Serpentia

Tag der Hexen

Winter 1194

Llwellyn, Dáirine, Henry, Olf, Lucianus, Sir Coinneach

Wie schon lange angekündigt, kommt Ende Herbst Gerbert von Köln zu Besuch. Er möchte einmal sehen, wo Henry und dessen Freunde leben. Glücklicherweise haben sich die Serpentianer schon auf diesen Besuch vorbereitet. So wurde vor ein paar Jahren ein zweites Dorf, ebenfalls mit dem Namen St. Blasius, in der Nähe der Karawanserei gegründet. Einige der Häuser in „Secundus“, wie das Dorf allgemein genannt wird, stehen leer und werden jetzt, da Gerbert kommt, schnell von Henrys und Llwellyns Familien bezogen.
Aber bevor Gerbert eintrifft, kommt zunächst dessen Assistent Andreas von Glansdale. Er möchte sich in dem Dorf noch einmal nach seinem Onkel Gloucester umhören. Es ist ja bekannt, daß dieser vor seiner Flucht mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen hier gelebt hat. Außerdem soll sich auch Sir Quintus, einer der Freunde seines Onkels, in der Gegend aufhalten. Mit diesem Ritter möchte Andreas auch reden.
Mit ein paar Tarnzaubern auf sich – um seine roten Augen zu verbergen – unterhält sich Sir Quintus mit dem jungen Mann. Dabei erklärt er ihm, sein Onkel habe die Gegend schon im Jahr 1182 mit seiner Familie verlassen. Seitdem habe ihn niemand mehr gesehen. Andreas bekundet auch gegenüber Quintus seine feste Absicht, seinen diabolischen Verwandten aufzuspüren. Aber auch seine weiteren Erkundigungen in Secundus ergeben nichts Neues.
Schließlich kommt auch Gerbert selbst an. Er unterhält sich freundlich mit Henry und Llwellyn, auch Padraig wird ihm vorgestellt. Aber der Kirchenmann bleibt nicht lang: Wichtige Geschäfte führen ihn zu der christlichen Gemeinde nach Damaskus. Bevor er jedoch aufbricht, bittet er Henry, einmal bei der nahen Burg Krak d`Aureaux nach dem Rechten zu schauen: Dort gehen seltsame Dinge vor. Die Leute leiden unter bösen Alpträumen, und es scheint zuviele Katzen zu geben. Henry willigt ein, dorthin zu ziehen. Begleitet wird er von Llwellyn, Dáirine und Olf. Gerbert gibt ihm noch einen Empfehlungsbrief an den Burgherrn Sieur Philippe mit.
Auf Krak d´Aureaux angekommen, stellen Llwellyn und die anderen zunächst fest, daß die Burg und vor allem das kleine vorgelagerte Dorf ein wenig vernachlässigt wirken. Zunächst wenden sie sich zu der Burg, um bei Sieur Philippe vorstellig zu werden. Dabei lernen sie zwei andere Gäste auf Krak d´Aureaux kennen: Sir Lucien d´Arrak, der ein hermetischer Magier aus dem Haus Jerbiton ist und eigentlich Lucianus heißt, und Sir Coinneach, ein irischer Ritter aus Galway.
Der Burgherr ist ein älterer Mann, der vor kurzem zum zweiten Mal geheiratet hat. Die schöne Christine ist deutlich jünger als er und scheint großen Einfluß auf ihren Ehemann zu haben. So ist sie auch dabei, als Sieur Philippe Henry die Probleme der Gegend erörtert: Vor einem Jahr, kurz nach dem Tod seiner ersten Frau Jeanette, fingen die Leute in der Burg und im Dorf an, unter üblen Alpträumen zu leiden. Dies führte bei manchen soweit, daß sie nur die nötigste Habe einpackten – manche nicht einmal das – und aus ihrer Heimat flohen. Außerdem gibt es hier sehr viele Katzen, die überall herumschleichen.
Während sich Henry mit dem Burgherrn unterhält, lernen die anderen in der Küche die Köchin Bertha kennen. Sie ist eine fröhliche runde Frau, schon etwas älter, und stammt aus Bayern. Besonders über Olfs gesunden Appetit freut sie sich sehr. Aber der Grog scheint Probleme zu haben: So fängt er an, heftig zu niesen und zu schniefen, wenn sich eine Katze in der Nähe befindet. Augenscheinlich reagiert er allergisch auf diese Tiere…
Nachdem sie sich ein wenig in der Burg umgesehen haben, gehen Dáirine, Llwellyn, Henry und Olf in Begleitung von Sir Coinneach ins Dorf. Dort stellen sie fest, daß die Einwohner alle ziemlich verängstigt zu sein scheinen und den bewaffneten Fremden gegenüber sehr mißtrauisch sind. So haben sie ein wenig Schwierigkeiten, in der Dorfschenke Einlaß zu finden – die magere Wirtin ist sehr abweisend.
