuführen, bei dem der Geopferte in die Haut einer Kuh eingenäht und eine Nacht den Elementen ausgesetzt wird. Wenn sie danach die Runen wirft, so sagt sie, kann sie damit drei Fragen ganz gezielt beantworten. Als Gegenleistung dafür, daß sie dieses Ritual vollzieht, verlangt sie eine der Fragen für sich. Aladin stimmt zu, er will selbst an der Zeremonie teilnehmen.
Bevor sie gehen, erzählt Hrokkinskinna ihnen noch eine alte Legende, die die Stadt betrifft: Vor vielen Jahren verließ der Wikinger Vargstökur sein Heimatdorf Inrim (der Name des Zieles in dem seltsamen Gemeinschaftstraum) mit einigen anderen und reiste mit seinem Schiff in den Süden. Ein Skalde namens Ulf Loftunga hatte ihm von einem großen Berg erzählt, der einen gewaltigen Schatz bergen solle. Niemand weiß, was aus den Wikingern wurde, da sie nie zurückkehrten. Hrokkinskinna ist der Meinung, daß mit dem Berg nur der Burghügel von Slamohrad gemeint sein kann. Sie selbst ist eine Nachfahrin des Vargstökur und versucht herauszufinden, was aus ihrem Ahnen wurde.
Da sie zunächst eine Kuh brauchen, um das Ritual durchzuführen, verabschieden sich die Gefährten von der Alten und machen aus, bald wiederzukommen.
Auch in dieser Nacht träumen sie wieder von dem Drachenboot. Außerdem treffen Alen und Robert auf dem Nachhauseweg erneut auf einen der Kobolde und finden wieder einen Brief: Diesmal hilft der Inhalt nicht viel weiter, aber bei dem Pergament ist eine Rabenbuchschließe. Am nächsten Morgen, als alle aufwachen, hat Julius einen Großteil seiner Geschicklichkeit eingebüßt und stolpert und fällt über alles mögliche, hauptsächlich über seine eigenen Füße.
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An diesem Tag machen sich Alen, Robert und Lionel auf die Suche nach einer billigen Kuh. Dabei fällt ihnen auf, daß die Glasbläserei in dieser Stadt sehr verbreitet ist, die Gilde des Glanzes, wie sich diese Leute nennen, ist eine der mächtigsten in der Stadt. Als sie aus Neugier eines der Gildenhäuser aufsuchen, hören sie daraus seltsame Musik erklingen. Auf ihre Anfrage wird ihnen gerne erzählt, daß diese Töne auf einer Glasharfe erzeugt werden, einem merkwürdigen Instrument, das es eigentlich nur in Slamohrad gibt.
Um so seltsamer ist die Ankündigung zweier Fremder, daß sie viel besser damit umgehen könnten und als Beweis in ein paar Tagen ein kleines Konzert geben werden. Da Alen und die anderen neugierig sind, gelingt es ihnen auch leicht, eine Einladung zu erhalten.
Auch in anderer Hinsicht haben sie Erfolg: Es gelingt ihnen, eine Kuh zu erwerben. Als diese geschlachtet wird, findet Aladin in ihrem Bauch ein totes Kalb – ein schlechtes Omen. Dennoch fährt der Magier fort, die Kuh zu häuten. Mit dieser Haut begibt er sich um Mitternacht zu dem alten Hünengrab, das in einem kleinen Forst aus verfilzten Tannen liegt. Dort näht ihn Hrokkinskinna in die Kuhhaut ein. Dann lassen sie und die anderen Serpentianer ihn allein, mitten in einem Schneesturm.
In dieser Nacht hat Aladin einige merkwürdige Visionen: So sieht er einen steinernen König, elf Frauen und Kinder, die ein Gedicht aufsagen, ein bläulich leuchtendes Wikingerschiff, das in Richtung des Burgberges fährt und eine junge rothaarige Frau, die ihm ein Knochenzaumzeug anlegt und ihn dann über Heide und Feld reitet. Am nächsten Morgen wird der Magier von Hrokkinskinna geweckt und darf seine zwei Fragen stellen. Dabei erfährt er, daß das Schicksal der Gefährten mit der Stadt verknüpft ist und daß die Stadt gerettet und die Flüche gelöst sein, wenn das Mühlrad still steht. Allerdings kann er nach Aussage des Orakels nichts tun, um den Mahlstein direkt anzuhalten: Dies muß als Folge seiner Taten geschehen.
Die anderen träumen wieder von dem Wikingerschiff, das in der Nordsee in einen Sturm gerät, diesen aber unbeschadet übersteht.
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Am nächsten Morgen suchen Julius und Nicodemus die junge Traumdeuterin Radost auf. Die verspricht ihnen, sich um ihre Träume zu kümmern. Sie legt sich schlafen, um die Visionen nachzuträumen, wacht aber nicht mehr auf. Auch die Versuche der beiden Männer, sie aufzuwecken, bleiben ohne Erfolg. Da sie sie nicht einfach liegen lassen wollen, nehmen sie die Bewußtlose mit.
An diesem Abend finden sie bei der Verfolgung eines Kobolds wieder ein Pergament, auf dem steht, daß der Rat der Stadt die Schürfrechte in den Traumgruben habe, wobei allerdings niemand genau weiß, was die Traumgruben eigentlich sind.