Auch im Dorf gibt es sehr viele Katzen, die vor allem den beiden Magiern gern um die Beine streichen. Bei verschiedenen Gelegenheiten werden dann sowohl Llwellyn und Dáirine gekratzt, wobei ein wenig Blut fließt. Llwellyn wirkt bei der ersten Möglichkeit einen Zauber auf sich, der eine eventuell entstandene arkane Verbindung zerstört.
Schließlich kommt der Abend heran, an dem alle zum Essen mit Sieur Philippe und seiner Frau geladen sind. Dabei lernen sie auch seine Tochter Eloise kennen, ein junges, sehr gebildetes Mädchen von großer Schönheit und Unschuld. Vor allem Lucianus ist an ihr interessiert, aber sie hat an diesem Abend nur Augen für Henry. Der jedoch bleibt schweigsam und unbeeindruckt wie immer.
Nach dem Abendessen rät Llwellyn Dáirine, den selben Zauber anzuwenden wie er zuvor: Möglicherweise wird das Blut, das an den Krallen der Katze haften geblieben ist, noch gegen sie verwendet werden. Dáirine hält das für eine gute Idee und beginnt, den Spruch von der entsprechenden Schriftrolle abzulesen. Dabei geht jedoch etwas schief: Kaum hat sie den Zauber vollendet, bricht sie ohnmächtig zusammen. Als sie wieder zu sich kommt, ist sie ein wenig desorientiert, aber es scheint ihr zunächst gut zu gehen. Beruhigt geht Llwellyn danach schlafen.
Aber kurz darauf schleicht sich Dáirine aus ihrem Gemach heraus, um die Köchin Bertha aufzusuchen. Lucianus, der noch unterwegs ist, sieht sie zufällig und beschließt, ihr zu folgen. Das Gespräch, das er nun zwischen der rothaarigen Magierin und der Köchin belauscht, ist ein wenig merkwürdig: Die beiden scheinen sich diebisch über irgend etwas zu freuen, sprechen davon, auch Eloise einzuweihen und die „Zeremonie“ so bald wie möglich durchzuführen. Plötzlich jedoch bemerken die beiden Frauen ihn. Lucianus flüchtet, wird aber vor Henrys Zimmer von Dáirine gestellt, die ihn beschuldigt, sie belauscht zu haben. Er streitet alles ab, auch als Henry – von dem Lärm auf dem Gang geweckt – hinzukommt. Nach einer erregten Diskussion ziehen sich schließlich alle wieder zurück und legen sich schlafen.
Am nächsten Morgen gibt es ein gemeinsames Frühstück der hochgestellten Persönlichkeiten: Sieur Philippe mit Frau und Tochter, Henry, Lucianus, Sir Coinneach und Dáirine als Frau eines Ritters sind anwesend. Llwellyn und Olf frühstücken in der Küche. Dabei bietet Bertha beiden einen Krug Milch an, den der mißtrauische Magier dann aber doch lieber Olf überläßt.
Nach dem Frühstück zieht sich Dáirine mit Eloise zum Sticken zurück, Olf wird hinterhergeschickt, um auf sie aufzupassen. Llwellyn, Henry, Lucianus und Sir Coinneach wollen sich noch einmal im Dorf umschauen. Dort kommt ihnen auf der Hauptstraße die magere Wirtin der Dorfschenke entgegen und möchte unbedingt mit Llwellyn sprechen. Als die beiden allein sind, gibt sie sich ihm als seine Nichte Dáirine zu erkennen. Offenbar ist der Spruch gestern sehr viel übler fehlgeschlagen als zunächst vermutet: Als Dáirine zu sich kam, befand sie sich im Körper der Wirtin Centaine. Ihr eigener Körper wird jetzt wohl von dieser Frau kontrolliert.
Als Lucianus und Sir Coinneach davon erfahren, laufen sie sofort zurück zur Burg, müssen dort aber feststellen, daß weder „Dáirine“ noch Eloise noch im Solarium sind, wo sich sticken wollten. Auch Olf ist verschwunden. Eine gründliche Suche ergibt nichts weiteres – die beiden Frauen sind nicht aufzufinden.