Am nächsten Tag findet das Konzert der beiden fremden Glasharfner statt. Die beiden sind tatsächlich recht gut, und über die ganze Zuhörerschaft fällt ein ruhiger Friede, der immer irrealer wird, bis schließlich alle Anwesenden an einen anderen Ort davon driften, in einen parkähnlichen Wald mit hohen, uralten Bäumen. Die Musik durchzieht den Hain wie eine geheimnisvolle Brise. Die schon an Visionen gewöhnten Gefährten schauen sich näher um, dabei fällt ihnen auf, daß der Wald sich auf demselben Hügel wie Slamohrad erstreckt, es hier aber keinerlei Tiere zu geben scheint. In der allgegenwärtigen Melodie scheint sich der geflüsterte Name „Smaskrifter“ immer wieder zu wiederholen. Schließlich nimmt der Wald ein düsteres, urzeitliches Aussehen an. Auf der Lichtung erscheint ein Steintisch, auf dem ein wie in Stein gehauener König ruht. Um diesen Tisch schreiten zuerst elf Kinder, die ein Lied singen, in dem berichtet wird, wie König Odolen aus Wahn und aus Haß diese elf Kinder tötete. Danach erzählen elf Frauen in der zweiten Strophe des Liedes, wie sie Odolen verrieten und dafür hingerichtet wurden. Die letzte Strophe, die von den Bäumen herhallt, berichtet von den elf Männern (wahrscheinlich den Entführern der Frauen und den Vätern der Kinder), die Odolen nicht finden konnte, um sie zu töten.
Nach diesem Gesang bricht die Musik abrupt und mit einem scharfen Mißklang ab. Die Glasharfen vibrieren auf einem schier unerträglich hohen Ton und zerbersten schließlich. Als Aladin nach dem mißglückten Konzert mit den beiden Fremden redet, erfährt er, daß sie die Harfen nach den Plänen eines gewissen Georgio Selvando gebaut hätten. Von ihm stammt auch die Melodie. Dieser Name ist Aladin vertraut: Georgio war einer der Magier des Bundes, in dessen Haus sie sich angesiedelt haben. Als er sich die Scherben der Harfen noch einmal genauer ansieht, entdeckt er zwischen ihnen eine Rabenbuchschließe. Von diesem Zeitpunkt an fühlt sich Alen immer sehr müde und erschöpft und kann gar nicht genug schlafen.
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In dieser Nacht trifft das Wikingerschiff schließlich in dem Dorf Inrim ein. Hinter der kleinen Siedlung erhebt sich ein hoher Berg, der aber von einem undurchsichtigen Dunstschleier aus schwarzem Staub verborgen ist. Als sie in das Dorf hineingehen, wird ihnen klar, daß dies hier die Traumgruben sein müssen. Hinter der Ansiedlung kann man in den Berg hineingehen und nach Träumen schürfen. Diese Träume können die Fähigkeiten des Träumers für den nächsten Tag verbessern: Er kann schneller laufen, besser handeln oder kunstfertiger schmieden als zuvor. Einige der Träume sind auch wahre Orakel, die Hinweise auf die Zukunft geben.
Als sie zu schürfen beginnen, haben Alen und Nicodemus Visionen: Alen sieht einen kleinen Mann, der verzweifelt auf die Bruchstücke eines Schwerts einhämmert, es aber trotz Feuer und Hitze nicht zusammenfügen kann. Endlich dreht sich der Schmied um und erklärt Alen, er wisse nicht, wie das Schwert wieder eins werden könne.
Nicodemus begegnet Hrokkinskinna, die gerade dabei ist, eine Kuhhaut zu kochen. Aus dem Leder fertigt sie dann einen Handschuh, den der Bulgare anzieht. Als er aufwacht, ist die Haut seiner rechten Hand von einer dicken, undurchdringlichen Hornhaut bedeckt.
Julius geht nicht sofort in die Traumgruben, sondern sieht sich erst im Dorf um. Dabei begegnet er Radost, der Traumdeuterin. Diese findet den Ausgang nicht mehr, vertraut dem Geist aber an, daß irgendeine Macht die Träume hier steuert: Und dadurch auch die Menschen, die hier schürfen. Offenbar zählen fast alle Einwohner Slamohrads zu den Benutzern der Gruben.
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Tagsüber gehen die Gefährten noch einmal zu dem Hünengrab, um sich dort umzuschauen. Auf einem der Steine finden sie eine Inschrift in einer unbekannten Sprache, die sie nicht entziffern können, von der Robert aber weiß, daß die Druiden und das Alte Volk, die Feen, sie gelegentlich verwenden.
Am nächsten Abend finden sie wieder einen der seltsamen Briefe, die die Kobolde immer verlieren: Dieses Dokument gesteht dem Schmied Wieljand einen Platz in der Stadt zu, wodurch er allerdings seinen Titel als König unter dem Berg verliert. Dies ist merkwürdig: Tatsächlich gibt es einen Schmied dieses Namens in der Stadt, wenn auch das Pergament vor über zweihundert Jahren geschrieben wurde.
Auch in dieser Nacht geraten alle wieder in die Traumgruben, wo sie erneut schürfen gehen. Dabei sieht Aladin eine Harfnerin aus der Gilde des Glanzes, die mit einem melancholischen Lied Kinder zum Spiel ruft, während Robert von dem Einsiedler Krysatlama eine Melodie erlernt, mit der er Ratten zu Hilfe rufen kann.
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Am nächsten Tag beschließt Aladin, dem Schmied Wieljand einen Besuch abzustatten. Dieser empfängt sie recht unfreundlich, ist jedoch bereit, mit dem Magier ein Spiel zu spielen. Dabei geht es darum, daß jeder dem anderen drei Fragen beantworten muß. Verliert Aladin, muß er oder einer seiner Gefährten für sieben Tage in den Dienst des Schmiedes treten, verliert der zwergenwüchsige Wieljand, erhalten sie von ihm die Bruchstücke des Schwertes.
Die erste Frage an den Schmied, von Alen gestellt, lautet, seid Ihr der König unter dem Berg und erhält die Antwort, nicht mehr. Die zweite Frage stellt Aladin: „Wißt Ihr, ob ihr sagen könnt, wie man die Bruchstücke des Schwertes wieder zusammenfügen kann?“ Die Antwort lautet, ja, natürlich wisse Wieljand, ob er das sagen könne. Aladin fühlt sich etwas betrogen und fragt nun recht trotzig, wer er denn sei. Die lakonische Antwort des Schmiedes ist, daß er der Mann sei, der gerade drei Fragen verschwendet hätte.
Im Gegenzug stellt der Schmied zunächst zwei sehr einfache Rätselfragen. Seine letzte Frage jedoch, die nach der Dreiheit der Druiden, kann niemand beantworten, und so bleibt Alen als sein Lehrling bei ihm. Während der Grog dem Schmied nun am Blasebalg hilft, findet er in dessen Werkstatt eine Rabenbuchschließe, die ihm der kleine Mann auch gern überläßt. Von dem Moment an hat Robert die unglückliche Tendenz, in jeder Situation die unpassendste Bemerkung zu machen, was seine Konversation auf einmal auf den Standard von Gerwald bringt.
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Während den letzten Tagen haben Aladin und Nicodemus einen kleinen Kramladen entdeckt, den sie heute einmal aufsuchen wollen. Beim Herumstöbern finden sie einige interessante Dinge: Elf Kinderwiegen, elf mumifizierte Frauenköpfe, zwei Runenalphabete, von denen das eine die Symbole Hrokkinskinnas, das andere die Feenzeichen, die auf dem Hünengrab sind, enthält; mehrere Laborgeräte von Georgio Selvando; ein Säckchen mit einem magischen Pulver, das wie glimmernder Schnee aussieht und eine Schneekugel, außerdem eine Rabenbuchschließe. Als Nicodemus die Schneekugel mit einem winzig kleinen Slamohrad darinnen schüttelt, passiert etwas außergewöhnliches: Das Bild innerhalb der Kugel ändert sich und wird zu einem höhlenartigen Säulensaal. Aus einem der Torbögen kommt ein kleiner Mann gelaufen und beginnt, auf dem spiegelglatten Boden der Halle eiszulaufen. Mit ihm laufen auch elf Kinder umher und spielen allerlei Spiele. Schließlich verblaßt der Saal wieder und es ist erneut das verkleinerte Slamohrad zu sehen.
Als sie den Kramladen verlassen, beginnen Nicodemus´ Hände, stark zu zittern.
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Ein weiteres auffälliges Gebäude der Stadt ist die Bibliothek. Allerdings scheint der Bibliothekar hochgradig nervös zu sein und vor irgend etwas Angst zu haben. Als sie sich mit ihm unterhalten, erfahren sie, daß der Mann vor einiger Zeit eine seltsame, rötlich-goldene Amsel getötet hat und sich seitdem von ihrem Geist verfolgt fühlt. Deshalb öffnet er die Tür auch nie länger als nötig. Von Aladin nach den Büchern des Georgio Selvando gefragt, fällt ihm eigentlich nur ein Werk ein: „Von der Kontinuität von Raum und Zeit“. Als der Bjornaer ein wenig darin herumblättert, findet er heraus, daß sich Selvando, ein Bonisagus, damit beschäftigt hat, zwei neue Elemente in die hermetische Magie einzubringen: Raum und Zeit. Dazu hat er offenbar irgendein Experiment geplant, was allerdings ist unklar. Immerhin kann Aladin eine Skizze des Magus selbst sehen und stellt fest, daß das geheimnisvolle Gemälde in der Burg Karatur Selvando und einen seiner Assistenten darstellt. Da die Schneefälle nachgelassen haben, beschließt der Bjornaer, noch einmal zu der kleinen Festung zurückzukehren, um dort vielleicht näheres in Erfahrung zu bringen..
Als die Gefährten jedoch die Bibliothek verlassen, sieht Alen außerhalb auf einem Baum eine seltsam durchscheinende Amsel sitzen. Sie bittet ihn, ihr die Tür aufzumachen: Sie wolle dem Bibliothekar nichts Böses, aber er habe etwas von ihr in seinem Besitz. Alen geht zurück und öffnet ihr die Bibliothek, woraufhin es zu einer recht spektakulären Vereinigung des Amselgeistes mit ihrem Mörder kommt und beide zu einer neuen Amsel verschmelzen, die unter jubilierendem Gesang davonfliegt.