Draußen gibt es mittlerweile ein anderes Problem: Dáirine läuft plötzlich in Richtung eines kleinen Wäldchens los – ihr Körper bewegt sich jedoch ohne ihr Zutun und gegen ihren Willen. Llwellyn und Henry folgen ihr besorgt, halten sie aber zunächst nicht auf. Schließlich erreichen sie das Wäldchen. Dáirine hat keine Schwierigkeiten, sich durch das Unterholz zu bewegen, aber Llwellyn und Henry kommen nicht so einfach voran. Immer wieder müssen sie durch Dornengesträuch klettern oder sich durch wirre Zweige kämpfen. Schließlich reicht es Llwellyn: Entnervt schleudert er einen Feuerspruch auf die behindernden Zweige. Das erweist jedoch als schwerer Fehler: Die Äste fangen begierig Feuer und beginnen sofort, lichterloh zu brennen. Die Flammen greifen unnatürlich schnell um sich, sodaß Llwellyn und Henry aus dem Wäldchen fliehen müssen. Dabei verliert der Magier seine Tasche, in der sich das Vis, die Schriftrollen und die Gegenstände, die er für seine Formelsprüche braucht, befunden haben. Außerhalb der Bäume sehen die beiden Männer entsetzt, daß der ganze Wald lichterloh brennt – und Dáirine befindet sich augenscheinlich noch darinnen!
Mittlerweile haben Lucianus und Sir Coinneach auf der Burg den Waldbrand auch bemerkt und eilen zu den beiden anderen. Nachdem das Feuer sich ausgebrannt hat, versucht Lucianus herauszufinden, ob sich irgendwo eine Leiche zwischen den schwelenden Baumstümpfen befindet, aber er kann nichts entdecken. Da er jedoch eine besondere Empfindlichkeit für infernale Auren hat, die sich durch Kopfschmerzen und Übelkeit bemerkbar macht, stellt er fest, daß hier teuflische Mächte gewirkt haben. So ist es immerhin denkbar, daß sich Dáirine in einer infernalen Regio befindet.
Um so etwas ausfindig zu machen, folgt Lucianus seinem Gefühl: Immer dorthin, wo seine Übelkeit zunimmt und seine Kopfschmerzen bohrender werden, führt er die anderen. Und tatsächlich: Als er einen Baum umrundet, verschwindet er. Dank Henrys schneller Reflexe können die anderen ihm folgen.
In der Regio steht der Wald noch: Hohe, schweigende schwarze Riesen ohne Blätter, die kein Licht durch ihr Astgewirr dringen lassen. Von den zitternden Zweigen scheint ein böses Flüstern auszugehen, und es riecht nach totem, fauligem Holz. Wieder folgen die Männer Lucianus´ Gefühl, bis sie schließlich das Zentrum der Regio erreichen.
Dort sehen sie einen hohen Hügel, auf dem zwei Altarsteine aufragen. Auf beiden liegt eine nackte, menschliche Gestalt: Dáirine und die Wirtin Centaine. Zwischen den beiden Steinen schwebt eine düster leuchtende schwarze Kugel in der Luft, aus der schwarz glühende Stränge zu Dáirine und Centaine führen. Außerdem sind noch zwei andere nackte Frauen anwesend: Die Köchin Bertha und die junge Eloise. Beide tanzen gemessen um die Steine herum. Etwas außerhalb dieses Kreises steht Olf, ebenfalls nackt. Er scheint sich unter einer Art Bann zu befinden. Die Hänge des Hügels wimmeln von lauter Katzen, die die Eindringlinge böse anfauchen. Der Himmel über ihnen ist voll von rötlich-schwarzen Wolken, die eine träge Spirale bilden.
Während Llwellyn beginnt, einen Spruch zu wirken, und Henry bei ihm bleibt, um ihn gegebenenfalls zu verteidigen, dringen Lucianus und Sir Coinneach auf den Hexenhügel vor. Mit einem konzentrierten Wasserstrahl fegt Lucianus die meisten der Katzen vor sich weg, während der irische Ritter sich bemüht, ihm den Rücken freizuhalten. Während sie sich noch emporkämpfen, erscheinen über der Kugel zwei geisterhafte Gestalten, die sich zu bekämpfen scheinen: Dáirine und Centaine. Bevor Lucianus und Coinneach jedoch den Gipfel des Hügels erreichen, hat Llwellyn seinen Spruch beendet. Von der Anstrengung völlig ausgelaugt, bricht er zusammen, aber der Zauber wirkt und zerschmettert die schwarz leuchtende Kugel. Die Schemen von Dáirine und der Wirtin verschwinden wie ausgelöscht. Statt dessen gibt die zerberstende Kugel etwas anderes frei: Den Geist einer schönen Frau, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Eloise hat und sich lachend über ihre neue Freiheit freut. Auch sie leuchtet in demselben kranken schwarzen Licht wie zuvor ihr Gefängnis, und auch sie kann düstere Stränge aus diesem Glühen bilden, die sich zunächst über den ganzen Hügel zerfasern und jede der Katzen berühren. Die berührten Tiere krümmen sich zusammen und altern rasend schnell, bis schließlich nichts von ihnen bleibt als bleiche Skelette. Als nächstes heften sich die Stränge an Bertha, Eloise und Olf.