In der nächsten Nacht träumt Alen von dem Vogel, der auf seiner Hand landet. Dort hinterlassen dessen Krallen zwei Markierungen, die auch noch da sind, als der Grog wach wird.
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An diesem Tag brechen Aladin und die anderen nach Karatur auf. Alen bleibt in der Stadt, da er ja Wieljand verpflichtet ist.
Bei der kleinen Burg angekommen, stellen die Gefährten fest, daß hier vor einigen Tagen etwas passiert ist: Auf einmal war ein seltsames gläsernes Singen in der Luft, das immer lauter und höher wurde, bis schließlich eine der Wände der großen Halle zusammenbrach und dahinter zwei seltsame Apparaturen und ein Haufen Glassplitter hervorkamen. In diesen erkennt Aladin sofort zwei zersprungene Glasharfen, und tatsächlich stimmt die Zeit, in der hier die Musik gehört wurde, mit dem Abend, an dem die beiden Harfner ihre Vorstellung gaben, überein.
Als der Bjornaer noch einmal das Bild untersucht, stellt er wieder Magie daran fest. Als er probeweise versucht, sie zu bannen, gelingt ihm dies. Zwei Dinge ändern sich auf dem Gemälde: Der verzerrte Gegenstand im Vordergrund wird wieder als Totenkopf erkennbar, und die Laute auf dem Bild erhält ihren Schatten zurück. Interessanterweise heißt das Dorf, das sich genau in der Mitte zwischen Karatur und Slamohrad befindet, Lauterkopf.
Nachdem aber der Zauber gebannt ist, hört man von oben aus dem Turm ein lautes Rauschen. Die Fledermäuse, die sich hier angesiedelt hatten, verlassen die Burg in einem großen Schwarm. Auf dem Weg nach oben kommt Aladin an einem Spiegel vorbei. Darin sieht er allerdings nicht sein eigenes Spiegelbild, sondern erblickt eine junge rothaarige Frau, die ihm anbietet, ihm die magische Kugel, die sie in der Hand hält, zu überlassen. Dafür will sie nur einen kleinen Gefallen: Aladin soll nicht zu dem alljährlichen Mitternachtsball in Slamohrad gehen, sondern sich mit ihr an dem Hünengrab treffen. Der Bjornaer geht darauf ein.
Die anderen sind in der Zwischenzeit oben im Turm angelangt. Dort hat das Skelett in der Platte begonnen, sich zu bewegen und gibt jetzt mit einer feierlichen Geste Nicodemus sein Herz. In dieser Nacht erhält der Bulgare im Traum die Warnung, daß ohne Blut ein hartes Herz nicht weich wird.
Da Aladin immer noch nicht weiß, welches Experiment Selvando durchführen wollte, reist er mit den anderen zurück nach Lauterkopf. Dort findet er einen hochmagischen Kupferbrunnen, auf dem zwei magische Symbole angebracht sind, die er nicht kennt, aber vermutet, daß sie für Ort und Zeit stehen. Da es schon einmal eine Überschneidung des Ortes gegeben hat, vermutet der Bjornaer nun, daß bald schon eine Überschneidung der Zeit bevorsteht. Wenn man das Jahr, in dem Selvando sein Experiment gestartet hat, als Angelpunkt und Jetzt als das eine Ende nimmt, so könnte das Ereignis, mit dem sich die heutige Zeit überschneidet, die Raubfahrt des Wikingers Vargstökur sein. Voller Spannung über die weiteren Ereignisse reisen die Gefährten zurück nach Slamohrad.
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Dort steht der Mitternachtsball, der hier jedes Jahr zum Jahreswechsel stattfindet, vor der Tür. Zu diesem Fest kann jeder kommen, vorausgesetzt, er ist als Nixe, Kranich, Drache, Geist, Einhorn oder Hirsch kostümiert. Nicodemus, Alen und Robert wollen dort hingehen, während Aladin, Julius und Lionel sich am Hünengrab mit der Rothaarigen treffen möchten.
Unterdessen hat Alen in der Stadt das gebrochene Schwert zu Gesicht bekommen. Auf seiner Klinge befinden sich Feenrunen. Außerdem hat er noch einen weiteren Pergamentzettel gefunden, bei dem die neunte Rabenbuchschließe lag. Als Aladin ihn liest, stellt er fest, daß in dieser Stadt kein Mann und keine Frau bei einem des Feenvolkes liegen darf und daß, sollte es doch einmal geschehen, deren Kinder dem Magistrat zu überstellen wären.
Da einiges in der Stadt auf Feeneinfluß hindeutet, begeben sich Nicodemus, Julius und Lionel hinaus in den Wald, in der Hoffnung, dort auf Feen zu stoßen. Tatsächlich finden sie auch schon bald einen Weg in deren Reich, wo ihnen der alte König Mirdionir einiges über die Urgeschichte des Landes erzählen kann: Die Elfen, die einst durch diese Gegend gen Westen zogen, pflanzten hier mit der Hilfe des zwergischen Königs unter dem Berg den heiligen Hain Kalwenkor. Ihr König Mirdionir beschloß, zu bleiben und ging in dem Herzbaum des Landes auf, elf seiner zwölf Söhne ließen sich ebenfalls hier nieder und gingen in den elf heiligen Baumsorten auf. Sein zwölfter Sohn zog weiter gen Westen.
Offenbar kehrte er aber zurück und wurde zu dem bösen Geist Smaskrifter, dem Verderber von Kindern, dem Meister der neun Bäume und der Herrin der Hexerei. Um ihn zu besiegen, braucht es jemanden von weder menschlichem noch elfischem Blut, sondern von beider Geschlecht. Dazu wollten sich wohl zu der Zeit Ogfolds und Odolens die elf Söhne Mirdionirs mit elf menschlichen Frauen vereinigen, aber der Plan wurde verdorben, die Frauen und Kinder starben und die Prinzen verschwanden. Das gebrochene Schwert war wohl einstmals der Schutz und Schirm des Waldes. Sein Name ist Thandalar, und es muß erneut geschmiedet werden.
Den Namen des zwölften Prinzen, dessen Baum nicht heilig ist, will Mirdionir aber doch nicht preisgeben.
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Schließlich ist der Neujahrstag herangenaht. Die drei, die auf das Fest gehen wollen, haben ihre Kostüme fertig, die anderen gehen frühzeitig zum Hünengrab.
Auf dem Ball tauchen um Punkt Mitternacht zwei seltsame Gestalten auf: Der Hofnarr Maske Trifs und die rothaarige Verführerin Jenufa. Beide sprechen einen Fluch aus, der die gesamte Stadt zwischen gestern und morgen gefangenhält – alle mit Ausnahme der drei Männer, die die Rabenbuchschließen bei sich tragen. Die anderen Menschen und alle Tiere stehen starr und wie zu Stein erstarrt, während sich Nicodemus, Alen und Robert als einzige noch regen können – auch Aladin, Julius und Lionel sind in der Zeitfalle gefangen.
Die Flüche verlassen die drei in diesem Moment, genau wie auch die Buchschließen zunächst zu Raben werden und mit einem großen Rauschen von Flügeln verschwinden. Statt ihrer fällt nun ein Buch aus der leeren Luft auf die Erde: Das weiße Buch von Kalwenkor, das mit neun Schließen in der Form von Raben verschlossen ist.
Um die einzelnen Kapitel zu öffnen, müssen die Bedingungen der neun Schließen erfüllt werden, was sich aber nicht als allzu schwierig erweist. Das Erste Kapitel des Weißen Buches erzählt, wie der Elfenkönig Mirdionir einen jungen Menschen zum Hüter des Hains berief. Dieser wurde zum Ersten eines Ordens von Druiden, die die elf heiligen Bäume des Hains pflegten und verteidigten. Im Zweiten Kapitel wird berichtet, wie der Schmied das Schwert Thandalar schmiedete, das alles schneidet außer Holz. Im Dritten Kapitel steht geschrieben, wie die Wikinger aus dem Norden kamen und die Druiden erschlugen. Aber auch sie fanden dabei den Tod. Durch diese Ereignisse wurde der Geist des Waldes verdorben. Im Vierten Kapitel kann der Leser erfahren, wie die elf edlen Prinzen durch die Verbindung mit den elf menschlichen Frauen versuchten, den Wald zu retten, aber scheiterten, und wie der böse Geist die Kinderseelen zu seinen Wächtern machte. Im Fünften Kapitel sind die Bedingungen für die Königswürde erläutert. Im Sechsten Kapitel wird von den Schlüsseln erzählt, und daß der Name der Schlüssel zum wahren Geist sei. Im Siebten Kapitel wird gesagt, wie man das gebrochene Schwert mit Amselflamme, Pantheratem, Mörderrunen, Glasstimme und Eidesblut wieder zusammenschmieden kann. Im Achten Kapitel stehen die Tiere und Farben, die den Runen entsprechen. Das Neunte Kapitel bringt Weissagung.
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Von diesem Punkt an verwirren sich die Zeiten. Die drei Männer wechseln zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Traum hin und her. In der Gegenwart folgen sie den Raben, die aus den nunmehr offenen Schließen hervorgegangen sind. Im Traum, in den sie jetzt auch dann wechseln, wenn sie sich gar nicht schlafen legen, sind sie wieder in dem Dorf Inrim, aber jetzt ist endlich der schwarze Dunstschleier verschwunden und sie können mit dem Anstieg ins Gebirge beginnen. Schließlich gelangen sie ebenso übergangslos in die Vergangenheit. Dort sehen sie tatsächlich in einiger Entfernung das Lager der Wikinger. Neben dem Anführer und dem auffällig hellhaarigen Skalden sind noch neun andere Nordmänner zugegen. Slamohrad existiert natürlich noch nicht. Auch als die Gefährten sich dem Lager der Raubfahrer nähern, scheinen diese sie nicht zu bemerken. Die einzige Ausnahme ist der Skalde, der sie spöttisch anlächelt und mit einer dissonanten Tonfolge zurück in die Gegenwart schickt.