Da aber sind Lucianus und Sir Coinneach heran. Während sich der Ritter um die Hexen kümmert, lenkt der Magier seinen Wasserstrahl auf den Geist der Frau. Dies scheint sie wirklich zu stören und so wendet sie ihr Hauptaugenmerk auf Lucianus: Gleich zwei der Tentakel schießen auf ihn zu.
Auch Henry kommt jetzt hinzu, wird aber von einem der Stränge erwischt. Dieser beginnt sofort, ihm Lebensenergie zu entziehen, sodaß der Kämpfer wehrlos zusammenbricht. Dafür jedoch kommt jetzt Olf frei, dem der Kontakt mit dem Strang nichts ausgemacht zu haben scheint. Er stürmt zu seiner großen Axt und beginnt, kräftig auf die Kugelscherben einzuhauen. Dies scheint eine gewisse Wirkung zu haben: Der Hexengeist wird schwächer.
Dennoch vermag sie ihre Aufmerksamkeit nicht von Lucianus abzuwenden, dem es bisher gelungen ist, ihren Tentakeln auszuweichen und sie von sich fernzuhalten. Jetzt, da er ihre Schwäche spürt, attackiert auch er die Kugelscherben und vernichtet sie durch mehrere Zauber. Schon bevor das letzte Stäubchen davon vernichtet ist, verschwindet der Geist mit einem letzten Wehklagen.
Selbst sehr erschöpft, schaut Lucianus zunächst nach den beiden Frauen auf den Altarsteinen. Centaines Körper ist entsetzlich verdreht, als hätte man das Innerste nach außen gekehrt. Das schlimmste daran ist, daß sie noch lebt und leise wimmernde Laute von sich gibt. Sir Coinneach macht ihrem Elend mit seinem Schwert ein Ende. Dáirines Körper scheint es gut zu gehen, aber sie ist nicht bei Bewußtsein. Erst ein paar Minuten später erwacht sie wieder – die Vernichtung der Kugel hat sie durch die infernale Regio ins Zwielicht geworfen. Auf ihren Unterarmen haben sich seltsame Narbenmuster gebildet, und sie fühlt sich ein wenig merkwürdig.
Als Sir Coinneach nach Henry sieht, muß er feststellen, daß der englische Kämpfer entsetzlich gealtert ist – über ein Dutzend Jahre älter scheint er nun zu sein.
Schließlich kommt auch Llwellyn wieder zu sich und ist recht entsetzt, seinen Leibgrog als alten Mann zu sehen. Auch das Zwielichterlebnis seiner Nichte erscheint ihm Anlaß zum Mißtrauen – wer weiß, was sie aus dem Zwielicht mit sich gebracht hat? Olf ist ebenfalls verdächtig: Zunächst stand er in der Macht der Hexen, und zudem hat ihm die Begegnung mit dem Tentakel des Geistes nicht mehr eingetragen als eine weiße Strähne im Bart. Der Magier beschließt, alle drei nicht in den Bund zu lassen, bevor sie nicht mit den Salomonitern gesprochen haben. Lucianus und Sir Coinneach haben daran kein Interesse – sie kehren nach Krak d´Aureaux zurück, um dort Sieur Philippe vom Tod seiner Tochter zu erzählen…

*

Bei der Rückkehr zum Bund läßt Llwellyn zunächst Brendan of Lydney zur Karawanserei rufen: Er weiß nicht genau, was mit seiner Nichte, Henry und Olf geschehen ist. Er fürchtet, daß etwas von dem dämonischen Einfluß zurückgeblieben sein könnte. Brendan jedoch kann ihn beruhigen: Die Grogs unterliegen keinerlei infernalem Einfluß, und die seltsamen Markierungen auf Dáirines Unterarmen sind nicht viel mehr als Zeichen ihrer Reise ins Zwielicht. Allerdings sind sie in der Schrift angebracht, die Dämonen und ihre Beschwörer verwenden. Daher beschließt Dáirine, sie mit Vis permanent zu heilen. Tatsächlich verblassen sie nach diesem Spruch und sind nicht mehr zu sehen.

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Marganma

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