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Dort kommen sie an eine kleine Schlucht, die man die Nebelspalte nennt. Kaum angekommen, als sie auch schon wieder in einen Traum gerissen werden: Der Anstieg auf den Berg ist schwerer geworden, Naturgewalten stellen sich ihnen entgegen. Dennoch geben sie nicht auf und steigen unverdrossen weiter. Schließlich gelangen sie zurück in die Vergangenheit, wo sie den Tod des ersten Wikingers miterleben, der in eine sich plötzlich öffnende Felsspalte fällt. Dies war der erste Angriff des Waldwächtergeistes.
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Wieder in der Gegenwart werden die drei seltsamen Reisenden von der Stadtmauer aufgehalten. Auch im Traum ergeht es ihnen nicht besser: Sie kommen an einen düsteren Bergwald, der ihr Vorankommen noch weiter behindert. Ihr Mut beginnt zu sinken, aber dennoch gehen sie weiter. In der Vergangenheit scheinen die Wikinger ein ähnliches Problem zu haben: Ein Teil von ihnen will nach dem Tod ihres Gefährten nicht weitergehen. Da aber stimmt der Skalde ein Lied an, das den Nordmännern die verlorene Entschlossenheit zurückgibt, und sie setzen ihren Weg fort.
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In der Gegenwart erreichen die drei jetzt das Hünengrab. Dort treffen sie drei Männer, die sich ihnen als die verlorenen Söhne Mirdionirs vorstellen und ihnen ihre Hilfe anbieten. In Wirklichkeit sind sie jedoch gezwungen, ihnen einen bösen Streich zu spielen, was jedoch an der Vorsicht der Gefährten scheitert. Daraufhin verschwinden die Elfengeister im Bodennebel. Im Traum wird der Wald immer verfilzter, und jetzt ist in der Entfernung deutlich ein Jagdhorn zu hören. Auf wen hier Jagd gemacht wird, darüber wollen die drei lieber nicht nachdenken. In der Vergangenheit begeben sich die Wikinger zum Schlafen. Wieder sendet der Skalde die Gefährten mit seiner Harfe in die Gegenwart zurück.
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Dort werden sie am Bärenturm erneut von diesmal vier Elfengeistern angesprochen. Bevor diese ihnen allerdings viel sagen können, werden sie von einer scharfen Stimme zum Schweigen gebracht. Im selben Moment ertönt aus dem Turm ein seltsamer Gesang von Frauenstimmen. Als sie dem Lied nachgehen, kommen sie in eine Waschküche, in der elf Frauen versuchen, das Blut von ihren Gewändern zu waschen, was ihnen aber nicht gelingt. Die Tür verschwindet plötzlich, und erscheint auch erst wieder, als Nicodemus die Farbe der befleckten Gewänder mit der im Achten Kapitel des Weißen Buches erwähnten Farbe ruadh – blutrot in Verbindung bringt. Als er dies tut, fällt vor ihm ein kleiner Runenstab zu Boden, den der Bulgare mitnimmt. Wieder draußen, beglückwünschen die Elfengeister sie zu ihrem ersten Sieg über Smaskrifter. Acht weitere Runen werden sie noch gewinnen müssen, bevor sie den Wald heilen können. Danach lösen sich die Elfengeister auf .
In der Welt der Träume bricht nun die Wilde Jagd über die drei Männer herein. Der Herr der Wilden Jagd, eine falbe Stute, stürmt auf Alen zu, und zum ersten Mal in seinem Leben fühlt der junge Ungar, wie der Schrecken nach seinem Herzen greift. Angsterfüllt fällt er zu Boden, und weder ihm noch den anderen beiden fällt die Verbindung der fahlen Farbe des Pferdes zu der Farbe tilitheach – aschgrau auf, bis es zu spät ist. Diese Rune haben sie an Smaskrifter verloren.
In der Vergangenheit setzen die Wikinger am Morgen ihren Weg fort.
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In der Gegenwart gelangen die Gefährten am Schleiferplatz an, wo ihnen drei Mägde drei Vögel zum Kauf anbieten. Da aber reabhan – der Rabe schon der Farbe ruadh und truid – der Star der Farbe tilitheach entspricht und diese Runen schon gewonnen oder verloren sind, bleibt als einziger seabhag – der Falke übrig. Diese Wahl ist richtig: Die drei Mägde verschwinden, und aus den Vögeln werden Elfengeister, die Nicodemus, Alen und Robert eine weitere Rune überreichen und sich dann auch auflösen.
Bald schon finden sie sich im Traum wieder, wo sie eine kleine Regenbogenbrücke entdecken, auf der Huldrik steht und ihnen zuruft, sie müßten die Traumwelt jetzt verlassen, da sonst sein Zauber erlischt und sie vielleicht nie wieder herausfänden. Jedoch glauben die drei der Erscheinung kein Wort, Robert ist sogar geistesgegenwärtig genug, beim Anblick des Regenbogens an die Farbe maibreach – bunt zu denken. Daraufhin verschwindet die Täuschung wie auch die Traumwelt, und sie finden sich in der Vergangenheit wieder. Dort werden sie Zeuge des verzweifelten Kampfes der friedfertigen Druiden mit den kriegerischen Wikingern. Nach einem widerwärtigen Gemetzel sind die Hüter des Waldes tot und Vargstökur nimmt das hier noch intakte Schwert Thandalar an sich.
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Nach dem Blutbad, dessen die drei Zeugen werden mußten, sind sie froh, sich wieder in der Gegenwart zu befinden. Dort stellt sie einer der Elfengeister vor die Wahl: Er hat zwei Schwäne, einen lebenden weißen und einen toten schwarzen. Welchen wollen sie? Dies erweist sich als schwierig. Zwar gibt es das Tier eala – den singenden Schwan, aber ein Schwan singt nur einmal in seinem Leben, dann stirbt er. Also wäre der schwarze Vogel die richtige Wahl, aber der andere ist immerhin ianban – blendend weiß. Schließlich entscheiden sie sich für den schwarzen Schwan, was ihnen zwar eine Rune einbringt, aber vor seinem Verschwinden teilt ihnen der Elfengeist mit, daß sie beide hätten wählen müssen – so ist ihnen die zweite Rune verloren gegangen.
Im Traum warten keine neuen Prüfungen auf sie, während sie in der Vergangenheit Zeuge des Todes von einem verletzten Nordmann werden, der nicht mehr mit den anderen Schritt halten konnte. Der Skalde verhindert in seiner Eile, daß der Wikinger begraben wird.
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In der Gegenwart finden sich die Gefährten im Obstgarten wieder, in dem ihnen wieder das Fehlen von Apfelbäumen auffällt. Dort schießt eine Gruppe junger Frauen mit Pfeil und Bogen nach einer Formation von Kranichen und Möwen. Sie bitten die drei Männer, ihnen zu sagen, was fliegt, und nach kurzer Überlegung antwortet Nicodemus weder corr – der Kranich noch faoileann – die Möwe, sondern ailibin – der Kiebitz, denn die Pfeile der Frauen sind mit Kiebitzfedern geschmückt. Diese Wahl war richtig, und die Gefährten erhalten eine weitere Rune.
Im Traum nähern sie sich dem Gipfel des Berges, indem sie einen Gletscher erklimmen. In der Vergangenheit erleben sie einen Streit unter den Wikingern, da einer von ihnen die Wunden der anderen versorgen will, der Skalde aber auf Eile drängt. Trotz seiner zornigen Miene wird er überstimmt und die Nordmänner rasten eine Weile.
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Wieder in der Gegenwart, finden die drei Wieljand, der in ein Turmverließ gesperrt wurde. Da er kein Mensch ist, hat der Fluch ihn auch nicht betroffen. Zusammen mit ihm und den Hinweisen aus dem Siebten Kapitel schmieden Alen, Robert und Nicodemus das Schwert Thandalar neu. Alen nimmt es an sich.
In der Traumwelt haben sie nun endlich den Kamm des Berges erreicht, der Gipfel ist fast greifbar nahe.
In der Vergangenheit kommt es zum offenen Streit, da einige der Männer gerne umkehren würde. Der Skalde beendet diesen Zwist, indem er ein Spottlied anstimmt, das jeden als Feigling verhöhnt, der jetzt aufgeben will. Ärgerlich, aber nicht willens, das Gesicht zu verlieren, folgen ihn die Nordmänner.
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In der Gegenwart begegnen die drei Männer der schönen Jenufa, die sie zum Aufgeben überreden will. Als die nicht willens sind, läßt sie eine Brücke über ihnen zusammenbrechen, schafft es aber nicht, auch nur einen ernsthaft zu verwunden.
Im Traum erreichen sie zu guter Letzt den Gipfel des Berges, in der Vergangenheit schlagen die Wikinger ihr letztes Nachtlager auf.
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Schließlich kommen die Gefährten in der Gegenwart an einen kleinen Spalt, der in den Berg unter der Feste führt. Sie können sich gerade so hindurch quetschen und folgen jetzt einem kleinen Bach in die Tiefe der Felsen hinein.
In der Traumwelt sehen sie vor sich auf der glänzenden Wand des Gipfels die Inschrift: „Ich bin die Säule des Himmels und mein Haupt ist der Spiegel unerfüllter Wünsche“. In der Vergangenheit haben die Wikinger den Spalt ebenfalls entdeckt und folgen dem Skalden in den Berg hinein, wobei einer von ihnen von den Wächtern des Weges, ein paar Silbertannen, getötet wird.
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Als die Gefährten den schmalen Weg entlang gehen, kommen sie an einer kleinen Holztür vorbei, unter der ein Rinnsal von Quecksilber entlangfließt. Nicodemus fällt ein, daß Quecksilber aus Zinnober gewonnen wird, und so denkt er an die Farbe flann – zinnoberrot. Dadurch gewinnt er eine weitere Rune. In der Vergangenheit wird einer der Wikinger durch herabstürzende Felsen getötet.
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Endlich erreichen die drei Männer eine tiefe Kluft. Unter sehen sie eine Säulenhalle, die Nicodemus bei der Vision in der Schneekugel schon einmal gesehen hat. An einem kräftigen Seil lassen sie sich herunter. In der Vergangenheit sind die Wikinger alle in eine mit Reichtümern versehene Höhle gerannt, deren Boden unter ihren Gewicht nachgab. So stürzten sie alle in die Tiefe.
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Am Fuß der Kluft angekommen, treten die drei Gefährten auf eine spiegelglatte Fläche, auf der sie sich nur sehr vorsichtig bewegen können. Da kommen auch schon die Wächter Smaskrifters angeschossen: Die Seelen der elf halbblütigen Kinder, die ohne Schwierigkeiten über das Eis gleiten können. Aber Alen erinnert sich noch an den Traum, in dem die Harfnerin die Kinder mit einem Reim zum Spielen rief. Jetzt singt auch der Ungar diese Melodie, und tatsächlich: Bis auf drei verschwinden alle Kinderseelen, und die, die noch nicht erlöst sind, ziehen sich zurück.
Unter dem Glassaal sehen die Gefährten jetzt noch eine weitere Höhle. Mit Thandalar schneidet Alen ein Loch in den Boden und die drei seilen sich erneut ab. Dort unten ist der Boden faulig und feucht, und es wimmelt von Ratten. Auf einem Thron sitzt eine steinerne Gestalt, die allerdings mit jedem Atemzug der Gefährten lebendiger wird und sich schließlich auf sie stürzt. Es ist der alte König Odolen, der hier unter dem Berg geruht hat.
Nicodemus zieht jetzt das steinerne Herz aus Karatur aus der Tasche und benetzt es mit seinem Blut. Es beginnt, einmal kurz und krampfhaft zu schlagen, dann erstirbt es und mit ihm endet auch Odolens kurz aufgeflackertes unnatürliches Leben. Als der alte König fällt, sehen die Gefährten ein letztes Mal die Vergangenheit. Hier steht in der Mitte des Raumes ein gewaltiger Baum, in dessen Rinde neun Runen zu sehen sind. Zu diesem Baum schleppt sich der Skalde, der in Wirklichkeit der Zwölfte Sohn des Mirdionir ist. Er tötet die noch lebenden Wikinger mit Thandalar und stößt danach die Klinge, die kein Holz schneiden kann, mit aller Macht in den großen Baum. Das Schwert bricht und die neun Runenzeichen verlieren jeden Anschein von Leben. Der Körper des Zwölften Prinzen bricht tot zusammen.
In der Gegenwart schießt jetzt auch ein Baum aus der Erde. Aber kein Vergleich zu dem mächtigen Riesen der Vergangenheit: Dieser hier ist monströs, abgestorben und verkrüppelt. Am Fuß des Baumes sind neun Runen wie schwärende Wunden in die Rinde geschnitten. Um die letzte Rune zu erwerben, denkt Robert schnell an die Farbe cnodonn – nußbraun – die Farbe des sterbenden Riesen.
Aber als die Gefährten zu dem Baum gehen wollen, um die Runen in die Wunden zu setzen, schießen plötzlich von überall her Wurzeln aus dem Boden und versuchen, die Männer festzuhalten. In den Spiegeln, die die Wände der Halle zieren, erscheint das Bild des Skalden, der die Freunde verhöhnt und sich seines Sieges sicher ist. Jedoch unterscheiden sich die Spiegelbilder in Winzigkeiten voneinander: In einem trägt der Zwölfte Prinz ein Weidenkätzchen, in einem anderen ein Edelweiß, einen Kastanienzweig, eine Rose, einen Apfel… Alen erinnert sich, daß es hier nirgendwo Äpfel gab und schießt mit letzter Kraft einen Pfeil auf genau dieses Bildnis ab.
Als der Pfeil sein Ziel trifft, zerbersten alle Spiegel. Die Wurzeln geben ihren Angriff auf, und Nicodemus kann jetzt die Runen in die Rinde einsetzen. Bei jeder so geheilten Wunde erhebt sich der Baum etwas höher und wirkt ein wenig gesünder. Schließlich erscheint in seinen Zweigen Mirdionir und erklärt, daß der Baum jetzt heilen könne und mit ihm auch das Land. Sein zwölfter Sohn sei jetzt bei ihm und seinen Brüdern und werde seine Lektion noch einmal von vorne lernen. Zum Dank für die Erlösung schenkt er den drei Männern Thandalar: Jetzt, wo für diese Gegend ein neues Zeitalter anbricht, werden sie das alte Schwert nicht mehr brauchen. Wer weiß, vielleicht wird es hier demnächst sogar auch Apfelbäume geben…
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Die drei kehren an die Oberfläche zurück, wo die Zeit jetzt wieder ihren normalen Gang nimmt. Dort treffen sie wieder auf Aladin und die anderen. Die Rothaarige hat die Verabredung natürlich nicht eingehalten, was den Magier doch sehr enttäuscht, um so mehr, als daß er auch noch die ganze Auflösung verpaßt hat.
Als sie am nächsten Tag zu dem Spital der Mönche kommen, gibt es zwei gute Nachrichten: Radost ist wieder aufgewacht und nur sehr mäßig verblüfft, daß ihr Freund Julius eigentlich schon tot ist. Die Einladung, doch mit nach Serpentia zu kommen, nimmt sie gerne an. Auch Andrews Fieber ist gebrochen, und der Jerbiton wird bald wieder reisefähig sein. Da auch das Wetter sich sehr gebessert hat, brechen die Gefährten schon bald auf. Das Schwert Thandalar nimmt Alen mit.

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Marganma

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